Mit dem Rücken zur Wand: RIM äußert sich zur aktuellen Problematik des Unternehmens

Research In Motion steht momentan mit dem Rücken zur Wand, die Meldungen der letzten Tage lassen die Frage aufkommen wie lange das noch gut gehen wird. Natürlich sind die finanziellen Mittel noch da, aber Blackberry 10 wird erst im ersten Quartal 2013 auf den Markt kommen und somit gut ein Jahr später als ursprünglich vermutet. Laut einer inoffiziellen Roadmap vom Montag wird es immerhin zwei Geräte zum Marktstart geben, wobei der Fokus dem „Projekt London“, einem direkten Konkurrenzen zum iPhone, den Androiden und auch den Windows Phones liegt. RIM wird diesbezüglich auch am 10. Juli in Waterloo ein Treffen mit Aktionären abhalten, eine spannende Frage wird vor allem die Strategie für die nächsten Monate sein. Bis zu den ersten Produkten dauert es noch über ein halbes Jahr, auf diesem Markt eine halbe Ewigkeit, in der viel passieren kann.

Und wie ich bereits erwähnte: Selbst mit Blackberry 10 ist ein plötzlicher Erfolg nicht garantiert, wie schwer so ein krasser Strategiewechsel sein kann musste in den letzten Jahren auch Microsoft feststellen. Die Konkurrenz schläft nicht und bis 2013 wird es auch hier eine neue Generation von Androiden, Windows Phones und das iPhone der sechsten Generation im Einzelhandel geben. Und das schon Wochen oder Monate vor dem ersten Smartphone mit Blackberry 10. Doch CEO Thorsten Heins ist trotz den negativen Schlagzeilen sehr zuversichtlich, man befinde sich momentan in der Mitte eines Wandels und wird aus diesem gestärkt hervorgehen.

„This company is not ignoring the world out there, nor is it in a death spiral. Yes, it is very, very challenged at the moment – specifically in the U.S. market. The way I would describe it: we’re in the middle of a transition,“ he said. „All that is in the making, it’s in the works. This company is in the middle of it and I’m positive we will emerge successfully from that transition.“

Natürlich wollte man bei RIM auch nichts überstürzen und Blackberry 10 soll eine Plattform für die nächsten Jahre und die Zukunft des Unternehmens werden. Das OS soll fertig sein und nicht halbfertig auf den Markt geworfen und anschließend komplett ausgebessert werden. Eine löbliche Einstellung wie ich finde, das Resultat werden wir aber auch erst in ein paar Monaten beurteilen können und ich glaube man würde, wenn man könnte, liebend gern eine entsprechendes Smartphone im Weihnachtsgeschäft auf dem Markt haben. Aber es richtig zu machen ist RIM wichtiger, als es schnell zu machen und so verschiebt man den Release lieber um ein paar Monate.

„Certainly it was not an easy decision to hold off on the launch of our new BlackBerry 10 platform, but for us it was critical that we get it right and we build a platform for the next ten years of RIM’s growth. […] Getting it right is more important than getting it out quickly.“

RIM steht jedoch mit dem Rücken zur Wand und hat sich gestern dazu entschlossen aus der defensiven Haltung in eine offensive zu wechseln, hochrangige Leute des Unternehmens waren diesbezüglich zu einem Interview bereit und so musste man sich den Fragen von ausgewählten Medien stellen. Interessante Worte gab es da zum Beispiel von Rick Costanzo, brandneuer Vizepräsident für globale Verkaufe und regionales Marketing, welcher in einem Interview Kevin Michaluk von Crackberry Rede und Antwort stand. RIM ist mit Blackberry 7 durchaus noch erfolgreich, nur eben außerhalb der USA und das wird von vielen Medien einfach nicht berücksichtig. Aber es ist eben auch nur ein Übergang zu Blackberry 10 und bei RIM sind alle realistisch und sehen die problematische Situation des Unternehmens. Aber man glaubt an das Projekt und das wird vor allem in den kommenden Wochen und auch Monaten immer wichtiger.

„That’s a big shift in the organization. The company is being very pragmatic. We’re taking some difficult decisions onboard. But we’re making the right decisions. […] Nobody is delusional here. We get it. That’s why we’re building BlackBerry 10 and man are we committed. For the guys that are calling for our demise I would say $2 billion dollars in the bank, zero debt and continuing to grow net cumulative subscribers every single quarter does not sound like a company that is about to go under.“

Blackberry 10 soll der Grundstein für die nächsten zehn Jahre werden und das OS ist komplexer, als es vielleicht aussieht. Neben Smartphones und Tablets hängen hier noch weitere Bereiche wie eine Integration in Autos mit drin und man möchte im nächsten Jahr ein fertiges Produkt auf den Markt bringen. Aber die Kritik ist angebracht und vor allem bis zum Launch werden das ein paar harte Monate, da die Probleme in den USA immer größer werden und dieser Markt für RIM aus Marketingsicht sehr wichtig ist.

„We’re resilient and we’re pragmatic. We’re not the first company that’s had to go through a transition and we won’t be the last. We’re fully aware of the challenges in front of us. We’ve been extremely thoughtful in terms of how we navigate through this transition. We’ve got the intestinal fortitude to persevere through these challenges over the next couple of quarters. We’re excited by the feedback were getting from carriers, the dev community and distribution partners on deck. We’re fully aware of what we’re building with BlackBerry 10. If we get this right we’re set for the next ten years.“

Es waren schon andere Hersteller in dieser Situation und haben die Kurve bekommen, aktuell kann man RIM glaube ich ganz gut mit Nokia vor einem Jahr beschreiben, als diese ihren Wechsel zu Windows Phone vollzogen haben. Die Finnen hatten dabei allerdings einen mächtigen Partner und konnten ihre Produkte sogar schneller als erwartet auf den Markt bringen. Trotz Weihnachtsgeschäft war die Reaktion am Anfang allerdings sehr verhalten und Windows Phone hat immer noch Probleme sich durchzusetzen. Warum sollte das Blackberry 10 in ein paar Monaten direkt durchstarten können?

Es ist vielmehr eine Hoffnung, welche die Führungsebene, Mitarbeiter und Kunden teilen, der Markt spricht oftmals eine andere Sprache. Und man sollte vielleicht auch bedenken, dass zu diesem Zeitpunkt wohl schon die CES 2013 und der MWC 2013 stattgefunden haben und der Druck der Konkurrenz enorm sein wird. Das muss nicht so sein, aber in den letzten Jahren haben hier vor allem Hersteller wie HTC und Samsung den Markt aufgemischt.

Für mich persönlich ist so ein Wandel immer eine sehr spannende Angelegenheit und ich würde mir für die nächsten Jahre durchaus einen weiteren Mitstreiter auf diesem Markt wünschen. Momentan habe ich allerdings meine Zweifel, zum einen kann ich natürlich nichts über Blackberry 10 sagen und zum anderen vergeht noch so viel Zeit bis zum finalen Produkt. Die Konkurrenz bei Google, Apple und Microsoft schläft nicht und Unternehmen wie Amazon oder Facebook haben auch das Potential den Markt aufzumischen und in Zukunft für eine Überraschung zu sorgen.

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