Android und die Update-Politik (Kommentar)

Samsung versucht im Moment anscheinend alles, damit das Update von Ice Cream Sandwich für das Galaxy S2 so wenig wie möglich wie Android 4.0 aussieht, Google stellt im Dezember ohne großen Kommentar das Update für das Nexus S ein und benötigt über drei Monate, um es wieder halbwegs anzukündigen und das Transformer Prime von Asus hat momentan eine aktuellere Android-Version, als mein Smartphone: Das aktuelle „Google-Flaggschiff“ Samsung Galaxy Nexus. So der derzeitige Stand in der Android-Update-Welt. Eigentlich wundert es mich da nicht, dass die Entwickler nicht mit Freude auf eine neue Version springen und der Marktanteil verschwindend gering bleibt.

Android Ice Cream Sandwich wurde bereits im Mai letzten Jahres vorgestellt, das entsprechende Smartphone mit Android 4.0 dann vor knapp 5 Monaten. Seit Anfang Dezember 2011 kann man es im Einzelhandel kaufen. Das Ergebnis ist, stand heute, ernüchternd. Dabei ist Android 4.0 tatsächlich das wichtigste und beste Update in der Android-Geschichte und vor allem die Holo-Optik hat überwiegend positive Kritik bekommen. Trotzdem fehlt anscheinend der Ehrgeiz der Hersteller. Die größte „Schuld“ dürfte die Differenzierung der Geräte untereinander haben, außerdem kommen ständig neue Modelle auf den Markt und damit diese aktuell bleiben, benötigt es Ressourcen.

HTC hat den Fehler im letzten Jahr bemerkt und einen Schritt zurück gemacht, weniger Geräte, mehr Fokus auf die Software und Updates. Samsung ist auf dem besten Weg genau in die Richtung von HTC zu gehen. Und dabei gibt es mit Asus einen Hersteller, der es richtig macht und mit den schnellen Updates für seine Tablets immer wieder positiv in den Nachrichten auftaucht. Auch Sony hat das mittlerweile verstanden und das Feedback der User ist da, vielleicht nicht das der breiten Masse, aber auch die freut sich über neue Funktionen und ist diesen sicherlich nicht abgeneigt. Schnelle Updates und minimale Anpassungen des OS, wieso muss man denn unbedingt so viele Elemente ändern?

Natürlich ist es wichtig, dass sich die Hersteller untereinander unterscheiden, sonst würde man am Ende nur noch zum reinen Hardware-Produzenten werden. Aber muss dieser Unterschied wirklich so tief in das OS eingreifen, dass der Grundgedanke von Android vollkommen verschwunden geht? Ist es wirklich das Ziel von Samsung, so wenige Elemente von Ice Cream Sandwich wie möglich in ein Update einzubauen? Bei Samsung kann ich mir das noch vorstellen, immerhin würde dieses Unternehmen am liebsten ein eigenes OS am Markt haben, mit dem man erfolgreich ist. Mit Bada ist das in den letzten Jahren aber nicht so richtig gelungen und die Androiden verkaufen sich weiterhin prächtig.

Reicht es nicht ein paar Dienste (Cloud-Speicher, Musik, etc.) einzubauen, kombiniert mit ein paar schicken Widgets und das war es? Achtet der User im Laden wirklich auf die Unterschiede von TouchWiz und Sense, oder geht er am Ende sowieso nur nach der Kamera, dem Display und vielleicht auch dem Namen des Herstellers? Ich denke schon. Auf der anderen Seite sind diesem User vermutlich auch die entsprechenden Updates für sein Gerät egal und er ist mit dem zufrieden, was er gekauft hat. Vielleicht freut er sich am Ende auch noch, dass Android 4.0 genauso wie Android 2.3 auf seinem Galaxy S2 aussieht. Gut möglich, sollte das aber der Anreiz der Hersteller sein?

Ich denke vor allem die technikaffine Gruppe kommt da draußen viel zu kurz. Wer nicht ständig mit ROMs rumbasteln möchte, der kann bei Android im Moment eigentlich nur zum Galaxy Nexus greifen. Aus ökonomischer Sicht hat Google allerdings alles richtig gemacht, das zeigt das aktuelle Wachstum deutlich. Dass man allerdings mehr Qualität in die Plattform reinbringen möchte zeigen auch Bestrebungen wie die Update-Garantie nach 18 Monaten oder der klare Hinweis auf die Design-Richtlinien. Ohne Marktanteil und entsprechende Geräte interessiert das allerdings niemanden, zumindest nicht bei den Entwicklern. Oder sagen wir es so: Der Anteil ist eher gering. Ob Android so in weniger als 6 Monaten iOS überholen kann? Nein.

Warum schreibe ich diese Zeilen, am Ende wird sich doch sowieso nichts ändern und alle machen weiter wie bisher. Das glaube ich nicht und ich höre verstärkt Meinungen, die das bestätigen. Am Ende wird Android seinen Marktanteil nur wieder über günstige Einsteigergeräte schaffen, erst wenn Android-Tablets irgendwo im Bereich von 200-300 Euro liegen kommt der Boom, über Qualität wird man diesen vermutlich nicht erreichen. Und das ist eigentlich schade, denn Android 4.0 ist ein großartiges OS für Smartphones und auch Tablets. Es fehlt eigentlich nur der Support der Entwickler da draußen, die mangelnde Update-Politik ist ein wichtiger Punkt, warum diese vielleicht auch bei iOS bleiben werden.

Bild via logoeps von Richárd Rácz

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