Der Handelsverband Deutschland prognostiziert für 2026 einen Nettoverlust von 4900 Geschäften im Einzelhandel.

Nach Angaben des Verbandes sind Neueröffnungen bereits berücksichtigt. Bereits im Vorjahr lag der Rückgang bei 4500 Standorten. HDE-Präsident Alexander von Preen warnt laut Verband vor einer Gewöhnung an diese Entwicklung und verweist auf zunehmende Leerstände in vielen Innenstädten.

Langfristig zeigt sich ein deutlicher Rückgang. Laut HDE dürfte die Gesamtzahl der Geschäfte bis Ende 2026 auf rund 296.600 sinken. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei etwa 366.800. Besonders mittelständische Händler stehen demnach unter Druck, auch aufgrund einer schwachen Konsumstimmung.

Einzelhandel in Deutschland: Ursachen und politische Forderungen

Der Verband sieht laut eigenen Angaben vor allem hohe Energie- und Arbeitskosten als Belastung. Gefordert werden unter anderem eine Senkung der Stromsteuer, eine Begrenzung der Lohnnebenkosten sowie mehr Flexibilität bei Mieten, etwa durch umsatzabhängige Modelle.

Zentrale Forderungen des HDE

  • Senkung der Stromsteuer für Unternehmen
  • Deckelung der Lohnnebenkosten bei 40 Prozent
  • Mehr umsatzorientierte Mietmodelle
  • Bessere Abschreibungsbedingungen für Investitionen

Zudem richtet sich der Appell an Politik und Kommunen, Innenstädte attraktiver zu gestalten und Investitionen zu fördern. Der Einzelhandel sei laut Verband ein zentraler Anziehungspunkt für Stadtzentren. Über die weitere Entwicklung wird auch beim Handelsimmobilienkongress in Berlin diskutiert.

Viele Probleme hausgemacht

Ich kann diese Entwicklung gut nachvollziehen, weil sie aus meiner Sicht das Ergebnis vieler Jahre falscher Entscheidungen ist. Der stationäre Handel hat aus meiner Perspektive zu oft am Service, an Verfügbarkeit, Öffnungszeiten und am Angebot gespart und gleichzeitig zentrale Erwartungen der Kunden ignoriert, etwa transparente Online-Verfügbarkeiten.

Innenstädte wirken heute häufig austauschbar und bestehen vielerorts aus den immer gleichen Ketten, während echte Aufenthaltsqualität verloren geht. Für mich ist das eine logische Entwicklung, weil Menschen Komfort, Zeitersparnis und Flexibilität priorisieren. Ich gehe davon aus, dass dieser Druck langfristig auch den Lebensmitteleinzelhandel erreichen wird, sobald ein starker Wettbewerber hier konsequent auf Bequemlichkeit und Digitalisierung setzt.


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  1. RolliC 🏆

    Welchen Grund sollte man auch haben, fürs Shopping in die Innenstandt zu fahren? Autos sind immer seltener dort erwünscht, die Parkgebühren sind zu hoch und eine Garantie, dass man bekommt was man sucht gibts auch nicht. Diese Entwicklung wurde durch die Pandemie richtig schön beschleunigt und voran getrieben. Als andere Länder klug genug waren, auf Eigenverantwortung zu setzen, hat man hier wirklich noch den letzten „Michel“ dazu verdonnert, neue Klarmotten usw. online zu bestellen… Wenn man dann einmal sieht, dass so was funktioniert, spart man sich Zeit, Wege und Geld…

  2. Matze51 🌀

    Größere Innenstädte waren doch schon immer austauschbar, für uns als Landdödel war das eben einen Ausflug wert und danach noch ins Center am Stadtrand

  3. Kirky 🌟

    Kosten für Strom kann jeder Unternehmer selbst beeinflussen. Mietverträge sind privatrechtlich und Gewerbemietverträge können individuell gestaltet werden. Keine Aufgabe der Politik. Lohnnebenkosten liegen aktuell schon bei um die 40 Prozent. Unternehmen können eigene Betriebskrankassen gründen.

    Investitionen können schon immer abgeschrieben werden nach AFA Tabelle und aktuell sogar stärker.

    1. gast 🏆

      Finde ich auch etwas wohlfeil. Wobei die Politik insofern was machen kann, dass Leerstand sich nicht mehr lohnt. Ich verstehe nicht, wie man sich als Vermieter so einem Umsatzmodell verwehren kann. Eigentlich sollte ja alles besser sein, als eine leere Immobilie, um deren Instandhaltung man sich dann auch noch selbst kümmern muss. Eigentlich…

      Und zum Thema Strom: Solange Ladenfronten aus einfachen Glaselementen mit fingerdicken Spalten bestehen, kann die Heizungsrechnung nicht hoch genug sein. Da wird die halbe Fußgängerzone draußen mitgeheizt. Und trotz LED ist es teuer, wenn der Laden durchgängig die Festtagsbeleuchtung an hat.

    2. RolliC 🏆

      Wie sollen denn die Stromkosten durch die Händler selbst beeinflusst werden? Jetzt bin ich aber gespannt… Schon mal bei C&A, oder Media Markt im dunkeln geshoppt? … Muhaha…

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