Testbericht: HTC Wildfire S

Der Alu-Winzling HTC Wildfire S liegt nun eine bereits eine Weile bei mir auf dem Schreibtisch und musste sich in den verschiedensten Situationen bewähren. Nachdem ich vom Vorgänger ziemlich enttäuscht war, da ich selbst bei einem Einsteigergerät eine mickrige QVGA-Auflösung nicht akzeptieren möchte, schaut das beim Wildfire S schon anders aus. Zwar hat HTC hier auch „nur“ ein Display mit HVGA-Auflösung (480 x 320 Pixel) verbaut, da der Screen aber nicht sehr groß ist und der Prozessor nicht ganz so leistungsstark, ist dies für Geräte solch einer Preisklasse wohl die beste Lösung.

Doch was taugt ein kompaktes Android-Smartphone, welches man bei Amazon derzeit für unter 250 Euro bekommt? Die Zielgruppe sind sicher nicht die High-End-Fans und Nerds, sondern Nutzer, die ein wirklich kompaktes Gerät wollen bzw. benötigen. Für um die 70 € mehr kann man sich auch schon ein Samsung Galaxy S kaufen, nur wer keine 4 Zoll in der Hosentasche mag, dem bringt das nicht viel. Darum schaue ich wie immer rein subjektiv mal etwas genauer hin.

Technische Daten

  • Android 2.3.3 mit HTC Sense 2.1
  • 8,6 cm (3,2 Zoll) kapazitiver Touchscreen mit 480 x 320 Pixeln (HVGA)
  • 600 MHz Prozessor
  • 1230 mAh Lithium-Ionen-Akku
  • 3G bis zu 7,2 Mbit/s für Download, bis zu 384 kbps für Upload
  • 512 MB ROM und 512 MB RAM
  • 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus und LED-Blitz
  • 3,5-mm-Audioanschluss, Standard Micro-USB-Anschlus
  • Bluetooth 3.0, A2DP für kabellose Stereo-Headset, PBAP für Telefonbuchzugriff mit Car Kit
  • 105 g mit Akku

Promo-Video

Natürlich hat auch das HTC Wildfire S einen offiziellen Promo-Clip.

Erster Eindruck

Wie sagt man so schön, der erste Eindruck zählt und bei dem kann das HTC Wildfire S genau wie sein großer Kollege HTC Desire S durchaus punkten. Im Gegensatz zum Vorgänger fühlt sich das Gerät sehr wertig an, was in erster Linie an dem Alu-Gehäuse liegt. Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, habe ich die weiße Version, welche wirklich sehr schick ist.

Um eines gleich vorweg zu sagen, das HTC Wildfire S wäre für mich persönlich nichts, das ist aber alleinig ein Ziegruppending. Ich hatte ein Milestone, ein Desire, ein Milestone 2, jetzt ein Nexus S und hier vor mir gerade liegen ein Samsung Galaxy S II und HTC Sensation, ist man solche Geräteklassen gewohnt, fällt es sicherlich schwer zurückzukehren, zu etwas Kompakterem.

Dies ist aber keinesfalls ein Nachteil für das HTC Wildfire S, denn kaum habe ich das gute Stück meiner Freundin in die Hand gedrückt, war sie sofort begeistert von Form und Optik. Wie so oft ist es also Zielgruppenabhängig und das ist auch gut so. Es zeigt sich also schnell, dass das Wildfire S das perfekte Umsteiger-Gerät wäre. Wer jetzt noch ein Handy nutzt und sich keinen 4,x Zoll Klopper in die Hosentasche stecken mag, aber dennoch auf hochwertige Verarbeitung und Materiellen steht, wird von dem Winzling begeistert sein.

Hardware

Die Hardware macht, wie bereits erwähnt, rein von der Optik und vom Gefühl her einen super Eindruck, alles ist top verarbeitet, da gibt es einfach nichts dran auszusetzen. Die Innereien sind da schon differenzierter zu betrachten. Einen Patzer leistet sich HTC leider mal wieder bei der Kamera, aber dazu später noch etwas mehr. Die CPU hingegen leistet trotz ihrer 600 MHz eine solide Leistung.

Im Grunde ist beim Wildfire S einfach alles ein wenig kleiner. Egal ob die Sensortasten, die gut reagieren, oder der 3,2 Zoll Touchscreen, wer dicke Finger bzw. große Hände hat, wird es ein wenig schwerer mit dem Gerät haben.

An der Oberseite ist ein Power-Button sowie der Headset-Anschluss, auf der rechten Seite befindet sich nichts, auf der linken Seite gibt es eine große Wippe für die Lautstärke, sowie den microUSB-Anschluss und auf der Unterseite ist das Mikrofon. Der Lautsprecher, der durchaus annehmbar aber nicht überwältigend gut ist, befindet sich auf der Rückseite neben der Kamera. Die komplette Rückseite lässt sich entfernen und legt somit den Akku frei.

Kamera

Die Kamera ist ja bei HTC immer so ein Thema. Auch wenn das Desire S bereits eine etwas bessere Linse verbaut hat und auch das HTC Sensation in dieser Disziplin ganz gut abschneidet, so werden bei den Einsteigergeräte anscheinend immer noch billige Plastiklinsen verbaut.

Wenn man das Gerät als Gesamtpaket sieht und den Preis bedenkt, ist die Qualität durchaus okay, auf der anderen Seite bewirbt HTC extra die Social-Funktionen mit Foto-Sharing, was gerade bei mittelmäßigen Fotos nicht so viel Spaß macht. Aber ihr könnt euch ja anhand der Testaufnahmen selber ein Bild machen.

Testvideo Innenraum

Testvideo Außen

Testfotos

Direktlink zum Album

Software

HTC bügelt wie bei allen hauseigenen Smartphones über das vorinstallierte Android 2.3.3 die HTC Sense-Oberfläche in Version 2.1. HTC Sense ist wohl die umfangreichste und tiefgreifendste alternative Android-Oberfläche. Mir persönlich sagt sie von allen alternativen Oberflächen am meisten zu. Nicht nur, weil man optional diverse Designs auswählen kann, sondern auch weil die zusätzlichen Apps und Erweiterungen fast alle sehr gut umgesetzt sind. Diverse Details zu HTC Sense in der Version 2.1 findet ihr auch im Testbericht zum HTC Desire S.

Was mir persönlich nicht ganz so gut gefällt, ist die Verbindung mit dem Onlinedienst HTCSense.com. Diverse der vorinstallierten HTC-Apps möchten zwingend einen HTC-Account haben. Zwar ist der Webservice gut umgesetzt, dennoch sollte man den Nutzer hier nicht nötigen seine Daten auch noch bei HTC abzugeben. Ähnliches kennen wir von Motorolas MotoBlur.

Manche Dinge an Sense sind wirklich toll durchdacht, andere wiederum gefallen mir im täglichen Gebrauch nicht so sehr. Im Apps-Menü ist es für mich zum Beispiel ungewohnt, dass man nur stufenweise scrollen kann und nicht durchgehend. Dies sind aber Kleinigkeiten, welche sich auch mit einem alternativen Launcher beheben lassen würden.

Die Kontakte kann man aus seinen Google-Kontakten sowie weiteren Quellen zusammenführen und das Adressbuch schaut so aus, wie bei anderen HTC-Geräten. Im Android Market ist der Tab für die eigenen Anwendungen mit HTC beschriftet. Dahinter verbirgt sich eine Auswahl an Apps für HTC. Die eigenen Apps kann man über die Menütaste aufrufen.

Der Rest des System ist bereits von anderen Androiden bekannt und wurde nur optisch leicht von HTC angepasst.

Die technischen Daten lassen sich über die Systeminfos einsehen. Hier wird auch die aktuelle Softwareversion angezeigt.

Der Webbrowser läuft recht flott, wenn auch nicht so schnell wie bei Geräten mit 1GHz-Prozessor und mehr. Das Surfen macht auf 3,2 Zoll natürlich nicht so großen Spaß, um mal unterwegs etwas nachzuschauen reicht es aber vollkommen aus.

Die Kameraoberfläche wurde von HTC umfangreich angepasst, leider sind es so viele Optionen, dass die Schaltflächen  recht klein geraten sind. Könnte an meinen dicken Fingern liegen, aber für mich war die Kamera auf jeden Fall etwas fummelig zu bedienen.

HTC bietet diverse Hilfsprogramme an, mit dem sich Daten importieren lasse. Zudem kann man diverse Dinge in das bereits erwähnte HTCSense.com-Onlinekonto sichern. Der W-Lan-Hotspot ist auch an Bord und funktioniert ohne Probleme.

Und sonst noch?

Es gibt natürlich noch einige Dinge, welche ich jetzt nicht angesprochen habe. Ich teste ein Gerät in erster Linie nach den mir wichtigen Punkten. Daher hier noch weitere Infos zusammengefasst:

  • Das aGPS findet flink den Standort und die Google Maps Navigation läuft astrein.
  • Der Speaker ist wie bereits erwähnt in Ordnung, kratzt nicht aber scheppert etwas bei hoher Lautstärke.
  • Die Gesprächsqualität war im E-Plus-, Vodafone- und o2-Netz mittelmäßig, ein ganz leichtes Grundrauschen ist vorhanden.
  • Der Klang vom Headset ist super, aber leider sind die Ohrstöpsel wieder so groß und unbequem. In-Ear wäre mal schön.
  • NFC ist nicht vorhanden, was mangels praktischer Lösungen derzeit nicht stört.
  • System-Updates kommen OTA, welche genau folgen werden ist aber noch unklar.
  • Es verfügt über ein UKW-Radio.
  • Es hat keine Frontkamera.
  • Die Lautstärkenwippe hat einen klaren Druckpunkt
  • Die Akkulaufzeit geht in Ordnung. Bei meiner persönlichen Nutzung hielt es ca. 1,5 Tage durch.
  • Es gibt keinen optischen Joystick.
  • Eure Fragen in den Kommentaren…

Fazit

Ein Fazit zu geben, als jemand, der dauernd Oberklasse-Smartphones nutzt ist gar nicht so einfach, denn ihr könnt euch sicher vorstellen, dass dies schon ein heftiger Umstieg für mich war. Dennoch habe ich in der Vergangenheit andere Android-Einsteiger genauer angeschaut und bisher konnte keines mit der Qualität des Wildfire S mithalten. Wenn man das Gerät in die Hand nimmt, glaubt man erst gar nicht, dass es so günstig ist, da wie gesagt die Verarbeitung und Materialien erstklassig sind.

Es ist ein kleines Schmuckstück, welches in meinen Augen in direkter Konkurrenz zu diversen normalen Handys steht. Wer jetzt noch nicht auf ein Smartphone umgestiegen ist, kann das mit dem HTC Wildfire S bedenkenlos tun, um einfach mal in die Android-Welt zu schnuppern. Mir persönlich gefällt das, denn es gab bisher nicht viele günstige Android-Smartphones die nicht abschreckend gewirkt haben.

Es ist wohl perfekt für Frauen, für Liebhaber kompakter Geräte oder Sparfüchse. Mir hat es Spaß gemacht mit dem Gerät zu hantieren, was ich vorher nicht gedacht hätte. Wer also nicht unbedingt ein hochauflösendes Display benötigt und mit der bescheidenen Kamera klar kommt, der kann durchaus zugreifen. Pro-User und anspruchsvolle Nutzer, die maximale Power in einem Smartphone wünschen, sollten sich anderweitig umschauen.

HTC Wildfire S bei Amazon

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