Eine neue Studie misst erstmals in Deutschland, wie viel Plastik Stadtbewohner täglich einatmen.
Forscher des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) und der Universität Oldenburg haben Feinstaubproben in Leipzig analysiert und dabei festgestellt, dass rund 4 Prozent der Feinstaub-Masse aus Plastik bestehen.
Laut den Studienergebnissen geht etwa zwei Drittel dieses Plastikanteils auf Reifenabrieb zurück. Hochgerechnet atmen Menschen in Leipzig demnach täglich rund 2,1 Mikrogramm Plastik über die Luft ein.
Die Probenahme fand zwei Wochen lang im September 2022 an einer stark befahrenen Ausfallstraße in Leipzig statt. Die Forscher setzten dabei die Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie ein, ein Verfahren, das Plastikpartikel chemisch in ihre Bestandteile zerlegt und so präzise identifizierbar macht.
Nach Angaben der Autoren ist dies die erste polymeraufgelöste und nach Grössen sortierte Messung von Mikro- und Nanokunststoffen in der deutschen Stadtluft.
Erhöhtes Sterberisiko durch Plastik-Feinstaub
Auf Basis epidemiologischer Modelle errechnete das Team ein potenziell erhöhtes Mortalitätsrisiko von bis zu 9 Prozent für Herzkreislauferkrankungen und bis zu 13 Prozent für Lungenkrebs.
Laut Studienleiter Prof. Hartmut Herrmann liege dieses Risiko damit über dem allgemeinen PM2,5-Feinstaubrisiko in Europa. Grenzwerte für Plastik in der Luft existieren bisher weder bei der WHO noch in der EU.
Das der überwiegende Anteil an Mikroplastik aus Reifenabrieb besteht, zeigt, dass hier Handlungsbedarf herrscht und sich das Feinstaubproblem nicht allein durch den Umstieg auf Elektromobilität lösen lässt.
Zum Schutz der Gesundheit wäre es wichtig, auch den Reifenabrieb bei der Regulierung der Luftqualität zu berücksichtigen und Grenzwerte für Mikroplastik in der Luft zu erlassen.
– Prof. Hartmut Herrmann vom TROPOS
Ich halte diese Studie für einen wichtigen Impuls, der zeigt, dass die bisherige Debatte über Luftqualität um den Faktor Mikroplastik erweitert werden muss. Die Ergebnisse machen deutlich, dass ein Wechsel zur Elektromobilität allein das Feinstaubproblem nicht löst, solange Reifenabrieb regulatorisch unberücksichtigt bleibt.
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