Wiko Highway Testbericht

Der französische Hersteller Wiko hat sich mit günstigen Android-Smartphones einen Namen gemacht. Doch es ist Luft nach oben, und das aktuelle Flaggschiff Highway soll mit seinen Features auch anspruchsvolle Kunden überzeugen. Ob das gelingt, klären wir im Test.

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Was muss ein Highend-Smartphone eigentlich leisten? Jeder wird dazu andere Bedingungen nennen, zumeist wird das Top-Segment in der Android-Welt aber über ein großes hochauflösendes Display, schnellen Prozessor und ordentlich RAM sowie eine möglichst aktuelle Version von Googles Betriebssystem definiert. Wenn dann auch noch die Akkulaufzeit und Wertigkeit passen, ist ein gutes Abschneiden auf dem Markt nahezu garantiert, sollte man meinen. Verschaffen wir uns also erstmal einen Überblick über Wikos Fuß in der Tür.

Technische Daten

Das Wiko Highway besteht zu weiten Teilen aus Glas und Aluminium, wodurch ein hochwertiger Eindruck vermittelt wird. Das Design ist kantig und erinnert an Smartphones aus Japan und Kalifornien, was aber kein Nachteil ist. Es liegt gut in der Hand, ist allerdings ein Staub- und Fingerabdruckmagnet. Unter der Haube sieht es wie folgt aus:

  • HSPA+ 900/1900/2100 MHz mit 21 Mbit/s, Quad-Band GSM
  • Dual SIM (MicroSIM-Größe mit Adaptern in der Box)
  • 5″-Full HD-IPS-Display mit Gorilla Glass (441 PPI)
  • Android 4.2.2 Jelly Bean
  • Mediatek MT 6592-Octacore-Prozessor mit 2 GHz (Cortex-A7) und 2 GB RAM
  • 16 GB interner Speicher, nicht erweiterbar
  • 2350 mAh-Akku
  • WLAN, Bluetooth, GPS
  • 16 MP-Kamera mit LED und Full HD-Videoaufnahme, 8 MP-Frontkamera
  • Farben: Schwarz, Weiß, Electric blue, Clementine, Purple
  • 144 x 70 x 7,7 mm Größe bei 154 g Gewicht

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Drei Dinge fallen bei Betrachtung des Datenblatts direkt ins Auge, die wohl viele unterschiedlich in ihrer Wichtigkeit ansehen werden. Dennoch: Es fehlt LTE, es fehlt die Speichererweiterung bei etwa 10 GB freiem Speicher ab Werk und Android 4.2.2 ist erstmals vor mehr als einem Jahr ausgerollt worden. Wer dem Highway dennoch eine Chance gibt, findet neben dem Smartphone selbst folgendes im Packungsinhalt:

  • Headset mit Flachbandkabeln
  • Micro-USB-Kabel und Netzteil
  • SIM-Karten-Adapter in verschiedenen Größen
  • Anleitung
  • Schutzhülle

SIM-Karten-Adapter sind eine gute Sache, so kann man zum Beispiel beim Umstieg vom iPhone 5 dennoch seine Nano-SIM verwenden. Diese Zugabe sollte man in wesentlich mehr Packungen finden.

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Dual-SIM-Funktionalität

Apropos SIM-Karten: In das Wiko Highway passen davon zwei Stück. Links und rechts kann man die Schächte mit dem beiliegenden Öffner oder einer Büroklammer herausdrücken. Das gestaltet sich schwieriger, wenn man eine Nano-SIM mitsamt Adapter hereingepresst hat, aber ist keine Unmöglichkeit.

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Die SIM-Karten-Verwaltung ermöglicht es, Standardaktionen für die zwei Karten festzulegen, sodass etwa Anrufe immer nur von einer Karte getätigt werden sollen. Selbstverständlich ist es möglich, auch jedes Mal nachfragen zu lassen. Für den Test hatte ich eine spanische SIM eingelegt, daher die Roaminghinweise.

Display und Benutzeroberfläche

Das Display des Wiko Highway ist sehr gut. Es bietet nicht nur eine brillante Farbwiedergabe und hohe Helligkeit, sondern punktet ebenso bei den Ablesewinkeln. Mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln auf fünf Zoll Diagonale ist es scharf und kontrastreich. Dieses Fenster zur Welt für unterwegs präsentiert nach dem Entsperren eine relativ nah am ursprünglichen Android gehaltene Oberfläche. Wiko hat viele Icons angepasst und einen eigenen Launcher installiert, im Wesentlichen findet man sich aber sofort zurecht und muss nicht lange Optionen suchen, wenn man bereits mit Android zu tun hatte.

Die Softkeys sind kein Teil des Displays, sondern befinden sich darunter als kapazitative Tasten. Dazu gibt es sicher auch mehrere Meinungen, meine Hauptkritikpunkte sind die zu kurze Beleuchtung und die Anordnung nach dem Schema „Menü, Home, Zurück“. Selbst wenn man darüber hinwegsieht, dass die Menütaste aussterben soll… Zurück auf der rechten Seite? Die Android-Design-Richtlinien legen die erwähnte Reihenfolge „Zurück, Home, Letzte Apps“ zwar nicht als ultimativ fest, aber die meisten Hersteller halten sich mittlerweile an eben diese Anordnung. Nur Samsung-Umsteiger werden sich nicht umgewöhnen müssen.

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Wie so oft sind mehrere Apps in der Funktion doppelt, wie beispielsweise Galerie und Google Fotos oder Musik und Play Music. Ärgerlich daran ist, dass man die Nicht-Google-Apps nicht deaktivieren kann, wenn man sie aus dem Drawer verbannen möchte, von Deinstallation ganz zu schweigen. Abgesehen davon verspricht Wiko, dass die Abweichungen vom Standard-Android einen echten Gewinn darstellen. Dazu gehören neben Dual-SIM-Verwaltung und der Kamera-App, auf die ich gleich noch zu sprechen komme, auch eine vorinstallierte Antiviren-Software und als Tastatur-Ersatz TouchPal in einer Demoversion. Zudem wurde der Benachrichtigungsbereich etwas angepasst.

Das Wiko Highway lässt sich in bestimmten Situationen auch über den Annäherungs- und andere Sensoren steuern. Ich gehe davon aus, dass Proximy einfach nur ein Tippfehler von Proximity ist und nicht eine eigens ausgedachte Funktion darstellt. Praktisch für alle, die nachts nicht gestört werden möchten: Das Smartphone fährt auf Wunsch zu festgelegten Zeiten herunter und auch wieder hoch.

Wie die Benutzeroberfläche im Allgemeinen aussieht, verrät euch das folgende Video, in dem ich auch etwas zu weiteren Aspekten des Highways erzähle.

Kamera

Das Wiko Highway zeigt gute Detailwiedergabe, ist nur etwas blass. Mein direkter Vergleichsmaßstab für Android-Smartphones sind allerdings ein Sony Xperia SP und ein Moto G, welche beide nicht mit Qualitätsaufnahmen glänzen.

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Wie eben erwähnt ist die Kamera-App erweitert worden. Kugelaufnahmen, Cinemagraph und andere Extras sind in meinen Augen zwar eher Gedöns, aber Haben ist besser als Brauchen. Das gilt ebenso für die Face Beauty-Funktion der Frontkamera, die mit acht Megapixeln nicht nur recht hoch auflöst und so Spielraum für digitalen Zoom lässt. Es ist zudem möglich, in Echtzeit die Selfies noch etwas aufzuhübschen.

Hier nun einige Fotos, aufgenommen mit der Hauptkamera.

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Multimedia und Leistung

Wiedergabe von Ton über den Lautsprecher ist in Ordnung, aber nichts, was ich bei einem mobilen Gerät dieser Bauhöhe jemals empfehlen würde. Über Ohrhörer ist es – wenig verwunderlich – deutlich besser.

Weiter oben schrieb ich bereits, dass das Display des Wiko Highway einfach schön anzuschauen ist. Videos machen darauf ebenso Spaß wie Spiele mit aufwändigen Grafiken. Wie sich das Smartphone in Real Racing 3 schlägt, habe ich euch weiter oben im Bewegtbild gezeigt. In den üblichen generischen Benchmarks AnTuTu und Quadrant muss sich das Highway ebenso nicht gerade verstecken. Einige Grafiken habe ich hier für euch zusammengetragen:

In etwa 25 bis 30 Sekunden ist das Highway hochgefahren. Im Alltag spürt man im Grunde nur die normalen Android-Ruckler, der Achtkerner im Wiko-Smartphone sorgt für flüssige Abläufe. Beim Laden grafisch anspruchsvoller Spiele und Webseiten machen sich Verzögerungen wie im Video zu sehen bemerkbar, was eher auf die Mali 450-GPU zurückzuführen ist. Die Leistung hat allerdings ihren Preis: Zusammen mit dem leicht unterdimensionierten Akku ist die Laufzeit nicht gerade hoch. Im Saugtest mit voller Helligkeit und 10-Stunden-YouTube-Video über WiFi streckte das Highway nach nur dreieinhalb Stunden die Waffen.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich dieser Wert nach dem zu erwartenden WLAN-Bugfix verbessert. Das Wiko Highway hat aktuell, Stand Ende März 2014, ein Problem mit dem Verbrauch des WiFi-Moduls. Lässt man das Gerät einfach liegen und beschäftigt sich nicht damit, verliert es dennoch zwei Prozent pro Stunde und ist demzufolge nach rund zwei Tagen leer. Ohne WLAN-Verbindung ist es ein Bruchteil des Verbrauchs.

Fazit

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Was lässt sich nun abschließend zum Wiko Highway sagen? Zumindest eine klare Kaufempfehlung kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht aussprechen, zu schwer wiegt für mich der WLAN-Bug. Wenn dieser gefixt wird, sieht es schon anders aus. Positiv auswirken würde sich auch ein Update auf Android 4.4 KitKat. Während dies auf anderen Modellen aufgrund des Chipsatzes nahezu ausgeschlossen ist, unterstützt der MediaTek MT6592 explizit KitKat.

Das Highway sieht sehr wertig aus und ist gut verarbeitet, das Display ist fantastisch und die Dual-SIM-Funktionalität ist für manche das Kaufargument schlechthin. Wiko bietet umfangreiche Serviceleistungen und hat dies den China-Direktimporten voraus. Verzichten muss man auf LTE und Speicherplatz – in der Preisklasse, in der sich das Highway positioniert, wird es so nicht leicht, gegen Jahresware etablierter Hersteller anzutreten.

So bleibt das Wiko Highway ein guter erster Schritt ins Premiumsegment für die Franzosen, ein Testballon, aus dem es zu lernen gilt, um den Erfolg der Mittelklassemodelle zu wiederholen.

Wir danken Wiko Germany für die freundliche Bereitstellung des Testgeräts.

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