Moto X4: Hochwertiges Mittelklasse-Smartphone im Test

Moto X4 Header

Dieses Jahr erweiterte Motorola die eigene Mittelklasse um das Moto X4, welches sich oberhalb des Moto G5S Plus ansiedelt und mit seinem Glas-Gehäuse vor allem hochwertiger daherkommt.

Doch kann das Moto X4 als eines unter vielen Mittelklasse-Smartphones wirklich überzeugen? Wir haben es uns für euch angeschaut.

Technische Daten des Moto X4

  • 5,2 Zoll IPS-Display mit 1.920 x 1.080 Pixeln
  • Qualcomm Snapdragon 630 Octa-Core-SoC
  • 3 GB Arbeitsspeicher
  • 32 GB interne Speicher, erweiterbar per microSD-Karte
  • Dual-Kamera mit 12-Megapixel-Hauptsensor (f/2.0) sowie 8-Megapixel-Weitwinkelsensor (f/2.2)
  • 16-Megapixel-Frontkamera mit f/2.0
  • 3.000 mAh Akku mit 15-Watt-TurboPower
  • Android 7.1 Nougat
  • 148,3 x 73,4 x 8,0 mm
  • NFC, Wlan b/g/n/ac, Bluetooth 5.0
  • 163 Gramm

Design und Verarbeitung des Moto X4

Moto X4 Back 1

Obwohl die Einführung des Moto X4 sowie die Vorstellung der Moto G5S-Familie die Mittelklasse von Motorola ziemlich unübersichtlich machten, unterscheidet sich das teurere X-Modell doch sehr von den anderen Moto-Produkten.

Während diese in der Mittelklasse auf Metall-Gehäuse setzen, verfügt das Moto X4 auf der Vorder- sowie Rückseite über Glas, was es noch einmal hochwertiger wirken lässt. Fingerabdrücke sind zumindest bei der von mir getesteten schwarzen Version an der Tagesordnung, das lässt sich bei Glas-Rückseiten aber leider kaum vermeiden.

Doch nicht nur die Materialwahl ist beim Moto X4 besonders, auch die Designsprache unterscheidet sich stark von den sonstigen Smartphones von Motorola. Deutlich wird das vor allem bei einem Blick auf die Rückseite des Geräts, wo sofort die Dual-Kamera ins Auge sticht.

Mit ihrer auffälligen Optik ist sie eindeutig ein Blickfang, der von manch einem als schön, von vielen – inklusive mir – aber auch als too much empfunden werden dürfte. Zudem steht die Kamera etwas aus dem Gehäuse hervor, weshalb das Smartphone auf dem Tisch abgelegt etwas wackelt.

Mit seinem Materialmix aus Glas und Metall macht das Moto X4 einen überaus edlen Ersteindruck, auch wenn es vielleicht etwas besser in der Hand liegen könnte. Die Optik ist letztendlich ziemlich schick, wobei ich eine nicht ganz so wuchtige Kamera bevorzugt hätte.

Display des Moto X4

Moto X4 Display

Verglichen mit vielen anderen Smartphones fällt das Display des Moto X4 etwas kompakter aus. Auf einer Diagonalen von 5,2 Zoll stellt es die typische FullHD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln dar, was selbstverständlich auch 2017 noch ausreicht, um einen scharfen Eindruck zu erzeugen.

Die verwendete IPS-Technologie des Panels ist ebenfalls Standard und sorgt für gute Blickwinkel sowie relativ neutrale Farben, wenn auch ein leichter Blaustich zu erkennen ist.

Schön ist auf jeden Fall, dass dem Nutzer des Moto X4 bei der Farbintensität die Wahl bleibt. Steht man eher auf knallige Farben, wie von AMOLED-Displays gewohnt, wechselt man in den Einstellungen einfach auf den intensiven Farbmodus, woraufhin die Sättigung deutlich erhöht wird. Der natürliche Farbmodus erlaubt hingegen eine realistischere Darstellung und ist gerade bei der Verwendung der Kamera von Vorteil.

Letztendlich kann das Display des Moto X4 immerhin noch als gut bezeichnet werden. Abgesehen von dem leichten, fast nur im direkten Vergleich erkennbaren Blaustich, erfüllt es alle Kriterien zu voller Zufriedenheit.

Toll wäre es jedoch, wenn bei einer kommenden Generation die Displayränder etwas verkleinert werden würden – ob nun durch den Einsatz eines 18:9-Panels oder nicht, wäre mir grundsätzlich egal.

Moto X4 Performance

Moto X4 Back 3

Mit einem Snapdragon 630 Octa-Core-SoC verfügt das Moto X4 über einen potenten Unterbau, der auch in Kombination mit „nur“ 3 GB Arbeitsspeicher für eine flüssige Bedienung sorgt.

Die gefühlt besonders schnell eingestellten Systemanimationen verstärken dieses Empfinden noch einmal und lassen das Smartphone schneller als manch anderes Mittelklasse-Modell wirken. Ruckler können dem Moto X4 zwar, wie bei Android-Geräten meist üblich, gelegentlich entlockt werden, zählen bei Weitem aber nicht zum Alltag.

Auch beim Gaming schlägt sich das Mittelklasse-Smartphone durchaus gut. Sämtliche von mir ausprobierten Spiele – darunter Vainglory und Arena of Valor – liefen ohne Probleme und wurden ruckelfrei wiedergegeben. Das sollte, falls der RAM-Bedarf nicht sehr stark ansteigt, auch in 1-2 Jahren noch der Fall sein, sodass man mit dem Moto X4 gut für die Zukunft gerüstet ist.

Kamera des Moto X4

Moto X4 Camera

Interessant ist beim Moto X4 vor allem die Kamera, bei der man im Gegensatz zu einigen anderen Herstellern auf eine Dual-Kamera mit einer Kombination aus einer Tele- und einer Weitwinkellinse setzt. Die übersichtliche Kamera-App erlaubt den schnellen Wechsel zwischen dem 13-Megapixel-Sensor mit f/2.0 sowie dem 8-Megapixel-Weitwinkelsensor mit f/2.2, der es ermöglicht, mehr Inhalte aufs Bild zu bekommen.

Hinsichtlich der Bildqualität kann die sicherlich häufiger zum Einsatz kommende Tele-Linse des Moto X4 mit anderen Smartphones im ähnlichen Preisbereich mithalten. Bei guten Lichtbedingungen entstehen so durchaus brauchbare Bilder mit einer guten Schärfe und natürlichen Farben. Wird es dunkler, nimmt die Bildqualität deutlich ab und Rauschen setzt in vertretbarem Maße ein.

Schlechtere Bilder liefert da, wie so oft, die Weitwinkelkamera ab, deren Auflösung auch nur noch 8 Megapixel beträgt. Am Tag lassen sich so noch interessante Aufnahmen mit Fisheye-Effekt erstellen, bei Nacht sollte aufgrund der geringeren Lichtstärke allerdings von einem Einsatz abgesehen werden. Letztendlich handelt es sich hier also mehr um eine kreative Spielerei, die gelegentlich nice to have ist.

Kann die Kamera an sich somit als durchschnittlich bis gut bezeichnet werden, trifft das auf den Bokeh-Modus leider nicht wirklich zu. Gerade bei nicht menschlichen Objekten werden Kanten kaum erkannt, sodass das Endergebnis extrem künstlich ausschaut.

Immerhin löst die Frontkamera zu guter Letzt mit 16 Megapixeln sehr hoch auf und erlaubt es mit ihrem Low-Light-Modus selbst bei schlechten Lichtbedingungen noch gute Selfies zu schießen.

Software des Moto X4

Moto X4 Moto Action

Besonders gut gefiel mir beim Moto X4 wieder einmal die Software. Das liegt nicht nur daran, dass Lenovo bzw. Motorola als einer der wenigen Hersteller auf eine kaum veränderte Oberfläche setzt, sondern zusätzlich auch noch einige äußerst praktische Funktionen integriert. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, per Handbewegung die Kamera oder die Taschenlampe starten zu können, vermisst man diese Features bei anderen Smartphones auf jeden Fall!

Ebenfalls praktisch ist die beim in die Hand Nehmen zu sehende Funktion namens Moto Display, welche alle eingegangenen Benachrichtigungen in einer übersichtlichen und hübschen Darstellung aufzeigt. Zudem kann auf Wunsch der Google Assistant gegen Amazon Alexa ausgetauscht werden, wobei der Sprachassistent auch bei ausgeschaltetem Display mit einer guten Befehlserkennung überzeugt.

Schade ist beim Moto X4 hingegen, dass das Smartphone anders als beispielsweise in den USA in Deutschland kein Teil des Android One Programms ist. Daher kommt momentan immer noch Android 7.1 Nougat als Betriebssystem zum Einsatz und wann mit einem Oreo-Update gerechnet werden kann, ist nicht bekannt.

Immerhin wurde kurz vor Ende des Testzeitraums noch der Sicherheitspatch vom November verteilt, was auf eine Verbesserung des in der Vergangenheit nicht ganz so schnellen Software-Supports hoffen lässt.

Akku des Moto X4

Moto X4 Akku

Der fest verbaute Akku fällt beim Moto X4 mit einer Kapazität von 3.000 mAh durchschnittlich aus, was auch auf die Laufzeit zutrifft. Ungefähr 4 bis 5 Stunden Screen-On-Time konnte ich im Test täglich erreichen, wobei ein großer Teil davon auf Social Media-Aktivitäten und das Browsen im Internet entfiel. Einen Tag sollte das Smartphone bei jedem durchstehen, ein zweiter dürfte allerdings nur bei seltener Benutzung möglich sein.

Immerhin unterstützt das Moto X4 mit TurboPower den hauseigenen Schnellladestandard von Motorola, für den direkt auch das passende Netzteil beiliegt. Lädt man das Smartphone auf diese Weise mit 15 Watt auf, ist der Akku nach 30 Minuten schon wieder auf 55 Prozent gefüllt. Für eine volle Ladung werden ebenfalls schnelle 90 Minuten benötigt, sodass man keine langen Pausen zum Nachfüllen einplanen muss.

Und sonst noch?

Moto X4 Fingerprint

  • Abgesehen vom selbstverständlich auf der Front zu findenden Telefonie-Lautsprecher besitzt das Moto X4 keinen weiteren, wodurch der Klang nicht ganz so toll ausfällt. Für das Anschauen von Videos reicht es jedoch aus und immerhin wird der Sound so direkt auf den Nutzer abgestrahlt.
  • Dank seiner IP68-Zertifizierung kann das Moto X4 bedenkenlos auch in der Nähe von Wasser verwendet werden. Dennoch sollte man gut auf das Gerät aufpassen – das beidseitig verwendete Glas kann schließlich schnell brechen.
  • Die Unterstützung von Bluetooth 5.0 ermöglicht es, das Moto X4 gleichzeitig mit bis zu 4 Bluetooth-Geräten zu verbinden.
  • Der Fingerabdrucksensor auf der Front des Moto X4 reagiert zuverlässig, kann mit denen in manch einem Flaggschiff-Modell aber hinsichtlich der Geschwindigkeit nicht ganz mithalten. Verzichtet man auf einen direkten Vergleich, fällt das jedoch kaum auf.
  • Ist man kein Fan der Android-Bedienung über die On-Screen-Tasten, kann auch eine One-Key-Navigation über den Fingerabdrucksensor aktiviert werden. Dann erfolgt die Steuerung mithilfe von Gesten, was ich persönlich beim Moto X4 allerdings nicht präferierte.
  • Das Moto X4 ist wie viele Mittelklasse-Smartphones heutzutage mit einer Dual-SIM-Funktion ausgestattet. Verzichtet man auf diese, kann der 32 GB große interne Speicher per microSD-Karte erweitert werden.

Fazit zum Moto X4

Moto X4 Back 2

Kommen wir nun zum Fazit: Das Moto X4 leistet sich keine wirklichen Schnitzer und stellt ein rundes Gesamtpaket dar. Besonders hervor stechen die hochwertige Verarbeitung und die Software, welche mit vielen praktischen Zusatz-Features ergänzt wurde. Nur durchschnittlich sind hingegen die Kamera, die Akkulaufzeit und der mit 3 GB Arbeitsspeicher nicht ganz so großzügig dimensionierte Arbeitsspeicher.

Bleibt nun die Frage, ob man sich das Moto X4 zulegen sollte. In Anbetracht des aktuellen Preises in Höhe von 349 Euro würde ich hier bedingt mit „ja“ antworten. Sind einem Punkte wie die IP68-Zertifizierung oder die hochwertigen Materialien wichtig, ist das Moto X4 ein tolles Mittelklasse-Smartphone, zu dem gerne gegriffen werden kann.

Kann man hingegen auf solche „Premium-Features“ verzichten, findet man bereits für weniger Geld beispielsweise das BQ Aquaris X, das in vielen Punkten ebenbürtig ist.

Schlussendlich muss wieder einmal jeder für sich selbst entscheiden, ob man sich das Moto X4 zulegen möchte. Solltet ihr euch dafür entscheiden, bin ich mir aber sicher, dass ihr damit glücklich werdet.

Wertung des Autors
Niklas Jutzler bewertet Moto X4 mit 4.1 von 5 Punkten.

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