Hohe Spritpreise entlarven die deutsche Verkehrspolitik als teures Ritual ohne Plan

Die deutsche Verkehrspolitik verwechselt seit Jahren Entlastung mit Beruhigungspille.
Hohe Spritpreise, große Empörung, hektische Vorschläge. Es ist wie immer. Sobald Tanken wehtut, entdeckt die Politik ihre plötzliche Liebe zum Bürger. Dann werden Rabatte aus dem Hut gezaubert, Steuern diskutiert und das Deutschlandticket wie ein Sonderangebot im Räumungsverkauf behandelt. Klingt fürsorglich, ist aber oft nur Aktionismus in Warnweste.
Der BUND liegt mit der Kritik an der Pendlerpauschale im Kern richtig. Dieses Instrument belohnt vor allem jene stärker, die mehr verdienen und weitere Wege steuerlich geltend machen können. Als Gerechtigkeitsmodell taugt das ungefähr so gut wie ein Regenschirm aus Knäckebrot. Ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld wäre sauberer, verständlicher und sozial fairer. Genau deshalb ist es politisch so unbequem.
Noch schöner ist nur die Idee, man könne Bürger jetzt einfach mit Bahnrabatten retten. Laut EVG-Chef Martin Burkert wären 30 Prozent weniger beim Deutschlandticket und bis zu 50 Prozent im Fernverkehr eine schnelle Entlastung. Ja, schnell vielleicht. Wirksam nur teilweise. Denn billiger wird die Bahn dadurch, aber nicht pünktlicher, nicht dichter, nicht verlässlicher.
Wer auf dem Land auf einen Bus wartet, der zweimal am Tag kommt und einmal davon ausfällt, hat von dieser Erlösungsphantasie exakt gar nichts.
Pendlerpauschale reformieren und Mobilitätsgeld ehrlich bewerten
Die eigentliche Zumutung ist doch die Logik hinter der Debatte. Einerseits soll das Auto bitte nicht subventioniert werden, andererseits lebt ein erheblicher Teil des Landes in Regionen, in denen der öffentliche Verkehr eher Gerücht als Angebot ist. Wer dort arbeitet, pendelt nicht aus Hobby. Er pendelt, weil die Republik Wohnen, Arbeiten und Infrastruktur seit Jahren so organisiert, als könne man Entfernungen mit guten Vorsätzen überbrücken.
Deshalb ist das Mobilitätsgeld nur dann überzeugend, wenn es nicht als moralische Strafpredigt gegen Autofahrer verkauft wird. Es muss eine Übergangslösung sein in einem Land, das seinen Bürgern Mobilität verspricht, aber vielerorts nur Lückenfahrpläne liefert. Alles andere wäre die übliche Berliner Nummer: erst Anreize umschrauben, dann erstaunt feststellen, dass die Wirklichkeit nicht ins Konzeptpapier passt.
Und die Bahn als Heilsbringer? Bitte mit Vorsicht genießen. Ein Konzern mit Milliardenverlust, Sanierungsbedarf und notorischen Zuverlässigkeitsproblemen ist kein Robin Hood auf Schienen. Rabatte können sinnvoll sein, laut den jeweiligen Befürwortern sogar sehr sinnvoll. Aber wer Preise senkt, ohne Kapazität und Qualität mitzudenken, organisiert am Ende nur mehr Frust zum Sondertarif.
Hohe Spritpreise zeigen das Versagen der Verkehrspolitik
Mein Punkt ist simpel. Die Pendlerpauschale gehört auf den Prüfstand, das Mobilitätsgeld ist der bessere Ansatz und reine Spritsubventionen sind bequem, aber dumm. Doch noch dümmer ist die deutsche Unsitte, jedes Mobilitätsproblem mit einem Rabatt beantworten zu wollen. Bürger brauchen keine Trostpflaster. Sie brauchen ein System, das funktioniert.
Die ehrliche Debatte wäre also unangenehm. Wer soll wie entlastet werden, solange Alternativen real existieren und nicht bloß auf Pressekonferenzen? Und warum schafft es dieses Land, über Ticketpreise mit religiösem Eifer zu streiten, aber nicht über einen öffentlichen Verkehr, der den Namen auch verdient? Schreibt es gerne in die Kommentare. Ich bin sicher, die Ausreden sind wieder pünktlicher als der Zug.
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Ich verstehe bei solchen Vorschlägen wie Pendlerpauschale erhöhen oder Bahntickets rabattieren immer nicht, warum man sie überhaupt macht. Die sind so offensichtlich sinnlos, dass ich es sogar als Frechheit interpretiere, mit so einem Mist die Zeit der Zuhörer, Zuschauer und Leser bzw. Bürger allgemein zu verschwenden.
Ich hatte Jobs, da wäre ich mit so dummen Vorschlägen direkt geschasst worden.
Da sitzen hunderte Leute in den Ministerien und dann muss man sich jedes Mal so einen Quatsch anhören…
Ein Glück gehts es mir finanziell gut und ich habe ein BEV. Dazu viel Homeoffice. Ich wohne auf dem Land und mit der Bahn zur Arbeit, selbst „kostenlos“ würde ich es nicht nutzen wollen.
Es wäre, von Zuhause zum Bahnhof, von dort zum Hauptbahnhof in der näheren großen Stadt, dann zum nächsten Hauptbahnhof, dann zum Zielbahnhof, dann mit dem Bus Richtung Arbeitsstelle, den Rest zu Fuß. Locker 1,5 – 2h Fahrt wenn alle pünktlich fahren. Zurück nochmal das Gleiche. Ne, das macht keinen Sinn.
Hier ist mal ganz klar das „Home Office“ die Lösung, doch der Arbeitgeber ruft wieder verstärkt nach dem „ins Büro kommen“. Ja ne, is klar. „Kontrolle“ unter dem Mantel des „ich muss ja mitbekommen, wie es euch geht“-Spruches. Dabei sitzen meine Kollegen in der Welt verteilt!
Dazu meine gesundheitliche Situation. Es ist eine Qual, zur Arbeit. In Ruhe mit dem BEV noch erträglich, aber müsste ich dies mit dem ÖPNV erledigen, nein – das würde ich nicht schaffen.
Also hört bitte auf, immer nur vom ÖPNV zu reden. Ja, ein Weg für Menschen, die dies gut und gerne nutzen können/wollen.
Aber das BEV (mit genügend Lade-Infrastruktur und fairen Strompreisen), das Recht auf Homeoffice (falls der Beruf es hergibt), auch das sind valide Punkte aus meiner Sicht.
Echtere Reformen, wirkliche neue Gedanken, mal das Große Ganze im Blick haben … und das von dieser Regierung? Das kannst du doch vergessen! Die Union fordert doch jetzt bereits einfach wieder Geld rein zu werfen … https://www.cducsu.de/presse/preisschock-den-tankstellen-betroffene-schnell-entlasten
Ein billigeres ÖPNV-Ticket bekämpft am Ende auch nur Symptome. Der Preis ist selten die Hürde. Das Problem ist die mangelnde Infrastruktur. Zudem verschärft ein Billigticket das Finanzierungsloch: Geld, das für Sanierung und Taktverdichtung fehlt, fließt in Subventionen. Ohne Verlässlichkeit und Komfort bleibt das Auto für viele alternativlos, egal, wie günstig die Schiene ist!
Ein Mobilitätsgeld wäre immerhin mal ein innovativer Ansatz, der uns von alten verkrusteten Strukturen wegbringen würde und das Ganze flexibler gestaltet. Man muss sich ja keine Illusion machen, jetzt sind es die Spritpreise, in Zukunft sind es die Strompreise, die mal knallen können und mal nicht. Hier muss die Politik Mut beweisen und entsprechende Instrumente endlich etablieren. Diese können dann auch zur Steuerung der Mobilitätswende genutzt werden.
Hallo zusammen, ich werde hier künftig regelmäßig aktuelle Themen kommentieren. Nicht jede Entwicklung verdient Applaus, nicht jeder Hype überzeugt mich, aber genau deshalb lohnt sich aus meiner Sicht ein klarer, manchmal auch unbequemer Blick auf das, was gerade passiert. Ich freue mich auf den Austausch mit euch. :-)
Hallo Namensvetter, herzlich willkommen. 🤗 Das ist ja schon mal ein toller Einstieg. Ich glaube, der Seite wird es gut tun, wenn die täglichen News durch Kommentare und starke Meinung aufgelockert werden. Ich freue mich darauf und wünsche dir alles Gute.
Danke, mein Output wird nicht so hoch sein, aber ich versuche regelmäßig etwas beizusteuern. Für mich ist das Ganze auch noch „Neuland“.
Willkommen Martin!
Zuerst dachte ich, ich hätte was verpasst. Aber du bist anscheinend doch ein „Neuer“ im Mobiflip-Team.
Ich wünsche dir viel Spaß hier im Forum und dein erster Beitrag hier lässt nur Gutes für die Zukunft erwarten!