Kommentar: Firefox und „Projekt Nova“ – Ich freue mich auf das Redesign

Ein besonderer Platz in meinem Herzen wurde schon immer dem Browser Firefox von den Entwicklern bei Mozilla eingeräumt: Ich kann mich noch lebhaft an den Moment erinnern, als ich die erste Version von Phoenix (so hieß der Browser in der Anfangszeit) unter Windows XP installiert habe. Zuvor hatte ich noch den Internet Explorer und Netscape Navigator als Browser genutzt. Relativ früh erfolgte zunächst die Umbenennung in Firebird, später in Firefox.

In der Anfangszeit löste der Name Firefox für damalige Verhältnisse einen kleinen Hype aus, inklusive einer einseitigen Werbeanzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Besonders die Veröffentlichung der Version 3 des Browsers sorgte für einen weitgehenden Server-Ausfall bei Mozilla, da sich weltweit Millionen von Menschen die neue Version herunterladen wollten.

Später wurden mehr als 8 Millionen Downloads an einem einzigen Tag verzeichnet, was von der Organisation Guinness World Records offiziell bestätigt wurde. Für Mozilla war das ein großer Erfolg – und ja, ich war damals auch dabei.

Betrachtet man jedoch die aktuelle Verteilung der Marktanteile, spielt der Browser Firefox eine eher untergeordnete Rolle. Gemäß den Daten des Web Traffic-Analyse Portals Statscounter beläuft sich der aktuelle weltweite Marktanteil von Firefox auf etwa 2,3 %. Demgegenüber stehen die deutliche Verbreitung von Safari mit knapp 17 % und von Chrome mit über 68 %.

Firefox ist aber nach wie vor das Aushängeschild der alternativen Open Source-Browser und steht in Konkurrenz zu den „Closed Source“-Browsern wie Microsoft Edge, Safari von Apple, Chrome von Google, Vivaldi und Opera.

Firefox blickt auf eine lange Geschichte zurück

Firefox ist also seit der ersten Stunde mein ständiger Begleiter und wurde auf sämtlichen Betriebssystemen, die ich seither verwendet habe, sofort installiert. In den letzten 20 (!!) Jahren hat der Browser einige Hochs und Tiefs erlebt, verfügt aber noch immer über eine treue Fangemeinde, die die Entwicklung sehr aktiv verfolgt. Besonders größere Umgestaltungen der Benutzeroberfläche sorgen immer wieder für hitzige Diskussionen, von denen es aufgrund der langen Geschichte des Browsers schon einige gab.

Mit der im März 2011 veröffentlichten Version 4 von Firefox erfolgte das erste große Redesign der Oberfläche. Dabei wurden Funktionen wie Tab-Gruppen, verbesserte Benachrichtigungen, die Funktion „Switch to Tab“ und ein neu gestalteter Add-on-Manager eingeführt. Dies gilt als der „echte“ Umbruch in der Entwicklung von Firefox.

Das lässt sich auch den Release Notes für Entwickler zu Firefox 4 entnehmen, die außergewöhnlich umfangreich ausfielen und weit mehr als nur designtechnische Neuerungen, Verbesserungen und Anpassungen umfassten. Es folgte eine Zeit der technischen Weiterentwicklung vieler Funktionen und Neuerungen, die damals im »Browser-Business« üblich waren.

Mit „Australis“ folgte Ende April 2014 in der Version 29 von Firefox das zweite Redesign mit weitreichenden Konsequenzen: Wer auf die neue Version umstieg, konnte nicht mehr zum alten Design zurückkehren, da die Änderungen am Quellcode und am Unterbau der Browser-Engine Gecko sehr umfangreich waren. Eine der bekanntesten Designänderungen war die Entfernung der Add-on-Leiste und die Verlagerung ihrer Inhalte in die Navigationsleiste.

Das Jahr 2017 markierte einen Wendepunkt: Google gewann mit seinem Browser Chrome immer schneller Marktanteile hinzu, sodass Mozilla und sein Browser Firefox zunehmend unter Druck gerieten. Aus technischer Perspektive war der Browser durchaus fähig mit den gegebenen Anforderungen und der Konkurrenz Schritt zu halten. Zudem sorgten freie Entwickler für eine Vielzahl an Anpassungen, wie etwa Erweiterungen und Themes.

Nichtsdestotrotz gelang es Chrome eine Vielzahl an Anwendern für sich zu gewinnen. Chrome punktete insbesondere mit der engen Verbindung zu Android und den zahlreichen Google-Diensten, darunter Google Maps und insbesondere Google Mail.

Erst »Quantum«, dann »Proton«

Anfang 2018 konterte Mozilla mit Firefox 57, auch „Quantum“ genannt. Die Veröffentlichung umfasste ein neues Interface-Design mit der Bezeichnung „Photon“, ein aktualisiertes, frischeres Logo und eine neue Rendering-Engine, die fast doppelt so schnell war wie die vorherige. Mozilla verdeutlichte, dass Firefox Quantum das Ergebnis einer grundlegenden Erneuerung von Firefox sei, die eine »bessere Leistung, Stabilität und Optik« aufweise.

Auch wenn man sich mit Google im Konkurrenzkampf befand, tauschte Mozilla Yahoo zudem als Standard-Suchmaschine im Browser gegen Google aus und beendete somit die seit 2014 bestehende Zusammenarbeit. Diese Kooperation wurde zur damaligen Zeit äußerst kontrovers debattiert, sollte jedoch eine weitgehende Zusammenarbeit hervorbringen – eine Zusammenarbeit, die bis heute fortbesteht.

Eines der signifikantesten Redesigns erfolgte schließlich am 1. Juni 2021 mit Firefox 89 und der Designsprache »Proton«, auf die das Unternehmen bis heute noch setzt. Mozilla hat optisch kaum einen Stein auf dem anderen gelassen – und das ist hinsichtlich der Änderungen, Anpassungen und neuen Funktionen durchaus ernst gemeint.

Die Tabs erhielten im Rahmen des neuen Designs ein deutlich moderneres Erscheinungsbild, die Adressleiste neue Icons, das Hauptmenü und das Panel-Design wurden von Grund auf neu entwickelt und die altbackenen Dialogfenster wurden frischer gestaltet. Im gleichen Zug erhielt die macOS-Version einen vollständigen Dark Mode, der bisher nur über installierte Erweiterungen/Themes möglich war.

Mit den weiteren Versionen kamen viele weitere Anpassungen in Sachen Design hinzu: Firefox 97 führte erstmals die Unterstützung für die nativen Designstile der Scrollbalken von Windows ein, Version 111 brachte die designgleiche Benachrichtigungsoption für Meldungen direkt in das Windows-Betriebssystem und mit Firefox 114 wurde eine verbesserte UI für DNS-Einstellungen veröffentlicht.

In der zwei Versionen höheren Version, also Firefox 116, wurde schließlich ein Sidebar-Switcher für Lesezeichen, Verlauf und synchronisierte Tabs eingeführt. Später folgten noch weitere Designanpassungen, die aber alle das Grundprinzip verfolgten – sie basieren nämlich alle wie gesagt auf der Designsprache »Proton«.

»Projekt Nova« – Der Fokus soll auf diese Faktoren gelegt werden

Ein Blick in die Zukunft von Firefox | Bildquelle: Mozilla

Knapp fünf Jahre und aberdutzende Versionen später (aktuell ist der Versionszweig 151.x.x) hat Mozilla entschieden mit „Projekt Nova“ ein runderneuertes Redesign von Firefox durchzuführen. Wieder einmal will man den Browser designtechnisch von Grund auf neu aufstellen, für die Zukunft eine „zusammenhaltende Grundlage“ schaffen und ihn laut Mozilla „cleaner, warmer, faster and more adaptable“ machen. Dabei werden vier große Stichpunkte genannt: Design, Datenschutz, Individualität und Geschwindigkeit.

In Sachen Design will man auf eine Palette von neuen Farben zugreifen, die den Browser einheitlicher, direkter und energischer machen sollen, um so eine bessere Benutzererfahrung zu schaffen. Mozilla spricht von „Glut um den aktiven Tab, tiefe rauchige Purpurtöne und hellere Töne, die Wärme hinzufügen“.

Dazu gehören Farbtöne wie „Cream“, „Pink“ und verschiedene Purpurtöne wie „Soft Purple“, „Dark Purple“ und „Midnight Purple“. Hinzu kommen „Privacy Gradient“, „World Gradient“ und „Firefox Gradient“, wobei sich letzteres am Firefox-Maskottchen Kit orientiert.

Das neue Design soll nach den Änderungen »ausdrucksstärker« wirken. Die Farbpalette gefällt mir und verleiht dem Browser Firefox eine eigene Identität, die meiner Meinung nach in den letzten Jahren ein wenig verloren gegangen ist.

Das sind die neuen Firefox-Farben | Bildquelle: Mozilla

Das Thema Datenschutz war schon immer ein großes Aushängeschild für den Browser, der in seiner langen Geschichte hin und wieder Dellen abbekommen hat, zuletzt durch die Einführung einiger KI-Dienste, die von den Nutzern stark negativ kritisiert wurden. Mozilla ruderte jedoch schnell zurück, kündigte einen „AI-Kill-Switch“ an und führte ab Version 148 eine neue zentrale Schaltzentrale in den Einstellungen zur Verwaltung und Deaktivierung von KI-Funktionen ein.

Mit der neuen Designsprache will man einen Schritt weitergehen und die ab Werk voreingestellte Enhanced Tracking Protection vor allem visuell besser hervorheben. So soll die Anzahl der blockierten Tracker in den Einstellungen einheitlicher dargestellt werden und das Feature soll allgemein auch für Einsteiger zugänglicher gemacht werden. Ich halte das für einen richtigen und wichtigen Schritt.

Ob diese Änderung Erweiterungen wie uBlock Origin überflüssig macht, wage ich zu bezweifeln. Sie sind aber gerade für Einsteiger wichtig, die das Feature gerne nutzen würden, aber mit den Feineinstellungen und „Gründlichkeit“ wie bei uBlock Origin überfordert sind.

Eine weitere Vereinfachung und bessere Zugänglichkeit soll der ebenfalls ab Werk integrierte, kostenfreie VPN-Dienst bieten, der es Anwendern ermöglicht die Dienste und Vorteile eines VPN direkt im Browser zu nutzen. Der Dienst bietet 50 GB Datenvolumen und legt großen Wert auf Datenschutz, wie Mozilla damals bei der Ankündigung mitteilte.

Ich habe den Dienst in der Vergangenheit immer wieder verwendet und kann mich sowohl in der Verwendung als auch in der Anwendung nicht beschweren. Besonders im öffentlichen WLAN kann dieses Feature sehr nützlich sein.

Mit dem Stichwort Geschwindigkeit ist zwar nicht die Performance des Browsers gemeint, wie man es vom Begriff her erwarten könnte, sondern die Anpassung des eigenen Workflows, der durch das Redesign an Fahrt gewinnen soll. So soll der Zugang zu Tab-Gruppen, Split View und vertikalen Tabs schneller ermöglicht werden. Auch will man den Kompaktmodus zurückbringen, der laut Mozilla von vielen Anwendern zurückgewünscht wurde.

Der neue Kompaktmodus von Firefox | Bildquelle: Mozilla

Auch der bisherige starke Vorteil, den Browser nach eigenem Geschmack individuell umzustellen und Firefox den eigenen Workflow zu unterwerfen, ist seit jeher bekannt. Dennoch will Mozilla die Möglichkeiten zur individuellen Anpassung erweitern und plant im Zuge des Redesigns neue Themes und Wallpapers.

Diese sollen je nach Auswahl der Farboptionen „tiefer und umfangreicher“ Auswirkungen auf die Benutzeroberfläche des Browsers haben. Laut Pressemitteilung stehen Begriffe wie Kontrast, Lesbarkeit, Tastaturverhalten, Zielgrößen, Systemeinstellungen und visueller Komfort im Fokus. Auch der durchaus beliebte und oft verwendete Dark Mode wird genannt und wahrscheinlich weitgehend erweitert und angepasst.

Firefox für iOS/Android wird auch profitieren

Laut Mozilla soll die neue Designsprache ansatzweise auch in der mobilen Versionen von Firefox ihren Einzug feiern. Mozilla sieht sich hier einer Konkurrenz gegenüber, die kaum aufzuholen ist. Das bedeutet, dass es für Mozilla eine große Herausforderung sein wird, den Anschluss an die Konkurrenz wiederzufinden beziehungsweise überhaupt eine Chance zu haben.

So soll Firefox für iOS und Android aussehen | Bildquelle: Mozilla

Wer ein Android-Smartphone besitzt und aktiv nutzt, verwendet wahrscheinlich Google Chrome. Die enge Vernetzung mit Android ist kaum zu „brechen“, obwohl die EU vor einigen Jahren dafür gesorgt hat, dass Google bei der Ersteinrichtung alternative Browser wie Firefox zur Auswahl stellen muss. Wer ein iPhone besitzt, wird vermutlich eher den Safari-Browser verwenden als Firefox. Mozilla muss hier erheblich mehr tun, um Firefox auf mobilen Plattformen attraktiver zu machen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Anwender auf der PC-/Mac-Plattform Firefox verwendet und zugleich auf mobilen Plattformen wie Android oder iOS ebenfalls auf den Browser aus dem Hause Mozilla setzt, kann erheblich gesteigert werden, wenn das Zusammenspiel passt.

So hat Mozilla in den letzten Jahren die Möglichkeit geschaffen mithilfe eines Mozilla-Kontos einen Tab an ein anderes Gerät zu senden sowie Passwörter zu speichern und zwischen den Plattformen zu synchronisieren. Oder »Shake to Summarize«, eine kleine, aber sehr nützliche Funktion. Das Redesign ist daher lediglich ein kleiner Schritt.

Firefox 2026: Ich freue mich auf das Redesign

Zusammengefasst stehe ich dem kommenden Redesign wohlwollend gegenüber und freue mich darauf. Der Browser Firefox begleitet mich seit jeher und wird auch in Zukunft nicht von einem anderen Browser ersetzt werden. In den vergangenen Jahren hat die Konkurrenz jedoch signifikant an Boden gewonnen, insbesondere Chrome von Google, das einen beachtlichen Marktanteil erlangt hat.

Ich bezweifle aber, dass das kommende Redesign Chrome oder auch Safari von Apple den Rang ablaufen wird, allerdings ist das wohl auch nicht der Hauptgrund, warum Mozilla diesen Schritt unternimmt.

Vermutlich zielt man bewusst auf Einsteiger und Umsteiger ab, für die die Installation eines neuen Browsers bereits eine Herausforderung darstellt. Der Browser soll einfach funktionieren. Man will nichts von spezifischen Einstellungen – Stichwort »About:Config« – oder Erweiterungen wie uBlock Origin wissen.

Bei der Erstinstallation sollen bereits alle Einstellungen „fix und fertig“ sein, wie etwa eine ab Werk eingeschaltete „Anti-Tracking“-Option. Design ist immer sehr subjektiv und dient eher als Markenkennzeichen eines Browsers, wobei Mozilla wiederum nun mit »Projekt Nova« genau das umsetzen will. Ein »ästhetisch ansprechender Browser« ist durchaus begrüßenswert.

Ein Blick in die Zukunft von Firefox | Bildquelle: Mozilla

Wer das neue Redesign bereits heute ausprobieren und somit erste Einblicke in die aktuelle Entwicklung werfen möchte, muss sich Firefox Nightly herunterladen und installieren. Die Nightly-Version ist eine Vorabversion des Browsers, die aktiv als Test- und Entwicklungsplattform für die Firefox-Entwicklung genutzt wird.

An der Nightly-Version wird täglich gearbeitet. Mozilla weist deshalb darauf hin, dass die Version ein- bis zweimal am Tag ein Update erhält und standardmäßig „Daten“ an das Unternehmen sendet.

Kurios ist, dass die Ankündigung des Firefox-Redesigns von Mozilla in eine Zeit fällt, in der auch die Konkurrenz in dieser Hinsicht aktiv ist: Vivaldi, ein auf Chromium basierender Browser, hat vor wenigen Wochen mit Version 8 die „größte Designüberarbeitung aller Zeiten“ namens „Unified“ erhalten.

Und auch Microsoft plant für diesen Monat noch eine Designüberarbeitung seines ebenfalls auf Chromium basierenden Browsers Microsoft Edge. Der Fokus liegt dabei auf der Zusammenarbeit zwischen Browser und verschiedenen Microsoft-Diensten wie Copilot und Bing.

Ich für meinen Teil werde Firefox sowohl auf der Mac-Plattform als auch auf Android-Geräten weiterhin verwenden – die erste Liebe zu einem Browser vergisst man schließlich nie. Mögen noch viele weitere schöne Jahre folgen!


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  1. Maximilian ♾️

    Oh man ich liebe deine ausführlichen Berichte! Ich bin auch einer der ersten User der es auf Windows XP genutzt hat. Unfassbar dass es heute noch auf meinem Rechner läuft da ich meine Geräte normalerweise oft mal austausche. Gerade mit Extension wie ublock Origin oder Darkreader läuft der Firefox heute problemlos.

  2. Herr P. 🏆

    Hoffentlich funktionieren dann noch alle Erweiterungen problemlos. Nicht das man hier auch wieder was ändert. Wäre nicht das erste Mal.

  3. Herr P. 🏆

    Meiner userChrome.css wird es nicht gefallen.

  4. VanZan 👋

    Schöner Artikel, vielen Dank dafür! :)
    Ich bin im letzten Monaten von Chrome, den ich von Beginn an genutzt hatte, auf Firefox umgestiegen und habe es nicht bereut. Es wurde mir einfach zu viel „Google“ überall und zu wenig uBlock Origin.
    Auch auf meinem iPhone würde ich gerne öfters Firefox nutzen, aber leider kann man keine Erweiterungen, und damit meine ich primär AdBlocker, installieren. Hoffe, dass es diese Möglichkeit bald geben wird. :)

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