Beschäftigung in der Autoindustrie fällt auf 21-Jahres-Tief

Die deutsche Automobilindustrie hat binnen eines Jahres 42.300 Stellen verloren und erreicht damit einen neuen Beschäftigungstiefstand.

Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt noch 691.500 Menschen in der Automobilindustrie. Das waren 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit Beginn der vergleichbaren Datenreihe 2005 lag die Beschäftigtenzahl noch nie niedriger.

Trotz des Rückgangs bleibt die Autobranche die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Nur der Maschinenbau beschäftigt mit 905.900 Mitarbeitern mehr Menschen. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe sank die Beschäftigung binnen eines Jahres um 144.100 Stellen oder 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen.

Autozulieferer trifft der Stellenabbau besonders stark

Innerhalb der Autobranche entwickelt sich die Beschäftigung sehr unterschiedlich:

  • Autohersteller: 429.200 Beschäftigte, minus 6,1 Prozent
  • Teile und Zubehör: 219.500 Beschäftigte, minus 7,6 Prozent
  • Karosserien und Anhänger: 42.800 Beschäftigte, plus 10,0 Prozent
  • Gesamte Autoindustrie: 691.500 Beschäftigte, minus 5,8 Prozent

Auch Metallindustrie, Chemiebranche und Elektroindustrie bauten Stellen ab. Die Automobilindustrie verzeichnete unter den großen Industriebranchen mit mehr als 200.000 Beschäftigten jedoch den stärksten prozentualen Rückgang.

Ich halte vor allem das Tempo des Stellenabbaus für bemerkenswert. Die Zahlen zeigen, dass der Umbau der Autoindustrie längst konkrete Folgen für den Arbeitsmarkt hat und Zulieferer besonders stark unter Druck geraten.


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  1. Leif 🏅

    Bisherige Autos waren auch unnötig komplex. Man muss sich ja nur mal die Anzahl der Steuergeräte etwas älterer Autos betrachten und das mit modern konzipierten Vergleichen die eher ein starker Computer sind. Beim Umstieg auf BEV fällt dann auch ein ganz großer Teil der mechanischen Komplexität weg.

    Der Schritt ist also eigentlich nicht abzuwenden und eine logische Folge der technologischen Verbesserung und den Fortschritten in der Automatisierung – zumindest was die Ausdünnung der benötigten Zulieferer betrifft.

    Interessant wäre mal ein Blick in die vertraglichen Details zwischen Automobilbranche und Zulieferer. Hatten letztere eine Chance sich in den vergangenen Jahren vorausschauend mehrere Standbeine aufzubauen? Oder erzwingen die Verträge mit den großen Automobilherstellern eine gewisse Form von Exklusivität?

    Für die betroffenen Beschäftigten kann man sich nur wünschen dass sich der Einfluss des Stellenabbaus ein wenig mit dem demografischen Wandel abfedern lässt. Ältere treten in die Rente ein – Stellen werden nicht neu besetzt.

  2. Egon_meier 🍀

    in china bricht der pkw-Absatz um 20 % ein – BEV bleiben stabil.
    Warum sollte das bei uns anders sein. Es gibt irgendwann einen Sättigungseffekt und das muss nicht schleichend passieren sondern kann auch mal disruptiv.

    Gegen das Chaos in anderen Regionen ist Europa noch eine Insel der Seeligen.

  3. Valentin ☀️

    Und Elektroautos werden diese Industrie auch nicht mehr retten, die kann nämlich nun jeder bauen und das in guter Qualität und meist günstiger als wir.

  4. Robert 🔅

    Für mich ist das ehrlich gesagt ziemlich hausgemacht. Die deutsche Autoindustrie hängt nun mal seit Jahrzehnten massiv am Verbrenner, inklusive unzähliger Zulieferer und Arbeitsplätze. Da kann man nicht einfach politisch den Schalter umlegen und erwarten, dass der komplette Umbau auf Elektro ohne größere Schäden funktioniert.

    Das E-Auto ist dabei für mich gar nicht das eigentliche Problem. Das Problem sind die viel zu schnellen und teilweise realitätsfernen Vorgaben. Man hätte der Industrie deutlich mehr Zeit geben und den Übergang viel pragmatischer gestalten müssen.

    Jetzt verschwinden Zehntausende Jobs und am Ende wundert man sich darüber. Für mich war das ziemlich absehbar.

    1. Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann ist unser Markt nicht das Problem, im Gegenteil, die meisten europäischen Marken können hier gerade sehr gut wachsen.

      Dieser politische Schalter wurde in China umgelegt und man dachte, dass man mit der mittelmäßigen Technik weiterhin hohe Preise und Margen einfahren kann. Audi, BMW, VW und Co. geht es gerade sehr gut in Europa (lässt hier und da auch langsam nach), das ist nicht der Grund für das Verschwinden der Jobs.

      Es ist am Ende wie bei fast jeder Disruption, die Verlierer sind die, die den Markt dominieren, weil sie zu langsam und keine Risiken eingehen wollen.

    2. Ronald 🔅

      Das Problem sind die viel zu schnellen und teilweise realitätsfernen Vorgaben. Man hätte der Industrie deutlich mehr Zeit geben und den Übergang viel pragmatischer gestalten müssen.

      Ich denke die Industrie hat(te) genug Zeit. Von den ursprüglichen 12 Jahren bis zum „Verbrenneraus“ sind immer noch 9 Jahre übrig, und schon jetzt ist die Kacke am dampfen.
      Die deutsche Automibindustrie will/ wollte nur so lange wie möglich die Verbrennerkuh melken und hoffte insgeheim auch vielleicht wieder auf eine Kassierung des „Verbrennerverbotes“.
      Das Problem ist, wenn andere Player, wie z.B. China, sich nicht um europäische Fristen kümmern (warum auch), sondern heute all-in in die Zukunft investieren.

      Wie sagte der „schlechteste“ Wirtschaftsminister aller Zeiten einmal:

      „Wenn Sie 2025 kein E-Mobil für unter 20.000 Euro anbieten, dann werden Sie – so fürchte ich – im Markt scheitern.“

      1. René H. 🔱

        Und das sagte Habeck schon 2019.

        1. Christian 🔆

          Ach….was wusste der schon….. Ironie Off

          1. Warpig 🎖

            Wie man deine Ölheizung aus dem Keller entfernt. 😂

    3. VW-fan 🎖

      Die Arbeitsplätze in der reinen Verbrennerindustrie werden so oder so aussterben. Das ist der Lauf der Dinge. Wie viele davon durch die E-Auto-Produktion abgepuffert werden hängt davon ab wie konsequent man nun umstellt. Weniger werden es auf jeden Fall sein. Der zweite Aspekt ist der Klimawandel, dieser erreicht bald die Kipppunkte. Ein Verbot wäre demnach besser gestern als morgen nötig. Unsere Kinder werden uns jedenfalls dafür hassen, dass wir ihre Zukunft deutlich schlechter machen nur weil wir die Verbrenner-Lobby noch länger laufen liesen. Dass die Rechnung nicht aufgeht haben zahlreiche Studien längst bewiesen. Fazit dabei: Klimaschäden sind ungefähr 6mal so teuer wie Klimaschutz.

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