Nokia 7.2 im Test

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Nokia 7.2

Das Nokia 7.2 bietet viele Features, die in der Android-Mittelklasse 2019 zum guten Ton gehören. Lohnt sich auch das Gesamtpaket? Wir klären das in diesem Test.

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Das Nokia 7.2 habe ich mir (zusammen mit dem kleinen Bruder Nokia 6.2) auf der IFA 2019 bereits kurz anschauen können. Nokia war so freundlich, uns ein Nokia 7.2 im coolen Grün zum Test zur Verfügung zu stellen.

Nokia 7.2 – Aussehen und Verarbeitung

Meine erste Begegnung mit dem Nokia 7.2 hat mich angenehm überrascht. Üblicherweise bekommen wir Testgeräte in der langweiligsten verfügbaren Farbe, meist also schwarz. Das Testexemplar des Nokia 7.2 kommt hingegen in der interessantesten der drei Farben, nämlich Grün.

Besonders die Rückseite sticht dabei heraus, denn die Farbe hat dort einen leichten Metallic-Effekt, der sich im Licht sehr schön bricht. Farblich spricht mich dieses Gerät auf jeden Fall an.

Wem das Grün zu auffällig ist, für den stehen aber auch die gewohnten Varianten Schwarz und Weiß zur Verfügung.

Nokia geht aber auch bei der Materialwahl neue (alte) Wege. Die Rückseite besteht nämlich weder aus Glas noch Metall, sondern aus einem „speziellen Polymer“, also Plastik. Schon das „alte“ Nokia war bekannt für hochwertige Kunststoffrückseiten und auch die des Nokia 7.2 wirkt sehr ansprechend auf mich. Allerdings ist auch dieses Material ein guter Fingerabdruckmagnet.

Update: Die Rückseite besteht nicht aus Plastik, sondern aus satiniertem Glas. Der Polymerverbund bezieht sich auf den Rand und ich habe es die ganze Zeit nicht bemerkt. Ob das jetzt für- oder gegen die Rückseite spricht, müsst ihr entscheiden.

Das Nokia 7.2 sieht ansonsten aus, wie ein Smartphone 2019 eben aussieht. Tränen-Notch, kreisrundes Kamera-Array und Alurahmen gewinnen heutzutage keine Designpreise mehr. Das Gerät ist dabei aber sehr hochwertig verarbeitet.

Das Display des Nokia 7.2

Nokia stattet das 7.2 mit einem FHD+ LCD Panel aus, das durch das Feature „PureDisplay“ diverse Verbesserungen erfahren soll. Doch auch ohne Softwarespielchen finde ich das Display gelungen. Es wird schön hell und (Abends im Bett noch wichtiger) auch sehr dunkel.

Die Auflösung ist zwar bei 6,3 Zoll nicht die höchste, ich sehe aber keine Kanten oder Treppchen. Auch der Weißabgleich stimmt und weiße Flächen wirken neutral. Günstige OLEDs neigen da gerne mal zu grünen oder blauen Farbstichen.

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Das Display des Nokia 7.2 soll dazu auch noch HDR Inhalte anzeigen können und „PureDisplay“ soll dafür sorgen, auch SDR-Inhalte in HDR darstellen zu können. Zusätzlich gibt es Displayprofile wie „Foto“, „Video“ oder „Gaming“. Diese können einzelnen Apps zugeordnet werden und sollen dann die Darstellung an den jeweiligen Content anpassen.

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In der Praxis habe ich aber nur wenig Unterschiede bemerkt und es dann irgendwann gelassen, jeder einzelnen App ein Profil zuzuweisen. Zudem wird das Display nicht wirklich hell genug, um HDR-Inhalte anständig darstellen zu können.

Schwarze Flächen sind hingegen gerade bei HDR-Inhalten sehr verwaschen und das Display des Nokia 7.2 neigt zur Schlierenbildung. Dem Filmgenuss steht außerdem der unterdurchschnittliche Lautsprecher im Weg. Der ist wirklich nur zum Klingeln zu gebrauchen. Dafür wird er laut.

Nokia 7.2 – die Kamera

Nokia bewirbt die Kamera des 7.2 mit dem bekannten Zeiss-Branding. Dahinter verbergen sich beim Nokia 7.2 eine 48MP Hauptkamera, eine 8MP Ultraweitwinkelkamera sowie ein Tiefensensor und eine 20MP Selfiekamera.

Die Optik der Kamera mag von hoher Qualität sein – die Bildverarbeitung des Snapdragon 660 ist aber eher durchwachsen. Gerade die Weitwinkelkamera produziert oft überstrahlte Bilder und die „KI“ greift gerne mal komplett daneben.

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Was ist hier scharf?

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Der Nachtmodus liefert gute Ergebnisse

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Beautyfilter gibts auch

Ich konnte mit dem Nokia 7.2 sehr schöne Fotos machen, wenn das Licht stimmte. Aber zu oft hatte ich das Gefühl, dass die KI falsche Entscheidungen trifft, die ich dann korrigieren musste.

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Das Nokia 7.2 bietet einige exklusive Zeiss-Bokehsimulationen. Die funktionieren zwar nicht in allen Situationen, können aber Spaß machen. Auch ein Beautyfilter darf natürlich nicht fehlen.

Die Performance des Nokia 7.2

Der Snapdragon 660 mag nicht der schnellste Prozessor sein, reicht für Alltagsaktivitäten mit dem Nokia 7.2 aber voll aus. Eng wird es aber bei viel Multitasking oder anspruchsvollen Spielen. Für die meisten Käufer dürfte das ausreichen.

Auch die 4GB RAM in meinem Modell mit 64GB Speicher empfand ich nicht als zu wenig im Alltag.

Weitere Ausstattung des Nokia 7.2

Google Assistant- und Powerbutton

Nokia hat dem 7.2 einen eigenen Button für den Google Assistant spendiert. Auch wenn ich den Assistant häufiger nutze als z.B. Siri auf dem iPhone, braucht es meinetwegen keinen extra Knopf dafür. In der Anfangszeit meines Tests habe ich den Knopf öfter aus Versehen betätigt.

Der Powerbutton des Nokia 7.2 hat ein cooles Feature: Dort ist nämlich auch die Benachrichtigungs-LED verbaut. Diese lässt bei Neuigkeiten den Powerbutton aufleuchten. Schade jedoch, dass die LED darin nur weiß leuchten kann.

Fingerabdruckleser

Der Fingerabdruckleser sitzt beim Nokia 7.2 auf der Rückseite und nicht zum Beispiel im Display. Das hat den Vorteil, dass Nokia hier einen schnellen und präzisen Sensor verbauen konnte, der auch noch Gesten beherrscht.

Ein gut funktionierender Fingerabdrucksensor sollte heutzutage nichts Besonderes mehr sein, aber nach den üblen Exemplaren im Xiaomi Mi A3 und Sony Xperia 1 fühle ich mich genötigt, extra darauf hinzuweisen.

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Akku und Laden

Die Akkulaufzeit des Nokia 7.2 ist trotz des 3500mAh Akkus vollkommen in Ordnung. Manchmal war bei mir auch ein zweiter Tag der Nutzung drin. Bei einem Gerät dieser Größe haben wir aber auch schon deutlich größere Akkus gesehen. Leider ist trotz Plastikrückseite weder kabelloses Laden noch eine besondere Schnellladefähigkeit verbaut. Eins von beiden sollte es 2019 dann doch schon sein.

Ich habe mittlerweile alle Plätze, an denen ich mich länger aufhalte, mit Ladematten versorgt und musste mich daher wieder dran gewöhnen, ein Ladegerät anzuschließen oder eine Powerbank dabei zu haben.

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Android One

Nokia war mal so etwas wie der Klassenbeste, was zügige Android Updates anging. Das hat sich mit zunehmender Modellvielfalt leider etwas verschlechtert. Das Nokia 7.2 erhielt zum Beispiel erst recht spät das November-Update und auch Android 10 ist zwar angekündigt, aber noch nicht auf dem Gerät ausgerollt.

Trotzdem halte ich Android One für einen Segen für die Android-Welt, weil trotz geringerem Kaufpreis zumindest die Chance auf zeitnahe Android-Updates besteht. Hier würde ich mir wünschen, dass Nokia wieder zu alter Stärke zurückfindet.

Nokia 7.2 vs. Xiaomi Mi A3

Wer die technischen Daten des Nokia 7.2 liest, fühlt sich eventuell an andere, ähnlich ausgestattete Geräte erinnert. Ich hatte im Herbst das Xiaomi Mi A3 im Test und konnte kaum anders, als die beiden Smartphones immer wieder zu vergleichen. In einigen Punkten unterscheiden sich die beiden Telefone aber doch.

Das größte Manko des Xiaomi Mi A3 war das 720p OLED, das praktisch direkt aus dem Galaxy S3 stammen könnte. Das Nokia 7.2 macht mit FHD+ und LCD hier einiges besser. OLED mag die überlegene Technologie im Flaggschiffbereich sein, aber bei günstigen Telefonen sind LCDs einfach noch ausgereifter und anscheinend günstiger in höherer Qualität zu beschaffen.

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Das Mi A3 hat außerdem einen Fingerabdrucksensor im Display. Was nach Zukunft klingt, ist für den Preis anscheinend ebenfalls noch nicht in gut verfügbar. Der Sensor war lahm und erkannte meinen Finger nicht immer. Auch hier ist das Nokia 7.2 mit dem ausgereiften Sensor auf der Rückseite im Vorteil.

Zurückstecken muss das Nokia 7.2 allerdings beim Akku und der Ladetechnologie. Das Mi A3 hat dank größerem Akku und Schnellladen mit 18W die Nase vorn.

Bei den Themen Kamera, Performance und Verarbeitung liegen beide Geräte für mich gleichauf.

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Ein wichtiges Merkmal ist aber auch der Preis. Und hier ist das Xiaomi Mi A3 dem Nokia 7.2 deutlich voraus. Denn das Mi A3 gibt es mitunter schon für unter 200€ zu kaufen. Das Nokia 7.2 liegt aktuell hingegen bei über 270€. Bei dieser Differenz wird es schwierig, das Nokia 7.2 zu empfehlen, auch wenn das Display des Mi A3 echte Grütze ist.

Nokia 7.2 – mein Fazit

Für sich gesehen ist das Nokia 7.2 ein gutes Smartphone. Das Display sieht toll aus, die Verarbeitung ist top und kleine Designentscheidungen wie die Farbe und der beleuchtete Powerbutton sind ein extra Wow-Faktor.

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Was mich etwas enttäuscht hat, war allerdings der recht kleine Akku und die fehlenden Ladetechnologien wie Wireless Charge oder schnelles Laden über 5V 2A hinaus. Dazu kommt, dass der Preis (zumindest aktuell) nicht ganz konkurrenzfähig ist.

Dem Nokia 7.2 fehlen letztendlich die Argumente, um die große Preisdifferenz zu Geräten wie dem Xiaomi Mi A3 zu rechtfertigen. Falls sich am Preisgefüge noch etwas tut, würde ich das Nokia 7.2 dem Mi A3 vor allem wegen des deutlich besseren Displays aber vorziehen.

Was sagt ihr zum Nokia 7.2?

Das Nokia 7.2 könnt ihr zum Beispiel bei Amazon käuflich erwerben.

Wertung des Autors
Hannes Reinberger bewertet Nokia 7.2 mit 4.0 von 5 Punkten.

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