Kommentar: Haben RTL und Pro7 eine Chance gegen Netflix und Co?

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Der Markt für Streaming wird in den kommenden Jahren vermutlich explodieren und auch die deutschen Medienanstalten sind nun endlich aufgewacht.

Während Netflix und Amazon immer mehr neue Nutzer für sich gewinnen können, war es bei der RTL Group und ProSiebenSat.1 Media SE bisher relativ ruhig. Es gab hier und da mal den Ansatz etwas in Richtung Streaming zu unternehmen, doch das Angebot reichte nie an das von Netflix oder Amazon Prime Video heran.

Doch komplett tatenlos saßen die beiden anscheinend nicht herum, denn beide sind nun für 2019 vorbereitet. Die RTL Group möchte TV Now im Winter zu einer Alternative für Netflix ausbauen und ProSiebenSat.1 will zusammen mit Discovery (ab 2019) sogar direkt zur führenden Streaming-Plattform in Deutschland werden.

Noch wurde nichts präsentiert

Große Worte und große Pläne. Gezeigt hat man bisher aber noch nichts. Man spricht nur von einer Alternative für Netflix, sagt uns aber nicht, wie teuer diese wird, was sie bietet und wann sie genau kommt. Genau genommen sprechen wir hier im Moment sogar von Alternativen, denn beide basteln ihre eigene Lösung.

Doch während sich RTL am Sonntag alleine hinstellte, so folgte in der Antwort von ProSiebenSat.1 die Einladung: Lasst es uns gemeinsam versuchen und direkt noch ARD und ZDF mit ins Boot holen. Netflix und Amazon sind mächtig und haben verdammt viel Geld zum Investieren, alleine wird man da keine Chance haben.

Die beiden Dienste haben, auch weil sie im Wettkampf stehen, die Qualität bei Serien extrem angehoben. Eine Eigenproduktion von Netflix kann locker mit Serien von HBO und Co mithalten. Serien von deutschen Sendern haben kaum eine Chance und mit Serien wie Dark zeigt Netflix, dass man auch bei uns Geld investiert.

Es sind Milliarden im Spiel

Doch Netflix und Amazon sind nicht das einzige Problem der deutschen Anbieter, auch Disney wird kommendes Jahr mit einem Streamingdienst angreifen und die Summe für FOX (aktuell stehen 71,3 Milliarden Dollar (!) im Raum) zeigt: RTL und ProSieben haben nicht den Hauch einer Chance, wenn Disney hier Ernst macht.

Doch als wären diese drei Giganten noch nicht genug: Auch Apple baut sich langsam aber sicher ein Angebot für Streaming-Inhalte zusammen und könnte kommendes Jahr ebenfalls mit sowas wie Apple Video angreifen. Und hier hat man eine Kriegskasse von fast 300 Milliarden Dollar. Einen Teil davon gibt man schon jetzt dafür aus.

Mit einem Blaulicht Report, Verdachtsfällen und Betrugsfällen (so sah das Programm heute am Nachmittag auf RTL aus) braucht man da nicht anzukommen. Mit „Assi-TV“ wird man sicher weiter ein paar Nutzer begeistern können, aber der Markt hat sich verändert und das nicht unbedingt zu Gunsten von RTL und Pro7.

Doch was für die Unternehmen noch schwieriger werden dürfte: Wie wollen sie die Nutzer anlocken? Schon jetzt haben viele ein Abo bei Netflix und Amazon. Ab 2019 dann vielleicht noch bei Disney. Sind die Nutzer dann auch noch bereit ein Abo bei RTL und ein weiteres bei Pro7 abzuschließen? Werden wir bald 4+ Abos verwalten?

Konkurrenz belebt das Geschäft

Es werden harte Zeiten für die alten Platzhirsche, die sich momentan noch auf dem linearen Fernsehen ausruhen können. Aber der digitale Wandel hat schon das ein oder andere Technologieunternehmen in der Branche (und ProSiebenSat.1 Media SE und die RTL Group gehören da für mich dazu) den Kopf gekostet.

Ich persönlich bin schon lange weg vom linearen Fernsehen und abgesehen von Shows und Sport wird das glaube ich auch ziemlich schwierig für die Unternehmen. Für uns als Konsumenten wird das aber glaube ich eine spannende Zeit, denn die Konkurrenz ist hart und das wird am Ende dafür sorgen, dass die Qualität steigt.

Mal schauen, wie sich dieser Markt in Zukunft entwickelt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass wir in Zukunft bei Netflix, Amazon, Disney, Apple, RTL, Pro7, der Telekom und Co ein Abo haben werden. Vielleicht haben auch alle eine Chance und Nutzer sind bereit immer hin und her zu wechseln, doch ich glaube der Wandel wird am Ende den ein oder anderen Anbieter in die Knie zwingen.

Immerhin haben sich die deutschen Anbieter nun öffentlich geäußert und sind bereit zu kämpfen. Details fehlen leider noch, aber ich bin mal gespannt, wie das Angebot dann im kommenden Jahr aussieht und hoffe, dass Netflix und Amazon etwas Konkurrenz aus Deutschland bekommen werden. Es wird eine spannende Entwicklung.

Um die Frage aus der Überschrift noch zu beantworten: Ich glaube nicht, dass die zwei Anbieter einzeln eine Chance haben. Gemeinsam kann ich mir das aber gut vorstellen.

Was meint ihr, kommt der Angriff schon zu spät?

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