Google Nexus 7: Das Android-Tablet im Alltagstest

Das Google-Tablet Nexus 7, welches Asus baut ist derzeit ein beliebtes Stück Technik, zumindest wenn man sich etwas für Android interessiert und auch regelmäßig online die aktuelle Entwicklung verfolgt. Google hat mit diesem Gerät den Hardware-Verkauf über den Play Store auch hierzulande gestartet und auch der Einzelhandel wird das gute Stück in Kürze anbieten, jeweils zum Kampfpreis von 199 Euro für die 8-GB-Version bzw. 249 Euro für die 16-GB-Version inklusive 20 Euro Guthaben für den Play Store.

Unser Benno hat für euch das Nexus 7 bereits ausgepackt, es abgefilmt und auch seinen ersten Eindurck dazu aufgeschrieben. Nach fast drei Wochen Nutzung möchte nun ich noch ein paar subjektive Worte zum Gerät verlieren. Für mich waren 7-Zoll-Geräte bisher relativ uninteressant, ähnliches habe ich von vielen Lesern mitbekommen, sobald aber Google „Nexus“ auf eine Hardware schreibt, rückt sie in den Fokus vieler Nutzer. Dies liegt wohl weniger am Formfaktor, sondern am Preis und an den zugesicherten Systemupdates durch Google. Gerade auf Letzteres legen viele interessierte Nutzer wert.

Spezifikationen

Zu den Spezifikationen gehört ein Display mit 7 Zoll und einer Auflösung von 1280×800 Pixel (216ppi), ein Tegra 3 Quad-Core-Prozessor (+12 GPU-Kerne), 1 GB Arbeitsspeicher, eine Frontkamera mit 1,2 Megapixel, ein Akku mit 4325 mAh, NFC, Bluetooth, WiFi 802.1 1 a/b/g/n, zwei Mikrofone und als OS kommt selbstverständlich Android 4.1 Jelly Bean zum Einsatz. Das 340 Gramm leichte Gerät soll laut eine Laufzeit von bis zu 9 Stunden und eine Standbyzeit von 300 Stunden erreichen. Das kann ich schon mal bestätigen, die Laufzeit ist top.

Im Lieferumfang befindet sich nichts sonderlich nennenswertes. Ein Headset hat Asus dem Gerät nicht beigelegt, man erhält also nur ein paar Kurzanleitungen, ein USB-Kabel und ein Ladegerät.

Ich muss vorweg auch ehrlich sagen, dass ich ein Nexus 7 nicht zwingend gebraucht hätte. Ich bin mit dem Sony Tablet S und dem iPad 3 ganz gut ausgestattet für die Couch, dennoch hat es mich natürlich interessiert, was Asus da zusammengebaut hat. Generell kann man sagen, dass das Nexus 7 stark auf Google Play zugeschnitten ist, denn in erster Linie soll es zum Konsumieren von Content dienen. Hierzulande ist dies ja nun teilweise auch möglich, denn zumindest haben es neben den Apps die Bücher und Filme bereits in den Play Store geschafft. Filme schaue ich an dem kleinen Ding allerdings nicht, dafür nutze ich bereits eine Weile zufrieden Maxdome am TV.

Hardware

Das Gerät an sich spricht mich an. Es ist sehr solide verarbeitet, die Tasten haben einen guten Druckpunkt und das Gewicht ist voll im Rahmen. Der Kunststoff wirkt nicht billig, spielt aber natürlich in einer anderen Liga als ein Alu-iPad. Das Display löst für seine 7 Zoll Größe vollkommen ausreichend auf, ist allerdings nichts sonderlich farbstark. Man gewöhnt sich dran, aber die Farben wirken generell etwas blass. Die Ausleuchtung, der Blickwinkel und maximale Helligkeit sind hingegen astrein.

Der Speaker ist mir zu leise, selbst auf maximaler Lautstärke hätte ich da etwas mehr erwartet. Für Spielsounds reicht es aus und natürlich lässt sich auch ein Video damit schauen, sobald aber etwas „Unruhe“ im Raum ist, muss man schon genau hinhören. Das Nexus 7 wird via microUSB geladen, was mir persönlich besonders gut gefällt. Ein zusätzliches Ladegerät kann ich mir so sparen. Die Qualität der Frontkamera geht in Ordnung. Das Headset wird am unteren Ende angesteckt. Eine Benachrichtigungs-LED hat das Tablet leider nicht.

Software

In Sachen Systemsoftware kann ich wenig Negatives berichten, denn das installierte Android 4.1 Jelly Bean läuft einfach rund. Die Google-Apps können wie gewohnt überzeugen, wobei ich hier vor allem Gmail-Fan bin. Auch die neue Google+ App läuft astrein. Die Benachrichtigungen gefallen, Google Now und die Sprachsuche erleichtern das Suchen und sind manchmal sogar etwas unheimlich, wenn Inhalte automatisch angezeigt werden. Das System wurde verbessert, läuft sehr solide, stürzt nicht ab, stockt nicht, so muss das sein. Aber…

Generell muss man feststellen, dass man mit dem Nexus 7 ein großes Smartphones bekommt. Das klingt jetzt eventuell etwas pauschal, aber das fängt beim Homescreen im Hochformat an und hört bei den wenigen Tablet-Apps im Play Store auf. Die Größe von 7 Zoll ist meines Erachtens schlau gewählt von Google, denn so stört es nicht so sehr, dass viele Apps sich einfach breit zerren, anstatt extra Tablet-Versionen anzubieten.

Das mit dem „großen Smartphone“ ist keineswegs negativ gemeint, aber es ist ein Punkt der mir bei der täglichen Nutzung auffällt. Das Surfen mit Chrome läuft gut, macht aber mit 7 Zoll nicht so viel Laune, wie mit einem 10-Zoll-Gerät. Es hat also alles Vor-und Nachteile, was für euch sicher nicht überraschend ist. Spiele wie Reckless Racing o.ä. zocke ich zum Beispiel lieber mit dem Nexus 7, da es sich einfach besser und länger bequem halten lässt, auch das TV-Programm via OnAir nutze ich auf dem Gerät, aber viele Apps, welche ich so tagtäglich im Einsatz habe, habe ich in gleicher Form eh auf dem Smartphone.

Es gibt Tablet-Apps klar, aber wer die Auswahl beim iPad kennt, wird sehr schnell ernüchtert sein. Das fängt bei Facebook an, geht über Dropbox, Apps wir Finanzblick, Zattoo und hört bei Twitter auf. Viele der „Basics“ werden in Smartphone-Optik dargestellt und genutzt. Man hofft zwar, dass sich dies nochmal ändert, das hoffe ich persönlich aber schon seit fast zwei Jahren und ob ein 7-Zoll-Gerät die Entwickler dazu veranlasst, bezweifle ich derzeit.

Klingt alles ziemlich negativ? Nein, ich komme gut mit dem Gerät klar und habe auch diverse brauchbare Apps im Einsatz, ich wollte nur darauf hinaus, dass sich die Nutzung häufig wie an einem Smartphones anfühlt. Das ist nicht generell schlecht, nur bei aller Kampfreis-Euphorie sollte man sich darüber klar werden, ob man das möchte.

Dies und Das

Wichtig, eventuell sogar vor dem Kauf ist, ihr könnt das Nexus 7 ohne Root mit externen Speichermedien nutzen. Zumindest ist so der Zugriff auf USB-Sticks, Speicherkarten und Co. gewährleistet. Ohrfeige für Google, dass man dies nicht von Haus aus implementiert hat. Ebenso nervig, der Homerscreen funktioniert von Haus aus nur im Hochformat. Es gibt zwar mit Ultimate Rotation Control eine kostenpflichtige App im Play Store, welche dies abändern kann, aber sowas will ich einfach als Option bereits an Bord haben. Das Nexus 7 hat keine Kamera auf der Rückseite, wer mit der Frontcam ein Bild knipsen will, muss auch auf eine extra App zurückgreifen und zwar auf den Camera Launcher for Nexus 7.

Das Gerät unterstützt kein MHL, man kann es also nicht mit einem TV über einen Adapter per HDMI verbinden. Bluetooth und W-Lan laufen solide und bieten eine starke Funkleistung, das ist auf jeden Fall erfreulich. Der GPS-Chip findet flott den Standort, keine Probleme in dieser Richtung feststellbar.

Eure Fragen, ab in die Kommentare damit!

Fazit

Das Nexus 7 ist brauchbar. Es haut einen nicht um, manchmal vermisst man eventuell je nach Einsatzgebiet das fehlende 3G-Modul, aber dafür kostet es auch nicht all zu viel. Es hat jede Menge Vorteile, diese liegen zum Großteil auf der Google-Seite. Google-Apps, Google-Updates und Google Play. Zum Filme leihen über Google Play zu Hause im W-Lan wird man es wohl nicht unbedingt nutzen, als großes Navi ohne 3G mit Maps Navigation nicht benutzbar, aber z.B. mit einer Offline-Navigation wie CoPilot.

Jelly Bean rockt, ist aber keine Revolution im Vergleich zu Android Ice Cream Sandwich. Man fühlt sich dennoch wohl, weil es so gut in der Hand liegt und man nicht dauernd mit Bugs kämpfen muss. So sehr mich Android-Tablets interessieren, so ärgerlich war es auch immer, dass eigentlich jedes Modell der großen Hersteller einen kleinen Haken hatte. Dieses Gefühl hat man beim Nexus 7 auf der Softwareseite nicht. Man fühlt sich direkt gut aufgehoben.

Manchmal ärgert man sich, wenn man gerne eine schicke Tablet-App für bestimmte Dinge hätte, manchmal ist das Surfen etwas fummelig, ein SD-Slot wäre nett gewesen, eine Benachrichtigungs-LED, MHL und Rückkamera ebenso, aber aufgrund des Preises muss man eben genau an diesen Punkten Abstriche machen.

Ich gebe es nicht mehr her, aber ich kann es auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Wie so oft gilt auch beim Nexus 7 (bei dem Gerät eventuell sogar mehr denn je) werdet euch vor dem Kauf darüber klar, was genau ihr damit anstellen wollt. Passt das Tablet auf euer Nutzungsverhalten, dann macht ihr mit einem Kauf nichts falsch, wenn nicht, dann sind selbst 200 Euro zu schade.

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