Maximal 180 km/h: Volvo argumentiert mit Vergleichsfahrten

Volvo S90

Im Jahr 2019 hatte Volvo angekündigt, die Höchstgeschwindigkeit aller seiner Fahrzeuge von Werk aus auf 180 km/h zu begrenzen. Mittlerweile werden alle neuen Volvo-Modelle mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h ausgeliefert. Das führt anscheinend zu Diskussionen mit potenziellen Kunden. Volvo nimmt daher diesbezüglich nochmal Stellung und untermauert dies mit einer „Studie“.

Alle neuen, seit Juni 2020 produzierten Volvo Modelle werden ausschließlich mit einer auf 180 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit ausgeliefert. Diese Entscheidung des schwedischen Automobilherstellers wurde in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Laut Volvo Car Germany Geschäftsführer Thomas Bauch sei dies allerdings „eine ausschließlich emotionale Diskussion“.

Vergleichsfahrten mit und ohne Begrenzung

Das möchte Volvo mit Vergleichsfahrten aufzeigen, die jetzt von „unabhängigen Medienvertretern“ mit baugleichen Fahrzeugen mit und ohne Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit durchgeführt wurden.

Der geringe Zeitgewinn wurde überwiegend mit höheren Verbräuchen und teilweise auch mit mehr Stress bezahlt.

Die für die Vergleichsfahrten eingesetzten Mittelklasse-SUV Volvo XC60 waren jeweils mit einem 173 kW (235 PS) starken B5 AWD Mild-Hybrid Dieselmotor unterwegs. Das Fahrzeug aus dem Modelljahr 2020 erreichte noch eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h, das Pendant des Modelljahres 2021 verfügte über die Begrenzung bei 180 km/h.

Volvo Xc60

Volvo XC60

Ergebnisse der Vergleichsfahrten eindeutig

Die geringe Zeitersparnis wurde zum Teil mit einem deutlichen Plus beim Kraftstoffverbrauch und teilweise auch mit mehr Stress bezahlt. Am Ende aller durchgeführten Fahrten lag der größte Zeitunterschied auf der 458 Kilometer langen Strecke bei zwölf Minuten zugunsten des nicht gedrosselten Modells.

Der durchschnittliche Zeitvorteil betrug nur vier Minuten, zwei Teams kamen sogar zeitgleich ins Ziel. Im Gegenzug belief sich der Mehrverbrauch in der Spitze auf 10,21 Liter Diesel.

Im Durchschnitt verbrauchten die nicht begrenzten Fahrzeuge 5,22 Liter mehr als die begrenzten, aber kaum langsameren Fahrzeugen. Die erzielte Durchschnittsgeschwindigkeit betrug unter Berücksichtigung aller Fahrten 122,81 km/h (nicht begrenzt) bzw. 120,56 km/h (begrenzt).

An der Tankstelle wird es teurer

Der Preis für einen Liter Diesel lag zum Zeitpunkt der Testfahrten um 1,08 Euro, an Autobahnen sogar ca. 20 Cent und mehr darüber. Der Spitzenreiter in Sachen hoher Verbrauch zahlte nach 458 Kilometern elf Euro mehr als der drei Minuten später eintreffende „Herausforderer“ an einer Kölner Tankstelle.

Ein Vielfahrer mit 20.000 Autobahn-Kilometern pro Jahr käme bei diesem Mehrverbrauch auf Mehrkosten an der Tankstelle von leicht über 500 Euro.

Testfahrten auf deutschen Autobahnen

Die Teilnehmer legten in der zweiten Juli-Hälfte zu normalen Wochen-Tageszeiten (ca. 9 bis 14 Uhr) insgesamt 458 Kilometer zurück, davon 445 Kilometer auf Autobahnen. Von Köln über die A555, A560 via Bonn zur A3, dann weiter, vorbei an Frankfurt/Main, bis nach Aschaffenburg und von dort über die A45 nach Olpe. Die letzten 80 Kilometer führten über die A4 wieder zurück nach Köln.

Es ergab sich laut Volvo somit über die gesamte Dauer der Vergleichsfahrten eine für deutsche Autobahnen übliche Verkehrssituation. Zwischen dem langsamsten und dem schnellsten Fahrzeug aller Vergleichsfahrten lagen 14 Minuten (3:39 zu 3:53 Stunden Fahrtzeit).

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Weniger Tempo gleich weniger Stress?

Die Fahrerinnen bzw. Fahrer wurden besonders auf die Vergleichsfahrten vorbereitet und dabei überwacht. So wurden sie mit einem Cortrium C3+ Langzeit-EKG zur Aufzeichnung der Herzfrequenz ausgerüstet. Darüber hinaus wurden mittels Blutabnahmen die Veränderung der Stress auslösenden Botenstoffe Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin analysiert. Die medizinische Beratung erfolgte durch Dr. med. Ulf T. Esser, Internist in der Kölner Klinik “Links vom Rhein”.

In den Ergebnissen der Langzeit-EKG-Aufzeichnungen fanden sich bei allen Probanden keine signifikanten Unterschiede. Die Auswertung der Stresshormone zeigte hingegen bei einzelnen Probanden in den nicht gedrosselten Fahrzeugen eine leichte Erhöhung der Werte.

Die Schlussfolgerung von Dr. med. Ulf T. Esser lautet dabei:

Meines Erachtens war es den Fahrerinnen und Fahrern aufgrund der Verkehrsbedingungen auf deutschen Autobahnen überhaupt nicht möglich, dauerhaft an die Grenzen des 220 km/h schnellen Fahrzeugs zu gehen. Wäre dies möglich gewesen, wären meines Erachtens die Ergebnisse anders ausgefallen.

Ich bin der Überzeugung, dass dann die Stressreaktionen signifikant erhöht gewesen wären, somit wäre auch der Einfluss auf das Befinden des Fahrers am Zielort, sowohl in geistiger als auch körperlicher Hinsicht, deutlicher spürbar. Des Weiteren erkennt man, dass Langstreckenfahrten in einem modernen Pkw heute generell entspannt und sicher möglich sind.

Volvo Xc40 Recharge

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Nur eine Momentaufnahme

Festzuhalten ist dennoch, dass die durchgeführten Vergleichsfahrten nicht repräsentativ sind und keinen Anspruch auf eine wissenschaftliche Studie erheben. Sie liefern nicht mehr als eine Momentaufnahme, die Volvos Entscheidung zur Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit stützt.

Ich verweise in diesem Zusammenhang nochmal auf den ADAC Crashtest, der gerade mal mit Tempo 80 durchgeführt wird. Dem gegenüber stehen sogar nur 64 km/h beim üblichen EuroNCAP Offset-Frontalcrash, mit dem viele Hersteller ihre Autos als besonders „sicher“ bewerben.

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