Der langsame Abschied von Facebook

Facebook Header

Ich habe hier im Blog schon öfter erwähnt, dass ich nicht mehr aktiv bei Facebook bin. Nun macht es mir das Netzwerk sehr leicht den Abschied zu finden.

Facebook war für mich einst ein verdammt spannendes Netzwerk und nach StudiVZ ein großer Schritt in die richtige Richtung. Während ich als Schüler versuchte mich bei StudiVZ anzumelden, da tauchte Facebook im Hintergrund schon auf. Doch zu Beginn war das, wie so oft, eher ein Phänomen aus den USA. Als es hier los ging, verschluckte Facebook dann aber StudiVZ, werkenntwen und Co in wenigen Monaten.

Funfact: Ich habe nach diesem Abschnitt mal geschaut und gesehen, dass es WKW ja tatsächlich immer noch gibt. Man kann sich dort nun mit Facebook anmelden 😀

Funfact 2: Auch StudiVZ ist noch online und sieht tatsächlich so aus wie früher. Stand August 2017 sind tatsächlich auch noch 10 Millionen Nutzer registriert. 99 Prozent davon haben vermutlich einfach nur vergessen ihren Account zu löschen.

Doch zurück zu Facebook.

Die Anfangszeit mit Facebook

Das Netzwerk wuchs unglaublich schnell und ich war, wie viele andere in meinem Alter, sehr aktiv dort. Ich kann mich auch noch gut erinnern, wie ich als einer der ersten mit einem Nokia N97 auf einer Gartenparty am Abend mit echtem Internet, richtig, kein WAP, auf Facebook bin und das alle irgendwie seltsam fanden.

Kurz danach surften viele mit ihren Smartphones auf Facebook.

Facebook Smartphones

Es war eine interessante Zeit, denn immer mehr Freunde, Schulkollegen und Mitglieder der Familie landeten auf Facebook und alle waren sehr aktiv. Es war interessant zu sehen, was die Verwandtschaft in den USA so am Wochenende grillte und was die Freunde beim Konzert am Wochenende erlebten, wenn man nicht dabei war.

Ich habe Facebook als Schüler und Student genutzt und es war ein wunderbares Netzwerk, um sich zu verknüpfen und auszutauschen. Der Facebook Messenger war neben WhatsApp meine erste Anlaufstelle für Chat. Nach dem Ende von ICQ.

Der Wandel von Facebook

Dann kam der langsame Wandel. Facebook pushte Fanseiten und Gruppen. Das eine gut (Gruppen), das andere rückblickend betrachtet nicht so gut. In der Timeline gab es neben den interessanten Dingen immer mehr Spam, weil gewisse Seiten auch immer größer wurden und versuchten mit Clickbait die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Liked, wenn ihr Meinung A seid und kommentiert, wenn ihr einer andere Meinung seid. Für mich war dieser Trend schon so ein bisschen der Anfang vom Ende.

Facebook wurde zunehmend monetarisiert und es tauchte parallel dazu auch immer mehr Werbung auf. Neben einem interessanten Bild und zwei guten Beiträgen, gab es dann Spam-Fanseiten und Werbung. Hätte man frühzeitig ausmisten können, habe ich aber nicht. Es war schon zu viel und es plätscherte eben so vor sich hin.

Parallel nutzte ich immer häufiger Twitter und Instagram und irgendwie lies mich das Facebook sehr gut vergessen. Dann kam vor knapp zwei Jahren der Punkt, an dem ich mit einem Programm alle Beiträge gelöscht, alle Fanseiten entfernt und Kontakte komplett ausgemistet habe. Ich wollte Facebook wieder nutzen, aber privat.

Gruppen waren in all den Jahren immer im Fokus und hielten mich bei Facebook. Die Fanseite von mobiFlip dann natürlich auch noch. Doch ich nutzte ich es danach auch nicht mehr, denn keiner der alten Kontakte war noch aktiv.

Das langsame Ende von Facebook

Mittlerweile ist Facebook bei mir eine tote Timeline und ich habe immer noch hunderte Kontakte drin. Ein paar Fanseiten sind aktiv (ein paar Personen durften bleiben) und ein paar „ältere“ Menschen nutzen Facebook mittlerweile gerne, um ein Bild von ihrem Urlaub und Haustier zu teilen. Es ist haufenweise belangloses Zeug.

Es kam wie es kommen musste: Ich besuchte Facebook immer seltener und war zum größten Teil nur dort, um unsere mobiFlip-Gruppe zu besuchen. Die wanderte dann zu Slack und auch die anderen Gruppen wurden immer inaktiver.

Seit 2018 nutze ich Facebook so gut wie gar nicht mehr. Doch Facebook möchte das, denn sie haben Aktionäre und die wollen aktive Nutzer. Ich soll einer bleiben, daher pusht man mir mittlerweile den größten Müll auf das Gerät. Sei es Beitrag von Person X, der neu ist, oder ein Freundschaftsvorschlag (!), von einer fremden Person.

Es gibt nur ein Ziel: Besuche einmal am Tag die App. Damit ist man ein DAU. Das ist ein Daily Active User, vielleicht aber auch ein dümmster anzunehmender User 😀

Facebook Spam

Je inaktiver man ist, desto absurder werden die Nachrichten von Facebook. Und das lustige daran ist: Ich kann die Benachrichtigungen (swipe nach links auf dieser) in der App mittlerweile nicht mehr deaktivieren. Facebook gibt mir keine Option, um nervige Freundschaftsvorschläge in Zukunft zu verbergen. Doch der einzige Grund, warum ich immer noch dort bin, sind letzte Gruppen und da will ich Push nutzen.

Mittlerweile nervt mich das verhalten von Facebook aber so sehr, dass ich mich nach und nach aus diesen Netzwerk verabschiede. Das Ding ist: Wenn ich es nicht mehr mit Push nutzen kann, weil ich auf dem Laufenden bei Gruppen bleiben möchte, dann besteht gar kein Bedarf mehr. Statt mich also als „nicht so aktiven“ Nutzer, der 2-3 Mal die Woche online ist, einzustufen, riskiert Facebook lieber den Verlust eines Nutzers, weil man unbedingt einen Nutzer benötigt, der täglich aktiv ist.

Der Abschied von Facebook

Am Anfang standen bei Facebook die Menschen im Fokus, doch seit man an der Börse aktiv ist wird die Kuh nur noch gemolken. Erst wurde Facebook bis in die letzte Ecke mit Werbung voll gepackt (man sagt ja selbst, dass mehr Werbung nicht mehr möglich ist), dann wurde Instagram zugemüllt und als nächstes ist WhatsApp dran.

Bei WhatsApp wird es mit Werbung in den Stories losgehen, aber wartet ab, das ist nur der Anfang. Als börsennotiertes Unternehmen, welches eine natürliche Grenze beim Wachstum besitzt (Anzahl der Menschen auf der Erde, man kann nicht einfach Facebook 2 auf den Markt bringen), hat man es verdammt schwer.

Mark Zuckerberg kann es nicht wie Amazon, Google oder Apple machen und neue und innovative Produkte launchen, er hat nur eins. Und zwei sehr kluge Einkäufe. Und die wird man alle so gut es geht melken, damit die Werbepartner zufrieden sind und die Aktionäre an Facebook glauben. Aber der Wandel hat begonnen.

Nutzer wie mich gibt es immer mehr. In meinem Umkreis ist keiner mehr in der Timeline aktiv, wenn dann in Gruppen. In den USA nehmen immer mehr Menschen eine Pause von Facebook und löschen die App. Ich glaube der Wandel hat begonnen und Schuld sind nicht die Datenskandale. Die Zeit von Facebook ist ganz einfach abgelaufen, weil man es übertrieben hat. Zuckerberg hat Glück, dass es in den letzten Jahren keinen großen Konkurrenten gab. Instagram hat man gekauft und Snapchat zerstört, in dem man es einfach kopiert hat (weil man es nicht selbst kaufen konnte).

Die Zukunft von Facebook

In den letzten Monaten habe ich viel über die sozialen Netzwerke nachgedacht und ich glaube, dass Facebook in 5 Jahren kaum noch Bedeutung haben wird. Zumindest nicht in der aktuellen Form. Man wird sich neu erfinden müssen, sei es mit VR oder einem anderen Thema. Als reines soziales Netzwerk wird es schwierig.

Mir hat man den Abschied mit den nervigen Push-Nachrichten leicht gemacht. Die App verschwindet nun und nach und nach war es das dann. Die Fanseite wird der letzte Punkt, bei dem es schwierig werden könnte. Doch um die kümmert sich schon jetzt René zu 99 Prozent. Viele Besucher gewinnt man damit sowieso nicht mehr.

Facebook hat in den letzten Jahren seine Identität verloren. Mal standen die Menschen, dann die Gruppen, dann die Werbeindustrie, nun wieder die Menschen im Fokus. Es wäre Zeit für einen „Nachfolger“, doch man kann nicht einfach wie Samsung ein neues Galaxy Note auf den Markt bringen, wenn das alte explodiert. Oder doch?

Facebook Icons 9to5mac

Ich glaube Facebook müsste genau jetzt anfangen eine neue Idee zu pushen. Ähnlich wie Nokia damals einfach hätte Symbian liegen lassen und MeeGo (kennen vermutlich nicht viele von euch) pushen sollen. Man darf nicht zu lange am Alten festhalten, wenn man merkt, dass es bergab geht. Und auch wenn die Nutzerzahlen bei Facebook im Moment noch wachsen, so gibt es einige Faktoren (die teilweise wichtiger sind), die drauf hindeuten, dass Facebook in nächster Zeit große Probleme haben wird.

Mal schauen, wie es mit Facebook weiter geht. Ich bin seit ein paar Monaten wieder aktiver auf Twitter, falls ihr mir dort folgen wollt, und habe mich zwar noch nicht bei Facebook abgemeldet, aber das könnte noch kommen. Bei Instagram ist es übrigens ähnlich, doch da haben die Stories das Netzwerk wieder interessanter gemacht.

Doch da man es dort nun auch etwas übertreibt, wird das sicher auch nicht lange anhalten. Ich wurde auch hier 2018 von Monat zu Monat immer inaktiver.

Aber wie gesagt, bei WhatsApp ist es auch nur eine Frage der Zeit. Der Messenger hat zu viel Geld gekostet, um ihn ohne Werbung weiter zu finanzieren. WhatsApp muss (für Facebook) endlich auch zu einer Cashcow werden. Und das wird er 2019.

Ich habe auf diesem Markt schon einige Giganten kommen und gehen sehen. Nokia ist hier glaube ich eines der besten Beispiele. Egal wie viel Marktanteil du hast, wenn du dich nicht ständig weiterentwickelst, dann kann es das sehr schnell gewesen sein. Und ich bin mal gespannt, ob wir Facebook in 10 Jahren noch nutzen werden. Darauf wetten würde ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin jedenfalls kein aktiver Nutzer mehr.

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