RAW-Support am Smartphone erklärt

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Nicht nur die aktuellen Nokia Lumia Flaggschiffe wie etwa das Lumia 1520 sind mit der Unterstützung für das Rohdatenbildformat ausgestattet, auch Android wird in näherer Zukunft mit RAW-Support ausgestattet sein. Doch was heißt das für den Anwender? Das möchte ich euch in diesem Artikel kurz erklären, den ihr aber gerne überspringen könnt, wenn ihr firm mit der Materie seid.

Shoot Raw!

Seit ich eine DSLR besitze fotografiere ich im RAW-Modus, also in einem Modus der Kamera, welcher die Rohdaten des Fotos abspeichert. Das bedeutet, dass einfach alle Informationen unverändert abgespeichert werden, welche vom Sensor der Kamera kommen.  Im Gegensatz zu dem bekannten Bildformat JPG, wo zum Beispiel nur 256 Helligkeitsabstufungen abgespeichert werden, sind es beim Rohdatenformat deutlich mehr, nämlich zwischen 1.024 bis 16.384 je nach dem, was der Sensor kann. Fotografiert man im wohl verbreitetsten Bildformat JPG (oder auch JPEG), überlasst ihr das „Entwickeln“ des Fotos der Interpretation der Kamera, welche dann zum Beispiel über Sättigung oder Belichtungskorrekturen selbst entscheidet.

Ihr seht also, es bietet durchaus Vorteile, wenn man Bilder im Rohdatenformat aufnimmt, denn mit dieser Fülle an Bildinformationen lassen sich Fotos auch besser manipulieren, zum Beispiel mit Photoshop oder GIMP.  Nun hat aber dieses Format nicht nur positive Seiten, sondern auch ein paar Nachteile. Natürlich möchte ich euch diese nicht vorenthalten, sondern euch danach auch noch sagen, warum ich es dennoch bevorzuge, RAW zu fotografieren.

Der wohl größte Nachteil, insbesondere für den Smartphone-Fotograf ist, dass man Rohdatenformate nur mit entsprechenden Bildbetrachtern angucken kann. Das heißt im Zweifelsfall, dass man ein geschossenes Foto zwar selbst auf seinem Gerät ansehen kann, aber wenn man das Bild dann Teilen möchte, sieht der Empfänger nichts. Deswegen gibt es an den meisten Kameras und so auch zum Beispiel am Lumia 1520 eine Funktion, welche zusätzlich zum Rohdatenbild auch noch ein JPG mit abspeichert. Das macht diesen Nachteil wieder wett.  Ein weiteres Manko ist der fehlende Standard. Bisher behandelt jeder Hersteller das Rohdatenformat, wie er möchte und so tummeln sich allerlei Dateiformate innerhalb des RAW-Begriffes. Das reicht von Nikons *.NEF über Canons *.CR2 bis hin zu Adobes *.DNG und vielen weiteren, wie etwa *.TIFF. Der Unterschied liegt insbesondere hierbei darin, wie gut diese Formate dokumentiert worden sind und inwieweit der Quellcode dafür offen liegt. Moderne Konvertierungsprogramme, wie etwa Adobe Lightroom oder das kostenlose LightZone können bisher mit jedem dieser Dateiformate umgehen.

Bei Nokia hat man sich beispielsweise für das Adobe Systems Digital Negative entschieden, kurz DNG. Das ist ein Dateiformat, in welches ich auch meine DSLR-Bilder beim Import in Adobe Lightroom konvertieren lasse. Letztendlich kann es dem Anwender meistens egal sein, welches Dateiformat die Kamera ausspuckt, was auch dieses Manko, zumindest für die meisten unter euch erledigt.

Der entscheidende Nachteil für den Smartphone-Fotografen dürfte aber der Speicherbedarf sein. Während ein JPG auf meinem Lumia 1520 mit runden 2 MB auf den internen Speicher schlägt, verbraucht das dazugehörige DNG mal locker 23 MB. Summiert man das auf, so wird schnell der Speicher knapp. Zwar habe ich mit dem Lumia 1520 und seinen 32 GB internen Speicher und der Möglichkeit zur Speichererweiterung durch SD-Karte noch keine Grenze erreicht, aber ich gehe dennoch einmal die Woche drüber und lösche unnötige DNG’s. Denke ich da an ein 16 GB Nexus 5 ohne Speicherslot, würde ich mir da sehr genau überlegen, ob ich immer in RAW fotografiere oder dieses Feature nur selektiv nutze. Aber das muss jeder selbst wissen. Einhergehend mit dem Speicherbedarf ist die Bildgeschwindigkeit. Das Abspeichern vieler Bildinformationen dauert einfach etwas und somit vergrößert sich die Zeit zwischen den Aufnahmen.

Nun haben wir mal die meisten Mankos aber auch einige Vorteile gesehen und der Grund warum ich dennoch immer RAW fotografiere, sofern möglich, ist ein einfacher. Ich habe zum einen genug Speicher sowohl mit dem Lumia 1520 als auch mit meiner DSLR. Dazu kommt, dass ich Bilder, welche ich nicht nur mit Mama oder Frau teilen, sondern richtig präsentieren möchte, meistens eh vom PC aus bei der Plattform meiner Wahl hochlade. Insbesondere der HDR-Modus der Lumia-Geräte erfordert das „stacken“ der Einzelbilder am PC und so importiere ich in 90% meiner Anwendungsfälle sowieso meine Smartphonebilder in die entsprechende Software am PC. Genau das ist es, was es mich kostet, um dafür das Mehr an Bildinformationen zur Manipulation zur Verfügung zu haben. Selbst wenn es nur ein wenig mehr Schärfe sein soll, das ist es mir allemal wert. Damit ihr seht was ich meine, habe ich hier ein und dasselbe Bild. Das JPG, nachbearbeitet direkt am Lumia mit Nokias „Kreativstudio“ und dann das JPG, welches ich aus dem DNG in Lightroom erstellt habe.

JPG-Bild welches aus der RAW-Datei am PC erstellt wurde. Originalgröße

JPG-Bild, welches aus der RAW-Datei am PC erstellt wurde. Originalgröße

Normales JPG-Bild der Kamera wurde vom Smartphone

JPG-Bild der Kamera wurde vom Smartphone „bearbeitet“. Originalgröße

Download der RAW-Datei des obigen Bildes →

Der Unterscheid mag bei diesen Bildern nicht sehr deutlich ausfallen, aber bei Portraits, verrauschten Bildern und spätestens bei HDR werdet ihr den Unterschied deutlich sehen. Wie wichtig viele Bilddetails in der Nachbearbeitung sind, könnt ihr auch in diesem bebilderten Beitrag nachgucken.

Was zählt ist, was ihr daraus macht!

Bevor ihr nun mit eurem Lumia loszieht und mit einem großen „RAWR!“ (Pulitzerpreisverdächtiges Wortspiel, oder? :D) durch die Natur springt, empfehle ich euch, den Wikipedia-Artikel zum Thema noch mal in Ruhe zu genießen.  Die Wahl zwischen Rohdatenbildformat und anderen Bildformaten wie JPG obliegt euch und hängt meiner Meinung nach mit dem Einsatzzweck zusammen. Macht ihr hauptsächlich Schnappschüsse, Instagram-Essensbilder oder dergleichen, seid ihr wohl eher selten darauf angewiesen, möglichst viele Bildinformationen zur Nachbearbeitung verfügbar zu haben. Kauft ihr euch aber aktuelle Kameramonster-Smartphones, weil ihr bewusster fotografieren wollt und müsst dann öfter mal falsche Belichtung korrigieren oder Rauschen entfernen um ein Foto noch besser zu machen, kommt euch der Support für RAW genau recht.

Ich für meinen Teil bin dankbar für die Chance, ein Foto nachbearbeiten zu können, ohne dass es dabei immer schlimmer aussieht. Insbesondere, wenn ein Foto durch die derzeit wirklich starke Kameratechnik sogar in Smartphones schon toll aussieht, kann ich mit den Rohdaten nochmal etwas mehr herausholen. Ich freue mich, wenn auch aktuelle Androiden in den Genuss dieses Features kommen, denn auch auf dieser Seite des Marktes gibt es ausgezeichnete Kameras, wie etwa im Xperia Z1.

Was ihr letztendlich aus diesem Feature macht und ob ihr es überhaupt benutzt, bleibt völlig euch überlassen. Aber vielleicht konnte ich euch mit diesem Artikel ein wenig genauer zeigen, warum sich viele Anwender über dieses Feature freuen. Natürlich kenne ich auch die andere Seite. Es gibt genug Stimmen, die sagen: „Wer gleich richtig fotografiert und sich richtig auf das Foto konzentriert, braucht nicht nachbearbeiten“. Auch hier gilt, entscheidend ist, was ihr für euch als richtig erachtet.

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