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Deutsche Telekom auf der CeBIT: Die zweite Halbzeit wollen wir gewinnen

Bild: Deutsche Telekom AG

Am kommenden Montag öffnet die CeBIT 2016 in Hannover ihre Pforten, doch die Veranstaltung befindet sich seit Jahren im Wandel. Die Deutsche Telekom ging in diesem Jahr einen ungewöhnlichen Weg und verlegte ihre Auftaktkonferenz zur Messe kurzerhand ins Internet.

Am heutigen Donnerstag Morgen präsentierten Reinhard Clemens, CEO der Businesssparte T-Systems und Hagen Rickmann, verantwortlich für das Geschäftskundensegment der Telekom Deutschland die Kernthemen der Telekom auf der CeBIT 2016. Diese Besetzung war Programm der ca. einstündigen Veranstaltung: Keine spektakuläre Produktankündigung, die gab es auf dem MWC, kein neues Festnetz- oder Mobilfunktarifportfolio, das hatte man ebenfalls vorweggenommen, sondern einzig der Enterprisemarkt dominierte die Vorträge der beiden Manager.

Der Tenor: Die erste Halbzeit der Digitalisierung habe man verschlafen, die zweite Halbzeit gehört uns.

Telekom, die Datentreuhand

Die Telekom sieht ihre Chance unter anderem im Cloud-Geschäft, mit dem viele Unternehmen Skepsis und Interesse gleichzeitig verbindet. Man möchte von den Vorzügen der Cloud profitieren, aber seine Daten nicht in den USA speichern müssen. Zynisch gesehen ist die allgemeine Verunsicherung nach Scheitern von Safe Harbor und dem Misstrauen in US-Cloudanbieter ein Geschenk für die Telekom, das ihrem Konzept der Public Cloud erst zum Durchbruch verhelfen könnte.

In Magdeburg Biere errichtet die Telekom derzeit ihren European Data Hub, auch als Daten-Fort-Knox bezeichnet, wo verschiedene Cloud-Anbieter unter einem Dach versammelt sind. Prominente Kunden sind unter anderem SAP und das Kernforschungszentrum CERN. Man habe die neue Infrastruktur zuvor mit 200 Kunden in einer ausführlichen Beta getestet. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden sei der Bedarf an sicheren Cloud-Standorten dramatisch gestiegen, so der T-Systems-CEO.

Die Nachfrage sei riesig und man werde in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in eine weitere Anlage am Standort Biere investieren.

Vereinigte Netze

Neben der Datentreuhand stellt die Telekom auf der CeBIT ihr Netzwerkgeschäft in den Fokus. Die Telekom treibt ihre „ngena“ (Next Generation Enterprise Network Alliance) voran. Dabei sollen Kunden global in die Lage versetzt werden, Netzwerkressourcen flexibel und zeitnah bestellen bzw. abkündigen zu können, für den Heimanwender sicher weniger interessant, aber vergangene Ankündigungen haben gezeigt, dass auch der Endkunde mit Diensten wie einer universell einsetzbaren, plattformübergreifenden Rufnummer Aspekte des neuen Netzansatzes der Telekom zu sehen bekommt.

Endkunden kamen in der Präsentation zum Messeauftakt kaum vor, am Rande Erwähnung fand die erweiterte Freemove-Allianz, die Kunden inzwischen ein 4G-Erlebnis in 100 Ländern liefere, wobei hier zu sagen ist, dass Telekomkunden, selbst bei direkten Konzerntöchtern wie T-Mobile US preislich nicht zwangsläufig von der Zugehörigkeit zur großen Telekomfamilie profitieren. Interessant war noch die Ankündigung der Kooperation mit BMW. Dessen neue Modelle sollen ab Sommer mit LTE für bis zu 300 MBit/s und einem Servicevertrag der Telekom ausgeliefert werden, der eine einheitliche Netznutzung in 60 Ländern umfasst. Dieses „gemanagte Mobilfunknetz“ könne von BMW direkt konfiguriert werden.

Die restliche Präsentation konzentrierte sich auf den deutschen Mittelstand: 2020 werde jeder vierte Euro digital ausgegeben, Arbeitnehmer verlangten nach ständiger Verfügbarkeit mobiler Netzzugänge, da heute 40% von ihnen mobil arbeiteten. Hagen Rickmann warf die beunruhigende Zahl von 51 Milliarden Euro jährlich durch Cybercrime verursachte Schäden in der deutschen Volkswirtschaft in den Raum. Ein Journalist der Wirtschaftswoche fragte anschließend prompt nach der Quelle. Die Telekom wird auf der CeBIT eine neue Linie von Sicherheitsprodukten ankündigen.

Eines der Angebote aus der Magenta Security genannten Familie soll Internet Protect Pro heißen, zu bezahlbaren Preisen angeboten werden und neben Endkunden vor allem Kleinbetriebe adressieren. Funktionieren soll es nach einer Art Security-as-a-Service-Konzept: Keine Hardware, keine Software, ein im Webverkehr ansetzendes Sicherheitskonzept, das Malware blockieren und Bedrohungen erkennen soll, noch bevor deren Natur von Antivirus-Herstellern analysiert und entsprechende Signaturupdates herausgebracht wurden. Ambitioniert klingt das, am kommenden Donnerstag gibts weitere Details und was das Produkt letztlich auf die Straße bringt, muss sich zeigen.

Am Ende fragte ein Journalist die beiden Vorstände zu den Gerüchten, die Telekom wolle eventuell einen neuen Anlauf im Mobile Payment wagen, womöglich gemeinsam mit der deutschen Finanzwirtschaft. „Das ist… da überraschen Sie mich jetzt, davon wusste ich jetzt so noch nichts. Da haben wir anscheinend noch nicht drüber diskutiert.“ Offenbar nicht.

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