Alfawise U10 Testbericht: 3D-Drucker mit großem Druckvolumen

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Vor ein paar Tagen hatte ich euch schon das Unboxing und die ersten Eindrücke zum Alfawise U10 3D Drucker vermittelt und heute folgt nun der ausführliche Testbericht. Der Drucker wurde uns von Gearbest zur Verfügung gestellt und kam nach den üblichen knapp vier Wochen Versandzeit über UK ohne weitere Zollkosten etc. bei uns an.

Die wichtigsten technischen Details:

  • Rahmenmaterial: Aluminiumlegierung
  • Düsendurchmesser: 0,4mm
  • Düsentemperatur: Raumtemperatur bis 260 Grad
  • Produkt-Schlichte: 40 x 40 x 50 cm
  • Schichtdicke: 0,05-0,3mm
  • Speicherkarte offline drucken: SD-Karte
  • LCD-Bildschirm: Ja
  • Druckgeschwindigkeit: 10 – 150 mm / s
  • Begleitmaterial: Abs,Nylon,PLA,TPU
  • Materialdurchmesser: 1,75mm
  • Datei Format: AMF,DAE,OBJ,STL
  • Spannung: 110V / 220V
  • Produktgewicht: 15,0000 kg
  • Produktgröße: 58,20 x 69,70 x 75,50 cm

Zum Alfawise U10 3D Drucker selbst

Der Drucker ist im Grunde ein größerer Creality CR-10S, den wir ausführlich getestet hatten. Mit seinem Druckvolumen von 40x40x50 cm (!) hebt sich der Drucker in der Tat sehr von seinen Kollegen ab und bietet sich an, auch größere Objekte in einem Rutsch zu drucken, ohne selbige nachher mühsam zusammenkleben zu müssen.

Im Unboxing ging ich etwas näher auf den Lieferumfang ein und habe auch beschrieben, wie der Drucker aufgebaut werden musste. In Kurzform: Der Drucker kommt fast komplett zusammengebaut an. Es müssen im Grunde lediglich der Rahmen zusammengschraubt und die Kabel zusammengsteckt werden.

Das Filament wird übrigens am Alfawise U10 nicht in einer extra Halterung neben dem Drucker aufgestellt, sondern auf einer Halterung mit einem drehenden Kugellager direkt auf der Elektronikbox untergebracht. Schicke Idee, welche den Drucker nicht noch unnötig in die Höhe wachsen lässt.

Nach dem ersten Druck zeigten sich dann auch ein paar Schwachstellen auf, die mich dazu verleiten den Drucker nicht jedem Anfänger zu empfehlen! Vieles davon brachte auch mich zum Schwitzen und ich habe insgesamt mehrere Tage daran getüftelt, das eine oder andere Problem in den Griff zu bekommen.

Ein paar Problemstellen, welche sich während der ersten Kennenlernphase zeigten:

Unebene Druckfläche

Das A und O bei einem 3D Druck ist eine ebene und gelevelte Oberfläche. Es brauchte einige Zeit, bis ich herausgefunden hatte, dass die Glasplatte, die beim Alfawise U10 beiliegt, zumindest in meinem Fall, nicht eben ist. Meine Glasplatte hat in der Mitte der Fläche sozusagen eine Beule nach unten. Ich habe das gefixt, indem ich eine 10×10 cm Fläche in der Mitte mit drei Lagen Blue Tape versehen habe. Das hebt die Platte in der Mitte soweit an, dass sie ungefähr gleich mit dem Rest der Fläche ist.

Lose Schrauben

Ebenfalls bisher noch nicht untergekommen sind mir lose Schrauben und lockere Zahnriemen. Beides hatte mein Exemplar des Alfawise U10 zu bieten. Alles lässt sich super einfach beheben, aber auch hier muss man natürlich erst einmal alles überprüfen und vor allem darauf kommen! Die Zahnriemen lassen sich spannen, indem sie gelöst, nachgezogen und wieder stramm gezogen werden.

Alfawise U10 Probleme 2018 06 18 15.02.14

In meinem Fall gab es dann aber noch Probleme mit versetztem Druck nach ein paar Schichten. Eine Testdatei (siehe obiges Foto) war 2-3 Lagen in Ordnung und versetzte sich dann pro Lage um einen Millimeter nach links. Die restlichen Elemente auf der folgenden Oberfläche wurden dagegen fast perfekt gedruckt.

Alfawise U10 Probleme 2018 06 15 16.02.11

Eine Überprüfung zeigte dann, dass die beiden Inbusschrauben am X-Motor komplett gelöst waren. Das führte zu diesen unsauberen Bewegungen von links nach rechts. Einmal wieder fest angezogen und schon klappte auch der Druck wieder astrein.

Klappernde Z-Achse

Die beiden Z-Achsen sind an ihrem Ende nur lose in einer Metallöffnung geführt. Das ist natürlich gerade bei einem Gerät dieser Größenordnung, welches so viel Masse bewegt, nicht gerade optimal geregelt und klappert immer wieder nervig, während des Druckvorgangs. Abhilfe wäre dagegen so einfach! Selbst der günstige Zonestar hat eine solche Konstruktion schon verbaut…

Alfawise Geraeusche Problem Fix

Man druckt einfach zwei neue Halterungen (auf thingiverse) und legt dort Kugellager (10 Stück knapp 4 EUR!) ein, in welche nun die beiden Gewindestangen geführt werden. Nun können die beiden Gewindestangen sich beim Druck drehen und werden dennoch geräuschlos geführt. So einfach könnte es sein!

Fehlkonstruktion der Lüfter

Auch in Sachen Belüftung wurde beim Alfawise U10 ein wenig geschludert. Normalerweise gibt es am Druckkopf einen Lüfter, welcher den Druckkopf selbst kühlt und einen weiteren Lüfter, welcher dann nach der ersten gedruckten Schicht aktiviert wird, um das gedruckte Material abzukühlen.

Dieser zweite Lüfter ist am U10 zwar von Werk aus vorhanden, bläst aber nur sinnlos in den Körper des Druckkopfs rein und kühlt dadurch das gedruckte Objekt nur minimal.

Alfawise U10 Luefter

Auch hier gibt es einfache Abhilfe in Form eines kleinen Objekts, welches mit dem Drucker selbst gedruckt werden kann und anschließend die Luft des zweiten Lüfters nach unten an das gedruckte Objekt weiterleitet. Die Montage ist denkbar einfach und es müssen lediglich zwei kürzere Schrauben gekauft (oder vorhandene abgesägt) werden, die dann zur Halterung des Adapters genutzt werden.

Firmware

Wie in meinem Unboxing schon erwähnt, war die vorab installierte Firmware des Alfawise U10 so dermaßen grottig schlecht, dass man damit nicht in Unterverzeichnisse der SD-Karte navigieren konnte und auch so sich das Menü gern mal hier und da aufhängte. Der Druck funktionierte aber ohne irgendwelche Hänger.

Ein Fix war nur durch das aufspielen der TH3D (oder Marlin)-Firmware möglich. Dafür muss kein Bootloader geflasht, sondern lediglich die Firmware selbst mit einem USB-Kabel geflasht werden. Das funktioniert wirklich einfach.

Viel zu beachten, bevor es eigentlich erst ans drucken gehen kann? Versteht mich nicht falsch – der Drucker an sich ist im Grunde ein gutes Gerät, aber die Qualitätskontrolle lässt im Falle des Alfawise U10 in meinen Augen sehr zu wünschen übrig. Ich habe beispielsweise auch eine Reihe defekter Pixel im Display und das sollte so einfach nicht durchgehen.

Zum eigentlichen drucken der Objekte selbst

Wie üblich nehmen wir die Freeware CURA und wählen der Einfachheit halber einen CR-10 als Drucker aus. In selbigem wird die Druckfläche auf die 40x40x50 cm abgeändert und der Rest kann im Grunde auch schon übernommen werden. Profis ändern dann sicher noch hier und da einige Details je nach Filament und eigenem Geschmack, aber der Druck sollte auf jeden Fall auch mit den Standard-Werten klappen.

Jetzt kann entweder ein selbst erstelltes oder ein fertiges 3D Objekt in Form einer STL-Datei (z. B. von thingiverse.com oder dergleichen) genommen und importiert werden. Diese wird dann gesliced mit euren Qualitäts-Einstellungen und kann dann entweder über USB oder die beiliegende SD-Karte zum Drucker geschickt werden.

Leveln des Druckers

Ich wähle hierfür eine Datei aus der SD-Karte und warte bis der Drucker aufgeheizt und in die Mitte gefahren ist, um zu drucken. Dann wähle ich über das Menü den Druck abzubrechen und ebenfalls über das Menü das disablen der Stepper-Motoren. Dadurch kann dann die Platte und der Druckkopf frei bewegt und manuell an alle vier Ecken gefahren werden. Ein dünnes Papier unter die Spitze legen und das Druckbett soweit hoch schrauben, dass man gerade so einen leichten Widerstand zwischen Papier und Druckspitze spürt.

Nun die Datei über das Display des Druckers auswählen und den eigentlichen Druck starten. Ich persönlich nehme normalerweise PLA-Filament. Das bedeutet knapp 60 Grad Druckplatte und 200 Grad für den Extruder. Das hängt natürlich von eurem verwendeten Material ab.

Ein erster Druck eines großen Kopfhörer-Ständers klappte nun astrein. Schön, dass die Maße des Druckbetts sich hierfür prima anbieten und das Objekt in einem Rutsch gedruckt werden kann. Hier hat sich das große Druckvolumen auf jeden Fall schon gelohnt und auch gezeigt, dass auch nur eine größere Achse schon für tolle Objekte sorgen kann, die mit einem kleinen 3D Drucker nicht ohne weiteres möglich wären.

Auch ein kleines Benchy Boot wurde nun nach der ganzen Korrektur-Arbeit und Feinjustage prima gedruckt. Das Filament hält astrein direkt auf dem Glas, sobald der Drucker richtig eingestellt ist und alles in allem kann man nicht am gedruckten Ergebnis meckern.

Meine Eindrücke und Erfahrungen Rund um das Thema 3D Drucker findet ihr bei uns in der Serie 3D Roundup. Wenn euch 3D Drucker etc. interessieren, kann ich nur wärmstens empfehlen diese Artikel mal abzugrasen.

Fazit zum Alfawise U10

Das bisherige Fazit zum Alfawise U10 ist schwierig zu umschreiben. Der Drucker an sich ist ein tolles Gerät. Der Alu-Rahmen sorgt für die nötige Stabilität, welche durchaus auch am Gewicht bemerkbar ist. Dennoch muss der Drucker aufgrund der Größe des Druckvolumens einiges an Masse bewegen, was letztendlich sogar den Tisch bewegt. Und man muss für einigen Platz in der Wohnung oder am Arbeitsplatz sorgen, der durch den Drucker blockiert wird. Wer also große Objekte drucken möchte, darf und sollte gern zuschlagen, für normale Dinge tut es aber sicher auch beispielsweise der kleinere Creality CR10S.

Generell würde ich den Kauf vorerst nur erfahrenen Anwender empfehlen, da hier doch einiges in Sachen Qualitätsmanagement beachtet werden muss. Selbst mit einiger Erfahrung habe ich mehrere Tage benötigt, bis der Drucker nun so läuft, wie er soll.

Preislich liegt der Alfawise U10 absolut im Rahmen. Mit den diversen Gutscheinen und Aktionen, welche Gearbest immer wieder mal anbietet, liegt der Drucker bei um die 400,- EUR und muss dabei nicht mehr groß zusammengebastelt werden. Ohne Gutscheine o. ä. kommen auch mal 500,- EUR im Warenkorb zusammen.

Interessante Features, wie der Filament-Sensor, oder das Resume von einem Druck bei Stormausfall machen durchaus was her und zeigen, dass auch bei 3D Druckern die Entwicklung in vollem Gange ist und immer wieder was neues zu erwarten ist.

Das verbaute Board soll übrigens problemlos erweiterbar sein und so besteht die Option hier „einfach“ einen Laser oder einen zweiten Extruder anzuschließen.

Das Kurzfazit

Alles in allem also ein viel versprechender Drucker! Es sollte lediglich die Qualitätskontrolle überarbeitet werden und dann kann der Alfawise U10 auch wirklich jedem empfohlen werden.

Tipps und Tricks könnt ihr übrigens auch dieser Facebook-Gruppe zum Alfawise U10/U20 entnehmen. Hier wurde mir auch schon das eine oder andere mal geholfen!

Wertung des Autors
Michael Meidl bewertet Alfawise U10 3D Drucker mit 3.5 von 5 Punkten.

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