Aiways zeigt, warum billige China-Autos am Ende richtig teuer werden können

Der Fall Aiways zeigt schonungslos, wie schnell Käufer vom Kunden zum Bittsteller werden können.

Wer ein Auto kauft, kauft eben nicht nur vier Räder und einen Akku. Er kauft das Versprechen, dass sich auch Jahre später noch jemand um Reparaturen, Software und Ersatzteile kümmert. Genau dieses Versprechen scheint Aiways inzwischen weitgehend verloren zu haben. Das eigentlich Erschreckende ist dabei nicht das Scheitern einer einzelnen Marke. Unternehmen kommen und gehen. Erschreckend ist, wie schutzlos die Kunden am Ende dastehen.

Dabei wurde jahrelang erzählt, das klassische Händlernetz sei ein Auslaufmodell. Alles werde digital, effizient und direkt. Werkstattketten sollten den Service übernehmen und der Rest funktioniere per Software. Klingt modern. Solange alles läuft. Sobald aber Diagnosegeräte fehlen, Ersatzteile nicht geliefert werden und niemand mehr ans Telefon geht, platzt diese schöne Zukunftsvision schneller als ein Werbeversprechen.

Natürlich verweist Aiways Laut offizieller Webseite in etwas unrunder Formulierung darauf, dass Garantieansprüche weiterhin geprüft werden und gemeinsam mit Aiways China an Lösungen gearbeitet werde. Das mag auf dem Papier beruhigend klingen. Für jemanden, dessen Auto wochenlang stillsteht, hilft solch ein Versprechen allerdings wenig.

Aiways ist mehr als das Scheitern einer Automarke

Der eigentliche Skandal ist deshalb nicht Aiways selbst. Der eigentliche Skandal ist die Blauäugigkeit, mit der viele glaubten, ein Auto lasse sich wie ein Smartphone verkaufen. Ein Smartphone tauscht man nach drei Jahren aus. Ein Auto soll zehn oder fünfzehn Jahre funktionieren. Dafür braucht es Werkstätten, Ersatzteile und Menschen, die erreichbar sind. Nicht nur eine Hochglanzwebseite.

Das wird auch anderen neuen Herstellern zu denken geben. Wer heute eine unbekannte Marke kauft, sollte künftig weniger auf Reichweite und Ausstattung schauen und viel genauer fragen, wer das Fahrzeug in sechs oder acht Jahren überhaupt noch repariert. Denn genau dann trennt sich Marketing von Realität.

Am Ende zahlen wieder die Kunden den Preis. Sie haben einem neuen Hersteller vertraut und sitzen nun zwischen Hoffnung, Unsicherheit und immer knapper werdenden Ersatzteilen. Das sollte allen eine Warnung sein. Innovation ist wichtig. Aber ohne verlässlichen Service ist sie nichts weiter als ein teures Experiment auf Kosten der Käufer.

Was meint ihr? Ist Aiways einfach nur Pech gehabt oder sollte der Gesetzgeber Hersteller deutlich stärker in die Pflicht nehmen, damit Kunden nach einem Marktrückzug nicht im Regen stehen?

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