Bester Elektro-Kombi? Porsche Taycan Cross Turismo im Test

Porsche Taycan Cross Turismo Heck

Porsche hat mir den Taycan Cross Turmismo als 4S-Version für ein paar Tage vor die Tür gestellt und ich durfte das Elektroauto im Alltag testen. Es ist der vielleicht beste Elektro-Kombi, wobei das aktuell auch nicht unbedingt viel zu sagen hat.

Eckdaten? 360 kW (490 PS) im Alltag und 420 kW (571 PS) mit bis zu 650 Nm Drehmoment im Overboost-Modus. Der steht aber nur kurz beim Start bereit, wir sprechen hier also über zwei Elektromotoren und ungefähr 500 PS im Alltag.

WLTP-Reichweite? 388 bis 452 km laut Porsche. Realistisch? Unter 300 km, wenn man auch mal etwas Spaß auf der Autobahn hat und in etwa 350 km, wenn man sehr häufig im Range-Modus unterwegs ist, der allerdings auch schnell ist.

Video: Der Porsche Taycan Cross Turmismo

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Porsche Taycan als Kombi?

Die Cross Turismo-Version ist fast 5 Meter lang und fast 2 Meter breit und das merkt man im Alltag durchaus. Der Taycan ist kein wendiges Auto für die Stadt und (wie in meinem Fall) Tiefgarage – da darf man gerne mal etwas rangieren.

Dafür bietet er durchaus viel Platz und das nicht nur vorne, sondern auch auf der Rückbank (ich hätte hinter mir mit 1,90 m noch Platz), im Kofferraum (geht tief rein) und im Frunk (Kofferraum vorne, der ist im Vergleich mit anderen sehr groß).

Was man beim Kofferraum aber bedenken sollte: Er ist sehr tief, aber nicht so breit und hoch. Die 4 Winterreifen passen in meinem Golf komplett in den Kofferraum, hier musste ich sie legen und beide Rückbänke komplett umlegen. Es ist zwar ein Kombi, aber im Vergleich mit „richtigen“ Kombis dann auch kein Platzwunder.

Porsche Taycan Cross Turismo Kofferraum

Man sitzt sehr bequem und alles ist hervorragend verarbeitet, den Punkt kann man bei Porsche aber streichen, denn das ist die erste Liga in dieser Kategorie. Und ja, auch dieser Taycan liegt wie ein Brett auf der Straße – auch bei 200+ km/h.

Geht der Porsche Taycan aber auch als Kombi durch? Ich würde sagen ja, da kann man gut was ins Auto packen und 446 Liter im Kofferraum sind ordentlich. Wobei man vorher wissen sollte (Probefahrt machen), wie der Kofferraum aufgebaut ist.

Ungeschlagen am Schnelllader

Die Reichweite ist und bleibt natürlich der Kritikpunkt der J1-Plattform, die der Taycan nutzt. Ich kam meistens auf um die 300 km und ja, da geht mehr, aber dann muss man auch nicht so ein Auto kaufen, wenn man sich nur damit zurückhält.

Porsche Taycan Cross Turismo Front

Dafür fährt sich kaum ein anderes Elektroauto so gut wie der Taycan, hier spürt man die Erfahrung von Porsche. Am Steuer merkt man nicht, dass man da gerade ein 5 Meter langes und über 2,2 Tonnen schweres Auto im Alltag bewegt.

Den Nachteil mit der Reichweite gleicht der Taycan aber halbwegs aus, denn am Schnelllader gibt es bis zu 270 kW. Wenn man einen solchen Schnelllader findet, bei mir gibt es einige im Umkreis, dann geht das Laden hier wirklich flott.

Porsche Taycan Elektro Laden Header

Wäre eine höhere Reichweite bei einem Akku mit 83,7 kWh (vor allem netto, die Brutto-Batteriekapazität liegt bei 93,4 kWh) wünschenswert? Ja, aber das wird sich mit der ersten Taycan-Generation von Porsche vermutlich nicht mehr ändern.

Sagen wir es mal so: Wer das Geld für so ein Auto hat, der hat sicher auch eine Möglichkeit, um im Eigentum laden zu können. Dann würden mir auch 300 km im Alltag ausreichen. Und auf der Langstrecke gibt es dann eben 270 kW.

Apropos Alltag: Der Porsche Taycan eignet sich auch gut für den Alltag. Das ist nicht zwingend ein Porsche, den man nur am Wochenende für Ausflüge aus der Garage holt, denn er fährt sich sportlich, aber gleichzeitig sehr komfortabel.

Der digitale Anfang ist gemacht

Porsche verfolgt mittlerweile einen sehr digitalen Ansatz und wirbt auch mit der Integration von Apple Music im Auto. Aber da ist noch etwas Luft nach oben. Wo ist Spotify, die weltweite Nummer 1 beim Streaming? Wo sind Netflix und Co.?

Porsche Taycan Cross Turismo Apple Carplay Header

Da tut sich noch einiges, aber auch Android Auto fehlte bei meinem Modell noch (ist bei neueren Modellen dabei), es gibt nur Apple CarPlay (dafür kabellos und mit Qi-Lademöglichkeit in der Mitte) – mich als iPhone-Nutzer stört das nicht.

Die App von Porsche bietet aber alles, was ich benötige (Ladezustand, Ladedauer und Klimaanlage). Es gibt etwas weniger Spielereien als bei Tesla, aber ich vermute mal, dass das so bleibt, da Porsche einen etwas anderen Ansatz verfolgt.

Das Head-Up-Display ist gut und hat eine sehr gute Darstellung der Navigation. Nur das OS für die Navigation fühlt sich ein bisschen wie ein TomTom aus den 90ern an, daher habe ich oft Google Maps (über Apple CarPlay) genutzt.

Porsche Taycan Cross Turismo Display Fahrer

Und noch ein Punkt: Der Taycan hat drei Displays vorne. Das hinter dem Lenkrad ist das beste, welches ich kenne. Das beim Beifahrer fanden wir auf einem längeren Ausflug tatsächlich auch erstmals praktisch, aber wirklich nötig ist es nicht. Nur das in der Mitte (wo ich CarPlay nutze) dürfte gerne noch etwas größer sein.

Porsche wird bald auf Android Automotive setzen (schon mit dem nächsten Elektroauto, dem Macan) und das ist vielleicht gar keine schlechte Idee, denn beim Angebot der digitalen Dienste im Auto ist durchaus noch Luft nach oben.

Mein Fazit zum Taycan „Kombi“

Der Porsche Taycan Cross Turismo wäre für mich ein tolles Auto, denn er ist sehr sportlich, aber auch bequem und bietet viel Platz. Nur mit der Reichweite war ich in der Woche nicht ganz so zufrieden, da müsste in diesem Fall auf jeden Fall ein Ladeanschluss daheim vorhanden sein (den ich aktuell leider nicht habe).

Porsche Taycan Cross Turismo Detail

Ein Fazit zu einem Elektroauto für über 110.000 Euro (hier startet der 4S) ist aber natürlich nicht unbedingt sinnvoll. Ihr habt genug Geld? Super, dann werdet ihr mit dem Taycan definitiv glücklich sein. Das ist kein Auto, wo man ewig vergleicht und schaut, ob eine andere Marke vielleicht noch 50 km mehr Reichweite bietet.

Es gibt kein Auto auf dem Markt, welches diese Eigenschaften besitzt. Doch das heißt nicht, dass der Taycan keine Luft nach oben hat, denn die Konkurrenz ist da und andere Premium-Elektroautos (Mercedes-AMG EQS) zeigen gerade, dass man viel Power haben und die 500 km bei der Reichweite dennoch knacken kann.

Porsche Taycan Cross Turismo Lenkrad

Anmerkung: Ich hatte in der Familie die Diskussion, was ich denn empfehlen würde, wenn man ernsthaft elektrisch mit einem Kombi unterwegs sein möchte. So richtig viel gibt es da nicht, aber ich erwähne da gerne den Skoda Enyaq. Der kommt hier auch bald in den Testpool, aktuell kann ich aber noch nicht viel dazu sagen.

Porsche Taycan Cross Turismo Heck

Ich bin auf die Weiterentwicklung dieser Plattform gespannt: Die PPE-Plattform, wo Porsche und Audi wieder zusammenarbeiten. Das hier ist eine sehr gute Grundlage, aber man spürt noch, dass es die erste Generation ist. Als Auto ist der Taycan ein tolles Stück Technik, als Elektroauto ist aber wie gesagt noch Luft nach oben.

Über das P/L-Verhältnis müssen wir hier also nicht sprechen, da ist der Taycan raus. So ein Auto kauft man sich nicht, wenn man schauen muss, dass man das Geld irgendwie zusammenbekommt – das wäre Wahnsinn. Dann kauft man sich einen Skoda Enyaq und zahlt nur ein Drittel  und kommt im Alltag auch noch weiter.

Doch es benötigt auch solche Autos, damit der Wandel funktioniert und die hohe Nachfrage zeigt, dass der Taycan gut ankommt. Ich finde es ehrlich gesagt schön, wenn sich Porsche-Kunden dieses Auto und keinen Panamera 4S Sport Turismo kaufen, der dann mal eben 10+ Liter auf 100 km (sparsame Fahrweise) benötigt.


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Bitte bleibe freundlich.

  1. nihebe sagt:

    Ein vollwertiger E-Kombi fehlt einfach noch am Markt. In der Familie kann ich die Frage auf einen sinnvollen elektrischen Ersatz für einen 3er Touring nicht zufriedenstellend beantworten. Dieser unglaubliche Fokus auf SUVs macht müde…

    1. Roman sagt:

      Geht mir genauso. Bei mir steht ein Wechsel des Autos an, da der aktuelle mit Kind zu klein geworden ist, es soll aber ein Elektro werden. Es gibt maximal noch den ID4, leider ist VW maximal unsympathisch und den Skoda, der aber zu viele „aber“ liefert. Hoffentlich passiert hier noch was in den nächsten Jahren.

      1. Was spricht gegen den Enyaq? Interessiert mich wirklich, da ich den gerne als Auto für solche Fälle empfehle.

        1. Roman sagt:

          Zum Beispiel der fehlende Kofferraum vorne, die für meinen Geschmack zu kleine Tachoanzeige hinterm Lenkrad und die Mehrkosten, die Skoda für die Wärmepumpe und schnelleres Laden haben möchte. Hinzu kommt die schlechte Spracherkennung des Boardcomputers, hier bin ich schon von meinen aktuellen Wagen etwas geplagt.

          1. Gute Punkte, kann ich verstehen. Anzeige wäre mir mit Head-Up-Display egal, aber Wärmepumpe und schnelleres Laden sollten bei der MEB-Plattform definitiv noch optimiert werden. Und ein Frunk darf vor allem bei den großen SUVs auch kommen, den würde ich nur bei kompakten Modellen wie einem ID.3 verzeihen.

            1. Roman sagt:

              Ich werde mich niemals an das Wort "Frunk" gewöhnen ;-)
              War aber überrascht, dass es unter der Motorhaube fast wie bei einem Verbrenner aussieht, das bekommen andere Hersteller besser hin, siehe Tesla Y.

  2. Roberto sagt:

    Ich bin heute für eine Stunde den Taycan 4S gefahren und vor 2 Wochen den Skoda Enyaq. Klar, der Porsche geht besser und die Beschleunigung ist schon krass, aber insgesamt ist der Skoda nicht viel schlechter. Vom Platzangebot ist er sogar weit überlegen und mit Vollausstattung auch ein tolles Auto. Mein Tipp: Spart euch die 100.000 Euro Aufpreis und gebt sie lieber für sinnvolle Dinge wie Frauen, Urlaub, Alkohol und gutes Essen aus.

    1. René H. sagt:

      Danke für den Tipp! :)

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