Surface 2 und Surface Pro 2 Testbericht

Nicht mal ein halbes Jahr ist es her, dass Benno das Surface Pro von Microsoft mit einem lachenden und einem weinenden Auge begutachtet hat. War die erste Generation der Surfaces in Deutschland erst spät verfügbar, legt Microsoft jetzt schnell nach und möchte mit dem zweiten Versuch mehr Käufer anlocken. Ob ihr diesmal mit gutem Gewissen zuschlagen könnt und welches der beiden Tablets das coolere ist, kläre ich in diesem Test.

Tablet? Notebook? Beides? Was will Microsoft eigentlich?

Die letzte Generation der Surface Tablets hat viele Menschen verwirrt. Das sind zwar Tablets, aber da läuft Windows drauf und dann kann man auf einem der beiden nicht mal Programme installieren?! Microsoft wollte demonstrieren wie gut Windows 8 als Tablet-Betriebssystem funktioniert, konnte sich dabei aber nicht von seiner Desktop-Vergangenheit befreien. Dass nur eines der beiden Tablets ein “vollwertiges” Windows bietet, führte auch bei mir zu einiger Verwirrung.

Die neue Generation ändert daran nichts. Wieder gibt es ein Tablet mit Windows 8.1RT, das über einen ARM-Prozessor (nämlich den Tegra 4 von nvidia) verfügt und ein Tablet, das mit seinem intel core i5 Prozessor eher an ein geschrumpftes Ultrabook erinnert.

Surface 2 und Surface Pro 2

In meinen Augen demonstriert Microsoft damit weiterhin eine gewisse Unentschlossenheit. Man möchte die Kunden nicht verprellen, die auf Produktivität bedacht sind und daher ein möglichst notebook-artiges Tablet wollen, andererseits gibt es da diesen riesigen Markt an Privatleuten, die sich an beschränktes Multitasking und Appstores gewöhnt haben und eher auf geringes Gewicht und Formfaktor Wert legen. Also auch diesmal wieder zwei Tablets.

Technische Daten

Surface 2

  • Maße: 27,46 x 17,25 x 0,9 cm
  • Gewicht: 676 Gramm
  • CPU: Nvidia Tegra 4 (1,7GHz Quadcore)
  • RAM: 2GB
  • Display: 10,6” 1920×1080 (nur 5 Punkt Multitouch)
  • Speicher: 32/64 GB
  • Kamera: 5MP hinten / 3,5MP vorne
  • Gehäuse aus VaporMg in silber
  • Wifi, Bluetooth 4.0, vollwertiger USB 3.0 Port(!)
  • 7-15 Tage Standby, bis zu 10 Stunden Videowiedergabe

Surface Pro 2

  • Maße: 27,46 x 17,29 x 1,3 cm
  • Gewicht: 907 Gramm
  • CPU: Intel core i5-4200U (1,6GHz, 2,6GHz Turboboost)
  • RAM: 4GB
  • Display: 10,6” 1920×1080 (10 Punkt Multitouch)
  • Speicher: 64/128/256/512 GB
  • Kamera: 720p vorne und hinten
  • Gehäuse aus VaporMg
  • Wifi, Bluetooth 4.0, vollwertiger USB 3.0 Port
  • 42Wh Batterie

Das Surface Pro 2 hat vor kurzem von Microsoft ein Specbump verpasst bekommen. Der Prozessor taktet jetzt mit 1,9 statt 1,6 GHz und verfügt über ein paar kleine Features mehr. Auf dem Papier mag das ärgerlich sein, aber auch die erste Version lief bereits tadellos, so dass sich kein Early Adopter ernsthaft ärgern muss.

Surface 2 Pro

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Hardware

Von außen sind die beiden größten Unterschiede der Tablets die Dicke und das Gewicht. Das Surface Pro 2 ist merkbar dicker und viiiieeeel schwerer als das Surface 2. Meiner Meinung nach (und auch Benno war bei der ersten Generation der selben Ansicht) zu schwer für die klassische Tabletnutzung auf der Couch, im Bett, (auf dem Klo) oder im Stehen. Es dauert nicht lang und das Handgelenk schmerzt. Ich hatte beide Tablets gleichzeitig zum Test und bin für “einfach nur surfen und Apps benutzen” schnell vom Pro 2 auf das Surface 2 umgestiegen. Das Gewicht eines Tablets ist einfach kritisch für die Benutzbarkeit. Natürlich bietet das Surface 2 Pro auch viel mehr Power als das Surface 2, aber wofür brauche ich die, wenn ich nur den (exzellenten) Internet Explorer und Metrotwit offen habe?

Beide Tablets vereint die super Verarbeitung. Nichts klappert oder knarzt, der jetzt in zwei Positionen einrastende Kickstand fühlt sich robust genug für mehrere Jahre Nutzung an und das “VaporMg”-genannte Material ist wunderbar kühl und wertig beim Anfassen. Ein Knackpunkt beim Surface RT war ja das niedrig aufgelöste Display. Das hat wohl auch Microsoft eingesehen. Beide Tablets haben jetzt auch das gleiche, wunderschöne 1080p-Display. Mit diesem Display macht alles Spaß: Vom Webbrowsen über Flipboard und Facebook bis zu *hust* Tabellenkalkulationen. Leider führt die 16:9 Auflösung dazu, dass die Tablets sich im Querformat zu breit und im Hochformat zu hoch anfühlen. Ein so breiter Bildschirm mag zwar für Filme ideal sein, aber zum surfen (wofür ich ein Tablet hauptsächlich benutze) ist das nicht optimal. Hier hätte ich mir mindestens 16:10 gewünscht. Immerhin scrollen fast alle Windows 8 Apps seitlich, so dass das meist nur auf Webseiten ein Problem ist.

Eher mittel fand ich die Lautsprecher. Der Stereoeffekt kommt ganz gut zur Geltung und sie sind laut genug, aber es fehlen einfach die Tiefen, damit ich mir vorstellen könnte, dauerhaft damit Musik zu hören oder einen Film zu sehen. Ich bin was das angeht aber auch ziemlich wählerisch. Bis auf das iPad 1 und das HTC One hat es noch kein mobiles Gerät geschafft, mich soundmäßig halbwegs zufrieden zu stellen.

Surface 2 Lautsprecher

Zu meinen Testgeräten gesellte sich das neue Touchcover, das jetzt beleuchtet und noch sensibler ist als das alte. Ich muss sagen: Tolle Sache! Ein Surface ist ohne Tastaturcover nur halb so gut, also solltet ihr das Geld dafür definitiv mit einplanen, gerade wenn ihr das Tablet produktiv einsetzen wollt. Leider ist das Mauspad bei beiden Covern sehr klein, was aber der 16:9 Auflösung und damit der geringen Höhe des Tablets selbst geschuldet ist.

Geschickt eingefädelt von Microsoft: Man braucht sich nicht viele Sorgen über fehlende Apps machen, denn ein Großteil des Speicherplatzes wird sowieso vom System selbst eingenommen. Auf einem Surface 2 mit 32GB sind von Haus aus nur 18GB frei. Auf dem Surface Pro 2 mit 64GB sind es gar nur 37GB. Glücklicherweise gibt es einen Steckplatz für Micro-SD Karten, benutzbar sind aber eher nur die größeren Ausgaben der jeweiligen Tablets.

Software

Grundsätzlich: Die Performance ist auf beiden Tablets hervorragend. Im zugegeben kurzen Testzeitraum von etwas über einer Woche kam es bei mir zu keinen nennenswerten Hängern. Egal ob ich mit dem Surface 2 Champions League via Zattoo gesehen habe und gleichzeitig Twitter aufhatte (ja, das geht!) oder mit dem Surface Pro 2 Bilder in Lightroom bearbeitet und anschließend the walking Dead gespielt habe. Aber da zeigt sich schon der größte Unterschied. Mit dem Surface 2 bin ich auf Windows 8 Apps angewiesen (oder auf Webapps), das Surface Pro 2 lässt mich normale Windows Software installieren. Schade nur, dass Microsoft diese Trennung nicht auch im System klarer durchgeführt hat. Es gibt auch in Windows 8.1 RT einen Desktop und die mitgelieferten Office-Apps (inklusive Outlook!) funktionieren auch nur auf dem Desktop. Dank touch-optimierter UI lassen diese sich tatsächlich auch nicht schlecht bedienen, aber ansonsten ist der Desktop auf Windows RT nutzlos. In dieser Form schafft das nur Verwirrung. Warum sollte ich auf einem Tablet den Gerätemanager benutzen wollen? oder den Task Manager? Mir ist außer der Office-Suite auch noch kein Programm begegnet, das auch als RT Version vorliegt. Allerdings: Die einzige App, die ich wirklich vermisst habe, war Chrome.

Surface 2 SD-Kartenslot

Surface 2 SD-Kartenslot

Denn ansonsten füllt sich der Windows 8 App Store langsam und es tauchen vermehrt die Programme auf, die man auch auf anderen Tablets gerne nutzt. Kürzlich sind Flipboard und Facebook erschienen, foursquare macht wie auch schon bei der Windows Phone App einen super Eindruck und auch Spiele gibt es mittlerweile einige, so dass mich beim Anblick des Stores nicht mehr das Grausen packt wie noch im Frühling.

Meine Top 10 Apps für Windows 8:

  1. 500px
  2. Asphalt 8
  3. Flipboard
  4. Metrotwit
  5. Foursquare
  6. Hyper for Youtube
  7. Spotlite
  8. Fresh Paint
  9. Cocktail Flow
  10. Radiant Defense

Im Gegensatz zu den meisten anderen reinrassigen Tablets gibt es beim Surface 2 echtes Multitasking. So kann ich zwei Apps nebeneinander snappen und dann gleichzeitig twittern und facebooken. Oder Jamie Oliver schauen und in Evernote das Rezept gleich mitschreiben. Wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat, möchte man es so schnell nicht missen.

Die Softwareauswahl beim Surface Pro 2 ist natürlich durch das “echte” Windows 8.1 nahezu unbegrenzt, wird da allerdings dadurch eingeschränkt, dass die allermeisten Programme auf eine Bedienung mit Maus und Tastatur ausgelegt sind. Ich habe testweise Lightroom und Steam installiert und eine Touchbedienung war bei beiden möglich, aber nicht besonders einfach. Ein bisschen besser geht das mit dem hervorragenden mitgelieferten Stylus, mit dem man bei Bedarf pixelgenau arbeiten kann. Am ehesten kommt man aber mit dem Touchcover klar. Dann fühlt sich das Surface Pro 2 an wie ein sehr portables Ultrabook.

Beleuchtetes Touch Cover

Beleuchtetes Touch Cover

Windows 8.1 hat endlich dafür gesorgt, dass auch bei Displays mit hoher Pixeldichte die UI nicht zu klein wird, und so kann man mit dem Surface Pro 2 sehr gut arbeiten. Im Gegensatz zum Vorgänger hat sich die Batterielaufzeit auf akzeptable 7 Stunden erhöht. Doch selbst dann erreicht das Surface Pro 2 nicht ganz den Komfort und das Arbeitsgefühl eines durchschnittlichen Ultrabooks.

Welches ist denn jetzt besser?

Und schon wieder dieser Stolperstein: Was darfs denn sein, ein Tablet oder doch ein Notebook?

Microsoft verspricht das beste aus zwei Welten (nämlich Tablet und Notebook), aber schafft es dabei selbst nicht, zwei andere Welten (Windows und Windows RT) zu verbinden.

Surface 2 und Surface Pro 2

Fazit Surface 2

Das Surface 2 ist ein tolles Tablet. Im Testzeitraum lag ich zwei Tage lang krank im Bett und hatte nur das Surface 2 um mich zu unterhalten und das hat es wunderbar getan. Der Browser ist schnell, die wichtigsten Apps sind da, der Kickstand hält gut und das Display ist sehr schön. Dazu hält der Akku auch noch lange durch und das Gerät ist annehmbar leicht. Das Surface 2 ist ein tolles Multimedia Tablet. Allerdings verwirrt mich dann doch der Desktop Modus.

Außerdem dürfen wir den riesigen Elefanten im Raum nicht ignorieren: Das iPad Air kostet nicht viel mehr und ist dabei viel leichter, viel schlanker und hat die beste App-Auswahl aller Tablets.

Fazit Surface Pro 2

Das Surface Pro 2 steckt für mich noch deutlich mehr als das Surface 2 in der Identitätskrise. Ich kann zwar sämtliche Apps ausführen, aber das kann ein Ultrabook auch und das bietet dabei meist längere Akkulaufzeit, identische Performance und eine “mitgelieferte” Tastatur. Für den Einsatz als Wohnzimmertablet ist das Surface Pro 2 Overkill. So viel Leistung brauchen nur wenige Menschen auf der Couch oder im Bett und dazu ist es auch noch viel zu schwer. Aber für Menschen, die viel  Leistung in einem ultratransportablen Body brauchen, kann das Surface Pro 2 durchaus lohnen. Es kann alles – aber leider nicht perfekt.

 Vielleicht gibt es ja nächstes Jahr nur noch ein Surface Tablet mit vollwertigem Windows aber mit der Größe und dem Gewicht des heutigen Surface 2. Das wäre dann ein Tablet, das ich guten Gewissens Leuten empfehlen könnte, die in der Microsoft-Welt zuhause sind und auch produktiv mit einem Tablet arbeiten wollen.

Für dieses Jahr kann ich nur sagen: Jedes der beiden Tablets hat Vorteile, die es vom jeweils anderen und von der Konkurrenz abheben, aber beide haben eben auch Einschränkungen, die es vor dem Kauf zu beachten gilt.

Und, kann Microsoft euch dieses Mal begeistern?

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