Testbericht: HTC Desire S

Nachdem Oli und Mike bereits auf der diesjährigen CeBIT das HTC Desire S in den Fingern hatten, konnte ich mir das Gerät in den letzten Tagen etwas genauer anschauen. Ich habe durchaus hohe Erwartungen an das Smartphone, denn ich hatte bereits das HTC Desire und war mit diesem trotz kleinerer Schwachstellen sehr zufrieden.

HTC selbst bewirbt das Gerät mit „dünner, stärker und mit Videotelefonie„, ob das allerdings ausreicht, um nochmal so einen Erfolg wie beim Vorgänger einzufahren muss sich erst zeigen. Die Konkurrenz schläft nicht und verbaut teilweise bereits Dual-Core-Prozessoren.

Wie ich in der Vergangenheit bereits erwähnt habe, sehe ich für den normalen User derzeit keinen zwingenden Grund auf ein Dual-Core-Gerät zu setzen. Alleine dieser Satz wird aber ausreichen, damit in den Kommentaren die Dual-Core-Anhänger ihre Überzeugung kundtun. Es ist ein wenig Glaubens- und Überzeugungsfrage, denn auch wenn in der Theorie bei Dual-Core mehr Power bei längerer Akkulaufzeit bereitsteht, so äußert sich das in der Praxis so gut wie nie merkbar.

Wie sich das HTC Desire S nun im Alltag schlägt, welche Stärken und Schwächen es hat und ob es in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vorgängers treten kann, lest ihr in folgendem Test.

Technische Daten

  • 1 GHz Snapdragon MSM8255 Prozessor
  • Android 2.3.3 mit HTC Sense
  • 3,7 Zoll SuperLCD Touchscreen mit 800 x 480 Pixel Auflösung
  • RAM: 768 MB
  • Interner Speicher: 1,1 GB
  • 5 Megapixel Kamera mit Autofokus und LED-Blitz, 720p-Videoaufnahme
  • VGA-Frontkamera
  • microSD-Steckplatz
  • microUSB- und 3,5 mm Audioanschluss
  • G-Sensor, Digitaler Kompass, Näherungssensor, Umgebungslichtsensor
  • GPS und W-Lan 802.11b/g/n
  • 1450 mAh Lithium-Ionen-Akku
  • Gewicht mit Akku: 132 Gramm

Promo-Video

Natürlich hat auch das HTC Desire S einen offiziellen Promo-Clip.

Erster Eindruck

Der erste Eindruck war durchweg positiv. HTC versteht es einfach kompakte und wertige Geräte zu bauen. Während ich mein Nexus S noch gelobt habe, da es trotz Kunststoff nicht billig wirkt, spielt ein Alugehäuse nochmal in einer anderen Liga. HTC gibt ein Gewicht von 130 Gramm an, meine Küchenwaage weiß es besser und sagt mit Akku, SD- und SIM-Karte 132 Gramm, was dennoch nur 3 Gramm mehr als beim Nexus S sind. Also kompakt ist es, unheimlich kompakt sogar.

Überrascht war ich auch vom Display. Während mir beim SuperLCD-Screen vom HTC Desire HD noch etwas unwohl in der Magengegend wurde, hat HTC beim HTC Desire S (und auch beim Incredible S) ein besseres Stück Hardware verbaut. Die Pixeldichte ist ansprechender, was sicher auch an der kleineren Diagonale liegt, die Leuchtkraft und Schärfe ist auf jeden Fall sichtbar besser als beim Nexus One oder HTC Desire mit SuperLCD. Für mich persönlich ist ein 3,7 Zoll Touchscreen zwar größentechnisch die Untergrenze, dennoch lässt er sich problemlos bedienen.

Erster Eindruck also wertig, kompakt, leicht, ansprechend, passt!

Hardware

Wie bereits gesagt besteht das Gerät aus einem Alugehäuse, welches auf der Rückseite auf Höhe der Kamera und durch den Akkudeckel durch gummierten Kunststoff ergänzt wird. Auf der Vorderseite steht die breite Hörmuschel im Vordergrund, welche auf der rechten Seite von einer VGA-Frontkamera ergänzt wird. Auf der Oberseite befindet sich links der 3,5 mm Audioanschluss und rechts die Powertaste.

Auf der rechten Seite sind keine Tasten oder Anschlüsse zu finden, hier hätte eine Kamerataste sicher nicht  weh getan. Auf der linken Seite befindet sich eine große Wippe zum Regeln der Lautstärke und der microUSB-Anschluss. Da beim HTC Desire der ersten Generation der microUSB-Anschluss noch unten war, kann man seine alte Dockingstation leider nicht mehr nutzen.

Den Akku und die SIM- sowie mircoSD-Karte muss man am unteren Ende des Geräten einführen. Dazu wird der etwas störrische Akkudeckel entfernt und eine Art Riegel hochgeklappt. Die microSD auszutauschen, ohne den Akku zu entfernen ist nicht möglich, das habe ich persönlich aber noch nie bei irgend einem Gerät gebraucht.

Generell kann man sagen, dass der Akkudeckel deutlich besser als beim Desire HD umgesetzt wurde. Ist er einmal verschlossen, wirkt er so, als gehöre er in einem Stück zum Gerät und nichts wackelt auch nur ansatzweise.

Kamera

Die Kamera auf der Rückseite löst mit 5 Megapixel auf und wird bei Dunkelheit von einem LED-Blitz unterstützt. Videos nimmt sie in 720p-Auflösung auf, ist aber leider im Allgemeinen nicht sehr gut. Eine bekannte Schwachstelle, welche HTC zwar verbessert hat, aber damit immer noch nicht an die Konkurrenz herankommt. Bei guten Lichtverhältnissen sind die Bilder aber okay.

Zum Glück wurde der interne Lautsprecher auf der Rückseite verbessert, denn dieser war beim Vorgänger recht kratzig. Zwar klingt er auch noch nicht ganz rund, aber deutlich angenehmer als beim HTC Desire.

Testaufnahmen

Direktlink zum Album

In diesem Video, welches ich bei mir auf dem Balkon gedreht habe, sieht man sehr schön, wie der Sensor sich recht langsam an das Umgebungslicht anpasst und leider auch nicht immer die optimalen Einstellungen trifft. Auch hier gilt wieder, bei guten Lichtverhältnissen annehmbar, sonst unteres Mittelmaß.

Benchmark

Auch wenn es nur ein kleiner Anhaltspunkt ist, der sich bei der alltäglichen Benutzung nur selten bemerkbar macht, hier die Benchmarkwerte vom HTC Desire S. Um die Ergebnisse besser einordnen zu können, schaut einfach mal in diesem Beitrag vorbei. Dort findet ihr auch die Werte vom Dual-Core-Smartphone LG Optimus Speed.

Oberfläche und Apps

HTC bügelt wie bei allen hauseigenen Smartphones über das vorinstallierte Android 2.3.3 die HTC Sense-Oberfläche in Version 2.1. HTC Sense ist wohl die umfangreichste und tiefgreifendste alternative Android-Oberfläche. Mir persönlich sagt sie von allen alternativen Oberflächen am meisten zu. Nicht nur, weil man optional diverse Designs auswählen kann, sondern auch weil die zusätzlichen Apps und Erweiterungen fast alle sehr gut umgesetzt sind.

Was mir persönlich nicht ganz so gut gefällt, ist die Verbindung mit dem Onlinedienst HTCSense.com. Diverse der vorinstallierten HTC-Apps möchten zwingend einen HTC-Account haben. Zwar ist der Webservice gut umgesetzt, dennoch sollte man den Nutzer hier nicht nötigen seine Daten auch noch bei HTC abzugeben. Ähnliches kennen wir von Motorolas MotoBlur.

Die neueste Android-Version und ausreichend Arbeitsspeicher sorgen für flottes Arbeiten. So muss das sein.

Die Anpassungen der Oberfläche haben bei HTC einen großen Stellenwert. So ist der Menüpunk dafür sogar direkt im Homescreen-Launcher vorhanden und führt zu umfangreichen Optionen. Mann kann verschiedene Szenen anlegen, um jeweils einen Homescreen für Arbeit, Freizeit, usw . zu haben, den man bei Bedarf aktiveren kann.

Zudem kann man die komplette Optik ändern. Hier stehen verschiedene Stile zur Auswahl, bei denen für jeden Nutzer etwas dabei sein sollte.

Im Grunde bietet HTC Sense viel Bekanntes, was weiter ergänzt bzw. optimiert wurde. Es gibt nun E-Books mit passendem E-Book-Reader und -Widget, eine verbesserte Benachrichtigungsleiste mit integrierter Schnellwahl sowie den letzten Apps und kleinere Spielereien wie eine App namens „Spiegel„, welche die Frontkamera zur Selbstbetrachtung nutzt.

Es wirkt vieles sehr schlüssig, aber man merkt auch, wie HTC versucht dem Kunden nicht das Gefühl zu geben, er nutze eine Software von Google. Ich persönlich bin jetzt seit Ende 2010 das Nexus S von Samsung mit einem reinen Android gewohnt und habe mich im ersten Moment etwas erschlagen gefühlt.

Hat man aber einmal den Homescreen aufgeräumt und eine passende Oberfläche aktiviert fühlt man sich schnell wohl auf dem Desire S. Zur Not steht natürlich auch hier jedem frei sich einen alternativen Launcher zu installieren. Der Gingerbread-Launcher aus dem Android Market lief in meinem Test ohne Probleme und sehr flott.

Und sonst noch?

Es gibt natürlich noch einige Dinge, welche ich jetzt nicht angesprochen habe. Ich teste ein Gerät in erster Linie nach den mir wichtigen Punkten. Daher hier noch weitere Infos zusammengefasst:

  • Das aGPS findet flink den Standort und die Google Maps Navigation läuft astrein.
  • Der Speaker ist wie bereits erwähnt in Ordnung und besser als beim Desire.
  • Die Gesprächsqualität war im E-Plus-, Vodafone- und o2-Netz stehts zufriedenzustellend, wobei das Nexus S noch etwas klarer im Klang war.
  • Die Frontkamera funktioniert ohne Probleme und hat eine bessere Qualität, als die vom Nexus S.
  • NFC ist nicht vorhanden, was mangels praktischer Lösungen derzeit nicht stört.
  • System-Updates kommen natürlich OTA, welche genau folgen werden ist aber noch unklar.
  • Es verfügt über ein UKW-Radio
  • Der Klang vom Headset ist super, aber leider sind die Ohrstöpsel wieder so groß und unbequem. In-Ear wäre mal schön.
  • Einige Nutzer berichten von W-Lan-Empfangsproblemen wenn man das Gerät in der Hand hat. Das konnte ich nicht feststellen.
  • Die Lautstärkenwippe hat einen klaren Druckpunkt
  • Die Akkulaufzeit ist wie gesagt besser als beim Desire. Bei meiner persönlichen Nutzung hielt es ca. 1,5 Tage durch.
  • Es gibt keinen optischen Joystick, aber auf dem Display wird ein gut bedienbarer Marker in Textfelder eingeblendet.
  • Eure Fragen in den Kommentaren…

Fazit

Das HTC Desire S ist ein würdiger Nachfolger vom HTC Desire, welches nicht nur leistungsfähiger ist, sondern vor allem durch seine Wertigkeit überzeugt. Bei dem kompakten Gerät wurden diverse Schwachstellen der Vergangenheit verbessert und erstmals kommt ein in meinen Augen akzeptabler SuperLCD-Touchscreen zum Einsatz. Die Akkulaufzeit ist deutlich verbessert worden, der interne Lautsprecher kratzt nicht mehr und ich konnte das Gerät mit keiner App so richtig in die Knie zwingen. Alles läuft flott und reagiert schnell.

Abstriche muss man bei der Kamera machen, welche bei schlechten Lichtverhältnissen wieder mal sehr bescheiden ist. Zudem sollten User die gerne mobil zocken bedenken, dass sie weder Steuerkreuz, noch optischen Joystick noch Dual-Core-CPU haben. Das Letztere stört zwar derzeit gar nicht, könnte aber irgendwann zum Flaschenhals werden.

Unterm Strich ist das HTC Desire S der zusammengebaute Beweis dafür, dass Single-Core-Smartphones noch lange nicht tot sind, dass es viel ausmachen kann, wie gut eine Software an ein System angepasst ist und das ein modernes Smartphone nicht die Welt kosten muss. Einen Fehlkauf macht ihr mit dem HTC Desire S auf keinen Fall.

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