Die Plattform YouTube verwechselt Bequemlichkeit mit Fortschritt.

YouTube baut jetzt KI Avatare für Shorts, die aussehen und klingen wie ihr Besitzer. Offiziell ist das laut Unternehmensangaben ein sicherer und einfacher Weg, sich selbst in Videos einzubauen. In Wahrheit ist es vor allem ein Weg, noch mehr Inhalt aus noch weniger echtem Einsatz herauszupressen.

Beeindruckend ist die Technik schon. Aber genau das ist der Trick. Sobald etwas technisch glänzt, tun viele so, als sei damit auch die Idee klug. Dabei ist die Idee hier ziemlich unerquicklich. Der Mensch selbst rückt in den Hintergrund und übrig bleibt eine Version von ihm, die sich jederzeit wieder einsetzen lässt.

Besonders putzig ist das Sicherheitsargument. Wer seine Stimme und sein Gesicht vollständig erfassen lässt, damit ein System ihn glaubwürdig imitiert, hat nicht weniger Risiko, sondern ein neues gebaut. Dass andere den Avatar laut Plattform nicht für eigene Originals nutzen können, beruhigt ungefähr so sehr wie ein Zettel am Gartenzaun mit der Aufschrift „Bitte nicht klauen“.

YouTube Shorts mit KI Avatar beschädigen das Vertrauen

Natürlich gibt es Wasserzeichen, Labels und hübsche Fachbegriffe wie SynthID und C2PA. Das klingt nach Ordnung, Kontrolle und digitaler Vernunft. Nur lebt Shorts nicht von Vernunft, sondern von Tempo. Der Zuschauer wischt weiter, er prüft keine Herkunftssiegel und er liest keine Kennzeichnung wie ein Forensiker am Sonntag.

Noch absurder ist der kulturelle Nebeneffekt. Plattformen predigen seit Jahren Authentizität. Jetzt wird Authentizität automatisiert. Das ist schon fast große Satire. Erst macht man den Menschen zur Marke, dann macht man aus der Marke eine Rechenaufgabe und nennt das kreativen Fortschritt.

Dass Europa beim Start fehlt, hat wahrscheinlich weniger mit plötzlicher Besonnenheit zu tun als mit schlichter Rechtsangst. Sobald eine Plattform Gesichter, Stimmen und täuschend echte Doppelgänger verarbeitet, geht es eben nicht mehr nur um nette Kreativwerkzeuge, sondern um Datenschutz, Einwilligung, Haftung und Missbrauch.

Anders gesagt: Europa ist hier wohl nicht der verschonte Zuschauerraum, sondern der Markt, in dem Konzerne merken, dass man Identität nicht ganz so lässig zur KI Rohmasse erklären kann. Dass europäische Nutzer das Feature zunächst nicht nutzen können, bedeutet allerdings keineswegs, dass wir diese künstlich erzeugten Videos nicht trotzdem zu sehen bekommen.

Bei allem Technikglanz bleibt eine schlichte Wahrheit: Diese Funktion spart nicht nur Aufwand. Sie entwertet Glaubwürdigkeit. Wenn am Ende jeder sagen kann, das war nur mein Avatar, dann wird die Ausrede gleich mit ausgeliefert. Genau deshalb ist das kein harmloses Spielzeug, sondern ein Angriff auf das ohnehin bröckelige Vertrauen im Netz.

Schreibt gerne in die Kommentare, ob ich übertreibe oder ob YouTube hier gerade das Original zur lästigen Option erklärt.


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  1. Stefan K. 🔅

    Ich teile die Meinung, dass ist einfach nur das Ende von Glaubwürdigkeit. Nur mal etwas weiter gesponnen, aus SEHR aktuellem Anlass bei uns in der Firma: Was, wenn mit diesem KI-Avatar Videos produziert werden, die irgendwelchen Sch**** anpreisen, eine politische Agenda glorifizieren oder schlicht unliebsame Konkurrenten angreifen? Das kann durch einen Account-Hack entstanden sein, oder der Kanal-Inhaber haut solche Videos raus, um seinem Frust kurz freien Lauf zu lassen und dann zu behaupten, er wurde gehackt? Das Feature öffnet geradezu Tür und Tor für genau solche Aktionen, ohne Netz und doppelten Boden für auch nur ein kleines Grad an Sicherheit!

    Und in dem Punkt der bröckelnden Glaubwürdigkeit stimme ich auch zu. Auf diese Weise können gut laufende Kanäle zum Beispiel einfach mal so an den Meistbietenden verhökert werden, um eine (Personen)Marke auf andere zu übertragen, aber weiterhin mit dem bekannten Gesicht, nur anderen thematischen oder ideologisch gesinnten Inhalte zu produzieren.
    Mag jetzt vollkommen überspitzt skizziert sein, aber wenn man sich so anschaut, was derzeit in der Welt seit einigen Jahren abgeht (Stichworte Putin, Trump, KI-Entwicklung, Speichermarkt, etc.), dann ist das gar nicht mal mehr so weithergeholt.

    Wenn selbst ein KI-Modell zu krass drauf ist, dass es nur noch an ausgewählte Unternehmen mit vorheriger Sicherheitsüberprüfung ausgehändigt wird – siehe Claude Mythos von Anthropic – dann weiß man schon, wohin die KI-Zukunft führen KÖNNTE (und von einigen Subjekten auch gezielt dafür genutzt).

  2. Robert 💎

    Wenn wir ehrlich sind, ist der Creator doch nur lästig, den Konzernen wäre es doch am liebsten sie würden die Inhalte alle selber generieren, die die Nutzer auf die Plattform locken. In diese Richtung werden auch generell Social Media Networks gehen. Und das Schlimmste bei YouTube ist, dass man nicht mal die Shorts irgendwie blockieren kann.

    1. Sam 🏆

      Zumindest mit Revanced auf dem Smartphone ist das Entfernen der shorts nur eine Einstellung weit entfernt.

      1. Das Schlimmste sind die Shorts auf dem TV Bildschirm, da passt nicht nur das Format nicht, sondern auch das Konsumverhalten.

    2. Max 🪴

      ja genau. Am besten wird content mit dem KI Avatar gemacht und die echte Person verdient nur mit.

  3. RoyBer 🌟

    Starker Kommentar. Ich würde sogar noch weitergehen, ich denke das ist nur der Anfang Google experimentiert hier und wird es in Zukunft auf YouTube ermöglichen, solche Avatare und ki Inhalte auch in ganz normalen Videos zu nutzen. Das wird natürlich auch viele Creator schlicht arbeitslos machen. Aber das war doch irgendwie auch abzusehen. Wer das 100. Video zum gleichen Thema macht wird einfach nicht benötigt.

    1. Sobald diese Technologien ausgereift genug sind, werden sie meiner festen Überzeugung nach auch in klassischen Videos Einzug halten. Allerdings gibt es bereits jetzt zahlreiche zu 100 % KI-generierte Videos auf YouTube, die von den Nutzern ganz gut angenommen werden. Normalerweise hätte ich gesagt, dass die Macht, echten Content zu bevorzugen, immer noch zählt, aber den Nutzern ist es anscheinend schlicht egal, weshalb sie diese Macht gar nicht nutzen möchten.

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