Huawei: Folgt jetzt die Unabhängigkeit?

Huawei P30 Pro Lineup Header

Da ist er nun, der Ernstfall und Huawei steht ohne eine Android-Lizenz von Google da. Ein Szenario, aus dem das Unternehmen sicher lernen wird.

Es hat sich in den letzten Monaten immer wieder angedeutet, doch nicht viele haben damit gerechnet, dass die Trump-Regierung wirklich Ernst macht und Huawei auf eine schwarze Liste packt. Huawei darf nun keine Hardware mehr in den USA verkaufen, aber das dürfte zu verkraften sein, denn das hat man bisher auch nicht wirklich (das P30 Pro gibt es aktuell nur bei B&H).

Was aber noch viel schlimmer ist: Google musste sich dem Druck der Regierung (wie andere auch) beugen und hat Huawei nun die Android-Lizenz entzogen. Der Hersteller darf damit nur auf die Open-Source-Version zugreifen, aber ohne die Google-Play-Dienste und Dinge wie den Store ist das suboptimal.

Huawei hat sich bereits zu diesem Thema geäußert, wollte sich aber in der ersten Stellungnahme zurückhalten und sicherte zunächst zu: Aktuelle Modelle werden Updates bekommen und normal funktionieren. Das betrifft auch Geräte, die man gerade gekauft hat und Modelle, die noch in den Lagern liegen.

Huawei: Wie geht es jetzt weiter?

Doch wie geht es weiter? Das ist aktuell noch schwer zu sagen, doch dieser Zustand ist für keines der beteiligten Unternehmen angenehm. Weder für Huawei, noch für Google oder andere US-Unternehmen, die mit Huawei arbeiten. Stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis eine Lösung kommt?

Das kann jetzt ganz schnell gehen, es kann aber auch dauern. Was aber sicher ist, ist der Schaden, den Huawei nun weiter bekommt. Viele Medien greifen das Thema auf und verbreiten in ihren Kurzmeldungen auch nicht immer den vollen Umfang mit allen Informationen. Einige Nutzer haben daher gerade Angst, dass es das nun mit Huawei und Android war – aus und vorbei, für immer.

Außerdem machen auch schon erste Videos mit veralteten Informationen (schaut sich überhaupt jemand das Update in den Kommentaren an?) und reißerischen Überschriften (Das Ende von Huawei…) die Runde.

Huawei: Ein eigenes OS ist in Arbeit

Das ist natürlich übertrieben und dürfte kurzfristig wohl kaum so eintreffen. Doch wenn Huawei aus diesem Szenario lernt, dann wird man jetzt sicher noch stärker an der Unabhängigkeit arbeiten. Ein eigenes OS ist seit Jahren in Entwicklung, bisher aber nicht als Alternative zu Android, sondern nur als Notlösung.

Sollte man das Ziel aber erreichen und die weltweite Nummer 1 auf dem Markt werden, dann wäre ein neues OS gar nicht mehr so abwegig. Klar, man müsste von vorne beginnen, aber es wäre auch denkbar, dass man die Open-Source-Version von Android weiterentwickelt hat und den Weg von Amazon geht.

Die arbeiten nicht mit Google zusammen, nutzen auf ihren Geräten aber Android, nur eben in einer selbst entwickelten Version mit einem eigenen Store. Huawei hätte als Marktführer das Potenzial die Entwickler zu überzeugen, dass sie ihre Apps auch für ihren Store anpassen. Und das EMUI ist mittlerweile so weit, dass man eine aktuelle Version von Android nicht zwingend benötigt.

Huawei, Xiaomi und BBK Electronics

Ein eigenes OS, eigene SoCs, eigene Produktion, Huawei ist schon jetzt in vielen Bereichen unabhängig. Selbst wenn dieses Thema gut ausgehen wird, so kann ich mir nicht vorstellen, dass man nach dem letzten Wochenende so wie bisher weiter macht. Man wird sich noch besser auf den Ernstfall vorbereiten.

Huawei ist dabei übrigens nicht alleine, man ist nur ins Visier der US-Regierung geraten. Doch es gibt da auch noch BBK Electronics (OnePlus, Oppo und Vivo). Noch ein Unternehmen aus China, welches früher oder später sicher auch mit Xiaomi im Twitter-Feed von Donald Trump auftauchen wird.

Nehmen wir mal Huawei, BBK und Xiaomi, sollte der Handelskrieg anhalten und sich weiter verhärten, dann wird es Zeit, dass die Unternehmen aus China eine Notlösung finden. Sollten sie sich eventuell sogar auf eine einigen, dann könnten das für Google und den Android-Marktanteil schnell kritisch werden.

Unternehmen aus Asien haben gezeigt, dass sie bereit sind eine eigene Lösung zu bauen, wir sehen das zum Beispiel bei den smarten Uhren. Weder Samsung noch Huawei setzen auf Google und das sind die zwei größten Unternehmen mit Blick auf den Marktanteil bei Smartphones.

China als neuer dominanter Player

Momentan kann man sich kaum vorstellen, dass ein Hersteller eine Chance ohne Android und mit einem komplett neuen OS hätte. Doch mit der zunehmenden Dominanz von Unternehmen aus China halte ich sowas mittlerweile auch nicht mehr für ausgeschlossen. Es wäre schwer, klar, aber nicht unmöglich.

Apple zeigt seit Jahren, dass eine komplett unabhängige Entwicklung von Vorteil sein kann. Und auch dort hat man nun sicher aus dem Modem-Geschäft und 5G gelernt. Intel konnte nicht liefern, mit Qualcomm will man nicht wirklich arbeiten, also entwickelt man die Modems eben auch noch selbst. Das wird zwar noch viele Jahre dauern, aber wir haben bei Intel gesehen, was die Entscheidung von einem Hersteller ausmacht: Man verabschiedete sich aus dem 5G-Markt.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Entscheidung der US-Regierung bald Konsequenzen haben wird, immerhin ist der Markt in China für US-Unternehmen auch wichtig. Daher glaube ich, dass dieses Thema noch diese Woche vom Tisch sein wird. Zumindest dürfte es eine rasche Lösung geben.

Unternehmen wie Huawei werden aber mit Sicherheit daraus lernen und das bedeutet: Unabhängigkeit. Am Ende schadet Trump damit also nur dem eigenen Standort. Wir haben die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren als dominanten Player auf dem Technik-Markt erlebt, das könnte sich nun ändern.

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