Die Bundesrepublik Deutschland hat 2025 ihre Emissionen gesenkt, verfehlt jedoch weiterhin zentrale europäische Klimavorgaben.
Deutschland hat im Jahr 2025 insgesamt 640 Millionen Tonnen CO₂ ausgestoßen und damit laut Berechnungen von „Agora Energiewende“ das nationale Jahresemissionsziel eingehalten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Minderung um 1,5 Prozent beziehungsweise 9 Millionen Tonnen CO₂.
Im Vergleich zu 1990 liegen die Emissionen damit um 49 Prozent niedriger. Die Reduktion fiel jedoch deutlich geringer aus als im Jahr zuvor.
Nach Angaben des Thinktanks ist der Rückgang vor allem auf eine schwache Produktion in der energieintensiven Industrie sowie auf eine Rekorderzeugung von Solarstrom zurückzuführen. Witterungsbedingt konnte die Energiewirtschaft weniger Emissionen einsparen als in den Vorjahren. Gleichzeitig stiegen die Emissionen in den Sektoren Verkehr und Gebäude erneut an.
Entwicklung der Emissionen nach Sektoren
Im Gebäudebereich nahmen die Emissionen laut Agora um 3 Millionen Tonnen CO₂ zu, was auf einen höheren Heizbedarf durch einen kalten Jahresbeginn und steigenden Öl- und Gasverbrauch zurückgeführt wird. Auch im Verkehr kam es zu einem Anstieg um 2 Millionen Tonnen CO₂, bedingt durch einen höheren Kraftstoffverbrauch.
Damit verfehlt Deutschland nach bisherigem Stand erneut die europäischen Vorgaben der Effort Sharing Regulation um rund 30 Millionen Tonnen CO₂, was laut Agora künftige Zukäufe von Zertifikaten in Milliardenhöhe erforderlich machen könnte.
Die Industrie verzeichnete dagegen den stärksten Rückgang. Aufgrund globaler Marktschwächen und einer rückläufigen Produktion sanken die Industrieemissionen um 11 Millionen Tonnen CO₂. Die Energiewirtschaft reduzierte ihre Emissionen um 3 Millionen Tonnen CO₂, unter anderem durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und eine geringere Nutzung fossiler Anlagen.
Zentrale Kennzahlen zum Stromsektor 2025:
- Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch: 55,3 Prozent
- Solarstrom erstmals vor Kohle und Gas
- Stromverbrauch nahezu unverändert bei 528 Terawattstunden
- Rückgang der Nettostromimporte um 28 Prozent
Der Ausbau von Solar- und Windenergie setzte sich fort, wobei Solarstrom nach Windkraft zur zweitwichtigsten Stromquelle aufstieg. Gleichzeitig blieb der Hochlauf von Wärmepumpen und Elektromobilität aus Sicht von Agora zu langsam, trotz leicht steigender Verkaufszahlen. Hohe Investitionskosten gelten weiterhin als Hemmnis.
Aus meiner Sicht zeigt die Bilanz, dass Fortschritte im Stromsektor allein nicht ausreichen, um strukturelle Defizite in Verkehr und Gebäuden auszugleichen, wenn politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen dort nicht schneller greifen.
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