Lenovo IdeaTab S2110A mit Tastatur-Dock im Test

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Seit einem knappen Monat teste ich nun das Lenovo IdeaTab S2110A und meinen ersten Eindruck könnt ihr bei Bedarf hier nochmal nachlesen. Nun geht es an den Testbericht. Wie macht sich das Tablet in der Praxis? Wie gut ist das Keyboard-Dock? Fragen über Fragen, die ich versuchen werde, in diesem Bericht zu beantworten.

Spezifikationen und Lieferumfang

Was genau im Gerät und in der Packung drin ist, habe ich bereits beim ersten Bericht erwähnt. Der Vollständigkeit halber möchte ich das in aller Kürze auch hier nochmal erwähnen:

Spezifikationen

  • 10,1″ 1280 x 800 Pixel IPS-Display
  • Qualcomm Snapdragon S4 Plus Dual-Core 1,5 Ghz
  • Android 4.0 Ice Cream Sandwich
  • 1 GB RAM und 16/32 GB interner Speicher
  • Kameras: 5 MP (Rückseite) und 1,3 MP (Front)
  • Abmessungen (H x B x T): 259,8 x 178 x 8,69 (in mm)
  • Gewicht: 580 Gramm
  • Ports:
    • Tablet: Micro-HDMI, Micro-USB, SIM-Slot (optional), Line-In
    • Dock: 2 x USB 2.0, MMC/SD/SDHC-Kartenleser, Micro-USB 17-Pin Dock-Connector

Lieferumfang

  • Lenovo S2110A
  • Tastatur-Dock
  • Micro-USB-Kabel
  • Netzstecker
  • Anleitungen

Hardware und Design

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Optisch macht das Tablet einen ordentlichen Eindruck. Natürlich gibt es hübschere Alternativen, aber wirklich hässlich ist das S2110A definitiv nicht. Von vorne ist es eben das quasi-standardisierte Tablet mit Bildschirm und schwarzem Rand, die Rückseite besteht aus sehr dünnem Kunststoff, dessen Muster stark an Geräte, wie das Samsung Galaxy S 2 erinnert. Das ist an sich ebenso recht ordentlich gemacht, aber nichts herausragendes.

Problematisch wird es bei der Verarbeitung. Dadurch, dass die Rückseite so dünn ist, lässt sie sich recht einfach eindrücken. Erhöht man den Druck, kann man sogar die bekannten Wellenbildungen auf dem Display erzeugen. Das Gleiche ist auch möglich, wenn man auf den Rand der Vorderseite etwas größeren Druck ausübt. Ebenfalls fällt negativ auf, dass das Gerät gerne knarzt, wenn man es etwas beherzter anfässt. Hier macht sich noch einmal deutlich, wie dünn die einzelnen Bauteile wirklich sind. Auf der anderen Seite muss man dem Tablet sicherlich auch zu Gute halten, dass es eben ziemlich leicht ist. Ich persönlich muss aber sagen, dass ich ein höheres Gewicht und eine dementsprechend bessere Materialwahl vorziehen würde.

Durchaus praktisch sind dagegen natürlich auch die Ports für SD-Karte und USB-Geräte. Die schließt man einfach an, das System erkennt diese sofort und startet z.B. bei einem USB-Stick oder eben einer SD-Karte den integrierten Dateimanager (in diesem Fall ES Datei Manager). Das geht erfrischend einfach und macht bei einem solchen Gerät eine Menge Sinn.

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Display

Das mit 1.280 x 800 Pixeln auflösende IPS-Display ist leider nur Durchschnitt. In Zeiten, in denen Tablets mit 1080p Full-HD-Auflösung und höher auf den Markt kommen, reißt die Auflösung definitiv keinen mehr vom Hocker und man sieht definitiv Pixel. Ich persönlich störe mich weniger daran, dass Pixel zu sehen sind, allerdings wird genau dieser Punkt immer wichtiger und ich kenne auch einige, die sowas heute nicht mehr sehen wollen.

Die Farben des Displays sind zum größten Teil ganz gut. Alles sieht recht authentisch aus, allerdings kommen schwarze Bereiche dann und wann mal etwas ausgewaschen rüber, was schade ist, denn sowas muss heutzutage bei IPS-Displays einfach nicht mehr sein. Alles in allem ist die Display-Qualität in Ordnung, mehr aber definitiv nicht.

Software

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Im Grunde handelt es sich bei der eingesetzten Android-Version um ein ziemlich vanilla-ähnliche Installation. Hinzugefügt wurden lediglich einige Lenovo-Widgets, die zum Großteil prinzipiell glorifizierte Ordner sind. Diese Widgets haben es aber in sich und verlangsamen das System deutlich, wenn sie auf dem Homescreen aktiv sind. Diese Verlangsamung zieht sich nicht nur durch den Homescreen selbst, sondern beeinflusst auch den App-Drawer, der deutlich ruckelt. Durch die Animation beim Seitenwechsel, die Lenovo ausgewählt hat (ein 3D Würfel-Effekt), wird dieses Ruckeln dann noch offensichtlicher. Entfernt man diese Widgets aber, läuft das System sofort merklich flüssiger.

Ein weiterer Kritikpunkt am Lenovo-Launcher ist auch, dass er offensichtlich nicht komplett an Android 4 angepasst wurde, was man z.B. am Menü-Button sieht, der neben den drei Navigations-Buttons angezeigt wird. Betätigt man den, kommt dazu auch noch ein Menü zum Vorschein, das optisch ganz klar noch aus Pre-Holo-Zeiten von Android 2 stammt. Optisch unpassend sind auch die Bubble-Icons zum Entfernen/Deinstallieren von Apps und Widgets, die sichtbar werden, wenn man den Homescreen anpassen will. Mit einem alternativen Launcher ist man hier also um einiges besser beraten. Mein persönlicher Favorit ist z.B. Nova Launcher, mit dem sich das IdeaTab auch deutlich flüssiger bedienen lässt.

Bzgl. Tablet-Apps muss ich an dieser Stelle mal eine Lanze brechen – zumindest teilweise. Das gängige Vorurteil, dass Android jegliche Tablet-Apps fehlen, stimmt in dieser Schwere einfach nicht. Ich habe auf meinem Tablet z.B. nur Apps installiert, die vollkommen an Tablets angepasst sind, oder zumindest auch auf solchen Geräten gut aussehen. Die Reichweite geht dabei von Twitter- und Facebook-Clients, über Email-Apps, bis hin zu Text-Editoren verschiedener Arten. Natürlich muss man sagen, dass die Masse an Tablet-Apps fehlt, allerdings dürfte man für viele Bereiche Apps finden, die man problemlos auf Tablets einsetzen kann und auch gerne wird.

Natürlich wird das S2110A auch mit einigen vorinstallierten Apps ausgeliefert. Die sind aber fast alle nicht wirklich der Rede wert. Einzig nett ist die Printer-Share-App, mit der man eine direkt implementierte Möglichkeit hat, um Dokumente vom Tablet aus im WLAN zu drucken.

Performance

Mit den gerade erwähnten Widgets stürzt die Performance merklich in den Keller, weswegen man diese prinzipiell vom Homescreen schmeißen sollte. Dann läuft das Tablet auch problemlos und größtenteils performant. Denkpausen musste ich keine hinnehmen und es macht durchaus Spaß, das Tablet zu benutzen. Allerdings habe ich nach einigen Tagen der Benutzung immer wieder feststellen müssen, dass sich irgendwas im System vollsaugt (unter Umständen der Cache?), wodurch das Tablet wieder weniger performant ist. Ein Systemneustart hilft dann z.B., um wieder die vorher gewohnte Performance zu bekommen.

Spiele dagegen liefen in meinem Test vollkommen problemlos und performant. Ich habe das Tablet mal mit Dead Trigger und Shadowgun: Deadzone auf den Prüftand gestellt und konnte durchweg flüssig spielen. Noch dazu sehen die Spiele ganz gut aus. Obwohl ich persönlich 10”-Tablets wegen der On-Screen-Bedienung nicht zu 100% zum Spielen geeignet halte, hatte ich Spaß beim Spielen.

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Kamera und Medien

Würde jemand eigentlich ernsthaft die Kamera-Funktion bei einem Tablet nutzen? Ich zumindest scheue mich immer noch davor, das zu machen, habe aber trotzdem ein paar Testaufnahmen gemacht. Das Ergebnis ist relativ ernüchternd. Fotos sind unscharf, farblos, trist und hin und wieder sogar ernsthaft verwaschen. Ein paar Aufnahmen habe ich mal für euch eingebunden, macht euch ein eigenes Bild von den Fotos.

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Tastatur-Dock

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Das Tastatur-Dock macht anfänglich einen durchweg positiven Eindruck. Es ist klasse verarbeitet, wirkt wertig (was zum großen Teil auch am Gewicht des Docks liegt) – nichts klappert oder wackelt. Die Tasten selbst fassen sich ebenfalls gut an, der Druckpunkt ist dabei relativ weich. Ob einem das gefällt, ist natürlich pure Geschmackssache – ich persönlich bevorzuge bei Tastaturen dieses kleinen Ausmaßes einen weichen Druckpunkt. Entsprechend Spaß macht die Hardware als solches beim Einsatz. Positiv ist mir auch das Scharnier aufgefallen, das sehr stabil wirkt und das komplette Tablet umfasst, wenn es eingesetzt ist. Die Netbook-Konstruktion macht dadurch einen ziemlich sicheren Eindruck.

Die Firmware des IdeaTabs ist so eine Sache für sich und für den fehlerfreien Betrieb gibt es einiges zu beachten. Vor allem die aktivierte On-Screen-Tastatur sollte man beachten. Hat man nämlich die normale Android-Tastatur aktiviert (was standardmäßig der Fall ist), lässt sich die Hardware-Tastatur nicht korrekt nutzen, da man dann partout keine Doppelpunkte, Semikolons und @-Zeichen setzen kann. Auch Y und Z sind dann vertauscht. Hier liegt schlichtweg eine fehlerbehaftete Firmware vor. Allerdings ist auf dem Tablet auch standardmäßig GO Keyboard installiert. Aktiviert man diese Tastatur, funktioniert auch die Hardware-Tastatur einwandfrei.

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Das Trackpad des Keyboard-Docks fühlt sich prinzipiell okay an. Die Oberfläche ist für mich persönlich ein bisschen zu rau, allerdings ist auch das wieder Geschmackssache. Schade sind allerdings zwei Dinge: Zum Einen beherrscht das Trackpad keine Multitouch-Gesten. Ich erwische mich ständig dabei, wie ich versuche, mit zwei Fingern zu scrollen, was aber eben nicht möglich ist. Zum Anderen ist die Rechtsklick-Taste quasi nur eine Alibi-Taste, da sie lediglich im Lenovo-Launcher eine eigenständige Funktion hat und dort die Anpassungsoptionen aufruft. Ich würde hier beispielsweise erwarten, dass ein Rechtsklick global das jeweilige Longpress-Menü auslöst, um im Browser z.B. das Kontextmenü aufzurufen. Stattdessen wird dort dann einfach der Link dann ganz normal aufgerufen, wie bei einem Linksklick. Programmieren lässt sich das Ganze auch nicht, um so etwas evtl. nachzurüsten.

In der Praxis hieß das für mich, dass ich das Trackpad quasi nie verwendet habe. Es wäre an sich sehr praktisch, da man dann die Hand nicht mehr ständig anheben muss, wenn man auf dem Tablet navigieren will, aber so? Nein, das war für mich nichts.

Wenn man darauf achtet, dass die Android-Tastatur nicht aktiv ist, kann man eine Menge Spaß beim Schreiben haben. Das Trackpad wäre eine tolle Ergänzung, verkommt in dieser Ausführung aber leider nur zum nervigen Gimmick, dass man lieber komplett deaktiviert, damit der Cursor beim Schreiben nicht aus Versehen komplett verschoben wird.

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Sonstiges

  • Das Tablet alleine hat in meinem Test zwei Tage mit reger Benutzung durchgehalten. Heißt im Endeffekt: Ständig Gmail, Feed-Reader, Twitter, Google Drive. Mit Keyboard-Dock kann man davon ausgehen, dass sich die Gesamtlaufzeit in etwa verdoppelt, womit ich absolut zufrieden bin.
  • Das IdeaTab kann ausschließlich über den Micro-USB-Port am Keyboard-Dock aufgeladen werden. Steckt man das Kabel in den Port am Tablet, tut sich nichts. Der Aufladeprozess selbst nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch. Grob kann man gut und gerne 12 (!) Stunden einplanen, wenn man beide Akkus aufladen will.
  • Die Hotkey-Tasten des Tastatur-Docks funktionieren in wenigen Fällen nicht optimal: Die Taste zum (De-)Aktivieren des Trackpads setzt den Befehl nicht immer um und die Taste für den Browser öffnet strikt den Android-Browser, statt den als Standard festgelegten Browser.
  • Das Tablet als solches finde ich auf Grund des 16:9-Formats reichlich unhandlich, da es für meinen Geschmack zu breit ist, um angenehm gehalten werden zu können. Das ist ein äußerst subjektiver Eindruck, der dementsprechend natürlich stark vom jeweiligen Geschmack abhängig ist.
  • Die Sperrtaste der Tastatur sperrt das Tablet zwar, kann es aber nicht wieder aufwecken, was nervig sein kann, da man dann jedes Mal den Arm anheben muss.

Fazit

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Bevor ich den Trick mit GO Keyboard entdeckte, hätte ich das Gerät am liebsten komplett verteufelt. Effektives Schreiben war auf keinen Fall möglich. Der Workaround verbessert aber vieles und so kann man tatsächlich einigermaßen effektiv am Tablet arbeiten. Man spürt das Potential, das generell in einer solchen Kombination steckt.

Trotzdem: Das nur durchschnittliche Tablet und auch das schlecht implementierte Touchpad verhindern für mich, dass ich das IdeaTab S2110A weiter empfehlen würde. Wie gesagt: Das Potential ist da, aber die Schwächen sind insgesamt einfach zu schwerwiegend. Transfomer-Pads sind hier insgesamt einfach die bessere Alternative. Dort sind die Tastaturen zwar alles andere als ideal, allerdings funktioniert der Rest reibungslos und wie man es erwarten würde.

Im Detail muss man sich vor allem auch die Frage stellen, warum das Tastatur-Dock so unbenutzbar ist, wenn die normale Android-Tastatur aktiv ist. Ja, man kann das letztlich einfach umgehen, aber wer wird von sich aus auf darauf kommen, einfach mal eine andere Software-Tastatur zu aktivieren? Ich habe auch gut vier Wochen gebraucht, bis ich den Trick durch den Tipp eines Freundes herausgefunden habe. In der Zeit hat mich die Tastatur richtiggehend verrückt gemacht.

“Einfache” Tablet-Nutzer werden diese Idee wahrscheinlich eher nicht haben, frustriert sein und das Tablet abschießen. Hier hat Lenovo bei der Anpassung geschlampt und das kann gut und gerne stark nach hinten losgehen, da viele eben nicht um diese eine Ecke denken werden. Warum auch? Man müsste doch eigentlich meinen, dass Software- und Hardware-Tastatur zwei voneinander getrennte Elemente sind und nicht derart stark zusammenhängen.

Danke an dieser Stelle an Cyberport für die Teststellung des Lenovo IdeaTab S2110A!

Lenovo S2110A bei Cyberport

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