Unterwegs mit dem Samsung Galaxy Tab Active – 5 Monate Appalachian Trail

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Über fünf Monate und die 3.500 Kilometer des Appalachian Trails liegen hinter mir. Seit Beginn befand sich neben (über)lebenswichtigen Dingen auch das Samsung Galaxy Tab Active in den meist über 20 Kilo Marschgepäck. Warum ich das nicht bereut habe, lest ihr in folgendem Bericht.

Mit dem Galaxy Tab Active erweiterte Samsung im September letztes Jahr die Semi-Outdoor-Reihe „Active“ um ein mittelgroßes Tablet für den B2B-Bereich. Äußerlich fällt jedoch erst auf den zweiten Blick auf, warum man es mit ins Lager oder auf den Bau statt ins Wohnzimmer mitnehmen sollte. Das Kunststoffgehäuse an sich wirkt augenscheinlich nämlich nicht sonderlich robust, höchstens die vier Nieten auf der Rückseite, vermutlich zur Verstärkung der Druckpunkte, um das Akkufach mit aller Gewalt zu schließen, deuten den Arbeitsbereich an.

Die Abdeckung ist zudem leicht geriffelt und bietet mit den Einkerbungen im Rahmen einen angenehmen Grip . Zudem ist das Tablet nicht vollkommen rechteckig, sondern verjüngt sich leicht im mittleren Bereich, die Ecken stehen also hervor. Auch die insgesamt sechs verbauten Hardwareknöpfe (Power, Volume, Taskmanager, Home, Zurück) greifen das Muster von der Rückseite auf und haben einen angenehmen Druckpunkt.

Alles in allem muss man sagen: Ein schönes, schlichtes, für die Outdoorsparte nicht typisches da unklobiges Gerät und was nicht allzu viel auszuhalten scheint, bei Druck sogar etwas knarzt. Was gibt mir also die Gelassenheit, es ohne große Gedanken in meinem Wanderrucksack herum zu tragen und überall hin zu werfen?

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Harte Schale

Grund dafür ist selbstverständlich die mitgelieferte Kunststoffhülle (“Protective Cover+”), die dem Tab Active erst den zweiten Teil des Namens verdient. Während die Umrandung der Hülle aus Gummi besteht, wird der Großteil der Rückseite mit Hartplastik geschützt. Dabei gibt es Aussparungen für Kamera samt Blitz, microUSB, Klinke und Mikrofon auf der Unterseite sowie den POGO-Stecker an der Seite, allerdings ohne dreckabweisende Verschlüsse.

Über die drei Buttons legt sich ein Hüllenpendant, welches den Druck weiterleitet – anfangs und vor allem beim Aufziehen der Hülle so gut, dass es auch ungewollte Aktivierung der Funktionen geben kann. Nach einer Weile – die fünf Monate des Testens sind da ein ganz guter Zeitraum – pendelt es sich jedoch ein und man muss nicht mehr allzu viel Gewalt aufbringen. Sehr positives Schmankerl: Auf der Oberseite bietet das Case Platz für einen unauffälligen, doch äußerst nützlichen Stylus. Der stabile Stift hat seinen Wert besonders an kalten Tagen bewiesen, wenn man fast 24 Stunden behandschuht war.

Die IP67-Zertifizierung verspricht Wasser- und Staubsicherheit, was zu Genüge auf die Probe gestellt wurde – Benutzung im Regen und unter der Dusche macht keine Probleme, Staub setzt sich nur zwischen Hülle und Gerät ab und selbst einen Sturz aus mehr als zwei Metern Höhe quittierte der Caserücken nur mit einem müden Kratzer. Laut Datenblatt werden -20 bis 60 Grad ertragen, und zumindest am unteren Ende konnte ich anfangs kratzen.

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Technische Daten

Kommen wir endlich zu den inneren Werten des Galaxy Tab Active 8.0. Im Folgenden gibt es einen kurzen Abriss der technischen Daten, um euch einen Überblick zu verschaffen:

  • Display: 1280 x 800 Pixel, LCD
  • Prozessor: Qualcomm APQ 8026 (Snapdragon 400), 4 x 1,2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 1,5 GB
  • Interner Speicher: 16 GB
  • Kamera: 3,1 MP / 1,2 MP
  • Schnittstellen: WiFi, LTE, Bluetooth 4.0 LE (Smart Ready), microUSB, Klinke, microSD (bis 64 GB erweiterbar), NFC, POGO-Pin
  • Akku: 4450 mAh
  • Betriebssystem: Android 4.4.4 KitKat mit Touchwiz-Oberfläche
  • Größe / Gewicht: 21,3 cm x 12,6 cm x 9,7 cm (LBH), 393 Gramm

Weicher Kern

Man muss selbstredend die Einsatzzwecke des Tablets ganz klar umranden: In meinem Falle wird das Gerät hauptsächlich für Texte tippen, lesen, Lokalisierung und Karten mit MAPS.ME, surfen und das ein oder andere Spiel benutzt. Dabei leistet der verbaute Qualcomm-Prozessor in Kooperation mit den eher geringen 1,5 GB Arbeitsspeicher eine bemerkenswerte Arbeit, denn trotz der knappen Ressourcen lässt sich vieles ruckelfrei genießen.

Samsungs hauseigene Oberfläche Touchwiz weist zwar die allseits bekannten Softwareruckler auf, doch auch mit anspruchsvolleren Spielen wie „Plants vs. Zombies“ kann man den anstrengenden Wandertag im Zelt sorgenfrei ausklingen lassen.

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Das Display ist mit einer WXGA-Auflösung (1280 x 800 Pixel) nicht üppig ausgestattet, was meiner Meinung nach den unteren Grenzwert bei einem Formfaktor von acht Zoll darstellt. Selbst in prallem Sonnenlicht kann man das Tablet noch gut benutzen, auch wenn dafür die Helligkeit auf Höchststufe gestellt werden muss. Filme und digitale Zeitschriften oder Comics sehen okay aus, nicht überragend, doch bewegt sich Samsung auf einem schmalen Grat zwischen Performance und Akku.

Mehr zu bewegende Pixel resultieren in größerem Akkuverbrauch, und da bei letzterem eine der beeindruckendsten Stärken des Tab Actives liegt, lassen sich die fehlenden Bildpunkte verschmerzen. Auch konnte ich keine großartige Hitzeentwicklung feststellen, die mir bei anderen Tablets noch heiß in die Erinnerung gebrannt ist. In puncto Akku: Vor allem bei passiven Tätigkeiten wie Lesen wird der Ladestand kaum beansprucht und verringert diesen nach Erfahrungswerten pro halber Stunde um etwa einen Prozent. Bislang kam ich stets mit einer Akkuladung von Steckdose zu Steckdose (die im Wald wahrlich rar gesät sind) und musste meine Notfall-Powerbank noch nicht für das Tab Active anrühren. Alternativ ließe sich auch ein zweiter Samsung-Akku einsetzen, da dieser beim Tablet wechselbar ist.

Die Kamera auf der Rückseite reicht für schnelle Schnappschüsse oder Scans, mehr aber nicht – der LED-Blitz ist trotzdem gern gesehen, da er auch als Taschenlampe missbraucht werden kann. Mit der Frontkamera wurde lediglich geskypet, was gut funktioniert.

Gut verbunden

Für meinen Test habe ich zwar die LTE-Variante des Tab Active (SM-T365) zur Verfügung gestellt bekommen, doch fehlten mir in den USA die Möglichkeiten, diese Verbindungsstelle zu nutzen – es scheint jedoch so, dass nur diese Version bisher mit Android 4.4.4 versorgt wurde. Auch habe ich keinen Verwendungszweck für den POGO-Stecker oder NFC finden können, weswegen ich mich darüber in Schweigen hüllen muss.

Allerdings kann ich die Funktionsfähigkeit des Bluetooth-Moduls bestätigen, da es dank „Smart Ready“-Zertifikat mein einziges Gerät unterwegs ist, welches mit den Wearables spricht. Mit USB-OTG-Stecker (nicht mitgeliefert) wird der Zugriff auf USB-Sticks und Kamera gewährleistet, was hervorragend funktioniert.

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Der letzte Knack

Ungefähr drei Tage vor dem Besteigen des Zieles Katahdin passierte es: Ich zog nichtsahnend das so oft benutzte Tablet aus dem Rucksack und sah, dass sich ein Riss von der Displaymitte nach außen zog. Obwohl es schon so viele Stürze unbeschadet überstand und es schien, dass es sich im Rucksack wohlfühlte, musste es dann vermutlich irgendwann passieren. Selbst das härteste Glas bricht nach 5 Monaten Dauerbenutzung und es ist schon fast ein gutes Zeichen, dass es erst so spät geschah.

Fazit

Unterwegs für ein halbes Jahr im Grunde auf ein einziges Gerät angewiesen zu sein, verlangt recht viel von einem Tablet. Allerdings war ich sehr froh, mich nicht für ein Netbook bzw. Chromebook entschieden zu haben. Klar, lange Texte lassen sich auf einem Hardwarekeyboard besser tippen, doch sollte dieser Test beweisen, dass es auch ohne funktionieren kann. Mit dem Gewicht von ungefähr 400 Gramm mag es leicht erscheinen, doch zählt jede Unze auf dem Rücken.

Größtes Manko mag der Preis sein: Die UVP liegt bei 599 Euro, der Straßenpreis für die WiFi-Variante beginnt bei etwa 340 Euro. Möchte man verständlicherweise nicht so tief in die Tasche greifen, könnte ein günstiges 7- bis 8-Zoll-Tablet mit stabiler Hülle sinnvoller erscheinen – gibt man weniger für das Gerät an sich aus, bleibt mehr Budget für die Sicherheit übrig.

Beim Kauf sollte ganz klar bedacht werden, dass der Großteil des Geldes nicht in Performance landet, sondern in dem Gesamtpaket und Zusatzfunktionen wie dem POGO-Stecker, den der Normalverbraucher vermutlich nicht braucht.

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Wenn ihr spezifische Fragen habt, zögert bitte nicht, sie in den Kommentaren zu stellen. Ich werde alle nach bestem Wissen und Gewissen beantworten.

Hoffentlich konnte euch der Test einen kleinen Einblick darin geben, wie es sich anfühlt, mit dem Samsung Galaxy Tab Active auf Wanderschaft zu sein. Falls ihr noch mehr Geschichten vom Appalachian Trail lesen wollt und wie wir uns so geschlagen haben, schaut doch mal auf bisschenbekloppt.de vorbei. Zum Schluss noch großen Dank an Samsung für die Bereitstellung eines Testexemplars!

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