Der neue Audi A3: Ein erster Testbericht des 2012er Modells

Vergangene Woche war ich für mobiFlip auf Mallorca, um mir dort den neuen Audi A3 anzuschauen und diesen auch ausgiebig zu testen. Ich habe in meinem letzten Artikel ja bereits angedeutet, dass das eine absolute Premiere für mich war, denn ich habe mich vorher noch nie so genau mit einem Auto beschäftigt. Aber diese Möglichkeit wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, zum einen war das Interesse geweckt, warum Audi einige Technik-Blogger eingeladen hatte und zum anderen war da natürlich das Interesse am neuen A3. Ich informiere mich durchaus über neue Autos und lese auch hin und wieder Berichte darüber, so intensiv wie in diesem Fall habe ich mich davor allerdings noch nicht damit beschäftigt.

Das Angebot sich das neue Modell der Kompaktklasse mal ausführlich anzuschauen und es vor allem auch intensiv Probe zu fahren, kam zwar eher unerwartet, aber ich probiere auch gerne neue Dinge aus und da war mein Interesse natürlich geweckt. Ich möchte euch hier nicht mit Dingen wie dem Verbrauch, Kofferraumvolumen, oder der Beinfreiheit im hinteren Bereich langweilen, das sind Themen für andere Seiten und die entsprechenden Daten findet man schließlich auch alle bei Audi direkt. Mein Fokus lag vor der Reise nach Mallorca auf dem Infotainment-System, hier war immerhin auch das größte Interesse der Kommentatoren unter dem letzten Artikel. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit auch nutzen, um ein paar Worte zum Fahrverhalten zu verlieren. Es handelt sich dabei natürlich um einen kurzen und vor allem sehr subjektiven Eindruck von mir.

Audi A3 2012: Das Fahrverhalten

Vor Ort gab es die Möglichkeit mehrere Modelle auszuprobieren, unter anderem einen weißen A3 mit einem TDI-Motor und 150 PS, oder einen Benziner mit 1,8 Liter und 180 PS. Mein Interesse lag natürlich auf diesen beiden Modellen, das sparsame Modell mit 105 PS konnte mein Interesse für eine Probefahrt nicht gewinnen. Bei dem roten Modell mit 180 PS hatte ich einmal die Variante mit klassischem 6-Gang-Getriebe und die Version mit S-Tronic, also einem Doppelkupplungsgetriebe, im Einsatz. Bei den Testfahrten waren wir immer zu zweit unterwegs, mein Partner vor Ort war Denny von Smartdroid, der sogar schon einen Erfahrungsbericht des neuen A3 auf seinem Blog veröffentlicht hat. Wir teilten uns bei jeder Fahrt einen A3 und haben uns regelmäßig mit dem Fahren abgewechselt, ein paar Stunden Fahrzeit sind in diesen zwei Tagen also durchaus zusammengekommen.

Nach dem Empfang am Flughafen ging es erst mit dem weißen A3 und TDI-Motor zur Finca Son Espases, wo es eine Pressekonferenz mit einem schicken 3D-Film (in der Hauptrolle Mike Rockenfeller) und ein paar Minuten „bevor wir wieder zur Praxis kommen, hier noch ein paar theoretische Daten…“ zu sehen und hören gab. Bis es jedoch los ging hatten wir nochmal die Möglichkeit eine kleine Route zu fahren, hier fiel die Wahl dann sofort auf den 1,8 Liter quattro mit S-Tronic und 180 PS Leistung. Für mich war es eine Premiere mit Automatik-Gangschaltung zu fahren, was Denny auch an einer Kreuzung feststellen musste :D Trotzdem hat das Fahren unheimlich viel Spaß gemacht, die Landschaft von Mallorca ist wie gemacht für den A3 und steigern kann man das wohl nur noch mit dem S3, welcher zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt kommt und stolze 280 PS an Board hat.

Nach der Pressekonferenz hatten wir dann das Modell mit 6-Gang-Getriebe im Einsatz und konnten uns diesem Modell ganz ausführlich widmen. Obwohl S-Tronic mit dynamischer Fahrweise unheimlich gut beschleunigt und sich sehr sportlich fährt, war ich doch zufrieden einen Wagen mit Gangschaltung zu fahren. Ich weiß nicht, ob sich diese Einstellung irgendwann mal ändert, aber ich liebe es momentan zu schalten. Da können die Einstellungen eines Herstellers noch so sportlich sein. Obwohl die optionalen Wippen bei Automatik natürlich auch ihren Reiz haben und dem Auto ein sehr sportliches Flair geben. Aber das ist natürlich Geschmackssache, alle Modelle haben sich wunderbar gefahren und es hat Spaß gemacht die kurvigen Straßen von Mallorca auszureizen. Als Vergleichswert dient mir übrigens ein Golf V mit 150 PS und ein Golf VI mit 160 PS, welche ich regelmäßig fahre. Sozusagen die härtesten Konkurrenten des A3 in der Kompaktklasse, bis dann die neue Generation des Golf im September 2012 enthüllt wird.

Und wie fährt sich der neue A3 jetzt eigentlich? Vor allem das Modell mit etwas mehr PS und quattro ist schon sehr sportlich und macht vor allem auch in den Kurven richtig Spaß. Ich habe die physischen Grenzen der sehr engen Straßen in Mallorca zwar nicht ausgereizt, aber bin auf den entsprechenden Abschnitten dann doch mal sportlicher gefahren. Audi sagt der neue A3 ist 80 Kilo leichter und hat einen größeren Radstand, den Unterschied erkennen wohl nur Profis im direkten Vergleich mit dem Vorgängermodell auf einer Rennstrecke. Aber beim Design hat sich Audi auch nicht so weit aus dem Fenster gelehnt, wieso denn auch etwas erfolgreiches über Board werfen. Die S-Line hat einen bösen Blick auf der Frontseite, das Zielpublikum sollte damit auch klar sein und dürfte hier wohl auch auf seine Kosten kommen. Einzige Steigerung wäre dann wie gesagt noch der S3 mit 280 PS, oder der RS3, zu dem es bis jetzt aber noch keine offiziellen Informationen von Audi gibt.

Audi A3 2012: Das Infotainment-System

Es ist schon unglaublich, in welche Richtung die Entwicklung gegangen ist und wie alt auf einmal Autos wirken, die gerade mal 3-4 Jahre auf dem Buckel haben. In der Vollausstattung mit S-Line Interieur gibt Audi beim A3 richtig Gas und packt einen ausfahrbaren Bildschirm in die Armatur mit rein. Gesteuert wird dieser von einem runden Bedienelement in der Mitte. Dieses besitzt sogar eine berührungsempfindliche Oberfläche, mit der man zum Beispiel die Buchstaben bei der Navigation eingeben kann. Funktionierte im Test sehr gut, war allerdings bei nicht ebenen Strecken auch nicht immer einfach. Da kann aus einem „B“ auch sehr schnell ein „D“ werden. Aber die Idee fand ich schon im Vorfeld sehr spannend und auch besser, als jeden Buchstaben in einem Alphabet anzuwählen und diesen dann durch Drücken zu bestätigen. Diese Vorgehensweise dürften ja sicher einige kennen.

Die Technik hinter diesem System von Audi stammt übrigens teilweise von Nvidia, die dem MMX-Board (Multi-Media eXtension) einen Tegra 2 spendieren und so für aufwändige 3D-Animationen garantieren. Und sollte die Leistung in Zukunft nicht mehr ausreichen, wir kennen die Entwicklung ja nur zu gut vom Smartphone-Markt, dann lässt sich das MMX-Board einfach austauschen, denn es wurde als Steckmodul konzipiert. Gute Idee, denn ein Auto wechselt man nicht unbedingt alle zwei Jahre. Allerdings ist neues Kartenmaterial auch kostenpflichtig und so ein MMX-Board von Audi wird sicherlich auch nicht gerade günstig sein. Hier muss man erst mal abwarten, in welchen Preisregionen wir uns da befinden werden und ob sich diese Möglichkeit in Zukunft dann überhaupt lohnt.

Die Navigation möchte Audi mit „connect inklusive“ ergänzen, dazu wird eine SIM-Karte in einen Kartenleser eingesteckt und man ist auch unterwegs online. Der neue Audi A3 kann sogar einen WLAN-Hotspot erstellen, mit dem die Insassen mit einem Laptop oder Tablet online gehen können. Momentan setzt man hier auf UMTS, in Zukunft wird es aber definitiv auch LTE geben. Warum Audi im neuen Modell, welches ja erst ab Sommer erhältlich ist, nicht gleich auf LTE gesetzt hat kann ich ehrlich gesagt nicht so richtig verstehen. Womöglich liegt es noch am schwachen Ausbau von LTE, allerdings wäre man mit einer Kombination aus UMTS und LTE für die Zukunft gerüstet.

Audi connect war für uns vor Ort allerdings so gut wie nicht zu gebrauchen, denn es war keine SIM-Karte in unseren Testfahrzeugen. Wenn man sich für den Dienst entscheidet, dann stehen einem zusätzliche Funktionen wie ein Musik-Stream, Street View von Google Maps, Wetter, Nachrichten, oder auch Verkehrsinformationen zur Verfügung. Viele Funktionen halte ich für sinnvoll  und auch die Tatsache, dass es richtige Apps für das System gibt ist sehr fortschrittlich, allerdings habe ich mir sehr schnell die Frage gestellt: Brauche ich denn wirklich Facebook und Twitter in diesem Infortainment-System?

Ich kann das natürlich nur sehr schwer abschätzen, sowas müsste man dann auch mal in einem ausführlichen Testzeitraum über mehrere Wochen testen. Apps für die Parkhaussuche inklusive Öffnungszeiten, Preisen und freien Plätzen wären ein großer Pluspunkt. Bei sozialen Netzwerken bin und bleibe ichaber skeptisch, die haben bei der Autofahrt nichts verloren. Da verbietet man erst das telefonieren, lässt die Leute aber am Steuer rauchen und sich die Nachrichten vorlesen, während man vielleicht noch seinen Status auf Facebook oder Twitter aktualisiert… Das ist allerdings schon fast wieder ein anderes Thema, welches ich mit all der Technik trotzdem sehr wichtig finde.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit beim neuen Audi A3 das iPhone in der Mittelkonsole mit einem Kabel zu verbinden, man sagte uns aber, dass es auch ein micro-USB-Kabel als Option gibt. Leider waren jedoch alle Testwagen vor Ort mit einem iPhone-Anschluss ausgestattet und weder Denny noch ich hatten ein iPhone dabei. Interessant wird es übrigens auch beim Thema „induktives Laden“, hier experimentiert Audi schon eine Weile rum, laut Aussage eines Mitarbeiters vor Ort liegt es aber vor allem an den Herstellern hier mal einen Standard zu finden. Eine schnelle Bluetooth-Verbindung dank NFC und gleichzeitig ein kabelloses Laden des Smartphones in der Mittelkonsole wären hier dann wohl der nächste Schritt. Es ist also auch noch eine Menge Potential nach oben, aber die Autohersteller sind ja auch gerade erst dabei die Möglichkeiten von Smartphone und Auto auszuprobieren.

Audi A3 2012: Und sonst so?

Audi bezeichnet sich selbst als Premium-Hersteller und das merkt man an allen Ecken. Die Detailverliebtheit und das hochwertige Material inklusive der Technik haben mir persönlich viel Spaß beim Benutzen gemacht. Besonders gut gefallen hat mir auch das Audio-System von Bang & Olufsen mit seinen zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, das hat mit seinen 14 Lautsprechern und einem eigenen Subwoofer mit 750 Watt schon für ein tolles Klangerlebnis gesorgt. Allerdings habe ich auch nur die höchste Ausstattung inklusive S-Line Optik und Interieur kennen gelernt, das Infotainment-System mit dem Bildschirm ist zum Beispiel nicht Standard. Auch sonst gibt es natürlich einige Elemente, die nur gegen einen Aufpreis erhältlich und nicht im Standard-Umfang enthalten sind.

Ein A3 mit Standard-Ausstattung war leider nicht vor Ort, ein Vergleich muss also an dieser Stelle ausbleiben. Ich war jedenfalls angetan von der Optik und der Technik, die Audi in die Kompaktklasse steckt. Das wird in Zukunft ein interessanter Wettkampf mit anderen Herstellern, die ja auch immer mehr Technik in ihre Autos packen. Der wahre Konkurrent des A3 ist für mich allerdings der Golf, welcher ebenfalls mit einer hohen Qualität überzeugen kann, günstiger angesetzt ist und Ende des Jahres ein neues Modell spendiert bekommt. Ich bin gespannt, welche Technik VW einbaut und auf welchem Preisniveau der Golf VII dann im Vergleich mit dem S3 liegt. Bei der Verarbeitung und Matrialwahl wird man aber wohl kaum einen so hohen Standard halten können, wenn man den Golf günstiger anbieten möchte.

Ich muss beim Design allerdings auch gestehen, dass ich mit VW und Audi aufgewachsen bin und auch selbst einen Golf fahre, vielleicht gefällt mir der neue A3 auch deswegen so gut. Über Design kann man streiten, über die Materialwahl allerdings nicht und hier kann Audi sich vollkommen zu Recht als Premium-Hersteller bezeichnen. Großartige Kritikpunkte konnte ich nicht feststellen, dafür war der Zeitraum vielleicht auch einfach zu kurz und es ist gut möglich, dass man im Alltag noch die ein oder andere Situation erlebt.

Mein Interesse an Autos ist jedenfalls geweckt, es war zwar schon immer da, aber die Entwicklung geht in die gleiche Richtung, wie der PC- oder Smartphone-Markt. Ich habe sogar gehört, dass schon ein Tegra 3 für die Zukunft geplant ist. Die technische Entwicklung, das User Interface (sehr wichtiger Punkt, den Audi meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt hat) und die Auswahl an Applikationen dürften also auf dem Automarkt in den nächsten Jahren eine sehr wichtige Rolle spielen. Wir befinden uns hier gerade erst am Anfang der Möglichkeiten und es bleibt sicherlich spannend.

[line]Das Event und die Präsentation des neuen A3 wurde von Audi organisiert und ohne Vorgaben für uns Teilnehmer durchgeführt. Wir möchten uns an dieser Stelle auch bei Audi für die Einladung und die Möglichkeit den neuen A3 zu testen bedanken.

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