Volkswagen und Android Automotive: Was steckt genau dahinter?

Volkswagen Vw Id Innen Header

Volkswagen bestätigte diese Woche, dass man ab 2023 auf Android Automotive setzt und Version 1.2 der neuen Software auf dem OS von Google „basiert“. Das kam für viele überraschend und ich wollte daher wissen, was das bedeutet.

Heute hatte ich die Möglichkeit mit einer verantwortlichen Person bei Volkswagen zu sprechen und Fragen zu stellen, die mir auch tatsächlich (fast) alle beantwortet wurden. Versuchen wir also mal gemeinsam das etwas besser einzuordnen.

Polestar 2 Android Auto Header

Android Automotive im Polestar 2

Bevor wir einsteigen: Android Automotive ist eine Version von Android, die Google für das Infotainmentsystem im Auto angepasst hat. Sie ist komplett unabhängig von einem Smartphone und wird bereits von Volvo und Polestar genutzt.

Bei Android Automotive gibt es einen Google Play Store und eigene Apps, wobei man als Entwickler eine Android Auto-App schnell anpassen kann. Ich habe euch hier schon sehr ausführlich erzählt, was Android Automotive genau ist.

Volkswagen und Android Automotive

Nutzt Volkswagen wirklich Android Automotive?

Ja, das ist Android Automotive und ja, das OS kommt von Google. Android ist Open Source, Android Automotive allerdings nicht. Nachtrag: Android Automotive ist Teil von AOSP, kann also von Volkswagen frei und ohne Google genutzt werden.

Volkswagen arbeitet laut eigenen Angaben auch mit Google zusammen an der Implementierung, allerdings soll es keine Hinweise auf Google geben. Wie intensiv die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen ist, ist bisher aber unklar.

Gibt es hier die bekannten Google-Dienste?

Das bedeutet auch, dass es keine Google-Dienste bei Volkswagen gibt. Volkswagen hat im Februar betont, dass man sich Google lieber stellen möchte und will auch hier unabhängig auftreten. Google soll also keine Daten von VW bekommen.

Gibt es einen eigenen Store für Apps?

Volkswagen sprach bei der Ankündigung von einem Store für Apps und diesen wird es hier auch geben. Allerdings kommt der Store von Volkswagen selbst. Die für Android Automotive angepassten Apps sind hier übrigens kompatibel.

Die Konditionen wird Volkswagen festlegen, Entwickler müssen ihre App also hier einreichen. Details stehen noch nicht fest, es ist also unklar, welche Art von Apps erlaubt sind und ob Volkswagen einen Teil der Einnahmen verlangen wird.

Was hat Google eigentlich davon?

Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, denn eigentlich will Google die „kostenlose“ Software nur verteilen, wenn man auch die Google-Dienste nutzt und man somit die Daten der Nutzer erhält. Ich habe da aber auch schon eine Vermutung.

Volkswagen wird zwar den Store betreiben, aber vielleicht werden wir dann dort die Apps von Google (wie Maps sehen). Ein Play Store fehlt dann zwar, aber Google erreicht damit dennoch deutlich mehr Nutzer (als ohne Volkswagen).

Welche Modelle bekommen Android Automotive?

Dieser Schritt kommt 2023 mit der PPE-Plattform (Elektrischer Porsche Macan und Audi Q6 e-tron). Android Automotive wird es auch nur für diese Elektro-Plattform und diese zwei Premium-Anbieter geben, nicht für VW, Seat und Skoda.

Android Automotive ist übrigens nur die Basis für das Infotainmentsystem und Audi und Porsche können die Optik frei anpassen. Optisch werden sich ein Audi Q6 e-tron und Porsche Macan also beim Infotainmentsystem unterscheiden.

Ist das nur eine Zwischenlösung?

Theoretisch ja, denn Nutzer mit Version 1.1 werden nicht auf Version 1.2 upgraden können und Nutzer mit Version 1.2 nicht auf Version 2.0. Diese Partnerschaft mit Google wurde vor Version 2.0 beschlossen und gilt nur für Audi und Porsche.

Ich spreche hier übrigens nur von Volkswagen, doch genau genommen ist es die Volkswagen AG, die das plant. Entwickelt wird die Software von der neuen CARAID-Einheit, vor einem Jahr als Car.Software Organisation gegründet wurde.

Version 1.2, 1.2 und 2.0?

Aktuell kommt Version 1.1 der Software von Volkswagen bei der MEB-Plattform zum Einsatz, dann kommt Version 1.2 mit der PPE-Plattform und ab 2025 werden wir dann Version 2.0 sehen, beginnend mit Projekt Artemis von Audi.

Version 2.0 ist dann ein komplett neues OS von Volkswagen, hier beginnt man bei Null. Es basiert also auch nicht wie ursprünglich geplant auf Android, sondern ist ein neues OS, welches dann für alle Marken der Volkswagen AG kommt.

Hier wird es dann auch SDKs für Entwickler geben, denn Volkswagen beginnt auch hier von vorne und wird einen neuen Store für Apps aufbauen. Die Apps für Android Automotive sind nämlich nicht mit VW.OS (Version 2.0) kompatibel.

Was bedeutet das also genau?

Volkswagen nutzt aktuell Version 1.1 für die breite Masse mit der MEB-Plattform, diese Basis soll auch weiterentwickelt werden und ist bei Volkswagen, Seat und Skoda die Basis bis 2026. Dann kommt Projekt „Trinity“ mit der SSP-Plattform und spätestens dann wechseln alle VW-Marken zum eigenen VW.OS.

Bei Audi steht dieser Schritt übrigens schon ab 2025 an, denn Projekt „Artemis“ soll das erste Modell mit der neuen Software der Volkswagen AG werden.

Ab 2023 startet jedoch die PPE-Plattform für die Premium-Marken, hier handelt es sich um eine Weiterentwicklung der J1-Plattform (Taycan, e-tron GT). Audi und Porsche werden also bis zum Wechsel auf die SSP-Plattform eine eigene und exklusive Software bekommen, die auf Android Automotive basiert.

Volkswagen Software Strategie

Der Software-Plan von Volkswagen

Bei der 2020 gegründeten CARIAD von Volkswagen arbeiten also mehrere Teams an der Zukunft der Software. Irgendwann soll alles einheitlich werden, doch das dauert ein paar Jahre und daher gibt es eine Zwischenlösung. Vielleicht will man so versuchen, dass sich Audi und Porsche etwas von VW und Co. abheben.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie man Android Automotive umsetzt und wie sich das dann zum Beispiel von Polestar und Volvo unterscheidet. Mich hat außerdem auch interessiert, was Google dazu sagt und ich habe eine Antwort bekommen:

We are partnering with a broad set of partners across the automotive industry, OEMs, Tier-1 Suppliers and beyond, on both the open source Android OS for the automotive use case as well as for using Google’s services such as Maps, Assistant or Play Store in cars.

We are focussed on making the Android ecosystem successful across all surfaces, which include automotive, by enabling a great open and standards-based platform for both users, developers and manufacturers alike.

Google hat also ein Interesse, dass Android Automotive allgemein erfolgreich ist, ob da nun Google-Dienste dabei sind oder nicht. Klar, die Zusammenarbeit mit Volvo ist deutlich intensiver, aber Volkswagen spielt für Google auch eine Rolle.


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