Sony Xperia SP Testbericht


Veröffentlicht am 8. Juli 2013 unter Sony, Testberichte
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Im Frühjahr wurde das Sony Xperia SP vorgestellt, seit wenigen Wochen ist es im Handel erhältlich und soll sich im dicht besiedelten Android-Mittelfeld etablieren. Wie es sich dabei schlägt, klären wir in diesem Test.

Zunächst ein Überblick der Spezifikationen des Xperia SP:

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  • 4,6“ großes Display mit 720p-HD-Auflösung (319 ppi), Mobile BRAVIA Engine 2 und Handschuhmodus
  • 130,6 x 67,1 x 9,98 mm Größe* bei 155 g Gewicht
  • Qualcomm Snapdragon S4 MSM8960Pro-Chipsatz (1,7 Ghz-Dual Core), 1 GB RAM
  • Android Jelly Bean 4.1.2
  • 8 Megapixel-Kamera mit Exmor RS-Sensor, Full HD-Videoaufnahmen und „Überlegener Automatik“
  • 8 GB interner Speicher (ca. 5 GB für den Benutzer verwendbar), microSD-Speicherplatz bis 64 GB (keine im Lieferumfang)
  • Nicht wechselbarer Akku mit 2370 mAh und STAMINA-Modus für Verlängerung der Betriebszeit
  • Positionsbestimmung über GPS und GLONASS
  • MHL, Bluetooth 4.0, NFC und WiFi a/b/g/n 2,4/5 GHz

*Über die Größe finden sich verschiedene Angaben, die obigen Maße stammen aus dem Whitepaper der C5303 LTE-Variante, die mir für den Test vorliegt.

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Lieferumfang

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Der Lieferumfang des Xperia SP fällt der Preisklasse angemessen karg aus, meiner Meinung nach sogar zu karg. Öffnet man die quadratische, flache Verpackung, findet man folgenden Inhalt:

  • Das Smartphone selbst
  • Lade-/Datenkabel EC450
  • Farblich abgestimmtes Stereo-Headset MH410
  • GreenHeart-Ladegerät EP800
  • Kurzanleitung und andere Broschüren

Das war’s. Klar drückt man so den Preis, ich hätte aber gern wie beim Xperia P zumindest zwei SmartTags gewünscht, um den Neubesitzer an das Thema NFC heranzuführen.

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Hardware

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Das Xperia SP zeichnet sich neben der transparenten LED-Leiste vor allem durch den nahtlosen Alurahmen aus, der dem Gerät eine hochwertige Anmutung verleiht. Zusammen mit der Glasfront wird der Premiumanspruch unterstrichen, doch leider trübt der Akkudeckel diesen Eindruck gleich wieder. Er ist trotz eingebautem Akku abnehmbar, um Zugang zu SIM- und Speicherkarte sicherzustellen, und besteht aus dünnem Plastik. Die Passgenauigkeit ist nicht hundertprozentig, so kann man in Höhe des XPERIA-Schriftzugs den Deckel wenige Millimeter eindrücken. Ein Stück Pappe, mit Klebestreifen an der Innenseite befestigt, schafft hier zwar schnell Abhilfe, kann aber nicht wirklich im Sinne des Erfinders sein.

Wie so oft unterscheiden sich die Farben auch bei den verwendeten Materialien leicht: Während der schwarze Akkudeckel eine griffige Softtouch-Oberfläche besitzt, ist die weiße Version deutlich glatter. Im Unterschied zu anderen Smartphones (nicht nur von Sony) ist sie hier immerhin nicht hochglänzend, sondern immer noch matt.

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Nichtsdestoweniger liegt das Xperia SP farbunabhängig sehr gut in der Hand. Das Gewicht und kühle Aluminium vermittelten ein Gefühl von Wertigkeit, die Rückseite ist konvex geformt und schmeichelt sich so in die Handinnenfläche. Da bleibt es nur nicht lange in fester Position, solange man das 13 Zentimeter lange Gerät nicht mit zwei Händen bedienen möchte. Ohne Umgreifen kann ich die Ecken des Displays nicht mehr erreichen, wenigstens ist die Power-Taste an der rechten Seite statt oben. Was man sonst noch so am Xperia SP findet, seht ihr in folgendem Video:

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Display

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Das Display ist oft ein Kritikpunkt bei Sony-Smartphones. Schlechte Schwarzwerte und noch schlechtere Ablesewinkel verhageln so manchem Nutzer die Freude an seinem Xperia. Zu einem gewissen Grad kann man den ersten Punkt auf die Designer der Benutzeroberfläche schieben, die es anscheinend für eine gute Idee hielten, eigentlich schwarze Elemente in einem dunklen Grau zu färben.

Regelt man die im Auslieferungszustand auf Maximum eingestellte Displayhelligkeit auf ein angenehmeres Niveau herab, erreicht man tatsächlich Werte, die sich nicht unbedingt verstecken müssen. Auch in Sachen Ablesewinkel geht das Xperia SP nicht komplett unter, doch ein Verlust des Kontrasts ist deutlich zu erkennen. Manche sollen derartiges Verhalten sogar bevorzugen, da so niemand im Zug die Mails mitlesen könne. Blöd wird es nur, wenn man das Handy auf dem Schreibtisch anheben muss, da man mit einem einfachen Blick herüber nicht mehr erkennen kann, wer gerade anruft. Farbtechnisch hat Sony seine hauseigene Mobile BRAVIA Engine 2 am Start, die lebendige Farben und knackige Schärfe bei Betrachtung von Fotos im Album verspricht.

In der Tat werden die Farben intensiviert, bis die Grellwerte nahezu AMOLED-Niveau erreichen. Kombiniert man Mobile BRAVIA mit hoher Displayhelligkeit, kann man sich von originaltreuen Farben und klar abgegrenzten Bereichen des Bilds verabschieden. Beim schwarzen Testgerät hatte ich kurz ein Problem im Album, als man beim Blättern in den Fotos nicht nur deutliche Verzögerung beim Aktivieren des BRAVIA-Effekts sah, sondern das Bild sogar zwischen normal und bearbeitet flackerte. Beim weißen Gerät trat dies nicht auf.

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Praktisch im Winter ist der Handschuhmodus. Entsperrt man das Xperia SP nicht mit etwas leitfähigem wie einem Finger, wechselt die Bedienung. Neben dem tatsächlichen Handschuh funktionierte es in meinem Test auch mit einem Edding, einer PET-Flasche und einer Flasche Bier. Ein weißglühender Kreis signalisiert den getroffenen Bereich.

Benutzeroberfläche

Die Oberfläche der 2013er Sonys ist durch das Portfolio hinweg nahezu identisch, alles, was ihr bei Michael zum Xperia ZL gelesen habt, gilt so auch für das Xperia SP. Sony verändert die Android-Oberfläche im Gegensatz zu manch anderem Hersteller nur behutsam.

Während die Album-App von Sony die Android-Galerie ersetzt, werden mit Play Music und Walkman zwei Musikanwendungen angeboten, wobei nur letzte die hauseigene ClearAudio+-Technologie unterstützt. Der Equalizer ist für beide Apps identisch. Im Test klingen Lieder unter Play Music deutlich anders als im Walkman mit aktiviertem ClearAudio+, ob besser oder schlechter, ist hier eindeutig Geschmackssache.

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Seit Android 4.0 Ice Cream Sandwich gibt es die Funktion nicht mehr, Apps auf die Speicherkarte zu verschieben. Höre ich mich im Bekanntenkreis um, ist das für viele sogar das Argument, zurück auf v2.3 Gingerbread zu wechseln, trotz aller sonstigen Einschränkungen. Interner Speicher wird somit immer wichtiger bei modernen Androiden, dem Xperia SP wurden hier ca. 5 Gigabyte spendiert, die der Benutzer mit Apps füllen kann. Da dies vielen immer noch zu wenig ist, sollte man sich beim Kauf des Geräts gleich eine Speicherkarte mitbestellen, da man so den internen Speicher zumindest von Fotos, Musik und sonstigen Dateien freihalten kann.

LED-Leiste

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Das Xperia SP teilt sich eine Eigenheit mit der 2012er Xperia NXT-Serie, nämlich eine transparenten Leiste, die nicht nur ein Designelement ist, durch dass das Smartphone wenige Millimeter länger wird. Die Leiste wird von drei LEDs beleuchtet, die in verschiedenen Farben Benachrichtigungen signalisieren können. Öffnet man Album oder Walkman, werden Lichteffekte wie beim Xperia U angezeigt: Ähnlich eines Ambilights wechselt die Leiste mit dem Foto die Farbe, im Walkman stimmt sie sich mit dem Albumcover ab und pulsiert noch dazu im Takt der Musik. In späteren Firmware-Versionen sollen mehr Apps unterstützt werden, WhatsApp z.B. funktionierte bei mir noch nicht.

Wem dies zuviel Disko ist, kann es selbstverständlich auch in den Einstellungen deaktivieren. Beim Laden am Nachttisch leuchtet es allerdings, insofern man die Leiste nicht komplett deaktiviert und somit auch auf Benachrichtigungen verzichtet. Ein findiger Xperia SP-Besitzer hat hier mit zwei selbstgeschriebenen Apps in Verbindung mit der vorinstallierten Smart Connect-App, welche Ereignisse abhängig von Uhrzeit und Zubehör auslöst, eine effektive Lösung geschaffen. Smart Connect ist von ihm so konfiguriert worden, dass es zwischen 22 und 7 Uhr bei Anstecken eines Ladegeräts die App lädt, welche die LED deaktiviert. Wird das Ladegerät entfernt (oder ist es nach 7 Uhr), startet Smart Connect die andere App und die LED wird wieder aktiviert.

Eine nette Lösung, wie ich finde, die Apps LED Notifier An bzw. Aus findet ihr im Play Store.

Sony selbst hat vor kurzem eine API veröffentlicht, so dass Entwickler die LED-Leiste in ihren Apps komplett ansprechen können. Neben dem Xperia SP werden auch andere Geräte unterstützt, eine vollständige Liste findet ihr in diesem Artikel.

Kamera

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Die gute Nachricht: Es gibt eine Kamerataste mit gutem Druckpunkt und mit dieser lassen sich dank Schnellstartmodus in Sekundenschnelle Fotos aufnehmen. Die schlechte Nachricht: Man will es eigentlich nicht. Sony nennt seine Kameraautomatik ganz unbescheiden „überlegen“, die Fotos des Xperia SP lassen sich allerdings wohlwollend mit dem Wort Pixelbrei umschreiben. Dafür zeichnet hauptsächlich der Verarbeitungsalgorithmus der Kamera verantwortlich. Beim Beispielfoto mit dem Regenbogen hatte ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, ob ich wohl die Kennzeichen unkenntlich machen sollte. Beim späteren Betrachten stellte ich fest, dass das Smartphone mir diese Arbeit abgenommen hat, sie sind schlicht nicht zu erkennen. Es ist beschämend, dass Sony es nicht schafft, ihre Kameratreiber vernünftig zu schreiben, um dieses Desaster zu verhindern. Beim Xperia Z war es ähnlich, da konnte man aber mithilfe des Burst-Modus verhindern, dass das Gerät genug Zeit hat, die Fotos kaputtzurechnen. Beim Xperia SP fehlt diese Schnellschusseinstellung, und so sehen die Bilder dann aus:

Beispielfotos auf Google Plus ansehen

Es bleibt zu hoffen, dass die Bildqualität mit späteren Updates verbessert wird. Videoaufnahme ist in FullHD möglich, diese ist im Gegensatz zu den Fotos durchaus in Vollauflösung vorzeigbar.

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Konnektivität

Das Xperia SP hat in diversen anderen Berichten Schelte für sein WLAN kassieren müssen, und ich kann mich da prinzipiell nur einreihen. Während mit DLNA, WiFi Direct usw. am Funktionsumfang nicht gespart wurde, hat das Smartphone eine sehr begrenzte Reichweite. In meiner Dreizimmerwohnung mit mittig platziertem Router ist das zwar nie ein Problem gewesen, doch während ich beim iPhone 4S teilweise noch auf der anderen Straßenseite Empfang habe, bricht das Xperia SP die Verbindung fünf Meter aus der Wohnung an der Haustür ab.

Mit an Bord ist NFC, das Sony aktuell eher weniger für die Automatisierung anpreist wie noch zu Zeiten des Xperia S und Xperia P, sondern für das einfache Koppeln mit ihrem NFC-fähigen Zubehör. Dazu zählen neben Kopfhörern und Mini-Lautsprechern auch Fernbedienungen neuerer BRAVIA-TVs, die One-Touch-Mirroring, also das Spiegeln der Smartphone-Inhalte auf den Fernseher durch Berühren anbieten.

Unter der Rubrik Spielerei, und das durchaus im positiven, in jedem Fall aber wörtlichen Sinne, lässt sich eine weitere Funktion des Xperia SP einordnen: Es kann nativ mit einem DUALSHOCK3-Playstation-Controller gesteuert werden, der entsprechende Punkt findet sich in den Einstellungen unter Xperia. Leider habe ich keine Möglichkeit, dies zu testen, auf YouTube finden sich aber diverse Videos zum Thema.

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Akku

Das Xperia SP nehme ich bei moderater Nutzung morgens vom Strom und schließe es am Abend des Folgetages wieder an. Die Laufzeit ist großartig, gerade in Verbindung mit dem STAMINA-Modus. Dieser kappt bei ausgeschaltetem Bildschirm die Datenverbindungen und spart so an einem der Hauptverbraucher. Natürlich kann man auch Apps auf eine Ausnahmeliste setzen, doch sollte man sich bei zu vielen Ausnahmen nicht wundern, wenn plötzlich nichts mehr eingespart wird. WhatsApp steht in meiner Verbraucherstatistik z.B. bei 4 Prozent.

In meinen Tests kam das Xperia SP auf folgende Extremwerte:

  • Bei aktiviertem WLAN, einfachem Rumliegen lassen in mittelmäßigem Empfang und quasi ohne Displayaktivität erreichte es etwa 84 Stunden
  • Bei aktiviertem WLAN, maximaler Displayhelligkeit, dauernder Displayaktivität und abspielen eines 10-Stunden-YouTube-Videos erreichte es knapp über fünf Stunden

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Leistung

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Im täglichen Gebrauch merkt man dem Xperia SP keine Ruckler an, was bei der Ausstattung keine große Überraschung ist. Zum Einordnen der Leistungsfähigkeit habe ich die Benchmarks AnTuTu, Quadrant und 3DMark laufen lassen und gerade bei letzterem spürt man die Power der eingebauten GPU. Das Mittelklasse-Smartphone ordnet sich im Extrem-Test zwischen den Schwestermodellen Xperia Z, ZL und Tablet Z ein. Im normalen Test erreicht es in etwa die Leistung des Nexus 4.

Fazit

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Das Xperia SP ist meiner Meinung nach, in einem Wort zusammengefasst, preiswert. Für circa 330 Euro aktuellem Marktpreis erhält der Käufer ein Mittelklassegerät, das sich nicht vor der Konkurrenz verstecken muss. Wenn ich Alternativen anbieten sollte, käme natürlich zuerst das Nexus 4 in den Sinn, das nahezu identische Ausmaße und einen ähnlichen Preis hat. Es bietet zwei Kerne und 1 GB RAM mehr und glänzt mit sofortigen Android-Updates durch Google. Dafür verzichtet man beim Nexus 4 auf die Speicherkarte, UKW-Radio, LTE, Kamerataste und die wirklich nützliche LED-Leiste.

Wer aktuell auf der Suche nach einem ausdauernden, günstigen und schicken Androiden im Bereich um 4,5“ ist, sollte das Xperia SP auf jeden Fall ins Auge fassen. Wie bereits erwähnt stehe ich mehr auf kompakte Geräte, leider sind kleine hochwertige Kraftpakete in der Androidwelt mittlerweile rar geworden. Mir hat das Xperia SP im Test allerdings so gut gefallen, dass ich es danach trotz der leichten Übergröße und Defizite im Kamerabereich gekauft habe, um mein iPhone 4S zum Zweithandy zu degradieren – zumindest bis das 5S kommt.

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Das Xperia SP ist in Schwarz, Rot (mit schwarzer Front) und Weiß erhältlich. Für den Test standen mir die schwarze und weiße Variante mit Firmware-Version 12.0.A.1.257 zur Verfügung.

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