Honor 6 im ersten Test

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Demnächst wird Huawei mit der Honor-Serie auch in Deutschland durchstarten und eine komplett eigenständige Marke aufbauen. Das Vorzeigemodell dieser Reihe wird das Honor 6 sein, welches sehr gut ausgestattet daherkommt und somit auch ein High-End-Modell für den chinesischen Hersteller darstellt. Jenes Gerät habe ich nun seit ungefähr einer halben Woche bei mir im Einsatz – hier nun meine Eindrücke, die ich in dieser kurzen Zeit bereits sammeln konnte.

Technische Ausstattung und Lieferumfang

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Zunächst einige Worte zu den Spezifikationen und dem Inhalt der Retail-Verpackung. Das Datenblatt liest sich sehr überzeugend: Ein 1080p-Display, 3 GB RAM und eine Octa-Core-CPU. Dazu der üppige Akku mit über 3000 mAh und auch die Kamera lassen allesamt auf eine sehr gute Performance hoffen. Der Prozessor stammt dabei aus eigener Produktion und ist neben dem Kirin 925 der beste SoC, den sie zu bieten haben.

Der Lieferumfang ist weitgehend wenig überraschend, da konventionell. Ein nettes Detail gibt es dann aber doch noch, denn Honor legt der Retail-Verpackung Schutzfolien bei – je eine Folie für die Vorder- und Rückseite sind mit dabei, was ich bei einem Smartphone, dessen Oberflächen fast komplett aus Glas bestehen, sehr lobenswert finde.

  • Display: 5,0“ IPS-LCD, 1080p-Auflösung (445 ppi)
  • Prozessor: HiSilicon Kirin 920 Octa-Core, 4 Kerne mit 1,7 GHz (Cortex-A15), 4 Kerne mit 1,3 GHz (Cortex-A7), Mali-T628 MP4 GPU
  • Speicher: 16/32 GB intern (per microSD um max. 64 GB erweiterbar), 3 GB RAM
  • Kameras: 13 Megapixel Hauptkamera, 5 Megapixel Frontkamera
  • Akku: 3.100 mAh Li-Po (nicht austauschbar)
  • Maße und Gewicht: 139,6 x 69,7 x 7,5 mm, 130 Gramm
  • Betriebssystem: Android 4.4.2 mit Emotion UI 2.3
  • Konnektivität: HSPA, LTE Cat.6, WiFi 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0, A-GPS
  • Sensoren: Accelerometer, Gyro, Proximity, Compass
  • Lieferumfang: Honor 6, Kopfhörer, Micro-USB-Kabel, Netzteil, zwei Schutzfolien (je eine für Vorder- und Rückseite)

Glas, wertig und kompakt

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Nach dem Auspacken und dem anschließenden ersten Betrachten des Gerätes traf mich vor allem ein Gedanke: Das Honor 6 sieht wie eine Mischung aus dem Nexus 4, dem Sony Xperia Z2 und dem iPhone 4 aus. Sowohl die Vorder-, als auch die Rückseite bestehen komplett aus Glas, die Ausfräsung des Lautsprechers auf der Rückseite gleicht der des Nexus 4 wie ein Ei dem anderen, das Design der linken und rechten Seite erinnert stark an der des Xperia Z2 und das generelle Feeling in der Hand lässt erinnert mich persönlich in gewisser Weise an das iPhone 4.

Das wiederum heißt aber nicht unbedingt, dass Design, Wertigkeit und derlei Dinge nicht gut sind, denn das Gegenteil ist der Fall: Das Gerät fühlt sich durch die Glasrückseite sehr wertig an und auch die, aus Kunststoff gefertigten, Seiten machen einen recht guten Eindruck, wenngleich Aluminium meiner Meinung nach besser in das Gesamtkonzept gepasst hätte. Dazu ist der Formfaktor für ein Gerät mit einem 5“-Display recht kompakt und lässt sich angenehm bedienen.

Der einzige tatsächliche Kritikpunkt, den ich am Gehäuse habe, ist, dass es nicht unbedingt ein Handschmeichler ist. Das liegt vor allem an den klar fühlbaren Kanten, denn man verzichtete beim Entwurf des Honor 6 auf abgerundete Elemente, durch die sich viele Konkurrenzmodelle angenehmer in der Hand halten lassen. Für mich ganz persönlich ist das mehr als verschmerzbar, da ich Smartphones seit Jahren immer in den Fingern, statt in der Handfläche, halte. Viele Nutzer umschließen das Gerät jedoch gerne komplett mit der Hand und dann merkt man die Kanten wirklich recht deutlich.

Scharf oder langlebig

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Ebenso wie das Gehäuse kann auch das Display weitgehend überzeugen. 1920  x 1080 Pixel auf einem fünf Zoll großen Bildschirm resultieren in sehr scharfer und kristallklarer Schrift und dazu ist es auch sehr hell, sodass es bei Tageslicht sehr gut ablesbar bleibt. Der Weißwert ist ziemlich gut, darüber hinaus überzeugt auch die Blickwinkelstabilität.

Meckern kann ich hier eigentlich nur über den Schwarzwert, denn der ist bei Konkurrenzmodellen merklich besser – das merkt man vor allem in dunklen Umgebungen relativ deutlich. In den Systemeinstellungen lässt sich dazu übrigens auch die Farbtemperatur nach eigenem Gusto konfigurieren.

Etwas wirklich sehr interessantes zeigt sich in den Systemeinstellungen, denn hier bietet Honor den sogenannten „Bildschirm-Sparmodus“ an. Das bedeutet im Endeffekt, dass das Display mit 720 x 1.280 Pixeln (720p) statt der nativen 1080p auflöst. Hierfür wird Androids Window-Manager neugestartet, was wiederum einen kompletten Neustart des Systems bedeutet, wenn man den Schalter umstellt.

In der Praxis bedeutet dies dezent weniger scharfe Texte und leicht verschwommene Bildelemente, was vor allem daran liegt, dass die einzelnen Elemente auf die native Auflösung hochskaliert bzw. interpoliert werden („Upsampling“). Im Gegenzug bekommt man dafür eine verlängerte Akkulaufzeit (eine bis zu 20 Prozent längere Laufzeit wird hier angegeben an) sowie eine insgesamt verbesserte Performance und reduzierte Hitzeentwicklung. Alles in allem also ein Deal, den ich mir für viele Nutzer durchaus vorstellen kann, die möglichst viel Akkulaufzeit aus dem Gerät kitzeln wollen.

UI-Design von vorgestern

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Das Honor 6 kommt mit vorinstalliertem Android 4.4.2 daher und darüber wurde natürlich auch das hauseigene Emotion UI in der Version 2.3 gelegt. Letzteres bringt einige Funktionen, die für User tatsächlich sehr nützlich sein können, allerdings wird all das in ein User Interface verpackt, dessen Design von vorgestern ist. Das muss man einfach deutlich so sagen.

Während Samsung, LG, HTC und Co. ihre eigenes User Interface stetig verbessern und auch optisch modernisieren, hinkt Honor beim 6 bemerkenswerterweise recht stark hinterher. Das ist schade, denn so hübsch die Hardware daherkommt, so unübersichtlich und überladen wirkt das Interface an einigen wichtigen Stellen. Ein Paradebeispiel dafür ist die Benachrichtigungsleiste. Die blaue Akzentfarbe, die sich quer durch das Emotion Ui zieht, wirkt zusammen mit den gemusterten Teilen unnötig altmodisch.

Wie es bei vielen Android-Anpassungen aus dem asiatischen Raum üblich ist, kommt auch das Emotion UI ohne einen App-Drawer daher. Ich komme damit zwar relativ gut klar, jedoch bevorzuge ich unter Android ein Setup mit lediglich einem Homescreen, was hier per Default natürlich nicht möglich ist und natürlich bevorzugen viele Android-Nutzer eben auch den bekannten App-Drawer. Glücklicherweise kann man im Fall der Fälle problemlos auf den Launcher verzichten und eine alternative Applikation nutzen, da man dann nicht zähneknirschend auf spezielle Features verzichten muss, weil diese bei besagtem Default-Launcher schlicht nicht vorhanden sind. Ich für meinen Teil habe beispielsweise den Google Now Launcher installiert, der sich exzellent auf dem Honor 6 macht.

Emotion UI kann auch nützlich sein

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Nützlich sind einige Funktionen hingegen in anderen Bereichen. Der Telefonmanager bringt beispielsweise eine eingebaute Berechtigungsverwaltung mit, die es erlaubt App-Permissions sehr detailliert zu erlauben und zu verbieten. Analog dazu gibt es auch eine Benachrichtigungsverwaltung, die das gleiche für App-Notifications ermöglicht.

Nett ist auch die Bewegungssteuerung, die über die Sensoren verschiedene Aktionen auslösen, wenn das Smartphone entsprechend bewegt wird. Beispielsweise kann ein eingehender Anruf automatisch angenommen werden, wenn das Gerät ans Ohr gehalten wird und Töne werden stummgeschaltet, wenn das Honor 6 mit der Vorderseite auf den Tisch gelegt wird. Diese funktionieren allesamt sehr gut, bei Nichtgefallen können die Aktionen aber auch einzeln deaktiviert werden.

Schnell oder nicht schnell – das ist hier die Frage

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Verlässt man sich alleine auf das Datenblatt könnte man meinen, dass das Honor 6 geradezu durch das System fliegen müsste. Drei GB RAM sind auf jeden Fall eine Hausnummer und auch dem HiSilicon Kirin 920, der aus hauseigener Produktion stammt, wurden sehr gute Werte bescheinigt.

Insofern also alles in Ordnung, oder?

Über die meiste Nutzungszeit hinweg bestätigt sich die Theorie auch in der Praxis. Das Gerät läuft zufriedenstellend, ohne dabei aber Bäume auszureißen. Dann und wann stellen sich dann aber doch mal Ruckler ein. Das ganze tritt zwar nur relativ selten auf, ist aber dennoch ein Stück weit enttäuschend, da die technische Ausstattung dies eigentlich nicht zulassen sollte.

Ich für meinen Teil bin eigentlich überhaupt kein Gamer, jedoch habe ich aus reinem Interesse an der CPU mal ausprobiert, wie sich der Prozessor beim Spielen macht. Hier habe ich durchgehend keine Probleme festgestellt, Asphalt 8 macht beispielsweise eine Menge Spaß und fühlt sich sehr schnell an.

Kamera, Akkulaufzeit und Lautsprecher

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Halbwegs verlässliche Aussagen über die Akkulaufzeit kann ich nach wenigen Tagen natürlich noch nicht abgeben. Darüber hinaus habe ich das Gerät bisher nur im heimischen WLAN genutzt, die zusätzliche Akkulast durch mobile Datenkonnektivität kann ich also nicht beurteilen. Aus diesem Grund schenke ich mir eine Angabe meiner Akkulaufzeiten, allerdings gehe ich stark davon aus, dass man bei durchschnittlicher Nutzung durchaus anderthalb Tage mit einer Akkuladung auskommen sollte.

Enttäuscht bin ich hingegen vom Lautsprecher. Der klingt zum einen sehr dünn und dadurch, dass er auf der Rückseite angebracht ist, wird der Sound vom Nutzer weg und nicht zu ihm/ihr hin ausgegeben. Liegt das Gerät dazu auf dem Tisch, wird es bei Musikwiedergabe z.B. sehr dumpf. Das geht inzwischen deutlich besser.

Mit der Kamera habe ich mich bisher noch nicht allzu sehr auseinandergesetzt. Die Fotos, die ich aber mit dem Smartphone gemacht habe, lassen bei Tageslicht Details vermissen, generell wirken die Fotos ein wenig unscharf. Vor allem aber neigt die Kamera zum Überbeleuchten der Szenen. Im Lowlight-Bereich hat man mit verhältnismäßig nur geringer Rauschbildung zu kämpfen, allerdings fielen die Fotos durch das Image-Processing sehr dunkel aus. Was man dann aber auf den Fotos sieht, ist in den meisten Fällen recht nett, wenngleich nicht beeindruckend.

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Mein bisheriges Fazit

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Nach meinen ersten Tagen mit dem Honor 6 bin ich durchaus angetan von dem Gerät. Der Body ist sehr gefällig und recht kompakt gehalten, Wertigkeit und Verarbeitung stimmen, die Akkulaufzeit scheint auch ordentlich zu sein. Des Weiteren macht das Display insgesamt einen guten Eindruck und das Emotion UI bietet ein paar interessante Funktionen. Die Möglichkeit, die Auflösung herunterzuschrauben, habe ich beispielsweise bisher bei keinem anderen Smartphone gesehen.

Auf der anderen Seite ist die Android-Anpassung alles andere als hübsch und die Kamera scheint maximal durchschnittlich zu sein. Die Performance ist auch nicht ganz perfekt. Es gibt also ein paar Kritikpunkte, allerdings bekommt man das Smartphone derzeit für 300 Euro bei Amazon – bei einem solchen Preis muss man wohl schlichtweg auch mit einigen Einschränkungen leben. Trotzdem ist mir das Honor 6 sehr sympathisch, was vor allem am hochwertigen Gehäuse liegt, der eben sehr edel und gelungen ausschaut.

Sofern ich in der nächsten Zeit noch weitere Dinge zum Honor 6 zu sagen habe oder sich der ein oder andere Aspekt (positiv, wie negativ) verändert, werde ich das Ganze früher oder später sicherlich in einem weiteren Beitrag festhalten (in Form eines Langzeittests z.B.). Bis dahin könnt ihr mir Fragen stellen, oder aber auch gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen. Ich versuche dann bestmöglich darauf einzugehen.

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