Xiaomi Mi 9 im Test – Flaggschiff zum Mittelklassepreis

Xiaomi Mi 9 Titel
Xiaomi Mi 9

In Zeiten, in denen sich die Preise für Premium-Smartphones Richtung Vierstelligkeit und darüber hinaus bewegen, zeigt (unter anderem) Xiaomi Jahr fürs Jahr aufs Neue, dass es auch anders geht.

Im April hatte Oliver das Flaggschiff des chinesischen Herstellers bereits in einem Videovergleich gegen das Huawei P30 Pro antreten lassen. Nachdem mich das Mi 9 nun mehrere Wochen als Daily Driver begleitet hat, reichen wir euch noch unseren Langzeittest nach.

Lieferumfang

  • Xiaomi Mi 9
  • Quick-Charge-Ladegerät (9 V – 2,5 A | 12 V – 2 A) + USB-C-auf-A-Kabel
  • Gummihülle
  • SIM-Karten-Nadel
  • USB-C-auf-Klinke-Adapter

Xiaomi Mi 9 (1)

Xiaomi liefert das Mi 9 mit einer rauchgrauen Gummihülle, sowie einem Quick-Charge-fähigen Ladegerät und einem USB-C Adapter (zum Anschluss eines Audio-Ausgabegerätes mit 3,5 mm Klinke) aus. Auf weiteres Zubehör, wie etwa Ohrhörer, wird verzichtet.

Technische Details (Global version)

  • Display: 6,39 Zoll, 2340×1080 (409 ppi) – Drop Notch
  • AMOLED-Panel (19.5:9) mit 430 Nit / 600 Nit (HBM)
  • Qualcomm® Snapdragon™ 855 Octa Core mit Adreno™ 640 GPU
  • Betriebssystem: Android™ 9 Pie (MIUI 10.2)
  • Interner Speicher: 64 / 128 GB
  • RAM: 6 GB
  • Akku: 3300 mAh
  • Triple-Kamera (Rückseite): 48 MP (Sony IMX586, ƒ/1.75), 12 MP (Tele/Makro, ƒ/2.2), 16 MP (Ultra-Weitwinkel, ƒ/2.2)
  • Frontkamera: 20 MP mit AI- und HDR-Modus
  • 4G (LTE): 700/800/850/900/1700/1800/1900/2100/2300/2600 MHz
  • Wi-Fi: 802.11 b/g/n/ac (2.4 + 5 GHz)
  • Fingerabdrucksensor unter dem Display
  • Dual-SIM-Schacht (kein microSD-Kombischacht)
  • USB-C (Quick Charge 4+)
  • Qi Wireless Charging (bis 20 Watt)
  • Benachrichtigungs-LED
  • Maße: 157,5 mm (H), 74,67 mm (B), 7,61 mm (T)
  • Gewicht: 186 g
  • Verfügbare Farben: Space Black, Neptune Blue, Nebula Red

Xiaomi greift für sein stärkstes Pferd im Stall mal wieder in die Vollen: Ein AMOLED-Panel, nebst Snapdragon 855, ein Triple-Kamera-Setup mit bis zu 48 MP, ein Under-Display-Fingerprintreader und sogar an Wireless Charging (Qi) wurde gedacht.

„Wo ist der Haken?“, mag man sich angesichts des Preises von unter 400 Euro fragen. Dass da nicht zwangsläufig einer sein muss, wissen eingefleischte Xiaomi-Fans bereits. Ob das Highend-Smartphone auch abseits des Datenblatts punkten kann, erfahrt ihr im Folgenden.

Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an TradingShenzhen, die uns das Xiaomi Mi 9 für einige Wochen zur Verfügung gestellt haben.

Aufbau und Verarbeitung

Xiaomi bietet sein Flaggschiff, neben dem üblichen Schwarz, noch in zwei Speziallackierungen an: „Ocean Blue“ und „Lavender Violet“.

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Die wird an der Rückseite durch Cornings Gorilla Glass 5 geschützt. Das AMOLED-Panel an der Front bekommt hingegen die aktuellste Version 6 des tierischen Glases spendiert.

Wie bereits beim Mi 8 Pro, verfrachtet Xiaomi den Fingerabdruckscanner abermals unter das Display.

Das Design erinnert mich ein wenig an das zuvor getestete Redmi Note 7, mit seinen runden Displayecken, der Waterdrop-Notch, sowie dem 2,5D-Glas, das mit einem kleinen Versatz in den Rahmen übergeht. Die Display-Body-Ratio, also das Verhältnis von Bildschirmfläche zur Gesamtfläche, ist beim Mi 9 hingegen sichtbar besser. Vor allem die deutlich weniger markante Lippe an der Unterseite fällt direkt ins Auge.

Auch die Maße und das Gewicht sind mit 157,5 x 74,7 mm und 173 g vergleichbar. Damit liegt es in der Größenordnung eines Galaxy S10+.

Bei der Verarbeitung gibt es erwartungsgemäß nichts zu beanstanden: Augenscheinlich perfekte Spaltmaße, keine scharfen Kanten, nichts knarzt beim vergeblichen Versuch, das Gehäuse zu verwinden.

Auf der rechten Seite befinden sich der Power-Button, sowie die Lautstärke-Wippe. Links wurde der Dual-SIM-Slot eingelassen und ein weiterer Knopf für den Google Assistant verbaut.. Dabei handelt es sich allerdings bedauerlicherweise um keinen microSD-Kombischacht.

Einen 3,5-mm-Klinkenanschluss sucht man vergebens. An der Unterseite findet man lediglich die USB-C-Buchse, oben den für Xiaomi typischen IR-Blaster. Da jedoch ein Audio-Adapter für den USB-C-Port beiliegt, dürften wohl die Allermeisten mit diesem Kompromiss leben können.

Die rückseitigen Kameras stehen deutlich aus dem Gehäuse hervor – etwas unschön, wenn man das Smartphone auf dem Tisch liegend bedient.

Das Display – lang und rund

Bei dem 6,39 Zoll in der Diagonale messenden Panel handelt es sich um eines mit AMOLED-Technik.

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Bevor nun wieder die Zahlenjongleure empört zum Megafon greifen, um sich über die „schier gigantische Größe“ heutiger Displays auszulassen, sei angemerkt, dass es sich um eines mit sehr großem Seitenverhältnis von 19,5:9 handelt. Die tatsächliche Fläche und vor allem auch die für eine komfortable Bedienung wichtige Breite lässt sich daher nicht einfach von einem 16:9-Display ableiten.

Letztere entspricht im Falle des Mi 9 in etwa der eines „normalen“ 5,5 Zoll Panels, wie es bei einem iPhone 8 Plus vorzufinden ist. Bedenkt man, dass die Display-Ränder beim Xiaomi-Modell deutlich schlanker sind, wirkt das Mi 9 auf dem Datenblatt schon gar nicht mehr so bullig, wie es die knapp 6,4 Zoll initial suggerieren.

Vergleich Iphone 8 Plus Vs. Xiaomi Mi 9

AMOLED garantiert knackige Farben, hohe Kontraste und ein homogen ausgeleuchtetes Bild. Entsprechend wird man hier nicht enttäuscht. Die maximale Helligkeit von 600 Nit ist auch für sonnige Tage absolut ausreichend.

Die Weißdarstellung liegt für AMOLED-Verhältnisse auf einem guten Niveau. Die Farbtemperatur war mir werksseitig allerdings etwas zu kühl eingestellt. Glücklicherweise bietet Xiaomis MIUI-Oberfläche diesbezüglich aber umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten, wodurch ich den „Makel“ mit ein paar Fingertipps korrigieren konnte.

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Im Gegensatz zum kürzlich erschienenen Mi 9T, verfügt das Non-T-Modell über keine Popup-Kamera, wodurch nach derzeitigem Technikstand eine Aussparung im Display nötig ist. Da Xiaomi keine aufwendige True-Depth-Technik à la iPhone X in die Front gepackt hat, reicht glücklicherweise eine dezente Notch in Tropfenform aus, die sich zudem gut in die Gesamtoptik, mit den abgerundeten Ecken einfügt.

Performance und Oberfläche

Die installierte MIUI-Oberfläche in der Version 10.2 basiert auf Android 9 Pie. Da ich kein großer Fan des Grafikstils der UI bin, habe ich – wie üblich – kurzerhand zum Nova-Launcher gegriffen und meine „gewohnte Umgebung wiederhergestellt“.

Dank Snapdragon 855 und 6 GB RAM, laufen sowohl die Navigation, als auch das Browsen, sowie Multitasking butterweich, ohne nennenswerte Verzögerungen oder Ruckler.

Die beim Redmi Note 7 so hochgelobte Gestensteuerung gibt es beim Xiaomi Mi 9 selbstverständlich auch. Durch die schmaleren Ränder funktioniert die Bedienung damit aber nicht mehr ganz so fehlerfrei, wenn man mal etwas unpräziser in den Screen hineinwischt.

Vor allem mit aufgesetzter Gummihülle, die sich im Lieferumfang befindet, war die „Zurück“-Geste nicht mehr wirklich komfortabel und sinnvoll nutzbar. Ohne Schutz funktioniert das Wisch-System insgesamt aber immer noch sehr gut.

Nicht ganz so überzeugt hat mich der optische Fingerprint-Reader unter dem Display, obwohl ich mich darauf mitunter am meisten gefreut habe: Endlich kein rückseitiger Scanner mehr!

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Er funktioniert zwar meist recht zuverlässig, ist im Vergleich zu einem „konventionellen“, kapazitiven Pendant aber doch merklich langsamer und manchmal auch etwas störrisch.

Ein kurzes Antippen reicht nicht mehr. Man muss den Finger eine gute Sekunde auf das Scannerfeld halten. Um diesen kleinen Bereich leichter zu finden, blendet sich dort beim Hochheben bzw. Aus-der-Hosentasche-Ziehen automatisch die Silhouette eines Fingerabdrucks ein.

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Trifft man mit der Kuppe trotzdem mal nicht zentral den entsprechenden Bereich oder sind die Hände etwas trocken, wird der Bildschirm oft nicht auf Anhieb freigegeben. Wenn dann auch nach dem dritten Versuch nur ein Fehler in Form eines kurzen Vibrierens ausgegeben wird, wünscht man sich manchmal doch den „alten“ Scanner auf der Rückseite zurück. Wobei: Eigentlich nicht! Oder doch?

Features und Akkuleistung

Die Frage, „Was hat das Mi 9 nicht?“, wäre in dieser Rubrik wahrscheinlich schneller beantwortet. Aber das wäre zu einfach:

Neben LTE (simultan auf beiden SIM-Karten möglich) mit allen für Europa notwendigen Frequenzen, bietet das Mi 9 selbstverständlich 2,4 und 5 GHz Wi-Fi, sowie Bluetooth in der Version 5.0 – inkl. aptX-HD.

Selbst bei der Ortung gibt es keine Grenzen: Das US-amerikanische GPS-, das europäische Galileo-, das russische GLONASS– und das chinesische Beidou-Satellitensystem werden unterstützt.

NFC ist ebenfalls mit an Bord, wodurch unter anderem Dienste wie Android Pay nutzbar sind.

Der Akku ist mit 3300 mAh eher durchschnittlich dimensioniert. Das Mi 9T hat zum Vergleich stolze 4000 mAh, ebenso wie das Redmi Note 7.

Durch Xiaomis ziemlich radikal agierendes Powermanagement- und Taskkiller-System, kommt man damit aber trotzdem gut über die Runden. Dass die Medaille eine Kehrseite hat, mag sich der eine oder andere nun schon gedacht haben.

Leider ist bei vielen Apps ein manueller Eingriff in die Energiespar-Optionen erforderlich, damit Dienste korrekt im Hintergrund weiterarbeiten und automatisch synchronisieren bzw. adäquat mit Pushnachrichten versorgt werden. Das ist zuweilen ziemlich nervig, vor allem, da das Problem selbst viele populäre Apps betrifft.

Wenn aber alles mal eingerichtet ist, läuft es problemlos.

Sehr komfortabel finde ich auch die Möglichkeit den Google Assistant über die zusätzliche Taste auf der linken Seite direkt aufzurufen. Der lässt sich auch mit Zusatzfunktionen fürs Gedrückthalten oder einen Doppelklick belegen.

Zum Zeitpunkt des Tests ließ sich der Einzelklick ärgerlicherweise nur bei Verwendung der (experimentellen) „Developer“-ROM  konfigurieren und separat deaktivieren. Mittlerweile dürfte diese Option aber hoffentlich auch in der „Stable“-Version angekommen sein.

Das ständige, unbeabsichtigte Aktivieren des Sprachassistenten in der Hosentasche oder beim Herausziehen war jedenfalls extrem nervig. Komplett auf den dedizierten Button verzichten wollte ich aber wiederum auch nicht.

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Geladen wird das Mi 9 über Qualcomms Quick Charge 4+, das zum offenen USB-Power-Delivery-Protokoll kompatibel ist. Ein entsprechendes 18-Watt-Ladegerät ist im Lieferumfang enthalten.

Besser geht es meiner Meinung nach nicht. Ich nutze lieber einen etwas langsameren Standard, als mir irgendwelche proprietären, auf eine Marke beschränkten Techniken à la Super VOOC (Oppo / OnePlus) oder Super Charge 2.0 (Huawei / Honor) ins Haus zu holen, die nur mit den spezifischen Netzteilen funktionieren.

Was viele freuen dürfte: Nicht nur per USB-C kann geladen werden, sondern auch drahtlos, per Qi und das auch noch richtig schnell. Mit Xiaomis 20-Watt-Wireless-Charger, den ihr separat erwerben müsst, ist das Smartphone binnen rund 90 Minuten vollgeladen. Selbst testen konnte ich das mangels Ladestation nicht, auf YouTube gibt es aber diverse Belege, dass es funktioniert. Eure alten Qi-Charger könnte ihr selbstverständlich weiterhin nutzen, dann aber natürlich mit entsprechend geringerer Ladeleistung.

Triple-Kamera mit 48-MP-Sony-Sensor

Xiaomi bestückt das Mi 9 mit drei Kameras unterschiedlicher Brennweite. Neben der 48-MP-Hauptkamera (26 mm Kleinbild-Äquivalent, ƒ/1.75) gibt es noch eine für „Tele“- und Makroaufnamen (12 MP, 50 mm KB, ƒ/1.22), sowie eine für den „Ultraweitwinkel“-Bereich (16 MP, 17 mm KB, ƒ/1.22).

Aufs Wesentliche heruntergebrochen bedeutet das: Zweifach-Zoom und Weitwinkel-Option.

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Das Kamera-Setup weiß zu gefallen. Dabei überzeugt vor allem der 48-MP-Sensor IMX586 aus dem Hause Sony. Der findet unter anderem auch Anwendung im Honor View 20 und dem OnePlus 7 (Pro).

Die Farben wirken satt und natürlich, die Fotos werden in aller Regel akkurat belichtet und sind knackscharf, bis ins Detail. Ich würde behaupten, dass der IMX586 zu den derzeit besten Sensoren auf dem Smartphone-Markt gehört.

Selbstverständlich darf bei einem aktuellen Highend-Gerät ein HDR-Modus nicht fehlen. Der macht beim Mi 9 ebenfalls einen wirklich sehr guten Job. Der erweiterte Dynamikumfang wertet besonders Motive mit hohen Helligkeitsunterschieden sichtbar auf.

Eine „KI“ ist natürlich auch wieder mit an Bord, die auf Wunsch – abhängig von der erkannten Szene – die Farben und den Kontrast etwas aufbohrt.

Also ein Redmi Note 7 mit Zoom?

Die Vergleiche wollen kein Ende nehmen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass auch dort eine Hauptkamera mit 48 Millionen Pixeln verbaut wurde, bietet sich eine etwas genauere Betrachtung der beiden Modelle natürlich an.

Denn auch, wenn dieselbe exotisch hohe Pixelzahl zunächst den Anschein erwecken könnte, dass die Kameras vergleichbar oder gar identisch seien, handelt es sich nicht um denselben Sensor. Der kommt beim Redmi nämlich von Samsung (GM1). Die Technik dahinter ist prinzipiell aber eine ähnliche:

Standardmäßig werden die Aufnahmen nicht mit den beworbenen 48 Megapixeln abgespeichert, sondern lediglich in einer Auflösung von 12 Megapixeln.

Das liegt darin begründet, dass ein besonderer Farbfilter zum Einsatz kommt: der sogenannte Quad-Bayer-Filter. Der liegt, wie üblich, über den photosensitiven Zellen des Kamerasensors und ist für die Unterscheidung der roten, grünen und blauen Lichtanteile zuständig. Das Besondere am Quad-Bayer-Filter ist nun, dass jeweils vier benachbarte, quadratisch angeordnete Pixel dieselbe Grundfarbe messen.

Sensor

Der Sensor hat also tatsächlich 48 Millionen Bildpunkte, die gemessen werden, es werden aber immer vier Pixel zu einem zusammengefasst. Durch dieses Pixel-Binning lassen sich zum Beispiel mehrere Belichtungsreihen für HDR-Aufnahmen zeitgleich durchführen oder die Belichtungszeit in dunklen Szenen erheblich reduzieren.

Info

Wen die Technik dahinter etwas näher interessiert, der kann sich gerne unseren Test zum Redmi Note 7 anschauen, in dem ich die Details etwas genauer erläutere.

Schön und gut, aber worin liegt nun der Unterschied zum Sony IMX586?

Im Pro-Modus der Kamera-App lässt sich bei beiden Modellen ein 48-MP-Modus aktivieren. Da die Anordnung der einzelnen Farbfilter auf der Quad-Bayer-Matrix allerdings physisch nicht verändert werden kann und sich ein spezifischer Filter nicht einfach zu dem einer anderen Farbe umfunktionieren lässt, bleibt zum Erreichen der feineren Auflösungen nur eine softwareseitige Lösung.

Der Sony IMX586 verfügt daher bei der Signalverarbeitung über einen „Array Conversion“-Prozess. Der nimmt das Messergebnis in voller Auflösung zur Hand und rechnet die Quad-Bayer-Matrix mittels der Informationen der jeweils benachbarten Pixel näherungsweise in eine konventionelle Bayer-Matrix um.

Das Ergebnis ist ein sichtbar detailreicheres, 48 Millionen Pixel schweres Bild, das zwar nicht an ein „echtes“ 48-MP-Foto mit Bayer-Matrix herankommen wird, aber dennoch einen überraschend deutlichen Unterschied zu einer normalen 12-MP-Aufnahme macht.

Im Gegensatz zum Samsung GM1 (Redmi Note 7), das keine derartige Funktion bietet und dessen 12-MP-Ausgabe von Xiaomi wohl lediglich in der Nachverarbeitung auf 48 MP hochgeprügelt wird, kann man den ultrahochauflösenden Modus beim Mi 9 definitiv als Option empfehlen.

Man sollte dabei allerdings beachten, dass die Dateien mit bis zu 30 MB erheblich größer werden und der HDR-Modus nicht simultan genutzt werden kann. Es gilt also immer abzuwägen, ob man den hohen Dynamikumfang der maximalen Auflösung opfern möchte.

Ein wenig überrascht war ich darüber, dass das Mi 9 über keine optische Bildstabilisierung (OIS) verfügt, was bei Flaggschiffen eigentlich selbstverständlich ist. Xiaomi bietet lediglich das elektronische Pendant (EIS) dazu an. Das funktioniert bei normalen Lichtverhältnissen so gut, dass mir das fehlende OIS zunächst gar nicht auffiel. Da es aber gerade bei Dämmerung oder anderweitig schlecht ausgeleuchteten Szenen nur schwerlich kompensierbar ist, möchte ich diesen Makel nicht schönreden.

Bei allen drei Kameras setzt Xiaomi einen sogenannten „Closed-Loop“-Motor ein, der einen besonders präzisen und schnellen Autofokus ermöglichen soll. Der arbeitet in der Tat sehr flott und machte bei meinem Test keinerlei (nicht forcierte) Fehlfokussierungen.

Unter dem Strich kann man der Hauptkamera ein wirklich exzellentes Urteil ausstellen. Auch die Triple-Konfiguration mit Zweifach-Zoom und Weitwinkel ist ein echter Mehrwert.

Fazit zum Xiaomi Mi 9: Lässt kaum Wünsche offen

Ein Highend-Produkt zum Mittelklasse-Preis? Xiaomi zeigt mit dem Mi 9 eindrucksvoll, dass ein Flaggschiff mit Cutting-Edge-Technologie keine 600-1000 Euro kosten muss.

An Design und Verarbeitung gibt es, wie von Xiaomi gewohnt, nichts zu bemäkeln. Alles wirkt wie aus einem Guss, grundsolide und durch die verfügbaren Speziallackierungen auch keinesfalls eintönig – im wahrsten Sinne des Wortes.

Hardwareseitig dürfte mit einem Snapdragon 855, 6 GB RAM und 64/128 GB Festspeicher auch bei den Wenigsten Kritik aufkommen. Allenfalls Leute, die noch mehr Speicher benötigen, schauen in die Röhre, da eine Erweiterung per microSD-Karte nicht vorgesehen ist.

Das AMOLED-Display brilliert im Test, der darunter verbaute In-Display-Fringerprint-Reader hinterlässt gemischte Gefühle. Er ist praxistauglich, aber trotzdem spürbar langsamer und bei weniger optimalen Verhältnissen – zumindest gefühlt – nicht ganz so zuverlässig, wie die kapazitiven Kollegen.

Xiaomi Mi 9 (12)

Eine kleine Enttäuschung ist auch der für heutige Verhältnisse etwas klein geratene Akku, mit einer Kapazität von eher durchschnittlichen 3300 mAh. Die Laufzeit ist vor allem „dank“ Xiaomis rigorosem Taskkiller und Energiemanagement trotzdem ziemlich gut und an einem Tag schwer kleinzukriegen.

Neben der Schnellladetechnik Quick Charge 4+ (kompatibel zu USB Power Delivery), bietet das Mi 9 auch die Möglichkeit, per Wireless Charging (Qi) zu laden und zwar mit stolzen 20 Watt. Damit dürfte das Drahtlos-Laden endgültig den Ruf der lahmen Ente verlieren. Das sollte Xiaomi für künftige Flaggschiffe auf jeden Fall beibehalten.

Ein Sahnestück ist ganz klar die Triple-Cam. Vor allem der in der Hauptkamera zur Anwendung kommende Sony IMX586 gibt eine überragende Figur ab. Lediglich das Nichtvorhandensein einer optischen Bildstabilisierung ist zu kritisieren, das durch die sehr gut arbeitende elektrische Variante aber in den meisten Fällen nicht großartig ins Gewicht fällt.

Abschließend lässt sich eine klare Kaufempfehlung für das rund 350 bis 400 Euro kostende Xiaomi Mi 9 aussprechen.

Wertung des Autors
Patrick Jaus bewertet Xiaomi Mi 9 mit 4.5 von 5 Punkten.

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