Rovio Entertainment im Höhenflug (Kommentar)

Angry Birds ist das Kultspiel einer sehr wichtigen Epoche: Dem Aufstieg Smartphones. Ich kann mich noch gut an die erste Version erinnern, welche ich nach Weihnachten 2009 auf meinem iPod Touch gespielt habe und die gerade mal knapp über 60 Level besaß. Seit dem hat sich einiges verändert bei Rovio, stand man damals noch kurz vor der Pleite, ist man heute ein börsennotiertes Unternehmen mit einem geschätzten Wert von über einer Milliarde Dollar. Schuld daran ist ein einziges Spiel mit bunten Vögeln und grünen Schweinen, welches der heutigen Jungend wahrscheinlich ein größerer Begriff als Super Mario ist und genau zur richtigen Zeit mit einem revolutionären Geschäftsmodell auf den Markt gekommen ist. Ein kleiner Preis zum Einstieg und kostenlose Level in unregelmäßigen Abständen sorgten für eine konstant hohe Position und positive Bewertungen im App Store.

Heute heißt das finnische Unternehmen übrigens ganz offiziell Rovio Entertainment Ltd., dieser Name löste Rovio Mobile nach dem Börsengang im letzten Jahr ab. Von 2003 bis 2005 hieß das Unternehmen mit Fokus auf den mobilen Spielemarkt übrigens Relude und vor Angry Birds sorgte es mit mobilen Umsetzungen von Burnout oder Need For Speed für Aufmerksamkeit. Rovio Mobile hat übrigens auch das für Nokia-Handys exklusive und sehr beliebte Spiel Bounce entwickelt und den Finnen damals auch Angry Birds angeboten. Nokia lehnte allerdings ab und so entschied sich Rovio für iOS als erste Plattform. Aus der heutigen Sicht natürlich die beste Absage, die sie jemals bekommen haben. Nach iOS folgte webOS und anschließend Android, heute ist das Spiel auf fast allen Oberflächen daheim. Die wichtigsten Plattformen bei neuen Teilen sind aber immer noch iOS und Android.

Das Milliardenunternehmen

Diese Überschrift für den Absatz wähle ich nicht zufällig, denn vor knapp einem Jahr gab es hier auf mobiFlip von mit den Artikel „Angry Birds – Eine Erfolgsgeschichte„, den ich ehrlich gesagt schon vergessen und eben bei der Recherche zu diesem Artikel wieder entdeckt habe. Schon damals hat sich angedeutet, dass Rovio die Polularität der Markennamen ausnutzen und mehrere Merchandising-Produkte auf den Markt bringen wird, heute findet man die Plüschfiguren sogar in einem großen deutschen Elektronikmarkt an der Kasse. Angry Birds sells. Anfang 2011 hatte man in Finnland noch 28 Mitarbeiter, im letzten Jahr hat man die Zahl auf 224 erhöht. Der Umsatz liegt bei 75,4 Millionen Euro, der Gewinn beträgt für das letzte Jahr 48 Millionen Euro. 30 Prozent des Umsatzes kommen übrigens von den Merchandising-Produkten und Lizenzzahlungen. Bei letzterem hat Rovio mittlerweile über 200 offizielle Partner in mehreren Brachen, die neue Produkte entwickeln und diese mit dem Markennamen „Angry Birds“ verkaufen.

Rovio Entertainment Ltd. steht für eine sehr interessante Zeit und mit der Entwicklung für Smartphones hat man Ende 2009 genau den richtigen Zeitpunkt für die Veröffentlichung von Angry Birds getroffen. Das Geschäftsmodell ist allerdings auch für den gigantischen Erfolg verantwortlich, denn neue und vor allem auch kostenlose Updates sorgten für ein bestehendes Interesse der Spieler. Normalerweise spielte man einen kurzweiligen Titel durch und legte ihn dann irgendwo ab, beziehungsweise löschte ihn vielleicht sogar wieder von seinem Gerät. Bei Angry Birds war das anders, nicht nur das Spielprinzip konnte überzeugen, auch die ständig neuen Welten und Extras sorgten für positive Bewertungen im App Store. Rovio hat Angry Birds noch nie als ein abgeschlossenes Produkt gesehen und das war damals revolitonär in dieser Branche. Bis heute wurde, fasst man alles Teile der Serie auf allen möglichen Plattformen zusammen, Angry Birds über 648 Millionen Mal runtergeladen. Schaut man sich die aktuelle Entwicklung von Angry Birds Space an, dann sollte die Milliarde auch bald geknackt sein.

Die Zukunft der bunten Vögel

Und für 2012 hat man große Pläne, mit der Hilfe von vier neuen Teilen der Serie will man auf jeden Fall die Hürde von 2 Milliarden Downloads knacken. Es ist der optimale Zeitpunkt für solche Ambitionen, denn kein anderer Markt wächst so schnell und hat noch so viel Potential, wie der Markt der Smartphones und Tablets. Doch während das Spiel selbst natürlich weiterhin im Mittelpunkt steht, hat sich mit dem Markt für Merchandising ein ganz neuer und äußerst lukrativer Markt geöffnet, den Rovio natürlich auch noch mitnehmen wird. Das aktuelle Wachstum bestätigt jedenfalls, dass man bei Rovio alles richtig gemacht hat, auch wenn die Kritik in den letzten Wochen natürlich immer lauter wird. Fans, die schon lange dabei sind, wollen neue Herausforderungen und auch mal ein neues Spiel von Rovio sehen.

„The strong growth in revenue clearly demonstrates the popularity of the Angry Birds brand.” Mikael Hed, Rovio CEO said. “The heavy investments made in 2011 to all business areas will be seen in future products. To ensure continuous success we need to be creative and stay focused on entertaining our millions of fans by continuously developing new and innovative products and services.“

Aber wie heißt es so schön: Never change a winning team. Rovio sollte sich zwar Gedanken machen, was nach Angry Birds kommt, in diesem Jahr scheinen die Zeichen aber weiterhin auf Erfolg zu stehen und mit vier neuen Teilen und zahlreichen Updates für die aktuellen Spiele wird man das Spielprinzip aber in absehbarer Zeit satt haben. Einigen geht es schon jetzt so, weitere werden in der Zukunft folgen. Der Zyklus muss geändert werden, damit die Leute auch wieder Phasen haben, in denen es keine Neuigkeiten von Angry Birds gibt. Aber noch befinden wir uns in einer Phase, in der eine Menge Potential da ist und dieses wird man bei Rovio auch nutzen. Die Zahl der aktiven Spieler im Monat beträgt übrigens 200 Millionen, was ebenfalls unglaublich ist und dank neuen Bezahlmethoden wie In-App-Käufen sorgen diese sicherlich auch für einen regelmäßigen und guten Umsatz.

Angry Birds ist das Super Mario von heute, diese Aussage trifft es glaube ich ganz gut. Nicht umsonst wünscht sich Shigeru Miyamoto, Spieledesigner bei Nintendo und Vater von Klassikern wie Super Mario, Donkey Kong oder Zelda, dass die bunten Vögel und grünen Schweine aus seiner Feder stammen würden. Ob CEO Vesterbacka auch heute noch Fragen von Spielern auf Twitter beantwortet bezweifele ich, aber er gibt einem das Gefühl auf dem Boden geblieben zu sein und in einem Gespräch (~1 Minute) auf der Nokia World 2011 hatte ich auch das kurze Vergnügen ihm die Hand zu schütteln. 2011 war ein großartiges Jahr für Rovio Entertainment Ltd. und alles spricht dafür, dass man das 2012 toppen wird. Ich bin gespannt, wie es in einem Jahr aussieht und wie sich Angry Birds als Marke entwickeln wird. Was denkt ihr, wie lange wird der Höhenflug von Angry Birds noch andauern?

quellen rovio hookshot

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