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LG Optimus G Testbericht

Mit dem Optimus G hat LG Ende letzten Jahres ein High-End-Smartphone in den USA und Asien auf den Markt gebracht, das durchaus überzeugen konnte und ebenso erfolgreich war. Interessierte Nutzer hatten hier in Deutschland allerdings nicht so viel Glück, denn hierzulande mussten wir bis März auf den Markstart warten. LG begründete diesen Umstand damit, dass man zuerst die wichtigeren LTE-Märkte vollständig beliefern wollte und obwohl Deutschland Vorreiter beim europäischen LTE-Ausbau ist, ist er schlichtweg noch nicht auf dem Niveau des US- und koreanischen Marktes, wo LTE bereits der allgegenwärtige Standard und Voraussetzung für neue Smartphones bei den großen Carriers ist.

Wirklich “High-End” ist das Optimus G zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht mehr. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob LG trotzdem ein, auch für diesen Markt, interessantes Gerät im Angebot hat und ob es denn seine Abnehmer finden wird. Interessant ist das Optimus G nun definitiv vor allem für Nutzer, die ein Smartphone der gehobenen Mittelklasse suchen. Preislich würde das Ganze passen, denn bei Amazon ist es aktuell für 469 Euro verfügbar.

Spezifikationen und Lieferumfang

Diese “gehobene Mittelklasse” spiegelt sich natürlich und vor allem auch in den technischen Spezifikationen des Gerätes wider. Absolut beeindruckend sind sie daher nicht. Trotzdem ist das Optimus G üppig ausgestattet und bietet auch im Vergleich zum Nexus 4, dem das Optimus G praktisch Pate stand, einige Vorteile. Vor allem die Kamera verspricht auf den ersten Blick beispielsweise mehr. Nachfolgend die Spezifikationen und der Lieferumfang im Detail:

Technische Spezifikationen

  • 4,7” IPS+-Display mit 1.280 x 768 Pixeln (WXGA / 318 ppi)
  • 1,5 Ghz Snapdragon S4 Pro Quad-Core-CPU
  • 2 GB RAM
  • 32 GB interner Speicher
  • 13 MP Kamera
  • 2.100 mAh Akku
  • Android 4.1.2 mit LG-UI
  • Maße: 131,9 x 68,9 x 8,45 mm
  • 4G/LTE, NFC, Bluetooth 4.0, GPS MHL, DLNA, Miracast

Lieferumfang

  • LG Optimus G
  • Micro-USB-Kabel
  • Netzteil
  • Kurzanleitungen
  • Kopfhörer mit Mikrofon

Hardware

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Die Hardware des Optimus G kann durchweg überzeugen: Das Gerät fühlt sich in der Hand sehr wertig an, ist durchweg gut verarbeitet und auch die verwendeten Materialien können überzeugen. Sowohl das Glas, als auch der Kunststoff, der die Seiten umgibt, gefallen. Insgesamt liegt das Smartphone gut in der Hand. Wie beim Nexus 4 sieht man auch beim Optimus G den bekannten “Glitzer-Effekt” auf der Rückseite, der mir hier allerdings nicht ganz so gut gefällt, wie beim Nexus 4.

Ein weiterer kleiner Schwachpunkt ist die Platzierung des Kamerasensors, welcher ein paar Millimeter aus dem Gehäuse herausragt. Das Gerät liegt somit nicht durchweg eben auf der Unterfläche, was etwas nervt, wenn man das Smartphone bedienen möchte, während es auf dem Tisch liegt. Ich persönlich halte diesen Makel allerdings für vernachlässigbar.

Die Glas-Rückseite ist definitiv ein zweischneidiges Schwert: Zum einen fühlt sich das Gerät dadurch eben wirklich hochwertig an und liegt gut in der Hand, zum anderen ist es dadurch natürlich auch anfälliger für Schäden. Ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit ist bei der Bedienung also Pflicht. Nichtsdestotrotz rutscht das Optimus G nicht unaufhörlich über den Untergrund, wie es bei den ersten Revisionen des Nexus 4 der Fall war. Ob der Kunststoff hier vielleicht sogar helfend wirkt, kann ich nicht mit absoluter Sicherheit beurteilen, allerdings vermute ich, das dies der Fall ist.

Etwas kritisch stehe ich den kapazitiven Buttons gegenüber. Das ist eine rein subjektive Einschätzung, allerdings bevorzuge ich Software-Buttons. Dadurch, dass der Multitasking-Button hinter einem Double-Tap des Home-Buttons “versteckt” wurde, benutzt man diese schlicht auch weniger. Aber wie gesagt: Das ist rein subjektiv und da hat jeder seinen eigenen Geschmack. Weniger kritisch zu beäugen sind dagegen die Lautstärkewippe und der Power-/Wake-Button. Die sind exzellent verarbeitet, wackeln nicht und haben einen sehr guten Druckpunkt.

Display

Im Feld der Smartphones mit 720p-Display gibt sich das Optimus G absolut keine Blöße. Das IPS-LCD stellt Grafiken sehr scharf und lebendig dar, Schrift ist einwandfrei lesbar und das Farbspektrum wirkt sehr authentisch bzw. akkurat. Im Vergleich zu anderen Smartphones gefällt mir das Display beispielsweise einen Ticken besser, als das des Nexus 4 und es ist mindestens gleichwertig mit dem des HTC One X, wenn nicht sogar ein klein wenig besser.

Dass das Display überzeugt, war für mich keine Überraschung: Bei LG kann man eigentlich schon fast davon ausgehen, dass die Displays sehr gut und auch hervorragend eingepegelt sind. Das Optimus P760 L9 hat mich beispielsweise mit dem qHD-Display bei 4,7’’ Displaydiagonale unheimlich überrascht und auch beim Optimus G bin ich, wie gesagt, wirklich sehr angetan.

Den Vergleich zu den aktuellen 1080p-Displays umgeht das Optimus G hier aufgrund des aktuellen Preises glücklicherweise, wobei man sich sicherlich auch fragen sollte, ob man persönlich ein Full-HD-Display benötigt.

Software und Performance

Die Anpassungen, die LG am vorinstallierten Android 4.1.2 gemacht hat, wirken auf den ersten Blick nicht sonderlich stark – im Alltag wirkt es lediglich wie eine Art “Theme”, da der Homescreen beispielsweise eben fast genau das ist. Ob man nun das sehr bunte Gesamtbild mag, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil hatte keine Probleme damit – ich persönlich fand nur die Icons teilweise sehr aufdringlich bunt. Wie gesagt: Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wenngleich ich nachvollziehen kann, wenn sich Nutzer genau daran stark stören.

Geht man jedoch etwas tiefer ins System und beachtet Details, merkt man, dass LG doch um einiges mehr getan hat, als nur ein Theme aufzusetzen. Die User-Experience, die LG anstrebt, wird dann recht klar: Es geht schlicht um Funktionsvielfalt. LG bietet z.B. eine Art Smart-View, die das Display aktiviert lassen soll, wenn die Software erkennt, dass man es gerade betrachtet. Das erinnert natürlich an Samsungs TouchWiz-Oberfläche und in vielen Punkten fühlt es sich an, als ob man eine Art TouchWiz nutzen würde.

lg optimus g test software 10Neben SmartView gibt es beispielsweise noch die QSlide-Apps, die bei Ausführung kleine Popup-Overlays über den aktuell betrachteten Bildschirminhalt aktiviert. So können z.B. Taschenrechner, Browser, Kalender, und der Videoplayer als Overlay ausgeführt werden. Was sich zunächst einigermaßen nützlich anhört, ist in der Praxis eine beinahe komplett ungenutzte Funktion. Zumindest ich habe mich beim Alltagstest nicht wirklich um diese Funktion gekümmert. Teilweise nervte es mich sogar viel mehr, da die QSlide-Apps über die Benachrichtigungsleiste aktiviert werden und so permanent als Leiste zu sehen sind, wodurch wiederum wertvoller Platz für Benachrichtigungen verloren geht. Dann nämlich muss man, um Benachrichtigungen einzusehen, fast immer nach unten scrollen.

Ebenso ist natürlich auch QuickMemo wieder mit an Bord, welche die Zeichnungs-Software der LG-Anpassungen darstellt. Die funktioniert, wie schon in vorigen LG-Smartphones, einwandfrei. Extrem nervig finde ich aber die Benachrichtigung, die die Benutzung von QuickMemo erklären will. Die taucht nach jedem Neustart des Smartphones auf und lässt sich auch nicht deaktivieren. Sicherlich wird man das Smartphone im Idealfall nur sehr selten abschalten, allerdings wäre eine entsprechende Option zum Deaktivieren dieser Benachrichtigung schön gewesen.

Eine Sonderbarkeit, die mir während des Tests immer wieder auffiel, sind die Zwei-Finger-Gesten zum Erweitern und Verkleinern der Benachrichtigung. Scheinbar werden diese auffällig oft nicht sauber umgesetzt, sodass die Erweiterung/Verkleinerung einer Benachrichtigung sehr zittrig aussieht und gerne auch mal gar nicht durchgeführt wird.

Ob man all diese Software-Anpassungen haben möchte, ist natürlich wieder Geschmackssache. Größtenteils haben sie mich zumindest nicht gestört und auch der Performance tun sie keinen Abbruch. Das Smartphone ist unheimlich flink, reagiert sofort auf Benutzereingaben und ich suchte bis zuletzt nach Rucklern. Hier hat sich LG eindeutig keine Blöße gegeben und im Vergleich zum Optimus Speed, welches ja den Einstieg von LG in den High-End-Sektor markierte, hat sich eine Menge getan.

Kamera

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Die Kamera des LG Optimus G hat mich insgesamt positiv überrascht und ist merklich besser, als die des Nexus 4. Die Software scheint bei guten Lichtverhältnissen einen guten Job bei der Fokussierung zu machen, denn die war durchweg gut. Insgesamt ist die Bildqualität dann mehr als brauchbar.

Kritischer wird es in Low-Light-Situationen. Dann schwankt die Bildqualität merklich. Man sollte aber generell den Finger von manuellem Nachfokussieren lassen. Obwohl die Software eine Fokussierung signalisiert, werden Fotos dann durch die Bank weg verschwommen. Die automatische Fokussierung hingegen funktioniert weitgehend einwandfrei. Dann kann man auch durchaus mit der Bildqualität leben, denn die ist ebenfalls vollkommen in Ordnung.

Die Kamera ist insgesamt also durchaus sehr gut benutzbar, wenngleich man hier und da Abstriche machen muss. Auch die Kamera-App sagt mir persönlich nicht wirklich zu, da sie optisch nur Durchschnitt ist und auch funktionell nichts spannendes, wie z.B. eine innovative Steuerung (was Google bei Android 4.2 z.B. super gelöst hat) bietet. Im Vergleich zu Smartphones mit Top-Kameras, (sprich dem Nokia Lumia 920, HTC One, Samsung Galaxy S4 und dem iPhone 5) muss sie sich allerdings durchweg geschlagen geben – sei es bei der Bildqualität oder auch den Features.

Sonstiges

Die Telefonie-Funktion machte während meines Tests keinerlei Probleme. Ich konnte meine Gesprächspartner klar und deutlich verstehen und auch umgekehrt war dies auf meine Nachfrage der Fall. Gefühlt würde ich sogar behaupten, dass ich meine Gesprächspartner besser hören konnte, als es bei vielen anderen Geräten der Fall war.

Während des LG-Events, auf dem das Optimus G für den Deutschlandstart vorgestellt wurde, riet man den anwesenden Bloggern auch dazu, das beigelegte Headset zu testen. Offensichtlich ist man vom Headset also überzeugt. Wenngleich die Klangqualität natürlich keine absolute Oberklasse ist, empfand ich das Headset klanglich als überdurchschnittlich gut. Im Vergleich zu anderen beigelegten Kopfhörern ist dieses durchaus auffallend positiv. Man kann sicherlich bemängeln, dass Tieftöne nicht wirklich durchdringend sind und es daher nicht so wirklich “drückt”, allerdings muss ich dazu sagen, dass ich generell kein Fan von bassgesteuerten Headsets à la Beats by Dr. Dre bin. Der insgesamt ausgewogene Klang gefiel mir und ich habe das Headset durchaus gerne genutzt. Auch das Mikrofon-Modul tat seine Arbeit zuverlässig. Natürlich ist das kein absoluter Kaufgrund, trotzdem allerdings ein nettes Detail.

Die Akkulaufzeit bereitete mir darüber hinaus auch keine Probleme. Ohne mich wirklich einschränken zu müssen, bin ich mit dem Optimus G durch den ganzen Tag gekommen. Meine Alltagsnutzung beruht dabei auf Gmail, Twitter, Feed-Reader, Facebook, Messaging und derlei Dingen, weniger auf anspruchsvollen Spielen. Aufwändige 3D-Spiele drücken natürlich teilweise enorm auf die Akkulaufzeit, allerdings bin ich im Alltag problemlos mit dem 2.100 mAh großen Akku zurecht gekommen

Ein echtes Phänomen konnte ich bei der Nutzung des Gerätes dann aber doch feststellen: Drei Tage lang hatte ich enorme Probleme mit meiner SIM-Karte, die das Gerät dazu zwangen, ständig neu zu starten. Teilweise erfolgten dann drei Reboots nacheinander, da die SIM-Karte scheinbar nicht korrekt erkannt werden konnte. Auch das Wiedereinlegen der SIM-Karte brachte keinen direkten Erfolg. Genauso plötzlich, wie die Probleme auftraten, verschwanden sie nach den erwähnten drei Tagen dann aber auch wieder. Worin der Grund dieses Phänomens lag, kann ich nicht abschließend ergründen. Zumindest aber hatte ich dieses Problem bisher bei keinem anderen Smartphone, sodass ich die SIM-Karte als Fehlerquelle ausschließe. Einen Defekt des Gerätes will ich aber auch nicht unterstellen, da das Problem eben, wie gesagt, nach drei Tagen wieder komplett verschwand.

Fazit

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In vielen Punkten ist die Story des Optimus G mehr oder minder die Gleiche, wie beim Nexus 4. Das überrascht kaum und eigentlich müsste man es eher umgekehrt ausdrücken. Haptik und Verarbeitung gleichen sich hier praktisch wie ein Ei dem anderen. Auch das Design des Optimus G ist auf einem ähnlich hohen Niveau.

Unterschiede gibt es dennoch und die sind teilweise gravierend: Das Nexus 4 kommt mit der aktuellsten Version von Stock-Android und verspricht langfristige und schnelle Updates. Das Optimus G hingegen arbeitet mit Android 4.1.2 und der LG-eigenen Benutzeroberfläche, die in vielen Punkten “lediglich” eine farbliche Anpassung von Stock-Android, im Detail aber doch recht starke Eingriffe ins System sind. Darüber hinaus sind z.B. die Kamera und das Display des Optimus G teils um einiges besser und auch LTE wird hier geboten.

Meiner Meinung nach stellt sich im Bezug auf ein Android-Smartphone im mittleren Preissegment derzeit die Frage, ob man das Nexus 4 oder das Optimus G haben möchte. Beide Geräte bieten ihre Vorteile und Nachteile. Letzten Endes muss man sich allerdings fragen, ob einem die Pluspunkte des Optimus G auch den Mehrpreis von etwas über 100 Euro wert sind. Meiner Meinung nach werden viele Nutzer diese Frage mit einem “Nein” beantworten, da der Preis eben einfach entscheidend ist.

Ich persönlich mag das Optimus G wirklich sehr und es hat mir über meinen Testzeitraum als “Daily-Driver” insgesamt (mit Ausnahme dieser kuriosen, oben angesprochenen, drei Tage) sehr gute Dienste geleistet. Prinzipiell kann ich es also durchaus empfehlen, allerdings (und damit schließt sich der gerade gezogene Kreis) wird die Preisfrage dem Optimus G nicht wirklich gut tun.

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