simvalley SPT-900 im Outdoor-Test

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Von Februar bis Juli dieses Jahr wurde ich auf dem Appalachian Trail nicht nur von meiner Mutter, Fußschmerzen und einem viel zu schweren Rucksack begleitet, sondern auch von simvalleys Outdoor-Ansatzes mit dem Smartphone SPT-900, welches von dem Versandhaus PEARL vertrieben wird. Wie zufrieden ich damit war, lest ihr endlich im nun folgenden Bericht.

Mit einer Dicke von 1,8 Zentimetern und einem Gewicht von 238 Gramm liegt das SPT-900 einem Ziegelstein gleich in der Hand, und es kommt auch das Gefühl auf, als ob das Gerät ähnliche Aufgaben wie das Bewerfen von Pariser Uber-Autos unbeschadet überstehen könnte. Da der Akku herausnehmbar ist, dieser jedoch wasserdicht verpackt sein will, finden sich auf der Rückseite zwei Schlitzschrauben, die für den Zugang zu Akku, microSD oder Dual-SIM-Slot aufgedreht werden müssen.

Entweder erledigt man dies mit dem etwa fingerkuppengroßen, beigelieferten Schraubenzieher, der auf Reisen jedoch unweigerlich verloren ginge, oder man behilft sich mit einem Cent-Stück (kleiner Tipp: Definitiv nicht mit Fingernägeln oder microUSB-Kabeln versuchen). Nach dem Aufdrehen verbleiben die Schrauben in den Löchern und die Rückseite lässt sich abnehmen, die Zugang zu dem herausnehmbaren Akku und einem Dual-SIM-Slot mit normaler Mini-SIM (nicht micro-SIM, die bekommt man ohne fachkundige Hilfe nicht wieder heraus und auch nicht von der Zeichnung verwirren lassen!).

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Äußerliche Werte

Auf der Vorderseite findet sich das etwas vertieft eingesetzte 4-Zoll-Display, das mit 854 x 480 Pixeln auflöst und am unteren Ende mit den drei Android-typischen Softbuttons abschließt. Zusätzlich bietet es jedoch noch Hardwarebuttons für das „grüne“ und „rote Telefon“ – schade, dass nicht auch die anderen drei als haptische Knöpfe vorliegen, da sie vor allem bei Feuchtigkeit die Reaktion gerne verweigern. Weitere, gummierte Hardwarebuttons sind die Volumeknöpfe auf der rechten Seite, dazu symmetrisch angeordnete Knöpfe für Kamera und Kontakte auf der linken und ein Powerbutton auf der Oberseite.

Der Knopf für die Kontakte erschließt sich mir, erstens, überhaupt nicht und ist, zweitens, nicht leicht herausstehend wie die anderen, sondern vollkommen plan mit seiner Fassung, was das Drücken sehr erschwert. Auch der Powerbutton ist vor allem mit Handschuhen nur mit Gewalt zu betätigen, daher sollte man zum An- und Ausschalten des Lockscreens eher den Button zum Auflegen benutzen.

Als Powerbutton kann er hingegen nicht fungieren. microUSB- und Klinkenanschluss sind stark in den Gummimantel vertieft verbaut, sodass sich in meinem Test das mitgelieferte microUSB-Kabel mit verlängertem Kontakt nicht ersetzen und auch nicht jeder Kopfhörer verwenden ließ.

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Das SPT-900 ist grundlegend nicht mit anderen Android-Smartphones in dieser Preisklasse zu vergleichen, und das liegt daran, dass es technisch eben nicht glänzen kann, dafür aber mit der Verarbeitung – nachdem die Buttons so schlecht abgeschnitten haben, bleibt nur noch die Festigkeit des Gehäuses, und die ist enorm. Selbst mit Biegen und Brechen entlockt man dem Plastik-Case keinen einzigen Knarzton und auch das Display hat problemlos durchgehalten.

Durch die ungerade Gehäuseform an der Seite läuft es nicht Gefahr, aus der Hand zu rutschen. Für die, die ganz sicher gehen wollen, findet sich unten auf der Rückseite eine Möglichkeit, eine Handgelenksschlaufe anzubringen oder es sonstwie irgendwo zu befestigen. Das Gehäuse an sich ist an der Seite mit Torxschrauben und hinten mit Sechskanten gesichert, wodurch das SPT-900 im Notfall auseinanderzunehmen wäre.

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Akku und Lautsprecher

Ansonsten bleiben noch zwei Disziplinen, die dem PEARL-Outdoor-Boliden hoch anzurechnen sind: Lautstärke und Akku. Während ich das SPT-900 noch zuhause im Test hatte, habe ich es als Haupthandy eingesetzt. Dabei übernahm es zum Beispiel auch die Aufgabe, als Internetradio auf dem Nachttisch zu dienen, und selbst auf der niedrigsten Lautstärkestufe hat es mir förmlich die Ohrmuschel weggepustet. Der Sound ist zwar nicht schön, sondern schnarrend, aber dafür sehr laut – und das ist genau das, was es soll.

Genauso der Akku, denn der hält ewig und drei Tage. (Na gut, vielleicht eher drei Tage. Oder vier.) Da ich mit dem SPT-900 weniger telefoniert und es so im Flug- und Stromsparmodus verwendete, hat es vor allem als Mediaplayer gedient und so mit Pocket Casts und Audible an manchen Tagen das stumpfsinnige einen-Fuß-vor-den-anderen-Setzen versüßt. Selbst, wenn ich so manchmal sechs bis acht Stunden Beschallung aus den Kopfhörern genoss, konnte ich das problemlos vier Tage hintereinander wiederholen.

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Performance und Kamera

Nicht so grandios abgeschnitten hat es hingegen in puncto Performance und Kamera. Die Kamera ist existent, zugegebenermaßen, doch hochwertige Fotos lassen sich mit den 8 MP nicht wirklich schießen. Für einen flotten Erinnerungsschnappschuss reicht es jedoch vollkommen. Die Frontkamera ist mit ihren 1,3 MP auch nicht das Gelbe vom Ei, und die haben wir tatsächlich häufiger benutzt, als wir versuchten, täglich ein Selfie zu schießen um später unsere Veränderungen nach fünf Monaten und über 2000 Meilen festzuhalten. Die Qualität der geschossenen Fotos ließen sich auf dem farbunechten, jedoch äußerst hellen, Display verständlicherweise schlecht beurteilen.

Die allgemeine Performance war mit dem MediaTek-Quad-Core (1,2 GHz) in Ordnung, doch darf man das SPT-900 nicht überfordern. Abstürze oder Reboots waren keine Seltenheit, die vielleicht auch dem einsamen Gigabyte RAM geschuldet waren. Dem stehen 4 GB Speicher zur Seite, die bei nur wenig installierten Apps ausreichen dürften, für Spiele etc. jedoch alt aussehen. Der Speicher kann immerhin mit einer microSD erweitert werden, sodass Kartenmaterialien oder die erwähnten Podcasts und Hörbücher platz finden.

Übrigens: Bluetooth hat das SPT-900 zwar, doch dank fehlendem Smart-Ready-Support können Wearables leider nicht verwendet werden.

Versions-Unterschiede

Zu erwähnen bleibt noch, dass ich auf meinem kleinen Ausflug eine ältere Version des SPT-900 mit Android 4.2 statt 4.4, 4 GB Speicher statt 8, IP67- statt IP68-Zertifizierung und einem Preis von 299 statt 329 Euro getestet habe. Die Android-Version ist im Übrigen vollkommen Vanilla, Bloatware findet sich überhaupt nicht. Hier könnt ihr die aktualisierte Version des SPT-900 käuflich erwerben.

Würde ich es empfehlen?

Eine schwierige Frage, die ich mir da in Vertretung des Lesers stelle. Ja, das SPT-900 ist ein gutes Outdoor-Gerät, aber nein, es ist kein gutes Smartphone. Die grundlegende Idee in Sachen Durchhaltevermögen und Akku sind ein eindeutiger Pluspunkt und nehmen mir die Angst um mein Smartphone, um mich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren, doch wäre ein normales Smartphone für weniger Geld in Verbindung mit einer hochwertigen Hülle vielleicht die besser Idee.

Denn eins ist sicher: Ob 299 oder 329 Euro, der Preis ist zu hoch. Unter 200 Euro könnten wir nochmal über einen Deal reden, doch so empfehle ich sicherlich einen Blick nach rechts und links, egal, ob zur Outdoor-Konkurrenz wie dem Samsung Xcover 3 oder der erwähnten Alternative wie eines üblichen Gerätes mit teurem Case.

Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick in die Reise in Begleitung vom simvalley SPT-900 geben und würde mich über Kommentare eurerseits sehr freuen.

Großer Dank gebührt PEARL, die mir das Gerät freundlicherweise für die Dauer des Testes (und bis zum Erscheinen dieses Berichtes) zur Verfügung gestellt haben.

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