Amazon Prime: Videodienst als Köder für Shopping-Angebot

Amazon auf Notebook

Überraschung: Es hat einen ganz bestimmten Grund, dass Amazon bei Prime ein durchaus attraktives Angebot an Serien und Filmen anbietet.

Der Dienst soll nämlich in erster Linie attraktiv für den Medienkonsum sein, was nach der Aussage „Wenn wir einen Golden Globe gewinnen verkaufen wir mehr Schuhe“ von Jeff Bezos (2016) auch niemanden überraschen dürfte. Erst dann kommt der Shopping-Dienst. Mit exklusiven Serien werden die Nutzer also dazu gebracht ein Prime-Abo abzuschließen, für Amazon lohnt sich das aber erst, wenn Kunden auch etwas kaufen und im besten Fall dank Prime mehr kaufen.

Video-Inhalte sind mittlerweile mit knapp 5 Milliarden Dollar eine der größten Ausgaben von Amazon im Jahr. Doch die Rechnung geht auf, auch wenn Amazon für „The Man in the High Castle“ gut 72 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt hat, so hat der Erfolg der Serie laut internen Dokumenten von Amazon auch für 1,15 Millionen neue Abonnenten gesorgt. Amazon hat hier also mit 63 Dollar pro neuem Nutzer kalkuliert, ein neuer Nutzer zahlt dann 99 Dollar in den USA (pro Jahr).

Doch diese Zahlen sind nebensächlich, denn das große Geld macht Amazon dann mit dem Verkauf von Dingen über den eigenen Online Shop. Amazon soll übrigens Boni für die Shows haben, die ein Nutzer nach der Prime-Anmeldung als erstes schaut. Amazon schaut danach wie teuer die Show beim Einkauf war und desto günstiger die Show, desto besser ist das natürlich für Amazon.

Herr der Ringe-Serie kostet 500 Millionen Dollar

Die Dokumente, die Reuters exklusiv einsehen konnte, gehen jedoch nicht ins Detail, zeigen also nicht wie lange Nutzer bei Prime bleiben und was Amazon dann genau beim Shopping verdient. Sowas dürfte aber auch nur schwer zu kalkulieren sein.

Das Ziel ist: Je mehr Prime-Nutzer, desto besser. Und je günstiger man sie bekommt, desto besser. Amazon hat in den letzten Monaten viel gelernt und kauft auch ganz gezielt Shows ein, die dann neue Nutzer anlocken sollen.

Der Bericht von Reuters zeigt auf, dass Amazon auch ein Problem hat: Gute Serien und beliebte Serien. Eine hochgelobte Serie bedeutet nicht, dass sie auch viele neue Nutzer anlockt, die dann ein Prime-Abo abschließen. Die Serie „Good Girls Revolt“ kam bei Kritikern und aktiven Mitglieder gut an, jedoch nicht bei neuen Nutzern. Pro neuen Nutzer kostete die Serie am Ende 1560 Dollar.

Interessant wird es dann bei der kommenden Herr der Ringe-Serie, bei der die Kosten für die Rechte, Produktion und Marketing bei über 250 Millionen Dollar pro Staffel (es wurden zwei bestellt) liegen. Amazon hofft, dass mit solchen Serien viele neue Nutzer zu Prime dazu kommen. Man geht übrigens davon aus, dass es weltweit 75 Millionen Prime-Nutzer gibt, eine offizielle Zahl nennt Amazon aber nicht.

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