Polestar 2 ein Jahr später: Was ist bei einem Elektroauto wichtig?

Polestar 2 Header

Über die Feiertage und den Jahreswechsel begleitete mich der Polestar 2 im Alltag und ich konnte das Elektroauto so gut wie kein anderes testen. Über ein Jahr ist seit dem ersten Test vergangen, damals gab es aber noch einige Kinderkrankheiten.

Die meisten davon hat Polestar in den letzten Monaten beseitigt, mir ist eigentlich nur noch ein alter und bekannter Bug (Sitzheizung beim Beifahrer geht ab und zu einfach aus) aufgefallen. Und CarPlay fehlt leider weiterhin, kommt aber 2022.

In den letzten Tagen habe ich mir überlegt, was mir bei einem Elektroauto wichtig ist und ich möchte das anhand des Polestar 2 aufzählen. Außerdem gibt es dann passend dazu natürlich eine Einschätzung, ob der Polestar 2 das alles erfüllt.

Video: Polestar 2 ein gutes Elektroauto?

Abonnieren-Button YouTube

Polestar 2: Ein sehr gutes Auto

Man spürt, dass hinter Polestar die Erfahrung von Volvo steckt und Geely (China) als Produzent gute Autos bauen kann. Der Polestar 2 ist ein sehr gutes Auto, er liegt ruhig auf der Straße, ist super verarbeitet und es fühlt sich fast alles hochwertig an.

Hier und da hätte ich noch hochwertigere Materialien verbaut, zum Beispiel bei den Tasten am Lenkrad, aber grundsätzlich gefällt mir das sehr gut. Ich mag vor allem den Einsatz von Stoff, denn ich bin nicht der größte Fan von Leder im Auto.

Polestar 2 Seite

Also Auto hat mich der Polestar 2 definitiv überzeugt und es ist schön auch mal wieder eine klassische Limousine zu sehen, denn bei der Elektro-Offensive gab es für mich im letzten Jahr definitiv zu viele SUVs (bringt Polestar ja jetzt auch).

Doch ist der Polestar 2 auch ein gutes Elektroauto? Da habe ich letztes Jahr sehr viele Modelle getestet und mittlerweile eine klare Vorstellung, was das für mich persönlich ist. Das muss bei euch nicht so sein, das ist eine subjektive Liste.

Polestar 2: Ein gutes Elektroauto

  • Reichweite: Der wichtigste Punkt ist die Reichweite bei einem Elektroauto, das merke ich auch im Umfeld, denn das ist immer die erste Frage. Meine Version (Dual-Motor, großer Akku) kommt ca. 450 km weit, wenn man den WLTP-Wert anschaut. Im Alltag sind das um die 350 bis 400 km jetzt im Winter, was für mich okay, mit Blick auf die Akkugröße (78 kWh) aber eher durchschnittlich ist. Es gibt aber eben nur einen Modus, der immer die volle Leistung besitzt, da wäre ein Eco-Modus (könnte man via Update nachreichen) vielleicht nicht schlecht. Im Schnitt lag mein Verbrauch meistens bei ca. 20 kWh pro 100 km, da wäre also noch Luft nach oben. Okay und ausreichend, aber es geht besser (ein Model 3 kommt zum Beispiel ca. 100 km weiter).
  • Laden: Nach der Reichweite ist mir die Ladeleistung sehr wichtig. Am AC-Lader sind es bis zu 11 kW, was okay ist (22 kW kann man nicht buchen) und am DC-Lader sind es bis zu 150 kW. Die Peak-Leistung ist passabel, aber ich habe im Alltag festgestellt, dass die Ladekurve vor allem ab 50 Prozent sehr zügig abfällt und gerne mal schon vorher bei gerade mal 100 kW lag. Am Anfang ist die Ladekurve gut, nach hinten raus könnte man sie noch optimieren. Die Position des Ladeanschlusses finde ich auch nicht optimal, er ist hinten links. Ich bevorzuge den Anschluss vorne, denn ich lade auch viel in Parkhäusern und da kann man oft kaum rückwärts einparken. Wobei da ein Verlängerungskabel als Notlösung bei Wallboxen helfen kann (geht am Schnelllader aber nicht).

Polestar 2 Ionity

  • Software: Android Automotive läuft mittlerweile gut und ich mag es, wenn man einfach so eine App herunterladen kann. Die Ladeplanung über Google Maps ist zum Beispiel gut, aber wer es noch besser will lädt sich ABRP herunter. Spotify oder Tital gibt es als native App (Apple Music und Co. fehlen nur, weil es die Anbieter nicht wollen) und es gibt auch einen Browser, wir haben zum Beispiel gerne mal ein Video am Schnelllader geschaut. Da es den Google Play Store gibt, ist das eine große Stärke des Polestar 2, es gibt auch Dinge wie Pocket Casts und mehr. Das Angebot an Apps ist zwar noch nicht gewaltig, aber da tut sich derzeit etwas, die YouTube-App kommt jetzt zum Beispiel auch.
  • Platzangebot: Polestar nutzt keine Elektro-Plattform, im Kern ist das eine (wenn auch gut) optimierte Verbrenner-Plattform. Das spürt man beim Platzangebot innen, was gut, aber nicht so gut wie bei anderen Autos dieser Größe ist, die eine eigene Plattform nutzen. Es würde mir ausreichen, aber es ist kaum besser, als in einem deutlich kürzeren VW ID.3 und das ist schade.
  • Frunk: Ich erwarte mittlerweile einen Frunk bei Elektroautos, also einen „Kofferraum“ unter der „Motorhaube“. Der Polestar 2 hat einen solchen, auch wenn er sehr klein ist. Reicht aber für das AC- und Schuko-Ladekabel und mehr benötige ich dort nicht. Allerdings will ich die Kabel vorne unterbringen, denn vor allem im Winter kann es mal vorkommen, dass sie nass und dreckig sind und dann haben sie nichts im Kofferraum mit Stoffbezug verloren.

Polestar 2 Front

  • Sound: Bei einem Elektroauto ist mir die Isolierung viel wichtiger geworden, da ist der Polestar 2 gut isoliert. Allerdings wäre da noch Luft nach oben, denn ich habe das in dieser Preisklasse auch schon besser (z.B. Audi Q4 e-tron) erlebt. Was es nicht gibt, was ich mir bei einem Performance-Elektroauto aber wünschen würde, wäre ein Sportsound. Dieser sollte optional sein, macht mir aber Spaß, wenn man auch mal etwas sportlicher unterwegs ist.
  • One Pedal Driving: Das ist mir sehr wichtig geworden und das macht der Polestar 2 quasi perfekt. Ich war in den letzten Monaten mit kaum einem Auto unterwegs, bei dem ich so selten die Bremse aktiv benutzt habe. Die Rekuperation sorgt für ein sehr angenehmes Bremsverhalten und der Polestar 2 kommt auch komplett zum Stillstand. Und wer das nicht möchte, kann es in mehreren Stufen regeln oder ganz deaktivieren. So muss das sein, gut gelöst.

Polestar 2: Mein Fazit im Alltag

Bei der ersten Probefahrt im Sommer 2020 und ersten Woche Anfang 2021 gab es noch viele Bugs und das sorgte sogar dafür, dass ich letztes Jahr auf einen Test bei uns im Blog verzichtete. Ich wollte Polestar die Zeit geben, um das alles zu fixen.

Mittlerweile hat man das fast alles gefixt und liefert da ein sehr gutes Elektroauto aus. Es ist nicht so effizient wie ein Tesla Model 3, dafür liegt es deutlich besser auf der Straße und ist ruhiger im Innenraum. Und das ist mir beides sehr wichtig.

Polestar 2 Google Maps

Android Automotive gefällt mir. Vielleicht noch nicht optisch, aber ich mag es, wenn man wie beim Smartphone einfach eine App herunterlädt, wenn man sie benötigt. Und irgendwann werden da sicher alle nötigen Apps im Polestar vorhanden sein.

Die Software in einem Tesla Model 3 läuft etwas besser, aber wer dort nicht nur Spotify nutzen möchte, hat Pech. Und der Polestar 2 war bei mir auch bei den Fahrassistenzsysteme solide, nur die Verkehrsschilder erkennt er eher nicht gut.

Polestar macht viele Punkte richtig und liefert vor allem ein Elektroauto aus, was extrem viel Spaß macht. Diese Version hat mehr Punch und Leistung, als der Basis-Taycan und das spürt man im Alltag (man kann noch mehr Leistung kaufen).

Polestar 2 Ac Lader Elektro

Für mich ist der Polestar 2 eines der besten Elektroautos auf dem Markt. Klar, ein paar Dinge wie Ladekurve und Effizienz darf man noch optimieren und wo ist das Head-Up-Display, was man von Volvo kennt? Aber das Gesamtpaket ist super.

Als Auto würde ich den Polestar 2 als sehr gut einstufen, vor allem wenn man gerne etwas sportlicher unterwegs ist. Als Elektroauto ist leider noch etwas Luft nach oben, aber für das erste Elektroauto macht Polestar hier schon sehr viel richtig.


Fehler melden11 Kommentare

Bitte bleibe freundlich.

  1. Mike 👋

    der polestar 2 ist meines Erachtens perfekt für all jene, die einen Audi oder BMW gewohnt sind und ein eher konventionelles Cockpit bevorzugen. Hat mir auch sehr gut gefallen

  2. max 🏅

    Ganz klar: Reichweite! Mir ist egal wie es von innen aussieht oder ob ein 14" Tablet als Display verbaut ist.

    1. Olli 👋

      Reichweite wird völlig überbewertet. Ich habe das Model 3 gefahren und möchte damit nicht lange mit 130 km/h über die Autobahn müssen. Lieber komfortabler und 1x mehr laden, die 10 Minuten hat man.

  3. Christian 👋

    Zum Thema Reichweite:
    Es geht auch schlechter.
    Ich habe einen Mustang Mach E und der hat lt. WLTP 610 KM.
    Jetzt im Winter zeigt mir die Reichweite im Auto bei 80% 250 KM an.

    Hochgerechnet also ungefähr 310 KM bei Nettokapazität der Batterie von 88 kWh.

      1. rogh 🪴

        Und der Preis? Und wie viel Garantie gibt es dafür auf welche Komponenten? Wie schaut es mit Crashtest aus?

  4. Frank Witte 👋

    Man gewinnt de Eindruck dass der Tester das Auto im Alltag nicht benutzt hat. 400km Reichweite schafft ein Polestar 2 weder im Sommer, geschweige im Winter. Ein 11kw Lader ist nicht Stand der Technik wenn schon ein Smart mit 22kw laden kann. Und wer einen Soundgenerator im E Auto vermisst, disqualifiziert sich selber.

  5. MadKiefer 🪴

    Ganz wichtiger Punkt, bevor irgendjemand ein eAuto kauft: bitte schaut mal auf efahrer vorbei und schaut euch die echten Reichweiten an. Dort werden alle derzeit und zukünftigen Autos aufgestellt, getestet und nach Filtern sortierbar gelistet.

    Bei mir ist es definitiv ERST Ladezeit, DANN Reichweite. So rum ist es absolut wichtiger – wie man oben auch gut lesen kann, warum dem so ist. Denn man macht in jedem Fall Pausen (99% der Fahrer zumindest), und sobald mal mehr als eine Person und/oder Kids drin sind, gleich nochmal mehr.

    1. termel 🪴

      Und wo genau finde ich dort einen Vergleich wie schnell welches Auto geladen ist und welche Reichweite sie tatsächlich haben? In deren Vergleichsansicht fehlen beide Angaben komplett.

  6. termel 🪴

    "Bei der ersten Probefahrt im Sommer 2020 und ersten Woche Anfang 2021 gab es noch viele Bugs und das sorgte sogar dafür, dass ich letztes Jahr auf einen Test bei uns im Blog verzichtete. Ich wollte Polestar die Zeit geben, um das alles zu fixen."
    Wieso? Wenn ein Produkt im fehlerhaften Zustand an den Kunden ausgeliefert wird, dann würde ich doch erwarten dass das auch so in einem Test kommuniziert wird. Wenn ich lesen will wie toll ein Produkt ist, kann ich mir die Herstellerseite angucken. Und wenn die Bugs behoben sind, kann man ja einen erneuten Test machen und ein Update schreiben.

    1. Ja das stimmt, habe ich bei der Probefahrt auch. Letztes Jahr hatte ich den Polestar 2 aber dann auch nur eine Woche, weil das am Anfang zu eng getaktet war. Die Kombination hat dafür gesorgt, dass es wieder nur ein Eindruck geworden wäre und das wollte ich nicht, ich wollte einen Test beim zweiten Mal liefern.

      Also ich habe das nicht gestrichen, weil das Produkt schlecht war, aber es hat die Entscheidung erleichtert, dass es unfertig war.

Schreibe einen Kommentar    

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Durch das Absenden eines Kommentars stimmst du der Speicherung deiner Angaben gemäß unserer Datenschutzerklärung zu.

Um mobiFlip.de nutzen zu können, müssen Cookies in Deinem Browser aktiviert sein.