Microsoft, Nokia und ein Blick die Zukunft

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Die einen werden sagen „Das war doch von Anfang an klar“, die anderen bleiben bei einem „Diese Entscheidung stand nicht von Anfang an fest“ und am Ende hat wohl keiner irgendwie Recht. Tatsache ist, dass der Deal zwischen Microsoft und Nokia heute früh sehr überraschend kam und die beiden Unternehmen mal wieder kurz vor einer großen Messe die Aufmerksamkeit komplett auf sich gelenkt haben.

Die Verhandlungen dauerten laut Steven Ballmer aber schon längere Zeit an und ganz so leicht war die Entscheidung auch nicht, denn für die Führungsebene von Nokia war diese Entscheidung auch eine sehr emotionale Entscheidung. Für Nokia bedeutet das jetzt noch lange nicht das Ende, denn auch wenn man keine Smartphones mehr verkaufen wird, so wird die Marke weiterhin bestehen bleiben. Der Smartphone-Markt entwickelte sich laut Nokia jedoch zum Duopol (mit Android und iOS an der Spitze) und Nokia alleine hat nicht mehr die nötigen Mittel und Möglichkeiten, gegen die Konkurrenz anzutreten. Microsoft hat diese aber schon.

„Wir haben drei starke Geschäftszweige“, so Nokias vorläufiger CEO Risto Siilasmaa. Man wird sich jetzt viel besser auf das Netzwerk-Geschäft, die Patente und vor allem aber Location Based Services dank HERE konzentrieren können. Der Deal soll vor allem für Investoren und die 88.000 Mitarbeiter von Vorteil sein, die direkt davon profitieren werden. Wobei 32.000 Mitarbeiter zu Microsoft wechseln werden und ich bin gespannt, ob es da in den nächsten Monaten nicht auch einige Entlassungen auf der Seite von Nokia geben wird. Zumindest die Führungsebene ist sicher.

Stephen Elop wird seine Rolle als CEO von Nokia zwar niederlegen, bekommt bei Microsoft jedoch die Rolle „Executive VP of Devices & Services“. Bekannte Gesichter wie Jo Harlow, Chris Weber, Juha Putkiranta und Timo Toikkanen werden Elop folgen und ebenfalls bei Microsoft unterkommen. Designer Marko Ahtisaari wird Nokia allerdings zum 1. November hin verlassen. Schade, Marko gehörte zu den wichtigsten Mitarbeitern und hat das aktuelle Design bei den Smartphones, für das Nokia immer wieder viel positive Kritik bekam, in den letzten Jahren maßgeblich beeinflusst. Ich glaube aber auch nicht, dass der Gute lange auf der Straße sitzen wird, die Nachfrage nach ihm wird recht groß sein und vielleicht hat er auch schon ein neues Angebot.

Wer leitet das neue Microsoft?

Die nächste spannende Frage wird jetzt auch der Nachfolger von Steven Ballmer sein, der für diesen Deal verantwortlich ist, allerdings in den nächsten 12 Monaten seinen Posten als Chef von Microsoft abgibt. Gerüchten zufolge soll ja sogar Stephen Elop im Gespräch sein, was nach der heutigen Meldung auch niemanden überraschen würde und angeblich auch schon von Steven Ballmer bestätigt wurde: Steven Elop ist ab sofort ein interner Kandidat für den Posten als CEO von Microsoft. Wer es am Ende auch immer wird, er wird ein komplett neues Microsoft übernehmen, welches ab sofort eine Menge Potential hat die Spitze in diesem Markt zu erklimmen.

Microsoft gehören nach der Übernahme die Marken Lumia und Asha, allerdings nicht die Marke Nokia. Es ist also gut möglich, dass wir im nächsten Jahr das erste Lumia-Modell von Microsoft sehen werden. Ich würde ja schon fast vermuten, dass man die Marke dahinter so klein wie möglich hält und Lumia als solche etablieren wird. In ein paar Monaten sieht das dann also vermutlich so aus: Lumia 1030 von Microsoft mit PureView-Technik von Zeiss und Nokia-Diensten wie zum Beispiel HERE. Vielleicht sehen wir auch ein Surface-Tablet mit Lumia-Branding. Es wird jetzt sowieso interessant, ob Nokia an seinen September-Plänen festhält. Doch was ist mit den anderen Partnern von Microsoft, wie wird man mit diesen umgehen?

Und was ist mit den anderen Partnern?

Die Übernahme von Nokia wird am Verhältnis nichts ändern, so Microsoft in einer offiziellen Stellungnahme an die OEMs. Nokia war schon vorher ein starker Partner und die Übernahme soll sogar von Vorteil für alle sein. Microsoft dürfte also gewisse Techniken und Dienste für alle Partner der Windows-Phone-Plattform verfügbar machen. Das Ökosystem steht also immer noch an erster Stelle.

Für Microsoft wird es ab sofort allerdings noch schwieriger Hersteller wie HTC oder Samsung von Windows Phone zu überzeugen. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre jetzt glaube ich die Lizenz für Windows Phone entweder drastisch zu senken, oder anderen Herstellern die Option zu geben, das OS komplett kostenlos zu nutzen. Dann wäre Windows Phone auch plötzlich für andere Hersteller interessant. Ich denke hier vor allem auch an den asiatischen Markt und Partner wie Huawei.

Es wird jedenfalls eine sehr spannende Zeit für Microsoft und den Markt, denn ab 2014 besitzt das Unternehmen mit einen Schlag 32.000 erfahrene Mitarbeiter, die Rechte an zahlreichen neuen Patenten und eine starke Lumia-Marke. Ein bisschen schade ist das allerdings für unsere Region, denn Nokia war der letzte Hersteller, der seinen Hauptsitz immer noch in Europa hatte. Auch der Preis von gerade mal 5,4 Milliarden Euro ist im Vergleich zu anderen Übernahmen nicht sonderlich viel.

Ich selbst habe mir noch keine konkrete Meinung zu diesem Thema gebildet und werde auch erst mal die Pressekonferenzen abwarten, bei der es dann hoffentlich noch weitere Details gibt. Vorhergesehen habe ich das heute definitiv nicht, allerdings in ferner Zukunft durchaus damit gerechnet. Ich vermute mal, dass der Vertrag mit Microsoft irgendwann ausgelaufen wäre und Nokia sich dann neben Windows Phone durchaus auch Gedanken über Android gemacht hätte. Das darf Microsoft auf keinen Fall zulassen und da kauft man Nokia doch lieber zum Schnäppchenpreis auf. Doch bevor wir einen Blick in die Zukunft werfen, hier ein Blick in die Vergangenheit.

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