Samsung Lens Cover für das Galaxy S7 (Edge) ausprobiert

Samsung bietet für die Flaggschiff-Smartphones Galaxy S7 und S7 Edge eine ganze Reihe an interessantem Originalzubehör an. Mit der aktuellen Smartphone-Generation präsentierte man erstmals auch ein „Lens Cover“. Dabei handelt es sich um eine Schutzhülle mit Aufnahme für die mitgelieferten Weitwinkel- und Teleobjektive. Dank MobileFun konnte ich dieses alles andere als günstige Zubehör einem kurzen Test unterziehen.

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Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Erfahrungbericht des Lens Covers mit vielen bunten Bildern der isländischen Natur erscheinen, welcher die Einsatzmöglichkeiten auf der wunderschönen Vulkaninsel beschreibt. Auch beim Abbilden des CN Towers in Toronto hätte das Weitwinkel-Objektiv seine Stärken ausspielen können, aber es kam anders. Pünktlich nach Betreten des Fliegers über den Atlantik meinte das Display des S7 Edge, seine Dienste quittieren zu müssen und war für den bevorstehenden Urlaub nicht mehr benutzbar.

Hinzu kamen nach der Rückkehr weitere Eskapaden mit dem Samsung-Reparaturservice, dem Amazon-Kundendienst und schließlich noch dem DPD-Lieferservice. Kurzum: Es ging tatsächlich so ziemlich alles schief, was bei einem Reparaturauftrag schief laufen kann. Zwei Monate nach eigentlich geplantem Einsatz kam ich nun endlich dazu, das Lens Cover in der Praxis einzusetzen und präsentiere euch nachfolgend meine Eindrücke im Rostocker Schmuddelwetter.

Unboxing und Verpackungsinhalt

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Geliefert wird das Lens Cover in einer erstaunlich großen Kunststoffverpackung, deren Ausmaße die OVP des eigentlichen Smartphones um ein Vielfaches übertreffen. Die transparente Gestaltung ermöglicht einen direkten Blick auf den Inhalt, das Öffnen ist auch ohne Cutter problemlos möglich und gut geschützt werden Cover und Linsen auch. Ansonsten gilt: Eine Verpackung halt, weniger spektakulär.

Interessanter ist da schon der Blick auf alle acht Bestandteile des Lieferumfangs. Neben einer mehrsprachigen Bedienungsanleitung finden wir die Schutzhülle selbst, beide Objektive bzw. Linsen und kleine schwarze Schutzbehälter mit Kappe vor. Diese unterscheiden sich in der Länge voneinander und schützen die Objektive bei Nichtbenutzung vor Staub, Schmutz und Stoßeinwirkungen.

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Für den Transport lassen sie sich rückseitig fest aneinanderschrauben und fliegen so nicht einzeln durch den Koffer. Während diese Behälter teilweise als unpraktisch kritisiert werden, empfinde ich die Konstruktion als sehr gelungen. Ein robuster Schutz ist für empfindliche Gegenstände wie die Linsen unerlässlich und ein Stoffbeutel könnte die Schutzfunktion wohl kaum so gut erfüllen wie das gewählte Hartplastik.

Schutzfunktion

Nicht ohne Grund gehört das getestete Set auf den Namen Lens Cover. Auch, wenn die Linsen das eigentliche Verkaufsmerkmal darstellen dürften, ist die Schutzfunktion nicht zu vernachlässigen. Mitgeliefert wird eine in jedem Fall schwarze Schutzhülle, in welche das Smartphone mit wenigen Handgriffen eingeklipst werden kann, zum Trennen ist dann ein deutlich höherer Kraftaufwand von Nöten.

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Damit stellt Samsung sicher, dass auch ein versehentliches Fallenlassen nicht zur Trennung zwischen Smartphone und Case führt. An den Seitenkanten sind Aussparungen für die Power- und Lautstärketasten vorhanden, welche gut erreichbar bleiben. Der SIM-Karten-Slot auf der Oberseite hingegen wird blockiert, was ich in Anbetracht der seltenen Nutzung als sinnvoll erachte. Alle anderen Anschlüsse, Mikrofone und der Lautsprecher bleiben natürlich erreichbar und auf der Innenseite sorgt ein Mikrofaser-Innenfutter dafür, dass die Rückseite nicht durch eingetretene Sandkörner o.ä. zerkratzt.

Durch das zu den Seiten hin abgerundete Display ist das S7 Edge besonders anfällig für Displayschäden. Wie es sich für ein gutes Case gehört, leistet das Lens Cover hier Abhilfe und sorgt auch bei Ablage auf dem Bildschirm für einen kleinen Puffer. Die Gummiluppe steht vorderseitig etwa einen Millimeter vor dem Display hervor, bei Fall auf einen flachen Untergrund ist ein Displaybruch damit so gut wie ausgeschlossen.

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Insgesamt trägt die Hülle etwa zwei Millimeter auf und sorgt dadurch auch dafür, dass die Kameralinse nicht mehr hervorsteht. Die Rückseite ist aus Lederimitat gefertigt und erinnert damit sehr stark an den Akkudeckel des Galaxy Note 3 und 4. Ich persönlich war ein großer Fan dieser Smartphones und freue mich auch darüber, dass die Griffigkeit dadurch deutlich gesteigert wird und Fingerabdrücke kaum noch sichtbar sind – im Gegensatz zur eigentlichen Glasrückseite.

Klein, aber ungeheuer praktisch ist ein kleiner Buckel auf der Unterseite der Hülle. Ähnlich wie bei Kompakt- und größeren Kameras lässt sich das Gerät beim Fotografieren so deutlich sicherer in der Hand halten, auch im Hochformat. Zusammengefasst erreicht das Lens Cover natürlich nicht das Schutzlevel einer Otterbox Defender, bietet jedoch einen sehr robusten Schutz für das teure und sonst arg filigrane Smartphone.

Handhabung und Verarbeitung der Objektive

Das Lens Cover besitzt nicht nur eine Aussparung für die Kamera des eingesetzten Smartphones, am Rand dieser befindet sich auch ein kleines Gewinde zur Objektivaufnahme. Dort müssen die Objektive dann nur noch eingesetzt und mit einer Umdrehung befestigt werden. Anschließend sitzt alles bombenfest und ein versehentliches Lösen ist quasi unmöglich.

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Wird der Deckel von einem der bereits erwähnten schwarzen Plastikbehälter gelöst (recht schwergängig), wird das Objektiv gleichzeitig mit entnommen. Das Gesamtpaket aus Objektiv und Lens Cap wird anschließend zusammen in die Hülle geschraubt und erst dann lässt sich der vorderseitige Schutz bequem entfernen. Anschließend lässt sich dieser Objektivdeckel zu jedem Zeitpunkt wieder vor der Linse befestigen, sodass bei Nichtbenutzung keine Fremdkörper eindringen. Klasse gelöst!

Im Auto mit entsprechender Ablage könnte das Smartphone damit auch problemlos mit aufgesetztem Objektiv transportiert werden, in die Hosentasche passt das Gesamtpaket natürlich nicht mehr. Im Urlaub (mit PKW) kann ich es mir aber sehr gut vorstellen, die Aufsätze auch für mehrere Stunden nicht abzunehmen – die Kamera hat man schließlich nicht immer dabei.

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Die Objektive selbst kommen unterschiedlich lang daher und sind mit einem Edelstahl-Korpus ausgestattet. Dementsprechend weisen sie auch ein recht hohes Gewicht auf, die Weitwinkel-Lösung kommt laut Hersteller auf 37 Gramm, das Tele-Objektiv bringt noch einmal 14 Gramm mehr auf die Waage. Eingeplant werden muss auch das Gewicht der Hülle mit 31 Gramm, die Kombination aus Smartphone, Cover und Linse wird also schon deutlich schwerer als das nackte Gerät.

Abbildungsleistung

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Vergleich der Bildausschnitte

Samsung liefert zusammen mit dem Lens Cover zwei verschiedene Objektive aus. Die Weitwinkel-Linse deckt einen Blickwinkel von 108 Grad ab und bietet damit eine 0,63-fache Vergrößerung im Vergleich zur Kamera des S7 und S7 Edge ohne Aufsätze. Wie auf den Beispielfotos zu sehen ist, wächst der Bildausschnitt damit deutlich an, und es passt einfach „mehr aufs Bild“. Die Aufnahmequalität wird dadurch nicht vermindert.

Dabei treten leichte Verzeichnungen auf, die sich bei digitaler Nachbearbeitung bspw. in Lightroom sicherlich beheben ließen, aber auch so kaum stören. Auch, wenn die Weitwinkellinse einen kleineren Bildbereich abdeckt als bspw. die zweite (qualitativ nicht überzeugende) Linse des G5 war ich doch positiv überrascht davon, wie weit die Aufnahme an den Seiten noch reicht.

Beim zweiten Objektiv handelt es sich um die „Samsung Telephoto Lens“. Diese ermöglicht eine zweifache Vergrößerung normaler Aufnahmen und deckt damit eine Kleinbildformat-äquivalente Brennweite von etwa 50 mm ab. Von einem richtigen „Teleobjektiv“ kann also noch nicht gesprochen werden, dennoch hilft das Objektiv dabei, auch weiter entfernte Objekte abzubilden.

Im Gegensatz zum Digitalzoom, vermindert sich die Bildqualität dabei nicht merklich und es sind viele bei „normaler“ Aufnahme verborgene Details noch erkennbar. Das lässt sich beim gelben Verkehrsschild der beiden Fotos unten sehr gut veranschaulichen. Ohne Aufsatz ist die Schrift kaum erkennbar, mit Tele-Objektiv gibt es keine Probleme mit der Lesbarkeit.

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Auffällig ist beim Testexemplar die fehlende Schärfe am rechten Bildrand, welche trotz sauberer Linse auftritt. Ich gehe davon aus, dass es sich hier um einen Defekt des Testexemplars handelt, in verschiedenen Kundenbewertungen ist von diesem Fehler zumindest keine Rede. Natürlich lässt sich der Bereich einfach wegschneiden, eine Nachbearbeitung sollte bei Smartphone-Fotos aber eigentlich nicht notwendig sein.

Fazit

Das Samsung Lens Cover hat mich im Test positiv überrascht. Das komplette Konzept wirkt gut durchdacht und, obwohl ich mit Hard Cases eigentlich so meine Probleme habe, werde ich auch die alleinige Schutzhülle zukünftig wohl öfter am Gerät lassen. In die Hülle eingelegt dürfte das Gerät fast alle Stürze unbeschadet überstehen, gegen Mikrokratzer beim Transport hilft hingegen eher eine Fitbag.

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Ich selbst lasse die Kamera in den letzten Jahren zumindest auch im Urlaub immer häufiger zu Hause und nutze sie vor allem noch für weitwinklige Aufnahmen und Langzeitbelichtungen. An den Bildwinkel des 11mm-Objektivs an meiner Nikon D5300 kommt das S7 Edge mit Samsungs „Wide-Angle Lens“ natürlich nicht heran, das ist aber selbst bei teuren Kompakt- oder Bridgekameras nicht anders. Im Gegensatz zu günstigen China-Produkten wird die Fotoqualität durch die Linsen nicht beeinträchtigt, die Unschärfe am Rand der Tele-Aufnahmen spricht jedoch für Fehler bei der Qualitätskontrolle.

Der Transport der Linsen für das Lens Cover gestaltet sich in der Jackentasche als deutlich einfacher als stets eine Kompaktkamera mitschleppen zu müssen. Natürlich wird das S7 (Edge) mit Case dennoch nie die Komfortabilität einer solchen erreichen. Ein Transport mit angebrachter Linse ist am Körper quasi unmöglich, da es sich um Festbrennweiten handelt, ist ein Zoomen nicht möglich.

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Ich würde es sehr begrüßen, wenn Samsung mit dem Lens Cover weitere, modulare Erweiterungsmöglichkeiten schafft, um das Cover mit weiteren Linsen und diese eventuell auch an verschiedenen Smartphones zu nutzen. Am Interessantesten wäre da aus meiner Sicht eine noch weitwinkligere Linse, auch ein zusätzliches Tele-Objektiv mit stärkerer Vergrößerung wäre nicht unattraktiv.

Während die für das S7 (Edge) angebotenen Linsen auch mit dem Note 7 Lens Cover kompatibel waren, dürfte es bei der kommenden Generation aber schlecht aussehen – zumindest, wenn sich die Dual-Kamera beim S8 bewahrheitet. Andererseits würde eine zweite Weitwinkel-Kamera wie beim LG G5 (aber bitte mit besserer Qualität) dazu beitragen, dass das Cover seine Daseinsberechtigung verliert.

Mit einer UVP von 150 Euro ist das Lens Cover geradezu unverschämt teuer und würde von mir wohl keine Empfehlung erhalten. Auch bei MobileFun, die uns das Cover freundlicherweise zur Verfügung stellten und für das Samsung-Zubehör üblicherweise recht gute Preise anbieten, werden noch happige 114 Euro fällig. Interessant wird die Hülle zum Preis von 66 Euro bei Amazon (46 als WHD), zumal ich den Wert der reinen Hülle ohne Linsen schon auf ca 25 Euro schätze.

tl;dr: Gutes Ding, leider mit kleinem Mangel beim Teleobjektiv des Testexemplars

Wertung des Autors

Peer Linder bewertet Lens Cover Galaxy S7 Edge mit 4.3 von 5 Punkten.

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