Produktzyklus für Flaggschiffe

Die Präsentation des HTC One X+ hat in den sozialen Netzwerken mal wieder für harte Kritik gesorgt, Käufer des One X würde man so in Zukunft vergraulen und sowieso: Wollte man da nicht was ändern und sich bei HTC lieber auf wenige Smartphones konzentrieren? Wieso macht man denn jetzt wieder wie vorher weiter und bringt mal wieder knapp ein halbes Jahr später eine überarbeitete Version seines Flaggschiffs auf den Markt? Es gibt Branchen, da ist ein so genannter Facelift normal, in der Autoindustrie zum Beispiel, aber nicht im Smartphone-Markt. Dieser ist zwar schnelllebig, aber ein Jahr ist ein guter Abstand für einen Nachfolger. Vielleicht schafft man es so auch gleichzeitig die Kunden beim Nachfolger zwei Jahre später wieder für die Marke und dieses Modell zu begeistern, immerhin läuft dann in der Regel der Vertrag aus und die Kunden fangen an sich zu informieren.

Das machen sie aber nicht im Oktober, wenn sie sich im Sommer ein teures Flaggschiff gekauft haben. Da geht man vielleicht auf die Suche nach einer Applikation, einem Spiel, oder möchte wissen wann ein Update für sein Gerät kommt und plötzlich liest man ein paar Wochen später, dass es jetzt schon einen Nachfolger gibt. So eine Meldung mag keiner. Natürlich gibt es da draußen viele Kunden, denen so etwas herzlichst egal ist, aber in dieser Preiskategorie von Smartphones kann man davon ausgehen, dass der größte Teil der Käufer technisch bewandt ist. Er informiert sich im Internet über das Gerät, er nutzt es vielleicht intensiver, er hat eine Investition von 500 Euro gemacht und möchte jetzt natürlich das meiste aus dem Gerät rausholen. Es gibt auf dem Markt Hersteller, die das verstanden haben, welche die es gelernt haben (oder lernen) und welche die den Fehler immer wieder machen.

HTC gehört zu denen, die es lernen wollten und jetzt in alte Muster fallen. Da ist auf einmal Samsung mit einem großen Erfolg des Galaxy S3, da ist die große Aufmerksamkeit für das iPhone 5 von Apple, da brauchen wir jetzt auch ein neues Gerät. Dann ändert doch einfach euren Produktzyklus oder bedient im Weihnachtsgeschäft eine andere Kundschaft (Mittelklasse oder Einsteiger) und setzt Käufern eures Flaggschiffs nicht direkt einen Nachfolger vor die Nase. Einen ähnlichen Fehler hat meiner Meinung nach auch Nokia gemacht in diesem Jahr, denn das Lumia 900 wurde hier in Deutschland viel zu spät auf den Markt gebracht. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon Gerüchte zu Windows Phone 8 und einem Nachfolger,  der dann wenige Wochen später mit dem Lumia 920 offiziell wurde. Das Lumia 900 hätte parallel zum Lumia 800 oder gar nicht auf den Markt kommen sollen. Mich würde ernsthaft interessieren, wie viele Modelle Nokia hier in Deutschland verkauft (nicht ausgeliefert) hat.

Die Zeiten haben sich geändert, der Kunde geht nicht mehr in die Stadt, will sich ein neues Smartphone kaufen und lässt sich vom Mitarbeiter bei seinem Netzbetreiber beraten, bei dem er seit 6 Jahren ist. Die Leute bekommen auf Facebook mit, welche Geräte die Freunde nutzen, welche Verträge es gibt, dass Smartphones ohne Vertrag oftmals günstiger sind, sie informieren sich und lesen die Nachrichten. Und wenn ich mitbekomme, dass HTC ein halbes Jahr später schon einen Nachfolger auf den Markt gebracht hat und im Februar auf dem Mobile World Congress dann vermutlich schon wieder ein neues Flaggschiff mit Android 5.0 vorstellen wird, dann kann es passieren, dass mir die Entscheidung schwerer fällt. Bei Apple und Samsung weiß ich mittlerweile: Maximal ein Flaggschiff im Jahr. Entscheide ich mich jetzt für das S3, kommt kurz vor Weihnachten kein S3+, vielleicht ein S3 Mini, aber das wäre ja dann auch schon wieder eine andere Kategorie und kein Nachfolger.

Ich möchte mich hier nicht hinstellen und sagen was der richtige Produktzyklus ist, da gibt es sicher auch Experten in den jeweiligen Unternehmen. Aber wenn man sich den Markt mal anschaut, dann kann man das durchaus abschätzen. Erfolgreiche Hersteller wie Samsung oder Apple bringen jedes Jahr ein neues Flaggschiff raus, welches im Vergleich zum Modell im Vorjahr nicht so viel Neues mitbringt, im Vergleich zum Modell vor zwei Jahren aber ein großer Unterschied ist. Und wie verkaufen sich diese Modelle? Die Antwort gibt es hier und hier. Das mag nicht nur am Produktzyklus liegen, aber ich glaube dieser ist neben der Hardware ein sehr wichtiger Punkt, wenn es um die Vermarktung eines neuen Smartphones geht. Leider wird das von manchen Herstellern immer noch unterschätzt und sie denken mehr ist besser. Das mag bei den Einsteigergeräten der Fall sein, nicht aber bei High-End-Produkten, welche zum Start 500+ Euro kosten.

Liebe Hersteller, es gibt auf diesem Markt keine Regeln, aber es gibt Modelle, die sich in den letzten 2-3 Jahren als sehr erfolgreich rausgestellt haben. Kümmert euch um euren Produktzyklus, präsentiert die Smartphones nicht Wochen oder gar Monate vor dem Release, habt bei der Präsentation alle Informationen wie Preis und Datum parat und im Optimalfall kann man das neue Flaggschiff auch direkt vorbestellen. Konzentriert euch also nicht nur auf die Hardware und die beste Kamera auf dem Markt, sondern vor allem darauf, wie ihr das Produkt auf den Markt bringt. Das ist in der heutigen Zeit mindestens genauso wichtig, wie ein paar Megapixel oder GHz mehr. Und wo wir gerade dabei sind: Statt die Displays immer größer zu machen, bringt doch auch mal wieder ein Flaggschiff mit weniger als 4,5 Zoll, welches handlich, leicht und trotzdem mit der neuesten Hardware ausgestattet ist.

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