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HTC: Die Geschichte (Teil 3)

Dieser Beitrag ist der dritte Teil zu „HTC: Die Geschichte“

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HTC One Max IMG_5469

Das Wochenende ist wieder vorbei, und die neue Arbeitswoche ist nur zur Hälfte angekommen. Um diesen traurigen Stand der Dinge etwas zu versüßen, gibt es hier und jetzt den dritten Teil unsere Zeitreise.

Neulich  sind wir beim extravagantesten Handy des Jahres 2005 stehen geblieben: Dem HTC Universal. Das Smartphone ist kennzeichnend für HTC jener Zeit: man ist zwar noch nicht völlig erfolgreich, aber schon herausragend.

Aber bevor wir zum eigentlichen Teil des Artikels übergehen lassen wir den Zeitgeist von 2006 wieder hoch kommen:

  • Deutschland ist der Gastgeber für die Fußballweltmeisterschaft
  • bla-bla-bla
  • Deutschland ist der Gastgeber für die Fußballweltmeisterschaft
  • bla-bla
  • Deutschland ist der Gastgeber für die Fußballweltmeisterschaft

Jetzt, wo wir uns wieder an die wichtigsten politischen, religiösen und weltlichen Ereignisse des Jahres erinnern, können wir sorglos zum Gegenstand des Artikels übergehen.

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Sag nicht, dass Du dich an noch Irgendwas erinnerst…

2006: Viel. VIEL? VIIIIEEEL!

Das Jahr 2006 wäre für HTC Release-mäßig Business-as-Usual (in der Pipeline stecken jetzt schon unglaubliche Geräte, die wir aber erst zum Erscheinungstermin näher betrachten werden), wäre nicht eine “Kleinigkeit”: Genau in diesem Jahr unternimmt HTC zum ersten Mal einen Versuch, eigene Geräte unter eigenen Namen zu vertreiben.

Doch fangen wir erstmal an mit der Schar der Smartphones, die im 2006 auf den Markt geworfen werden.

In einem Jahr schafft das Unternehmen 12 eigene Handys (nicht ODM) vorzustellen – eine satte Steigerung von 200 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr. Und wenn man dazu noch bedenkt, dass alle Modelle Smartphones sind, ist es schon fast zu viel des Guten. Aber HTC hat mit nur einem Betriebssystem in angehobenen Preissegment wirklich viel Auswechslung gezeigt: Jedes Handy hat ein eigenes Gesicht mit eigenen Ansprüchen.

Der im letzten Artikel angesprochene Wizard bekommt einen Bruder ohne Tastatur mit dem Namen HTC Prophet bzw. wie man ihn besser kennt XDA Neo. Dieses Paar erzeugt kein Interesse bei den Geeks, da die langsameren CPUs den Genuss verderben (TI Omap 850 mit nur 195 Mhz Taktung). Sie lassen die Geräte bei Weitem nicht so flüssig laufen wie mit Intel xScales: Die Menüführung läuft zwar einigermaßen gut, der Browser, die Spiele und die Videos aber nicht. An den Massenmarkt kommen die Geräte aber wegen dem Preis und der Akkulaufzeit besser an.

HTC TyTN

HTC TyTN – Niedlicher Fettie

Das zweite Paar ist hingegen schnell und sorgt für die Aufmerksamkeit der Community: HTC Hermes bzw. TyTN (Abkürzung von Titan) und HTC Trinity bzw. P3600. Während TyTN ein horizontaler QWERTZ-Schiebehandy darstellt, ist Trinity ein typisches Barren-Handy. Die eingesetzten CPUs von Samsung schneiden in Benchmarks und im täglichen Gebrauch sogar besser als xScales ab, saugen aber genauso wenig Strom wie die TI Omaps. Zudem protzen die beiden Handys mit 3G-Konnektivität (was auch aus dem Namen “Trinity” hervorgeht) inklusive HSDPA und dazugehörigen Front-Cameras für Videoanrufe.

Funfact: Nexus 4 hat in Spezifikationen keine LTE-Fähigkeit, diese kann aber durch die Eingabe eines Codes aktiviert werden. Geil? Es gibt geileres: HTC Trinity bekam per Update die GPS-Funktionalität, die zu der Zeit in nur sehr Handys enthalten war.

Die Handys werden aber Unterschiedlich angenommen: während die “Dreifaltigkeit” ausschließlich positive Reviews kassiert, wird der Titan nur mit “befriedigend” bis “gut” bewertet (Review auf englisch nachlesen: Trinity und TyTN). Negativ wird bei dem Titanen vor Allem die Größe bewertet (ein Kalauer in sich – der große Titan, und das soll noch schlimm sein): Das Handy ist mit einem nur 2,8 Zoll großen Display 176 Gramm schwer und über 2 Zentimeter Dick – zum Teil wegen der ausziehbaren Tastatur, was aber keine gute Ausrede darstellt und das Handy nicht kompakter macht. Zudem wird oft auch der Umstieg auf kleinere MiniSD Speicherkarten kritisiert: ein Luxusproblem.

Trinity hingegen wird gerade wegen der Haptik gelobt. Es ist zwar nur 26 Gramm leichter und nur 4mm dünner, aber wegen der fehlenden Tastatur und abgerundeten Ecken liegt er viel besser in der Hand.

HTC Trinity: Das erste Windows Mobile Touchscreen Smartphone, das man fast schön nennen kann...Fast.

HTC Trinity: Das erste Windows Mobile Touchscreen-Smartphone, das man fast schön nennen kann… Fast.

Funfact: HTC TyTN war trotzt Reviews meine erste Wahl. Und zwar wegen der Tastatur und der starken CPU, was das Handy zu einer perfekten Spielkonsole machte. Die dürftige Auswahl der Spiele unter Windows Mobile wurde mit Konsolen-Emulatoren überboten. Die Steuerung ließ sich auf die Tastatur zuweisen. Mein Traum ging in Erfüllung – Mortal Kombat 3 Ultimate für unterwegs. Zu meiner Rechtfertigung: Alle Spiele hatte ich auch auf Cartridges.

Die weiteren WM-Geräte sind so unterschiedlich, wie das Betriebssystem es überhaupt zulässt: ein Navi-Smartphone mit einem Rollkugel und Scrollrad als Joystick (HTC Artemis) und ein weiterer QWERTZ-Slyder mit dem Anspruch auf Design (HTC Herald).

Auch die neue Iteration von Windows Mobile for Smartphones gibt HTC nicht auf. Viel mehr, in diesem Jahr präsentiert das Unternehmen erste durchdachten und kaufenswerten Modelle. Darunter findet man: Ein Klapphandy, ein TV-Handy, ein QWERTZ-Handy a-la Blackberry, ein Smartphone für enges Budget und ein Metallbarren HTC MTeoR a-la Nokia E51.

HTC Monet: Sogar einem erfahrenen Kenner kann das Handy fremd vorkommen. Und auch ziemlich komisch...

HTC Monet: Sogar einem erfahrenen Kenner kann das Handy fremd vorkommen. Und auch ziemlich komisch…

Während Motorola das System mit glorreichen Klapphandys MPX200 und MPX220 popularisierte, schlägt HTC unmittelbar danach mit dem ersten und dem letzten HTC-Klapphandy StrTrk zu (wofür die Abkürzung steht, muss man nicht erklären, oder?). Das Handy verwändet offenbar die Designsprache von Motorola RAZR-Reihe und setzt auf ausgesprochen dünnes Gehäuse. Dabei flirtet das Smartphone auch mit Fans der gleichnamigen Science-Fiction-Serie – nicht nur der Name ist ähnlich, sondern auch die gewissen Designzüge von dem bekannten “Enterprise Communicator” lassen sich in Rundungen des Klapphandys wiedererkennen.

In europäische Läden kommt dieses Gerät überwiegend unter dem Namen Qtek 8500. Wie klein und handlich das Smartphone im Vergleich zu anderen Hi-End Klapphandys ist, kann man auch anhand der Zahlen überprüfen:

  • Qtek 8500: 98.5 mm x 51.4 mm x 15.8mm bei 99 Gramm
  • Nokia N93: 118 x 55.5 x 28.2 mm bei 183 Gramm
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Qtek 8500 vs Enterprise Communicator: Dr. Sheldon Cooper approves

 

Funfact: Kennst du noch den aktuellen Fall von Samsung mit selbstzerstörenden Displays? Was du aber sicherlich nicht weißt ist, dass Samsung schon wieder von Anderen kopieren musste – HTC hatte sowas schon in 2006:

“Es gibt zahlreiche Erwänungen quer durch das Internet, dass die externen Displays ohne jeglichen äußeren Schäden plötzlich zu funktionieren aufhörten” © Wikipedia, freie Übersetzung

Auch das Handlungsmuster wurde von HTC übernommen:

“HTC und Cingular (der vertreibende Operator) erkennen den Schaden nicht an, und lassen somit Kunden auf Kosten sitzen bleiben, die zum Teil über Anschaffungskosten liegen” © Wikipedia, freie Übersetzung.

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Auf die Größe kommt es doch an, aber nur bei Handys ;-)
(weitere Vergleichsfoto bei „TheUnwired“)

Trotzt dem schönen Design hat das Gerät aber mehrere offensichtlichen Schwächen, die für HTC schon typisch geworden sind: Miese 1,3 Megapixel Kamera (und das ungefähr zeitgleich mit dem 5-Megapixel-Monster Nokia N95), schlechte Gesprächsübertragung, knapp gemessene Akkulaufzeit. Das Betriebssystem hat zwar mit Windows Mobile 5.0 einen riesengroßen Update bekommen und wurde unter anderem schneller und logischer, aber taugt immer noch gegen Rivalen – es ist weder so schnell und flüssig wie Featurephones von Sony Ericsson, noch hat es annähernd so viele Spiele und Apps wie das von Nokia angeführte Symbian S60.

Funfact: Da das Handy zum ersten mal in Deutschland nicht über Netzanbieter, sondern über die Eigenmarke von HTC Qtek vermarktet wurde, war die Erscheinung dieses Gerätes in deutschen Läden seltener als die von UFOs. Ein Jahr später konnte ich es zum ersten Mal in Düsseldorfer Saturn betrachten und habe eine halbe Stunde es nicht aus der Hand gelassen. Man kann sich die fragenden Blicke der Mitartbeiter nur vorstellen.

Was aber viel schlimmer ist, dass die Qualität dieses Handys SCHEIßE ungenügend ist: Man kann nur vermuten, ob weil die Ingenieure von HTC zuvor keine Erfahrung mit extrem schlanken Gehäusen hatten, oder weil die Qualitätskontrolle versagt hat.
Insgesamt, es ist ein der am meisten polarisierenden Smartphones in der Geschichte von HTC, wenn nicht sogar von allen Smartphones: Neben hinhauenden Design und Verarbeitung gibt es Mängel in Qualität und Durabilität; smarte Funktionen wie Outlook oder Office Mobile leben neben mangelhafter Kamera und Antenne. (Review auf Englisch findest Du hier).

Das Handy verkauft sich mittelmäßig und stellt keinen kommerziellen Fortschritt für das Unternehmen dar. Man würde es sogar Fiasko nennen, wenn die Marke Qtek weitergeführt würde – die Einbüße in Markenimage wegen der mangelhaften Qualitätskontrolle wären langfristig kritisch.

Aber einen Nachfolger plant man trotzdem: Dank mehreren Leaks erfährt die Community nicht nur den Codename des Neulings „Erato“, sondern auch die genauen technischen Spezifikationen. Es wird sogar eine Seite bei XDA-Wiki entworfen, aber das Modell wird gestrichen und kommt nie auf den Markt. Über die möglichen Gründen lässt es sich spekulieren, jedoch wird die Erscheinung von Apple`s iPhone fast immer als der zentrale Grund diskutiert, das Klapphandys in die Vergangenheit verschoben hat.

Funfact: Amazon ist nicht nur ein toller Online-Shop und eine der weltgrößten Sammlung der Kundenbewertungen, es ist auch eine Schatzkiste. Ein Akku für niemals erschienenes Handy gefällig? Aber schnell, es sind nur noch 5 verfügbar. 

Die Bewertungen bei Amazone.de: Das Volksstimme.

Die Bewertungen bei Amazone.de: Das Volksstimme.

Ein weiteres Handy mit dieser Version des WM-Betriebssystems ist das HTC Oxygen – das billigste Smartphone bis dato. Leider muss man tatsächlich das Wort “billig” statt “günstig” benutzen: Extrem wenig Speicher, extrem schlechtes Display, extrem schlechte Kamera, extrem schle…Ihr wisst schon. Selbst das Preisniveau von 199 Euro holt nicht viel raus – zwar kann man endlich den schönen Werbeslogan “Smartphone unter 200 Euro” nutzen, aber sehr Smart ist dieses Phone leider nicht.

Der Angriff auf den QWERTZ-Platzhirsch Blackberry ist aber viel Erfolgreicher. HTC Excalibur heißt das Handy und bietet sehr stimmiges Gesamtpaket: gelungener Design, bequeme Tastatur, Internet über WiFi und EDGE. Die meisten Bewertungen fallen sehr positiv aus, so zum Beispiel gab Areamobile dem Handy 89%. Das Handy wird zum Verkaufshit (zum Teil durch Alter Egos wie XDA Cosmo und MDA Mail) und bekommt schon bald einen Nachfolger HTC Cavalier.

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Pack schlägt sich, Pack verträgt sich: HTC Excalibur vs. für Palm angefertigtes HTC Cheetah

Aber nicht nur der Flut der guten Smartphones und die Entstehung der Marke hat das Jahr gekennzeichnet. HTC bekam die höchste Anerkennung in Business: Den Auftrag von dem ehemaligen Widersacher Palm. Palm erkannte schon früher zwei Tatsachen an: a) das eigene Betriebssystem ist dem Windows Mobile als Smartphone-Plattform unterlegen, und b) man hat wenig Erfahrung bei der Herstellung der Windows-Handys und GSM-Handys als solchen (das Unternehmen ist orientiert auf den US-Amerikanischen Markt, wo CDMA Smartphone damals besser verbreitet waren). Während man aufgrund der Umstellung auf Windows Mobile ohnehin viel Arbeitskraft benötigt, so muss man auch noch die GSM-Variante entwickeln.

Deswegen entscheidet sich das Top-Management für das Outsourcen und wählt keinen anderen Auftragnehmer als High Technology Company: Das Unternehmen, das Jahren zuvor den Anfang vom Ende des Erfolges von Palm mit superioren Windows Mobile PDAs gekennzeichnet hat. Das Palm Treo 750 wird kein Hit, aber HTC profitiert von dem Auftrag finanziell und stört eigenen Verkaufszahlen nicht.

… und schon wieder habe ich einige Seiten vollgetippt. Leider passt der Exkurs über die Entstehung der Marke HTC, den ich mir vorgenommen habe, nicht in die Länge eines Blog-Artikels. Interessiert euch die Analyse der Marketing-Seite des Vorgangs oder nur die Beschreibung der jeweiligen Geräte und deren Schicksaal reicht? Kommentiert fleißig! Die Kommentare, Rückmeldungen und Weiterleitungen sind wie immer herzlich willkommen.

P.S.: Einige werden sich vielleicht fragen, warum ich so langsam und detailliert jedes Handy und jedes Ereignis beschreibe. Meine Antwort ist einfach: Das ist ein Marathon. Ich wünsche Euch noch einen schönen Mittwoch und den stimmigen Rest der Woche!

Dieser Beitrag ist der dritte Teil zu „HTC: Die Geschichte“

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