LaMetric Time ausprobiert

Im Jahr 2014 konnte das Londoner Unternehmen Smart Atoms über Kickstarter einen Finanzierungsbetrag von 370.000 US-Dollar erzielen und feierte mit der kleinen Pixel-Uhr einen kleinen Crowdfunding-Erfolg. Knapp drei Jahre später ist der Name „LaMetric“ in der Geek-Szene durchaus ein Begriff und man präsentierte erst neulich das zweite Produkt der Serie, eine LED-Uhr mit integrierter Wetterstation.

Auch traf bei uns nun endlich ein LaMetric Time zum Test ein, sodass ich nach vier Wochen Benutzung von den ersten Erfahrungen mit der Erfindung berichten kann.

LaMetric Time Unboxing

In einer gut durchdachten, optisch wenig spektakulären Verpackung verstecken sich LaMetric Time, eine kleine Anleitung aus Papier, ein Micro-USB-Kabel und das Netzteil. Dazu gibt es insgesamt drei verschiedene Steckdosenadapter, welche die Stromversorgung unter anderem in Nordamerika, Europa und Großbritannien ermöglichen.

Die Adapter des recht klobigen USB-Netzteils mit einer Stromstärke von maximal 2A können mit wenigen Handgriffen getauscht werden. Meinem (wenig professionellen) USB-Messgerät zufolge gibt LaMetric sich auch mit 0,3A zufrieden und kann damit an nahezu jedem USB-Netzteil oder anderem Gerät mit USB-Ausgang betrieben werden.

LaMetric Time: Erster Eindruck

Im ausgeschalteten Zustand ist von der in LaMetric integrierten Anzeige nichts zu sehen, sodass es sich erst einmal um einen nicht unbedingt leichten, schwarzen Kunststoffklotz handelt. Einzig einen transparenten Belichtungssensor verbaut man vorderseitig noch, der Rest wird für das Display freigehalten.

Auf der Rückseite sind hingegen der micro-USB-Eingang und eine Klinkenbuchse zum Audio-Output vorzufinden. Dazu besitzt LaMetric zwei nach außen gerichtete Lautsprecher, einen Power-Button auf der rechten Seite sowie links zwei Lautstärke-Buttons. Die Unterseite ist gummiert gestaltet, wodurch ein Verrutschen auf glatten Oberflächen so gut wie ausgeschlossen ist.

Auf der Oberseite gibt es drei gut erreichbare, große Bedientasten. Zu beachten gilt, dass der Kreis keine eigene Taste darstellt, sondern lediglich der Markierung dient. Leider trüben die Tasten den ansonsten sehr guten Ersteindruck des Geräts. Während sonst keine unregelmäßigen Spaltmaße auffallen und auch der gummierte Kunststoff zu gefallen weiß, sind die Tasten arg wackelig gestaltet.

Sie haben beim Testmodell ein Spiel von mehreren Millimetern, was nicht nur für klappernde Geräusche sorgt, sondern sich auch einfach nicht gut anfühlt (und bei der Qualitätskontrolle doch eigentlich auffallen müsste?). Ansonsten weisen auch diese Tasten einen eindeutigen Druckpunkt auf und der Interaktionsbereich ist kaum zu verfehlen.

Anzeige und Textdarstellung der LaMetric Time

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Anzeige von LaMetric Time deutlich unschärfer daherkommt, als es die Produktbilder darstellen. Grund dafür ist eine matte Kunststoffscheibe über die gesamte Front, welche dafür sorgt, dass einzelne Pixel nicht scharf abgegrenzt werden. Ich persönlich empfinde das nach einigen Tagen Benutzung nicht mehr als sonderlich störend und ab einem Meter Entfernung fällt der Effekt schon nicht mehr auf.

Der Bildschirm kann insgesamt 37×8 Pixel darstellen und bietet damit nicht sonderlich viel Platz für Textinformationen. Längere Texte werden demnach ganz altmodisch (wie an der Infotafel im Bahnhof) durchgescrollt. Zusätzlich steht der Modus „Schreibmaschine“ zur Verfügung, welcher alle Buchstaben von oben einfliegen lässt.

Für mich völlig unverständlich: Während die Geschwindigkeit des einfachen Textlaufes nicht geändert werden kann, ist eine Regelung im anderen Modus stufenlos möglich. Zwar ist der Text auch mit dieser Einstellung recht gut lesbar, eine Umsetzung der Geschwindigkeitsoption sollte aber einfach realisierbar sein.

In den meisten Anwendungen wird rechts ein 8×8 Pixel großes Icon angezeigt, häufig animiert. So wird im Wetterbericht beispielsweise eine vorbeiziehende Wolke, ggf. mit fallenden Regentropfen gezeigt und der Sand in einer Stoppuhr läuft langsam runter, bis sie sich um 180 Grad dreht. Auch bei der Flagge als Icon für die Windgeschwindigkeit gelingt es erstaunlich gut, durch farbliche Abstufungen des Rot-Tons einen 3D-Effekt zu realisieren.

Einrichtung und Smartphone-App

Vor Inbetriebnahme von LaMetric muss erst einmal die passende Smartphone-App geladen werden, welche für Android und iOS zur Verfügung steht. Auch muss zur Verwendung zwingend ein kostenloser LaMetric-Account angelegt werden, eine Einrichtung über den Internet-Browser oder anderweitig am PC ist nicht möglich.

Preis: Kostenlos
Preis: Kostenlos

Über die App wird LaMetric dann mit dem heimischen WLAN-Netz gekoppelt und kann von diesem Punkt an eigenständig Daten aus dem Internet abrufen. Theoretisch ist der Zugriff auf das Smartphone von da an nicht mehr notwendig, jedoch beinhaltet die App gleichzeitig auch den App Store und ermöglicht die Konfiguration von Anwendungen.

Standardmäßig sind bereits einige Anwendungen vorinstalliert, welche die Grundfunktionalitäten abdecken. So können neben der Uhrzeit auch Wetterinformationen angezeigt werden, es ist möglich, die Anzahl der eigenen Twitter-Follower zu verfolgen oder die Zeit zu stoppen und auch die Radio-Anwendung ist schon vorhanden.

Die Bedienung einzelner Anwendungen erfolgt stets über die mittlere Aktionstaste, wenn unterstützt. Meist wechselt der Inhalt innerhalb einer Anwendung zudem automatisch durch, um verschiedene Informationen darzustellen. Bei der Wetter-App funktioniert das dann beispielsweise wie folgt:

  • Informationen wie Temperatur, Windstärke, Luftfeuchtigkeit wechseln automatisch durch
  • Die Prognose für den kommenden Tag kann per Klick auf den Aktionsbutton angestoßen werden
  • Nach der Anzeige aller Infos wechselt LaMetric, wenn aktiviert, automatisch zur nächsten App in Form des Twitter-Counters
  • Konfiguration über das Smartphone: Standort-Wahl (oder „automatisch“), Informationen ein- und ausblenden, Einheiten festlegen

In der Smartphone-App ist es auch möglich, sämtliches App-Durchschalten zu verbieten oder automatisches Wechseln zwischen den Anwendungen zu aktivieren. So kann LaMetric dann auf dem Schreibtisch stehen bleiben und fungiert ohne weiteres Zutun als erweiterte Uhr, welche auch über Twitter-Follower, Wetter, etc. informiert. Möchte man nur die Uhrzeit wissen, muss man dann allerdings meist etwas warten, manuell zur Uhrzeit schalten oder eben doch auf das Smartphone schauen.

Funktionsumfang der LaMetric Time

Insgesamt sind im LaMetric Store derzeit über 200 mehr oder weniger nützliche Anwendungen verfügbar, welche teilweise von Drittanbietern und teilweise direkt vom LaMetric-Team stammen. Wer darunter nicht den Funktionsumfang findet, welchen er sich vorstellt, kann selbst zum Entwickler werden. Innerhalb von 15 Minuten soll es über die übersichtliche Web-Oberfläche möglich sein, eine eigene App zu kreieren.

Anscheinend können die Apps öffentlich in den Store gestellt werden, um jedermann den kostenlosen Download zu ermöglichen. So kommt es, dass z.B. Abfahrts-Anzeiger für einzelne Bushaltestellen auf der Welt zur Verfügung stehen, jedoch noch keine universal nutzbare Anwendung für den deutschen Raum. Immerhin gibt es für die Kölner Verkehrs-Betriebe eine ähnliche App, welche die freie Haltestellenwahl ermöglicht.

Nachfolgend liste ich einfach mal alle von mir genutzten Apps und ihren Funktionsumfang auf, welche ich derzeit aktiviert habe:

  • Days to Christmas: Hält, was es verspricht
  • Date Ticker: Zählt die Tage bis zum eingestellten Termin, beispielsweise dem nächsten Urlaub
  • Don’t Press the Button: Unnötige Spielerei, aber halt doch ganz witzig (und nett animiert)
  • Email Notifications: Bietet einen Unread-Counter, und zeigt neue E-Mails mitsamt Titel und Absender an.
  • Facebook Fan Counter: Die Like-Anzahl eigener Facebook-Seiten immer im Blick
  • Google Analytics (Visitors): Ermöglicht die Anzeige verschiedener Informationen von Google Analytics und stellt den zeitlichen Verlauf hübsch dar.
  • IFTTT Indicator: Siehe unten
  • Message Board: Zur Anzeige ausgewählter Texte und passender Icons
  • Philips Hue: Erlaubt das Ein- und Ausschalten von Hue-Lampen und verbindet sich direkt mit der Bridge
  • Radio: Siehe unten
  • Uhr, Stoppuhr & Timer: selbsterklärend
  • Twitter: Informiert über neue Follower sowie die Anzahl derer.
  • Wetter: Direkt nach der Uhrzeit wohl die nützlichste Anwendung.

Zusätzlich zur dauerhaften Anzeige von Informationen unterstützen einige Anwendungen auch Benachrichtigungen. Beim Eingang neuer Emails ins Gmail-Postfach wird die Überschrift dieser beispielsweise direkt vorgelesen, neue Twitter-Follower werden kurz vorgestellt und IFTTT-Ereignisse führen ebenfalls zur zeitnahen Notification. Unterstützt wird das Ganze durch passende Benachrichtigungstöne aus den integrierten Lautsprechern.

Anbindung an IFTTT und Alexa

IFTTT

Auch ohne die Entwicklung eigener Apps, ist es dank IFTTT möglich, Benachrichtigungen durch andere Dienste und Aktivitäten auszulösen. LaMetric kann nach Download der passenden Anwendungen sowohl von sogenannten „Rezepten“ des Internetdienstes angesprochen werden, als auch durch Druck auf den Button als Auslöser fungieren.

Die Möglichkeiten der Interaktion mit anderen Diensten sind dadurch nahezu unbegrenzt. Ein paar solcher Applets sind bereits vordefiniert, darunter:

  • Anzeige der Titel aktuell auf Amazon Echo gespielter Songs auf dem Display von LaMetric.
  • Arbeitszeiterfassung über den Aktionsbutton
  • Erinnerung, das Smartphone zu laden, wenn der Akkustand am Abend gering ist
  • Steuerung des Nest-Thermostats

Größter Vorteil von IFTTT ist natürlich die Möglichkeit, mit wenigen Klicks eigene Applets erstellen zu können. Ein Beispiel dafür:

Amazon Echo / Alexa

Seit Anfang des Jahres ist es möglich, LaMetric über Amazon Alexa und damit per Sprache zu bedienen. Der passende Skill kann mittlerweile auch in Deutschland genutzt werden und ist natürlich kostenlos erhältlich. Da ich mit meinem Echo mittlerweile sehr zufrieden bin, war ich besonders gespannt auf das Zusammenspiel zwischen dessen Sprachassistentin und der Anzeige.

Grundsätzlich unterstützt die Alexa-Steuerung fast alle Funktionen von LaMetric Time bis auf die Benutzung der Aktionstaste. So können beispielsweise die Wetter-Vorhersage angezeigt, ein Timer gestartet und das Radio eingeschaltet werden. Auch ist es möglich, die Apps durchzuschalten und beispielsweise Bluetooth zu starten.

Soweit die Theorie. In der Praxis sind verschiedene Funktionen bei mir nicht funktionstüchtig. Die Wettervorhersage wird nur für den Bruchteil einer Sekunde angezeigt und verschwindet sofort wieder. Auch das auf der Skill-Seite angegebene Beispiel-Kommando „Alexa, frage LaMetric Time den Countdown auf 10 Minuten festzulegen“ funktioniert nicht und wird mit einer Fehlermeldung quittiert. Stattdessen klappt es, das Kommando mit „[…] auf 10 Minuten zu setzen“ zu beenden.

Andere Kommandos wie „Alexa, frage LaMetric Time, die Stoppuhr zu starten“ funktionieren einwandfrei. Über die drei Knöpfe auf LaMetric ist die Stoppuhr jedoch deutlich schneller erreichbar als über das Sprachkommando, welches möglichst exakt eingehalten werden muss. Leider ist es den Entwicklern durch Amazons Beschränkungen aktuell nicht möglich, auf das lange „Alexa, frage LaMetric Time“ zu verzichten.

Bei meinem Anwendungsszenario empfinde ich nur die Einstellung des Timers als sinnvoll, da die Restzeit entgegen der eigenen Echo-Funktion jederzeit abgelesen werden kann. Sollte LaMetric beispielsweise auf einem weiter entfernten Regal stehen, könnte der Nutzen schon eher gegeben sein als bei LaMetric Time auf dem Schreibtisch, bis dahin sind aber noch einige Verbesserungen des Skills notwendig.

Lautsprecher und Musikwiedergabe

Wie erwähnt besitzt LaMetric integrierte Stereo-Lautsprecher. Diese können nicht nur Benachrichtigungstöne abspielen, sondern ermöglichen auch die Musikwiedergabe. Es ist möglich, direkt vom favorisierten Radioprogramm geweckt zu werden, und LaMetric damit als Ersatz für einen Radiowecker zu benutzen.

Zusätzlich existiert eine eigene Internetradio-App, welche Zugriff auf über 3.000 Sender weltweit bietet und damit auch die wichtigsten deutschen Kanäle abdeckt. Alternativ können eigene Stream-URLs in der App hinterlegt werden. Auch kann LaMetric als Bluetooth-Lautsprecher verwendet werden, wobei dann ebenso wie bei Verwendung der Radiofunktion ein netter Equalizer angezeigt wird.

Die Tonqualität ist allerdings nicht sonderlich überzeugend und liegt auf dem Niveau etwas besserer Notebook-Lautsprecher. Zum Aufwecken reicht dies völlig aus, für längeren Musikgenuss empfiehlt sich die Verwendung anderer Abspielgeräte oder Lautsprecher. Mit diesen kann LaMetric über die rückseitige Klinkenbuchse verbunden werden.

Ist ein solcher Lautsprecher angeschlossen, während Musik per Bluetooth zugespielt wird, fungiert LaMetric unkompliziert als Bluetooth-Receiver mit gleichzeitiger Anzeige der tanzenden Equalizer-Pixel.

Und sonst noch?

  • Durch den integrierten Helligkeitssensor passt sich LaMetric automatisch den Lichtbedingungen an. Ein Blenden in der Nacht ist damit ausgeschlossen.
  • Die Übersetzung der Smartphone-App ist teilweise etwas holprig, alles bleibt aber verständlich.
  • Ursprünglich wurde auch ein Modell mit integriertem Akku angeboten, welches mittlerweile nicht mehr erhältlich ist.
  • Um die Anzeige trotzdem für einige Zeit ohne feste Stromversorgung zu betreiben, kann die Powerbank herhalten. Durch den Stromverbrauch von etwa einem Watt im Betrieb sind auf diesem Weg Laufzeiten von mehreren Tagen möglich.
  • Da LaMetric über fast jeden USB-Ausgang mit Strom versorgt werden kann, macht sich endlich die USB-Buchse meiner Nachttischlampe bezahlt
  • Während der Kickstarter wurde das Stretchgoal erreicht, mehrere LaMetric Time miteinander verbinden zu können, sodass die Anzeige über die Displaygrenzen fortgesetzt wird. Diese Funktion ist bis heute nicht umgesetzt.

Preis und Verfügbarkeit

LaMetric Time kann es bei Amazon zum Preis von 199 Euro erwerben. Alternativ ist eine Bestellung auch für 199 USD über den Hersteller-Shop möglich, dann ist es allerdings möglich, dass noch Einfuhrabgaben entrichtet werden müssen. Wer es nicht ganz so eilig hat, sollte den Amazon-Preisverlauf etwas im Auge behalten – bis vor einer Woche schwankte der Preis bei Amazon noch zwischen 170 und 180 Euro.

Fazit zur LaMetric Time

Bis auf kleinere Patzer bei der Alexa-Anbindung und der Verarbeitungsqualität tut LaMetric Time genau das, was es verspricht. Neben der Uhrzeit können verschiedene Informationen aus dem Internet abgerufen werden und auch die Benutzung des Buttons als Trigger für Philips Hue oder IFTTT ist möglich.

Sicherlich: LaMetric ist ein ziemliches Nerd-Spielzeug und knapp 200 Euro für ein solches sind nicht ohne. Allerdings kann es verschiedene Geräte wie Radiowecker, Bluetooth-Receiver für die Soundanlage und Smart-Home-Buttons ersetzen und liefert dazu noch Wetterinformationen. Hätte man solche Einzelkäufe sowieso getätigt, erscheint der Kaufpreis dann doch halbwegs angemessen.

Letztlich ist es wie bei einer Smartwatch: Man braucht es nicht, verpasst ohne das Produkt aber doch etwas. Das mag auch daran liegen, dass LaMetric im Prinzip nicht mehr ist als das – eine intelligente Uhr.

Wertung des Autors

Peer Linder bewertet LaMetric Time mit 4.2 von 5 Punkten.

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