Microsoft Surface Book ausprobiert

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Mit dem Surface Book hat Microsoft das erste vollwertige Notebook vorgestellt. Mit starker Hardware und ebenso ehrgeiziger Designsprache wirbt das Surface Book um die Gunst der anspruchsvollen Kundschaft. Ist es einen Blick wert?

Vorwort

Ich war schon immer großer Fan der Microsoft Hardware. Zwischen 1998 und jetzt habe ich immer mindestens ein Stück Hardware von Microsoft besessen. Angefangen bei Tastaturen und Mäusen bis zur Xbox und den aktuellen Smartphones – Microsoft Hardware bedeutete für mich immer Industriedesign vom Feinsten. Und wenn mal nicht alles glatt lief (*hust* Zune und Xbox Controller *hust*) wurde wenigstens schnell nachgebessert. Microsoft lernt schnell und beweist gern langen Atem.

Umso gespannter war ich auf das Surface Book. Die Surface Tablets haben es mir zwar angetan, aber zum Arbeiten nutze ich dann doch lieber ein „echtes“ Notebook mit großem Touchpad und langer Akkulaufzeit. Microsoft war so freundlich, mir das Topmodell der Surface Book Reihe für einen Test auszuleihen.

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Ausstattung meines Surface Book

Mein Testgerät strotzt vor Leistung. An Bord sind:

  • 512GB SSD
  • Core i7 6600U
  • GeForce GT 940M
  • 16GB RAM

Gemeinsam haben alle Surface Books:

  • 13,5 Zoll Display mit 3000x2000px Auflösung mit Multitouch
  • „Bis zu 12 Stunden Akkulaufzeit bei Videowiedergabe“
  • Magnesiumgehäuse
  • Gewicht: gut 1,5kg
  • 11ac WLAN, Bluetooth 4.0
  • Mini-DP, zwei USB 3.0, SD Kartenleser
  • Surface Pen
  • Windows 10 Pro

Dabei sind die Abmessungen mit 232,1 x 312,3 x 13 – 22,8 mm sehr schön klein.

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Hardware

Microsoft schafft es immer wieder, Designs zu erfinden, die echte Hingucker sind. Das Surface Book erkennt man auf Anhieb als solches wieder.

Optik, Haptik, Gewicht

Nimmt man das Surface Book aus der Packung, merkt man sofort, dass es sich hier um ein Gerät der Premiumklasse handelt. Das Magnesiumgehäuse fasst sich wunderbar kühl an, ist leicht rau und fühlt sich an wie aus einem Guss. Das Gewicht ist dabei hoch genug um hochwertig zu wirken, aber nicht störend.

Die leichte Keilform mit der Lücke zwischen den beiden Elementen ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Ich hatte sofort Angst, dass sich Schmutz oder Fremdkörper dazwischen festsetzen könnten. In meinen zwei Wochen Testzeitraum ist zwar nichts passiert, aber so ganz vertraue ich dem Frieden trotzdem nicht.

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Display

Seit dem Surface Pro 3 setzt Microsoft auf dem Formfaktor 3:2 bei seinen Displays, den ich wirklich lieben gelernt habe. Ich schaue nicht genug Filme am Rechner um zu verstehen, warum sich überall sonst 16:9 durchgesetzt hat. Das 3:2 Format bietet so viel mehr vertikalen Platz, der beim Surfen und Arbeiten für deutlich mehr Komfort sorgt.

Hey Microsoft, wie wärs denn mal mit einem Desktop-Monitor mit 3:2 Seitenverhältnis? ;-)

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Die Farbwiedergabe und Blickwinkelstabilität des Displays ist wie schon beim Surface Pro erstklassig. Das Display wird in der Sonne schön hell aber auch in sehr dunklen Umgebungen ausreichend dunkel um mich nicht zu blenden.

Tastatur

Die des Surface Book funktioniert genauso gut wie die der meisten anderen Laptops heutzutage. Die Tasten sind weit genug voneinander entfernt und beleuchtet. Der Druckpunkt geht in Ordnung. Ich kann mich allerdings immer noch nicht mit den Hoch/Runter Tasten anfreunden, die sich den Platz einer Taste teilen. Gerade in Excel oder Word habe ich oft daneben getroffen. Ich tippe mal drauf, dass das eine Designentscheidung war, damit das Keyboard eine rechteckige Grundfläche hat. Trotzdem blöd.

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Sound

Schon beim Surface Pro 4 war ich überrascht vom guten Sound der gut versteckten Stereolautsprecher. Da habe ich schon deutlich Schlimmeres gehört. Klar muss aber auch sein: Ganz großes Kino können Laptoplautsprecher niemals bieten. Für mich hat es aber immer gereicht.

Das Scharnier

Microsoft hat bei der Vorstellung des Surface Book großes Augenmerk auf das Scharnier des Surface Book gelegt. Komisch, auch schon bei den Surface Tablets war man sehr stolz auf die Scharniere der Ständer. Es scheint so einige Scharniernerds bei Microsoft zu geben.

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Das Scharnier des Surface Book ist insofern besonders, als dass die beiden Hälften des Laptops nicht genau aufeinanderliegen, sondern es eine Lücke zwischen den beiden gibt. Mir persönlich gefällt das nicht so. Man hätte da sicher eine andere Lösung finden können, die auch das Abdocken der Displayeinheit zugelassen hätte.

Akku

Das Surface Book hat sogar zwei Akkus. Der Größere von beiden befindet sich dabei in der Basiseinheit, die auch die Tastatur und die Grafikkarte beherbergt. Das führt dazu, dass die Tableteinheit mit dem großen Display über keine besonders gute Akkulaufzeit verfügt. Im Alltag mit ein bisschen Surfen und Youtube war bei mir nach gut 2 Stunden Schluss. Nutzt man das Surface Book als Laptop, ist die Akkulaufzeit dann natürlich deutlich besser. Allerdings habe ich die beworbenen 12 Stunden nie erreicht.

Bei meiner Nutzung (Chrome mit durchschnittlich 5 Tabs, ab und zu Youtube, Spotify im Hintergrund, ab und an Lightroom und Photoshop) waren es eher 8 bis 9 Stunden. Immer noch ziemlich gut, aber eben nicht so gut wie manche andere Geräte. Das liegt aber zum Großteil auch an der Performance, die das Surface Book bei Bedarf abrufen kann. Ein i7 mit 16GB RAM und dedizierter Grafikkarte wird nun mal auch im Leerlauf etwas mehr Energie verbrauchen, als weniger potente Systeme.

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Gut mitgedacht von Microsoft: Der Akku im Basismodul entleert sich als Erstes. So kann ich später trotzdem das Tablet abdocken, ohne dass dort der Akku dann nur noch 30 Minuten hält.

Anschlüsse

Das Surface Book ist anschlussseitig für meinen Geschmack etwas dünn ausgestattet. 2x USB 3.0, 1x Mini Display Port und SD-Kartenleser müssen reichen. Ein weiterer universeller Anschluss wie Thunderbolt wäre noch sehr nett gewesen. So dünn wie das Surface Book ist, gibt es aber auch einfach sehr wenig Platz für Anschlüsse.

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Der 3,5mm Klinkenstecker für Kopfhörer befindet sich sinnvollerweise in der Tablet-Einheit, ist bei der Nutzung als Laptop dann aber doch seltsam positioniert. Das Kabel der Kopfhörer hing mir des Öfteren über der Tastatur herum oder im Bild.

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Software

Windows 10

Bei anderen OEMs wie Acer, HP, Lenovo und wie sie nicht alle heißen muss man als Käufer ja oft nach dem Auspacken einige Arbeit investieren, um die diverse Bloatware vom neuen Laptop zu bekommen. Nicht so beim Surface Book (zum Glück!). Microsoft liefert hier ein pures Windows 10 Image aus, bei dem selbstverständlich alle Treiber schon mit dabei sind.

Nicht ganz so verständlich ist, warum diese mitgelieferten Treiber teilweise deutlich schlechter performen als die Originaltreiber der Hardwarehersteller. Wie schon beim Surface Pro 4 bringt zum Beispiel erst die Installation der SSD-Treiber von Samsung die wahre Performance der 512GB SSD zum Vorschein. Und die NVIDIA-Systemsteuerung bringt deutlich mehr Funktionen mit, als die minimalen Einstellungsmöglichkeiten in Windows.

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Tja, und dann sind da noch…

All diese Bugs

Als das Surface Book herauskam, wurde die Freude vieler früher Käufer durch diverse Bugs getrübt. Da las man von extremen Stromverbauch im Standby, einem Dockmechanismus, der nur manchmal funktioniert und noch diversen kleineren Bugs.

Microsoft hat in den letzten Monaten einige Patches veröffentlicht, die diese Bugs größtenteils beseitigt haben sollen, weswegen ich auch gar nicht böse darüber war, das Surface Book erst jetzt zum Test zu haben.

Leider waren die bisherigen Updates aber zumindest bei meinem Testgerät noch nicht in der Lage, alle Fehler auszumerzen. Ich bin in meinen zwei Wochen mit dem Gerät regelmäßig über Bugs gestolpert. Manche davon waren „nur“ nervig, einer jedoch hat mich am Ende des Testzeitraums eine ganze Nacht wachgehalten. Hier ein paar Beispiele:

Kamera

Das Surface Book verfügt wie das Surface Pro 4 auch über die Möglichkeit, sich mithilfe der Frontkamera anzumelden. Wenn das funktioniert, funktioniert es hervorragend. Ich liebe das Feature einfach! Im Surface Book war es allerdings Glückssache, ob sich die Kamera beim Booten aktivierte oder nicht. In mehr als der Hälfte der Fälle erschien nur der Text „Die Kamera wird eingeschaltet“ und das wars dann.

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So schön die Lockscreenbilder sind, aber irgendwann möchte ich mich schon anmelden.

Einmal wollte das Surface Book zudem auch keine andere Form der Anmeldung zulassen. Die Lösung: Reset und Neustart. Super wenn man noch ungespeicherte Änderungen in Photoshop offen hat.

Dockmechanismus

Der Dockmechanismus wird beim Surface Book über Software gesteuert. Man kann das Tablet nicht von der Tastatureinheit trennen, wenn das Surface Book aus ist. Leider war auch die Softwarefunktion in Windows 10 manchmal nicht bereit, das Tablet abzudocken. Mehrmaliges Hämmern auf die Hardwaretaste zum Auswerfen auf der Tastatur half zwar meist, aber so richtig habe ich immer noch nicht verstanden, was genau das Problem war.

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Die beiden vorherigen Bugs lassen sich durch die Problembehandlung in der Systemsteuerung beheben, allerdings nur bis zum nächsten Neustart. Hmpf.

Touchpad

Das Touchpad des Surface Books ist qualitativ vergleichbar mit einem MacBook. Genau, groß, reagiert super – solange es funktioniert. In zwei Wochen ist es mir drei Mal passiert, dass das Touchpad einfach nicht mehr reagierte. Lösung: Neustart. Erkennt ihr ein Muster?

Wiederherstellung

Wenn man ein Gerät testet und irgendwann zurückschicken muss, setzt man es zurück. Windows 10 hat dafür eine großartige interne Funktion, die ich beim Surface Pro 4 erfolgreich genutzt habe. Alle Dateien werden gelöscht und danach ist Windows wieder im Urzustand.

Als ich das Prozedere mit dem Surface Book durchführen wollte (Am Abend bevor der Kurier es wieder abholen sollte), ging nach dem Zurücksetzen nichts mehr. Das Gerät zeigt nur noch das Bootlogo und startet ständig neu – Bootloop.

Ich habe bis tief in die Nacht Recoveryimages geladen und aufgespielt, bis es irgendwann geklappt hat und das Surface Book wieder booten wollte.

Echt jetzt Microsoft, hätte ich fast 3000,00€ für das Surface Book hingelegt, wäre das zurückgegangen und ich hätte mir ein Macbook gekauft. Zusammenfassend haben mir diese Bugs die eigentlich super Hardware ziemlich vermiest.

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Zeichnen kann ich immer noch nicht. ¯\_(ツ)_/¯

Zusammenfassung

Das Surface Book ist ein ziemlich einzigartiges Gerät, aber existiert selbstverständlich nicht im luftleeren Raum. 2919,00€ UVP sind ein stolzer Preis und für das Geld bekommt man auch schöne andere Geräte.

Marktvergleich

Microsoft positioniert das Surface Book ziemlich eindeutig gegen Apples MacBook Reihe. Vorteil Microsoft: Das Surface Book ist ein 2-in-1 Gerät. Das Display lässt sich ja abdocken. Ein vergleichbar ausgerüstetes 13“ MacBook Pro kostet allerdings auch „nur“ 2449,00€. Möchte man auf jeden Fall ein Tablet haben, wäre da zum Beispiel eine Kombination aus Macbook Pro und iPad Pro 9,7“ gar nicht so abwegig. Für das iPad Pro gibt es auch einen Stift, der Akku hält länger, die Maße sind deutlich taschentauglicher und es gibt das iPad mit LTE-Modul. Mit MacBook Pro 13“ und iPad Pro 9,7“ wäre man dann bei 3138,00€ im Vergleich zu 2919,00€ UVP beim Surface Book.

Auch im Windows OEM Lager gibt es Konkurrenz: Das Lenovo X1 Yoga kostet vergleichbar konfiguriert etwa gleich viel wie das Surface Book und bringt gleich ein LTE Modul und ein OLED-Display mit. Auch die Verarbeitung dürfte Thinkpad-typisch ähnlich gut sein.

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Das Thinkpad X1 Yoga

Beide Varianten bieten allerdings nur die intel-eigene Grafik und dürften daher beim Rendern oder Zocken deutlich weniger Leistung bieten als das Surface Book.

Preis/Leistung

Schaut man sich die Konkurrenz an, liegt Microsoft mit dem Pricing also durchaus richtig. Die gebotene Hardwarequalität rechtfertigt den hohen Preis durchaus. Das Gerät schreit an jeder Ecke „Premium“ und dafür darf man ruhig so viel Geld verlangen.

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Wie immer bei Surface Geräten müsst ihr aber schauen, ob ihr den Tablet-Part des Geräts wirklich oft nutzen werdet. Kann man auf Touchscreen und abdockbares Tablet verzichten, gibt es nämlich weitaus günstigere Geräte.

Fazit zum Microsoft Surface Book

Ich begleite seit Jahren die Surface Reihe von Microsoft und das Surface Book ist für mich das bisher gelungenste Gerät der Reihe. Microsoft schafft es hier, ein einzigartiges Gerät abzuliefern. Die 3:2 Displayauflösung ist eine Offenbarung für die eigene Produktivität, das Design ist eigenwillig, aber gelungen und die Performance ist (vor allem für ein so dünnes Gerät) über jeden Zweifel erhaben.

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Das Surface Book wäre in meinen Augen einer der besten PCs aller Zeiten, wären da nicht die nervigen Bugs, die sich eine Firma wie Microsoft nicht leisten darf.

Klar, das sind alles Softwareprobleme, und Softwareprobleme kann man beheben. Aber warum sollte ich mich von sowas nerven lassen, wenn ich fast 3000,00€ für einen Computer ausgebe?

Im jetzigen Zustand kann ich das Surface Book leider nicht empfehlen. Das dürfte sich aber spätestens mit der zweiten Generation ändern. Denn eins habe ich seit 1998 gelernt: Microsoft lernt schnell und beweist gern langen Atem.

Wertung des Autors
Hannes Reinberger bewertet Microsoft Surface Book mit 3.9 von 5 Punkten.

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