Eigentlich schaue ich mir bei Tesla nur die Modelle für den Massenmarkt an und habe hier schon diverse Ableger des Model 3 und Model Y getestet, einige werden in diesem Jahr sicher auch noch folgen. Aber ich wollte auch mal schauen, wie es denn „ganz oben“ aussieht und habe mir das teuerste Elektroauto angeschaut.

Das ist, jedenfalls bei uns in Deutschland, ein Tesla Model X Plaid für ziemlich genau 142.000 Euro, wenn man eine Farbe auswählt, bessere Felgen konfiguriert und das große FSD-Paket bucht. Genau genommen lag meine Version aber bei „nur“ 136.070 Euro, weil ich die etwas kleineren Felgen mit 20 Zoll drauf hatte.

Was bekommt man für so viel Geld bei Tesla? Es gibt einen ca. 5 Meter großen SUV mit 567 km WLTP-Reichweite und über 1.000 PS (750 kW), den man, mit Launch Control, in nur 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h bewegen kann. Die Leistung ist auf drei Elektromotoren verteilt und bei 262 km/h ist Schluss (320 gegen Aufpreis).

Wie weit kommt man damit im Winter? Um die 400 km waren es bei mir, vor allem im Standmodus saugte das Model X schon ordentlich Akku von den 100 kWh im Unterboden weg. Es wären sogar noch weniger gewesen, aber ich habe dann den Wächtermodus deaktiviert, um den Verbrauch etwas in den Griff zu bekommen.

Geladen wird mit bis zu 250 kW, aber das sieht man nicht so lange und bei 50 Prozent kann man (laut diverser Ladekurven) froh sein, wenn man noch über 150 kW am Schnelllader bekommt. Daheim lädt man mit maximal 11 kW an der Wallbox, die ich meistens daheim genutzt habe, ein Upgrade für 22 kW gibt es jedoch nicht.

Wie fährt sich die Plaid-Version? Die Beschleunigung ist irre, das kann man sich bei den Daten oben denken. Ich kenne solche Daten zwar mittlerweile, aber es ist doch jedes Mal beeindruckend. Braucht man nicht, weiß ich auch. Spannender ist aber, wie sich so ein großer SUV im Alltag fährt, wenn auch mal Kurven dabei sind.

Das Fahrwerk ist sehr ordentlich und gut gefedert, vor allem im Komfort-Modus hat es mit gefallen. Sportlich kann man damit aber, wie ich finde, weniger fahren, denn da merkt man die Größe und das Gewicht zu sehr. Auf der Landstraße fühlt sich das Model X, und hier im Ländle ist es kurviger, oftmals gar nicht so stabil an.

Es ist ein bequemer SUV, da überzeugt das Model X, ich bin daher die meiste Zeit im Komfort-Modus gefahren. Mir fehlten auch „sportliche“ Elemente, wie eine etwas härtere Lenkung oder ein Fake-Sound. Nur schade, dass es das Fahrwerk des Plaid nicht im normalen Model X gibt, denn Plaid benötigt man sonst nicht.

Wie fühlt sich das Model X an? Hier ist meine Meinung gemischt. Auf der einen Seite gut und hochwertig, aber nicht viel besser als ein Model Y. Was aber ein Lob für einen US-Import ist. Ich kenne in dieser Preisklasse, oder sogar darunter, aber auch noch etwas mehr Luxus, ob man das jetzt als Nutzer „braucht“ oder nicht.

Das merkt man auch bei der Ausstattung, denn es gibt zwar ein zweites und sehr gutes Display hinter dem Lenkrad (dürfte Tesla meiner Meinung nach gerne auch darunter verbauen, ein Model Y ist teuer genug), aber keine Extras wie ein Head-up-Display oder CarPlay. Dinge, die ich persönlich gerne in einem Auto nutze.

Und auch sonst hat Tesla den Rotstift angesetzt, was in dieser Preisklasse nicht die beste Idee ist. Hebel gibt es keine. Ich hatte das Glück, dass ich das Lenkrad und nicht das Yoke bekam (was laut Tesla eh kaum einer kauft), aber das hat noch die alten Blinkertasten und da hat Tesla selbst erkannt, dass die kompletter Mist sind.

Mich wundert nur, warum man das beim älteren Model Y verbessert hat und jetzt beim Model 3 nachreicht, beim Model X und Model S, die erst Ende 2025 optimiert wurden, aber nicht. Ich hasse die Blinkertasten auf dem Lenkrad, die Lösung ist viel schlechter als ein Hebel. Apropos schlechter, kommen wir zu meinem Problem.

Flügeltüren sehen gut aus, jedenfalls als Passant. Und vor allem bei Sportwagen. Aber sie sind richtig miserabel bei einem SUV für Familien. Im Alltag und mit dem Kindersitz hinten hatte ich immer wieder die Situation, dass die Tür nicht komplett aufging und ich musste so halb gebückt den Junior von hinten herausheben.

Bei uns in der Tiefgarage erkannte der Sensor häufiger die Wand nicht und knallte die Tür mal eben dagegen. So sehr ich die automatischen Türen vorne (gehen mit Druck auf die Bremse zu, öffnen sich selbst, haben Softclose) mag, die Türen auf der Rückbank wären für mich, egal wie gut das Auto ist, ein klares K.O.-Kriterium.

Eigentlich werden die „Falcon Wings“ als Vorteil in engen Situationen vermarktet, aber im Alltag kann ich das nicht bestätigen. Normale Türen, wie vorne, wären da für mich im Alltag mit Familie die bessere Wahl. Oder, aber das kann ich eben nicht sagen, Flügeltüren, die besser funktionieren (eben mit zuverlässigeren Sensoren).

Mein Fazit zum Tesla Model X

Was bleibt am Ende nach fast zwei Wochen im Alltag übrig? Das Tesla Model X hat hier und da ein paar nette Extras (im Vergleich zum Model Y) mehr und es bietet auch einen anderen Aufbau und ist größer, aber es hebt sich in meinen Augen nicht so sehr und vor allem nicht so positiv ab, als dass es für mich die bessere Wahl ist.

Und im Vergleich mit der Konkurrenz, die in dieser Preisklasse die ganzen Extras, Spielereien und Premiumfunktionen mitbringt, und dann noch, wie beispielsweise Porsche beim neuen Cayenne, auf 800 Volt setzt, hat es ein Model X dann doch sehr schwer. Und optisch hat Tesla da in letzter Zeit auch viel zu wenig getan.

Während das Model Y und Model 3 komplett erneuert wurden und jetzt (für mich) wesentlich moderner und nach „dem neuen Tesla“ aussehen, so wirken Model X und Model S veraltet. Das zeigt, dass sich ein großes Facelift mit der Optik des Y beim X nicht mehr lohnt und auch Tesla nicht das nötige Geld dafür ausgeben will.

Tesla ist für mich in der Preisklasse des Y und 3 sehr attraktiv und viele Nachteile sind dort egal, weil es auch Vorteile gibt. Hier geht es aber bei über 120.000 Euro los und wer so viel Geld ausgibt, der bekommt, vielleicht auch für ein paar Euro mehr, in meinen Augen mittlerweile viele bessere Optionen bei den Elektroautos.

Man merkt, dass das Model X mittlerweile ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat. Tesla hat es immer wieder verbessert, aber nach so einer langen Zeit würde es ein sehr großes Upgrade benötigen, immerhin ist es das teuerste Modell im Lineup. Und hier und da fühlt sich das günstigere Model Y für mich sogar moderner als ein X an.

Letzten Sommer stellte sich die Frage, ob Tesla das S und X in Deutschland streicht und die beiden Modelle nicht mehr aus den USA importiert und es hätte mich, und das bekräftigt der Test, nicht gewundert. Das S und X wurden 2025 nur etwas mehr als 100 Mal in Deutschland zugelassen, lohnt sich das wirklich noch für Tesla?

Grundsätzlich würde ich mir aber nicht wünschen, dass Tesla dieses Modell jetzt einstellt, im Gegenteil, es würde nach so einer langen Zeit einfach nur mal eine ganz neue Generation benötigen. Und dann gerne mit etwas weniger Spielereien und dafür mehr Luxus, den man bei anderen Modellen in der Preisklasse bekommt.

Eine größere Version des Tesla Model Y würde reichen, wie gesagt, mehr Luxus und teurere Technik (wie 800 Volt, gibt es ja im Cybertruck) und schon wäre da, das ist jedenfalls eine Vermutung von mir, wieder ein größerer Markt für ein Tesla Model X. In dieser Form glaube ich aber nicht, dass der SUV nochmal die Kurve bekommt.


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  1. Spiritogre 🏅

    Ich persönlich finde das Model S sehr interessant, nur leider hoffnungslos veraltet. In Zeiten von ID.7 und Ioniq 6 ist der Preis auch bei weitem nicht mehr gerechtfertigt.

  2. Jan 🏅

    Model S und X sind es einfach nicht. Kann es bis heute nicht verstehen, warum die Autos in vergleichsweise minderwertiger Qualität in den USA gefertigt werden und die „günstigen“ Autos von Tesla aus Grünheide/Shanghai dagegen qualitativ schon seit 2021 richtig gut sind.

    1. mrn ☀️

      Das Problem ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei „Made in USA“. Im Inland gilt dieses Label einigen/vielen als das höchste Qualitätssiegel – vor allem unter denen, die America wieder great machen wollen.
      Nur leider wird diese positive Einstellung zu in den Staaten gefertigten Produkten im Rest der Welt halt nicht geteilt.

  3. Dayli Driver 👋

    Dann lieber einen Dacia Bigster für 1/3 des Preises, wo die Verarbeitung wenigstens besser ist und dem Preis angemessen.

    1. Mårtiň 🌀

      Die Verarbeitung im Dacia Bigster ist definitiv nicht besser. Wie kommst du auf so eine abwegige Äußerung? 😂

  4. hugo 💎

    Danke für den Bericht. Mir persönlich fällt nicht ein, wie der Preis gerechtfertigt ist. Leider gibt es keine Bilder von der Innenausstattung, aber denke mal selbst wenn, wofür der Preis ?

    1. Favone 👋

      Für die Kunstledersitze aus Erdöl aber vegan und für das miserable Lenkrad, dass mach 30k km aussieht als hätte es schon 300k runter.

  5. Dieseldieter ☀️

    So geil ich würde mal das Eis auf den Scheinwerfern abkratzen und diese sauber machen.

    Vereiste und verdreckte Scheinwerfer können Bußgeld und sogar Punkte in Flensburg zur Folge haben. Weiterfahren kann untersagt werden.

    https://www.anwaltskanzlei-suedstadt.de/verkehrsrecht-kennzeichen-heckscheibe-scheinwerfer-verdeckt-welche-strafen-drohen-und-was-gilt-bei-einem-unfall/#3

    Und die Schwingtüren sind besonders gut bei Regen, dann läuft das Wasser direkt in den Innenraum beim Tesla.

    1. Hazz 🔅

      Wo wird denn Bezug auf Eis auf dem Scheinwerfern im Artikel genommen? Ich verstehe den Zusammenhang ehrlich gesagt nicht oder machst du einfach Werbung für eine Anwaltskanzlei!?

      1. Fanfan 👋

        Wieso? Nur weil Tesla keine Scheinwerferheizung und Reinigungsanlage hat beim Topmodell?

        Traurig bei solchen Preisen. Hatte Volvo schon in den 80ern.

        Wenn du bei Tesla zwar autonom fahren kannst aber bei Schnee und Eis nichts siehst .

  6. Carlo 🔅

    Tesla, niemals! US Autos niemals! Da bleibe ich doch meinem Benz bzw. den deutschen Fabrikaten treu, vielleicht wären Japaner noch interessant.

    1. Dennis 🎖

      Ja zeig es Tesla so richtig , du Rebell!

    2. Felix 🔆

      Mein Beileid für diesen Kommentar. 🪦

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