RHA S500i In-Ear-Kopfhörer Testbericht

RHA S500i In-Ear-Kopfhörer

In der Vergangenheit testete ich bereits die T10i und T20 des schottischen Audio-Unternehmens RHA. Beide konnten mich absolut begeistern, was bei dem recht hohen Kaufpreis von ca. 180 bzw. 230 Euro aber auch das Mindeste ist. Nun hat RHA vor kurzem die S500i auf den Markt geworfen, mit denen man eine gänzlich anderen Käuferschicht anvisiert. Diese kosten nämlich „nur“ 50 Euro und richten sich somit an preisbewusste Nutzer, die keinen dreistelligen Euro-Betrag investieren möchten und trotzdem ein brauchbares Paar In-Ear-Kopfhörer haben möchte.

Über die vergangenen zwei Wochen hinweg habe ich die angesprochenen S500i nun also ausprobiert, da ich mir ein Bild davon machen wollte, wie konkurrenzfähig RHA denn im preislichen Bereich der unteren Mittelklasse ist. Im höherpreisigen High-End-Bereich der Consumer-Earbuds haben sie bereits einiges an Expertise sammeln können – schauen wir uns also mal an, wie sich RHA dieses Mal anstellt.

Technische Spezifikationen und Lieferumfang

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  • Treiber: Mikro-dynamisch (Modell 140.1)
  • Frequenzbereich: 16-22,000Hz
  • Impedanz: 16ohm
  • Empfindlichkeit: 100dB
  • Nennleistung/Höchstleistung: 1/5mW
  • Gewicht: 14g
  • Kabel und Anschluss: 1,35m zweiteiliges Material / 3,5mm Klinke, vergoldet
  • S500i In-Ear Kopfhörer, 6 Paar Dual Density Ohrstöpsel: 2 x S / 2 x M / 2 x L, 1 Paar Doppelflasch Ohrstöpsel: 1 x S, Transporttasche, Kleiderclip

Hardware und Design

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Obwohl die S500i „lediglich” 50 Euro kosten, lässt sich RHA nicht bitten: Die Treibergehäuse sind aus einer Aluminiumlegierung gefertigt, wodurch sie zum einen deutlich leichter als die der T10i/T20 sind, zum anderen aber weiterhin eine gewisse Wertigkeit vorweisen – vor allem im Vergleich zu vielen Konkurrenten in diesem Preisbereich, bei denen man lediglich Kunststoffgehäuse vorfindet. Zudem sind sie sehr kompakt gebaut, sodass sie sehr unscheinbar im Ohr sitzen und nicht allzu sehr auffallen sollten. Der Klinkenanschluss und die Mediensteuerung, die lediglich in Zusammenarbeit mit Apple-Devices ihre volle Funktionalität entfalten, sind ebenfalls aus Aluminium gefertigt. Beim Splitter kommt hingegen Kunststoff zum Einsatz.

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Das Kabel ist relativ dünn gehalten und bis zum Splitter hin in einem ntenem Stoffmaterial gehalten – ähnlich, wie man es von einigen Gaming-Mäusen kennt. Vom Splitter zu den Treibergehäusen hin werden jedoch die üblichen Gummierungen genutzt. Das Stoffkabel soll die Konstruktion insgesamt widerstandsfähiger machen, darüber hinaus habe ich ein geringeres Problem mit dem Verheddern des Kabels festgestellt.

Insgesamt gefällt mir die Konstruktion der S500i ausgesprochen gut – besonders, wenn man den Preis bedenkt. Weiterführende Features, wie Sprungfedern zur Sicherung sensibler Stellen des Kabels oder gar austauschbare Filtersysteme sucht man hier natürlich vergebens, denn irgendwo muss man eben ansetzen, um den Preis zu drücken. Einen Over-Ear-Ansatz, wie bei RHAs Highend-Modellen hätte ich zwar durchaus gerne gesehen, allerdings liegt eine solche Konstruktion, die auch mit entsprechenden Belastungen zurechtkommen muss, ebenfalls außerhalb des anvisierten Preisbereichs.

Klangbild

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Gehen wir nun ans Eingemachte: Dem Sound. Kopfhörer können noch so hübsch sein; wenn sie einfach mies klingen, ist man trotzdem verloren. Beim Klangbild entschied sich RHA für den typischen Disco-Klang. Das heißt in anderen Worten, dass der Klang Bässe und Hochtöne auf Kosten der Mitteltöne besonders präsent darstellt.

Besonders die Darstellung von Tieftönen überrascht ein wenig, denn aufgrund der sehr kompakten Gehäuse hätte ich im Vorfeld nicht unbedingt gedacht, dass diese Kopfhörer Basstöne so gut wiedergeben könnten. Auch hohe Töne werden sehr präsent angezeigt, wobei es manchmal doch zu viel des Guten ist. Generell werden diese Tön sehr detailliert dargestellt, allerdings können diese manchmal auch sehr schrill rüberkommen. Mitteltöne sind aber definitiv ein Problem der S500i, denn diese sind oft nur von geringer Präsenz. Höhere Mitten sind davon noch weniger betroffen, als tiefere Mitteltöne – speziell bei letzterem merkt man aber doch, dass der Fokus auf den beiden anderen Frequenzbereichen liegt.

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In Anbetracht des Preises ist es verständlich, warum RHA die S500i auf dieses Klangbild getunet hat, denn durch den erschwinglicheren Preis werden diese Kopfhörer eher im Mainstream ankommen, als die T10i und die T20, die sich durch recht flache Klangbilder auszeichnen. Der durchschnittliche Mainstream-Hörer wird eine solche Klangstruktur bevorzugen. Ich für meinen Teil bin trotzdem nicht begeistert.

Wenn es um Musik geht, stellen sich die S500i noch relativ gut an mit dieser Ausrichtung. Sobald man aber in den Sprachbereich geht, bekommt man definitiv Probleme: Podcasts können sich mitunter etwas dünn anhören und Telefonate aller Art können durch die schrillen Hochtöne, die in diesen Szenarien besonders zum Tragen kommen, fast schon schmerzhaft im Ohr sein.

Mediensteuerung

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RHA hat eine klare Struktur, wenn es um ihre Kopfhörer-Benennung geht: Modelle ohne „i”-Zusatz im Namen kommen ohne integrierte Mediensteuerung, wohingegen die i-Modelle eine beinhalten, die speziell auf Apple-Geräte zugeschnitten ist. Mit den meisten Android-Geräten kann man die Wiedergabe zwar über den Play/Pause-Button pausieren bzw. fortsetzen, allerdings bleibt es auch dabei. Die volle Funktionalität bekommt man also nur in Kombination mit einem iPod, iPhone oder iPad.

Mit den RHA-eigenen Mediensteuerungen hatte ich bereits bei den T10i meine Schwierigkeiten und diese sind auch hier die Gleichen: Die Buttons sind per Gefühl nur schwer auszumachen, die Druckpunkte der drei einzelnen Knöpfe zudem sehr schwammig. Hier sind sie sogar so schwammig, dass ich alleine anhand des Drucks teilweise nicht ausmachen kann, ob ich den Button nun tatsächlich gedrückt habe, was zu vermehrtem Betätigen führt, wodurch man die Lautstärke beispielsweise zu laut oder zu leise stellt.

Ein Blick auf die Schnellanleitung verrät, dass die Mediensteuerung nicht nur Play/Pause sowie Volume Up/Volume Down beherrscht, sondern auch weitere Funktionen bietet: Ein Longpress auf den Play/Pause-Button betätigt beispielsweise Siri und durch doppeltes Betätigen der Lautstärketasten springt man zum nächsten bzw. vorherigen Song. Während die Siri-Funktionalität problemlos klappt, will das Song-Skipping bei mir partout nicht funktionieren, was ich wirklich sehr enttäuschend finde.

RHA S500i Fazit

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Insgesamt sind die RHA S500i sicherlich nicht beeindruckend oder revolutionär, allerdings müssen sie das auch gar nicht sein. Bei einem Preis von rund 50 Euro kann man in diesem Markt einfach nichts extravagantes erwarten. Nichtsdestotrotz haben sich die Kopfhörer als grundsätzlich solide Modelle erwiesen, mit denen man beim Hören der Lieblingsmusik durchaus Spaß haben kann. Wer bevorzugt Podcasts hört, sollte aber weitersuchen und definitiv auch darüber nachdenken, das Budget für die nächsten Kopfhörer etwas höher anzusetzen.

Das Marktsegment, das RHA anvisiert, kann man aber definitiv gut bedienen. Es sind die Mainstream-Hörer, die keine besonderen Ansprüche an die Klangkurve haben, sondern Musik lebhaft hören möchten und das können die S500i definitiv. Ich für meinen Teil falle allerdings nicht unter diese Kundschaft, denn zum einen bin ich durch die T10i/T20 klanglich doch recht verwöhnt und zum anderen mag ich ausgeglichene, flachere Klangstrukturen.

So gibt es eben für jeden etwas auf dem Markt und mehr denn je sollte man sich genau darüber vergewissern, welche Präferenzen man bei der Musikwiedergabe hat und ob diese oder jene Kopfhörer zu den festgestellten Präferenzen passen.

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