Die chinesischen Hersteller erobern den europäischen Markt, tun sich aber vor allem im hochpreisigen Segment unglaublich schwer. Wer über den Preis angreift und die Mittelklasse anvisiert, kann Erfolg haben, im Premiumbereich ist es schwer.
Dennoch möchte es Xpeng hier versuchen und das auch noch als relativ kleines Unternehmen aus China. Ich wollte die Marke schon lange testen und hatte jetzt mit dem G6 erstmals die Gelegenheit. Doch wie gut sind die Elektroautos von Xpeng?
Design
Fangen wir mit einem sehr persönlichen Punkt an, der für mich bei einem Auto aber durchaus wichtig ist, der Optik. Der G6 sieht gut aus, aber er trifft auch nicht ganz meinen Geschmack, da er doch ein bisschen wie 0815-China-Autos wirkt und ich kantigere Designelemente mag. Ich könnte mit dieser Optik aber durchaus leben.
Xpeng will, so vermute ich es jedenfalls, nicht mit Design auffallen und kommt eher zurückhaltend und dezent rüber, was ich aber grundsätzlich mehr als ein auffälliges Design mag. Diese Philosophie merkt man auch im Innenraum, wo ich das gleiche Fazit ziehen würde, kennt man so von Marken aus China, wirkt aber hochwertig.
Verarbeitung
Womit wir direkt zum nächsten Punkt springen, der Verarbeitung und Qualität. Da gibt es von meiner Stelle absolut nichts zu meckern, das ist alles gut und teilweise auch überdurchschnittlich hochwertig für diese Preisklasse. War vor Jahren zwar mal Standard, aber wir alle wissen, was Mercedes und Co. hier heute abliefern.
Ich würde den Xpeng G6 innen als „gehobene Mittelklasse“ bezeichnen, für die Premiumliga fehlt dann noch ein bisschen was bei den Materialien. Aber alles ist sehr gut verarbeitet, nichts klappert und es wirkt stimmig. Manche würden dieses Design, was sich stark an Tesla orientiert, aber als „zu puristisch“ bezeichnen.
Bedienung
Die Bedienung ist gut, aber sehr stark auf Touch ausgelegt. Nicht am Lenkrad, da gibt es einen sehr guten und logischen Aufbau mit echten Tasten, mag ich, aber abgesehen davon wird alles über das Display in der Mitte gesteuert. Das ist schön groß und die Software nicht schlecht, aber im Alltag ist es auch nicht optimal.
Mal eben die Temperatur ändern, wenn man CarPlay nutzt? Schwierig, denn man muss beim Display leicht von unten nach oben wischen und dann einen kleinen Pfeil treffen. Da wandern die Augen zu lange weg von der Straße. Eine kleine Leiste für Bedienelemente unter dem Display wäre hier in meinen Augen sehr hilfreich.
Software
Apropos CarPlay, das funktionierte sehr gut und sieht auf dem großen Display echt toll aus. Die restliche Software ist auch gut und schnell und es gibt Apps, wie Spotify, auch wenn das Angebot überschaubar ist und es keinen Store gibt. Man muss also mit dem leben, was Xpeng an App-Partnerschaften in Europa bietet.
Die Software selbst ist zwar schnell, wirkt aber nicht so, als sei sie gut für ein Auto ausgelegt. Sei es, wie oben beschrieben, bei der Klimasteuerung oder anderen Dingen. Schnellzugriffe gibt es mit einem Swipe von oben nach unten, das kennt man so von Tablets und ist dort praktisch, bei der Fahrt aber doch eher weniger.
Für mich war die Software, und das geht mir bei Tesla auch immer wieder so, etwas zu „Smartphone-lastig“. Ich mag nicht diese alte und hässliche Software, die wir seit Jahren von deutschen Herstellern kennen, aber auch nicht diesen Ansatz mit Smartphone UI. Eine Mischung wäre perfekt, eine, die auf Autos ausgelegt ist.
Es gab beim Test zum Beispiel ein kleines Popup für den Geschwindigkeitswarner, welches die Sicht auf andere Inhalte versperrte, dessen X zum Schließen zu treffen war aber gar nicht so leicht. Wie gesagt, es wirkte, als habe man die Oberfläche von einem Tablet in das Auto gepackt und nicht in erster Linie als Fahrer gedacht.
Technische Daten
Man bekommt beim Xpeng G6 ein knapp 4,7 Meter langes Auto mit viel Platz (wenn auch etwas eingeschränkt durch die Coupé-Form) dank der Elektro-Plattform und sehr viel Ausstattung und solide Daten. Bei der Ausstattung gibt es von meiner Seite wenig anzumerken, mir fehlte nur das Head-up-Display, was ich sonst mag.
Aber 525 km Reichweite sind bei 80 kWh im Unterboden eher okay, ein Tesla Model Y knackt hier die 600 km, und 218 kW (knapp 300 PS) auch eher gemütlich. Der „Punch“ beim Start wurde gefühlt auch reduziert, unser MG4 mit 200 PS fühlt sich da teilweise sportlicher an. Aber man merkt diesen Ansatz direkt beim Fahrwerk.
Der G6 ist sehr weich und bequem abgestimmt und fährt sich gemütlich und sehr angenehm mit Kind. Ein sportliches Gefühl kommt bei mir bei einem SUV sowieso selten auf, hier merkt man aber, dass das auch gar nicht erst der Ansatz war. Ich glaube da kann man ganz entspannt auf die Performance-Version verzichten.
Ein Highlight ist die Ladeleistung mit bis zu 450 kW dank 800 Volt, was für diese Preisklasse wirklich sehr gut ist. Nur schade, dass es dann nur 11 kW an der AC-Wallbox gibt und, auch nicht optional, keine 22 kW. Für mich mit Wallbox daheim wäre das wesentlich wichtiger. Aber die DC-Leistung ist dennoch verdammt gut.
Preis
Grundsätzlich hat man hier aber das Gefühl, dass man ein sehr solides Paket für etwas mehr als 48.000 Euro bekommt, die mein G6 (Long Range, RWD) kostet. Es ist fair und man unterbietet damit, wenn auch nicht stark, den Bestseller, das Tesla Model Y. Wobei das auch Dinge hat, die besser sind, wie mehr Leistung pro Euro.
Aber ich finde es grundsätzlich gut, dass sich Xpeng eher an Tesla orientiert und weniger an einem BMW iX3 oder Volvo EX60. Die Premiummarken aus China tun sich in dieser Klasse unglaublich schwer und wenn man bei uns Fuß fassen will, dann muss man, jedenfalls am Anfang, preislich auch etwas attraktiver sein.
Ich würde den Xpeng G6 jetzt nicht als unglaublich attraktive Option bezeichnen, aber als durchaus gute Option in dieser beliebten Klasse von Elektro-SUVs. Und wenn ich das richtig gesehen habe, dann liegt der Leasingpreis bei unter 400 Euro in Deutschland, selbst bei Performance, das ist für diese Ausstattung sehr gut.
Fazit
Der Xpeng G6 hat einen guten Eindruck hinterlassen, auch wenn ich mich am Ende ein bisschen gefragt habe, wie sich jetzt Xpeng von SAIC mit MG, BYD, Zeekr und Co. unterscheiden möchte. Was macht Xpeng aus? Eine Frage, die man, und das ist bei Autos, die man oft über Emotionen verkauft, eben auch beantworten muss.
Ich hätte den Fokus vielleicht noch mehr auf attraktive Elektromobilität für eine Familie gelegt und das Heck wie beim Enyaq mit mehr Platz designt. Und dann fehlt da natürlich noch das Budget für Marketing, so gut wie niemand, selbst Freunde, die in der Automobilbranche arbeiten, kannten diese Marke oder dieses Logo.
Wir haben bei BYD und Co. gesehen, wie schwer das ist. Wenn man nicht „noch eine Elektro-Marke aus China“ sein möchte, dann muss man sich da irgendwie ein Image aufbauen. Doch davon abgesehen machte der G6 einen guten Eindruck im Alltag, diese Marke werde ich beobachten und vielleicht noch einmal testen.
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