Facebook: Wie verzweifelt kann man eigentlich sein?

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Hat Facebook ein Problem? Es scheint so, wenn man sich die verzweifelten Versuche des Unternehmens in letzter Zeit so anschaut.

Facebook macht in letzter Zeit viel falsch. Sie verlieren aktive Nutzer in einer wichtigen Zielgruppe (junge Nutzer) und irgendwann wird der Punkt kommen, da hat das Wachstum in Entwicklungsländern ein Ende. Und spätestens dann wird für Facebook der Kampf gegen den Rückgang der Nutzer beginnen.

Das soziale Netzwerk hat eine natürliche Grenze, die Nutzer. Die ist irgendwann erreicht. Doch es ist auch ein börsennotiertes Unternehmen und dort kennt man nur Wachstum. Zwei Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen.

Facebook und der DAU

Facebook war einst ein toller Ort, um sich mit anderen Menschen zu verbinden, mittlerweile jagt ein Datenskandal den nächsten, die Plattform wird benutzt, um Wahlen negativ zu beeinflussen und so ganz nebenbei präsentiert man auch noch einen Speaker mit Display und Kamera. Achja, an einer AR-Brille arbeitet man auch noch. Doch das ist eigentlich gar nicht mein Problem.

Hätte sich Facebook mit weniger zufrieden gegeben und wäre Zuckerberg nicht so gierig geworden, es wäre vermutlich immer noch ein toller Ort. Für mich.

Doch seit Monaten verabschiede ich mich immer mehr von Facebook, erst im September habe ich ja hier einen passenden Beitrag dazu geschrieben. Es wurde seit dem nicht besser. Schon dort habe ich angemerkt, was Facebook macht, um Nutzer mit aller Gewalt als aktive Nutzer zu behalten. Und zwar nicht nur als aktive Nutzer, das reicht Facebook nicht. Man will DAUs.

Den „Daily Active User“. Der Begriff DAU ist aber auch anders bekannt.

Genau das ist mein Problem mit dem Netzwerk. Ich wäre gerne einfach nur ein aktiver Nutzer, der ab und an reinschaut und aktiv bleibt. Unter anderem, um mit Bekannten aus den USA zu schreiben, oder ab und an mal in einer Gruppe zu schauen. Das möchte Facebook aber nicht, ich bin schlecht für die Zahlen.

Facebook verschickt verzweifelte Mails

Als ich die App noch installiert hatte, hat man mir daher immer mehr Push-Nachrichten geschickt und weil ich eigentlich Push nutzen wollte, nervte das. So sehr, dass ich die App dann irgendwann entfernte. Nun sind es die Mails.

Ich bekomme mehrmals die Woche irgendwelche Mails von Facebook und habe mir am Anfang mal vorgenommen: Bei jeder Mail klicke ich auf den Link, um solche Benachrichtigungen abzuschalten. Irgendwann werde ich sicher keinen Müll, sondern nur noch mir wichtige Dinge mitgeteilt bekommen.

Doch es wurde schlimmer.

Was ich mittlerweile an Mails bekomme ist kaum zu glauben. Heute war mal wieder so ein Highlight. Facebook hat mir eine Mail geschickt, weil jemand, mit dem ich bei Facebook befreundet bin, einen Beitrag von einer anderen Person, die ich nicht im entferntesten kenne, kommentiert hat.

Was zum…

Facebook Wtf

Es gibt kaum noch etwas, auf Grund dessen man mir eine Mail schicken kann und weil die Tage keine Mails von Dingen kamen, die mich interessieren, schickt man mir nun so einen Müll. Wie verzweifelt muss Facebook eigentlich sein?

Ein Besuch bei Facebook, egal wie

Es geht dabei nicht um mich, oder ob mir der Kommentar interessieren könnte. Ich soll vermutlich noch nicht mal auf den Link zum Beitrag klicken, denn wer halbwegs denken kann, der wird wissen, dass mich sowas nicht interessiert.

Nein, ich soll irgendwas in dieser Mail anklicken. Und wenn es nur der Link zum Abbestellen von solchen absurden Mails ist. Damit werde ich auf Facebook gelockt, bin angemeldet und für heute ein aktiver Nutzer. Im besten Fall lockt mich noch eine der 100+ Benachrichtigungen und ich bleibe.

Ziel ist es nicht, dass ich etwas mitbekomme, was mich interessiert. Ziel ist es, dass ich Facebook besuche. Und es ist Facebook mittlerweile vollkommen egal, wie man das schafft. Diese Gier ist verdammt groß geworden.

Facebook, das „soziale“ Netzwerk

Ich habe nichts gegen Werbung, ich habe nichts gegen soziale Netzwerke und ich weiß auch, dass die eigenen Daten die Währung sind, mit der man bezahlt. Doch Facebook ist ein Paradebeispiel dafür, dass ein soziales Netzwerk an der Börse eigentlich nicht funktionieren kann. Sozial und Kapital, das beißt sich.

Facebook „The Capitalistic Network“.

Und nun? Ich habe seit dem letzten Beitrag massiv angefangen Dinge zu ändern und mich zu lösen. Klar, ich hätte mich einfach direkt abmelden können, aber ich wollte Facebook eigentlich weiter nutzen. Nur eben so, wie es mir passt. Aber da kommen Facebook und ich einfach nicht zusammen.

Manchmal ist man vielleicht auch etwas blauäugig, doch irgendwann überwiegen die Nachteile die Vorteile und dieser Punkt ist nun gekommen. Bei Instagram bin ich auf einem ähnlichen Weg und noch radikaler will ich es bei WhatsApp machen. Denn während die anderen beiden nur Netzwerke sind, die ich mal bei Langeweile aufsuche, ist ein Messenger deutlich wichtiger.

Die Werbung in WhatsApp wird bald kommen und obwohl ich den Status nicht nutze mache ich mir nichts vor: Sie wird irgendwann die App erobern, da es die Haupteinnahmequelle werden soll. Und wenn es bei Facebook bald bergab geht, dann wird man WhatsApp genauso wie Instagram ausschlachten.

WhatsApp-Nachrichten, die dir gefallen könnten

Am Ende entscheidet noch ein Algorithmus, welche WhatsApp-Nachrichten für mich relevant sind. Klingt wie ein Scherz, aber hätte mir bei Facebook mal am Anfang jemand gesagt, dass das Netzwerk entscheidet, welche Beiträge für mich relevant sind, ich hätte auch gelacht. Noch lässt sich WhatsApp angenehm nutzen, aber ich glaube nicht, dass das für immer so bleiben wird.

Dafür war es zu teuer.

Instagram war im Vergleich dazu übrigens ein richtiges Schnäppchen. Damals kam einem die Milliarde verdammt viel vor, heute würde man über so einen Betrag für so eine perfekte Gelddruckmaschine nur lachen.

Irgendwie schade, der Grundgedanke von Facebook, Instagram und WhatsApp ist super. Es gibt einen Grund warum diese Dienste so groß geworden sind. Nur die Gier des Mutterkonzerns ist leider parallel dazu gewachsen.

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