Russland sperrt LinkedIn: Sechs Millionen Nutzer betroffen

Das Karrierenetzwerk LinkedIn, das von Microsoft gekauft wurde, ist von der russischen Internetaufsichtsbehörde gesperrt worden. Grundlage der Maßnahme ist ein seit 2014 bestehendes Gesetz, das die Speicherung von Nutzerdaten russischer Bürger im Land vorschreibt. Der Schritt dürfte politisch motiviert sein.

Russische Bürger können bis auf Weiteres nicht mehr auf das Karrierenetzwerk LinkedIn zugreifen. Der Dienst, der unlängst von Microsoft für einen zweistelligen Milliardenbetrag gekauft wurde, wurde von der russischen Behörde Roskomnadsor am Donnerstag gesperrt. Davon betroffen sind rund sechs Millionen Russen. LinkedIn-Vertreter ersuchten umgehend um zügige Beratungen mit Behördenfunktionären. Dafür müssten aber zunächst Genehmigungen des Außenministeriums und der Geheimdienste eingeholt werden. Zuvor hatte LinkedIn wiederholt erfolglos gegen die drohende Sperrung geklagt.

Politisch motiviert?

Grundlage des Vorstoßes ist ein Gesetz aus dem Jahre 2014, das die Speicherung personenbezogener Daten im Land vorschreibt. Was etwa in Deutschland ein beruhigendes Sicherheitsgefühl beim Kunden erzeugt, mit dem sich sogar werben lässt, ist in Russland das genaue Gegenteil: Hier befürchtet man, dass dadurch der geheimdienstliche Zugriff auf Nutzerdaten vereinfacht werden soll. Bislang wurden noch keine vergleichbaren Schritte auf Grundlage des fraglichen Gesetzes unternommen, obwohl etwa WhatsApp sich nicht daran hält.

Verschiedene Gründe scheinen im Fall LinkedIn denkbar: So könnten nachrichtendienstliche Interessen tatsächlich gegeben sein. Kritiker beklagen bereits länger die zunehmende Einflussnahme auf die freie Nutzung des Internets. Während es um die Pressefreiheit bereits seit Jahren schlecht bestellt ist, zuletzt rutschte Russland im Ranking von Reporter ohne Grenzen auf Platz 148, konnte im Web lange Zeit eine nicht staatlich regulierte Meinungskultur gelebt werden, doch damit wird es zunehmend schwieriger. Die russische Wirtschaft liegt in Folge der politischen Eiszeit am Boden und zahlreiche Russen sind auf der Suche nach Jobs im Ausland. Das aber ist etwas, dass den wirtschaftlichen Abschwung noch befördert. Unterdessen strebte Russland in der Vergangenheit verschiedentlich eine größere Unabhängigkeit von westlichen Hard- und Softwareprodukten an: So wurde etwa an einem eigenen Messagingdienst gearbeitet und kommunale Behörden wurden angehalten verstärkt auf inländische Produkte zu setzen, etwa bei der Realisierung von Office- und E-Mail-Diensten.
Nachtrag
Zuvor wurde ein dreistelliger Milliardenbetrag als Übernahmepreis für LinkedIn genannt. Dies wurde korrigiert.

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