• Audi setzt auf Android: War’s das jetzt mit Premium?

    Seit einigen Jahren schon macht Apple klar, dass man das iPhone stärker in moderne Fahrzeuge integriert haben will. Nun zieht auch Google nach, denn ausgerechnet der Premium-Hersteller Audi hat sich den Entwickler des durch preiswerte Geräte erfolgreichen Systems Android ins Boot geholt. Droht Audi nun ein Image-Kollaps?

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    iOS in the Car – BMW zeigt, wie es richtig geht. Bildquelle

    Insbesondere in Deutschland, dem Land, in dem das Automobil erfunden wurde, sind die Männer Menschen in der Regel besonders stolz auf das Fahrzeug, welches sie ihr eigen nennen können.

    Auch heute ist es auf der ganzen Welt ein Status-Symbol, man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass insbesondere wir Deutschen uns stark über unsere Fahrzeugwahl profilieren müssen. Der Riester-Spießer fährt VW, der Rentner Mercedes, der Geschäftsmann Audi, und ein wohlhabender Mitbürger südländischer Herkunft fährt einen BMW. Wer Opel fährt hat in der Regel keine Ahnung, Alfa Romeo rostet bereits im Katalog, Mazda hat null Plan von einheitlichem Design & die Franzosen ala Peugeot und Citroen wissen eh nicht wie man Autos baut. Es dürfte also klar sein: Die Auto-Wahl entscheidet hierzulande über deutlich mehr als die Art und Weise der Fortbewegung.

    Nun ging natürlich ein großer Schock durch die Welt der Autofahrer (nicht bloß in Deutschland). Audi, Hersteller von aufgeblasenen VW’s Premium Fahrzeugen, arbeitet doch allen Ernstes mit Google zusammen! Google… das ist doch der Entwickler dieses Malware-verseuchten NSA Hilfsmittels namens Android, welches auf jedem Billigen iPhone Klon aus Fernost installiert ist! Wie kann Audi nur so dämlich sein und mit einem Kompetenzlosen Unternehmen wie Google zusammenarbeiten? Kein Wunder drohen massenweise Kunden damit, in Zukunft nur noch beim Konkurrenten BMW zu kaufen. Denn in ihrer Weisheit haben sich die Bayrischen Motorwerke ein Unternehmen ins Boot geholt, welches ebenso wie sie für Prollprodukte und Statussymbole Premium-Produkte bekannt ist.

    Was hat Audi nun also geritten? Will man in Zukunft den Markt der Leute bedienen, denen ihr Auto nicht so viel Wert ist wie ein ganzes Einfamilienhaus? Stehen Audis in Zukunft auf Parkplätzen in Problemvierteln? Fährt jeder Depp einen Hartz-4 Audi?

    So, ich denke, das war genug Sarkasmus & Ironie für meine Einleitung. Jetzt dürfte ich eure Aufmerksamkeit haben. Komme ich nun zu meinem eigentlichen Artikel:

    Audi & Google – Die Arbeit am Auto der Zukunft

    Bei den Kommentaren zur Zusammenarbeit zwischen Audi & Google bekam ich das Gefühl, einige denken nicht weiter als von der Wand bis zur Tapete. Oder besser gesagt: Nicht weiter als vom Adressbuch bis zur Sprachsteuerung. Denn nur darum geht es laut Meinung all der Experten da draußen bei der Zusammenarbeit zwischen den führenden Technologiekonzernen & den deutschen Auto-Herstellern.

    Nun, bei Apple und BMW mag dies vielleicht stimmen, dazu will ich nichts sagen.

    Aber zumindest bei Audi und Google bin ich mir dann doch sicher, dass es hier um mehr geht, als um ein Android Smartphone in der Mittelkonsole.

    Sicher, anfangs wird man sich vor allem darauf konzentrieren, auf der Basis von Android ein fortschrittlicheres Entertainment-System für die Audis der Zukunft zu entwickeln. Selbst damit unterscheidet man sich schon von BMW und Apple. Denn während diese das iPhone nur möglichst gut in ihre Fahrzeuge integrieren wollen, arbeiten Google und Audi an einem komplett neuen System für zukünftige Fahrzeuge. Hier automatisch von einer schlechteren Integration eines iPhones zu reden ist natürlich Blödsinn, Audi ist ja nicht bescheuert. Sicher wird man alle verbreiteten Smartphones so gut es geht unterstützen, aber das ist auch gar nicht Sinn der Sache. Es geht darum, dass ein flexibles und Vielseitiges System direkt in die Autos integriert wird. Dass es sich dabei um Android handelt wird man später vermutlich kaum merken, aber so hat Audi erstmal eine funktionierende Grundlage.

    Aber was glaubt ihr denn alle wie es weitergeht? Hat Audi sich den Meister der Datenverarbeitung und Erfinder eines bereits seit hundert tausenden Kilometern unfallfrei OHNE Fahrer fahrenden Fahrzeuges etwa nur wegen eines Open Source Betriebssystems an Bord geholt? Oder geht es hier unfassbarerweise um mehr als ein Pendant zum Siri Knopf am BMW-Lenkrad?

    Ich denke, man kann ohne Übertreibung sagen, dass Audi & Google zusammen an den Autos der Zukunft arbeiten. Intelligente und vernetzte Fahrzeuge, wie wir sie bisher nur aus Science-Fiction Filmen kennen. In Zukunft sind unsere Autos in der Lage, auf Grundlage der Daten anderer Fahrzeuge die möglichst beste Route an unser Ziel zu berechnen (und diese vermutlich auch selbst zu fahren). Und wenn man dann noch die Daten der städtischen Ampelschaltung in das System integriert können wir uns wohl alle denken, wie grundlegend sich das Auto fahren in Städten verändern wird.

    Android als Entertainment-System im Auto ist nett & keinesfalls „zweitklassige Technologie“, wie der Apple-Blog meines Vertrauens schrieb. Aber das eigentliche Ergebnis dieser Zusammenarbeit werden intelligente Fahrzeuge sein, die unsere Fortbewegung in Zukunft grundlegend verändern können. Hinten einsteigen & so schnell und effizient ans Ziel kommen, wie ein menschlicher Fahrer es niemals bewerkstelligen könnte. Darum wird es hier gehen – um die Zukunft.

    BMW

    „Siri, wie lange dauert dieser Stau noch?!“ – „Ich kann dir nicht sagen, wann du zur Arbeit erscheinen wirst. Soll ich stattdessen deinen Chef anrufen?“

    Audi

    „Ok Google, bring mich nach Hause.“ – „Auf deiner üblichen Route befindet sich ein Verkehrsstau. Ich habe eine Alternativroute berechnet, welche auch das gerade beendete Fussballspiel mit einbezieht. Du wirst voraussichtlich 7 Minuten später eintreffen als normalerweise.  Soll ich deiner Frau eine Nachricht schicken?“ 


    Zusatz!
    Lassen wir die Datenkrake/NSA-Keule bei dieser Diskussion doch einfach mal außen vor. Es gibt genug Artikel zu dem Thema, unter denen man sich darüber zerreißen kann. Und sorry für die Klischee-Verbratung in der Einleitung, aber ich war gerade so schön in Fahrt :) 

    Übrigens: Hier der Apple-Blog, der Audi für die Fehlentscheidung verfluchte und hier die „Antwort“ auf meinem eigenen Blog, die etwas ausführlicher und weniger Sarkasmus-lastig formuliert ist als hier.

    Schönen Tag noch :) 

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