Jung, farbig, abgelehnt: Airbnb geht gegen Diskriminierung vor

Die Wohnraumvermittlungsplattform Airbnb versucht mit einer neuen Richtlinie Diskriminierung von Reisenden durch Gastgeber auf der Plattform entgegenzuwirken. Verschiedene Berichte deuteten zuvor auf ein diesbezügliches Problem des Dienstes hin.

Die Plattform zur Vermittlung privater Übernachtungen Airbnb kämpft gegen Diskriminierung von Gästen durch die registrierten Gastgeber auf der Plattform. Zu diesem Zweck hatte sie bereits im September eine neue Richtlinie festgelegt und informiert nun nach und nach alle registrierten Nutzer über die Änderungen. Ab November müssen alle Mitglieder das Airbnb-Communitybekenntnis akzeptieren, wenigstens auf dem Papier. Darin heißt es unter anderem:

Du erklärst dich bereit, jeden – unabhängig von Rasse, Religion, Herkunft, Volkszugehörigkeit, einer Behinderung, Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung oder Alter – respektvoll, vorurteilsfrei und unvoreingenommen zu behandeln.

Zustimmung verpflichtend

Nun sind solche Passagen in den Nutzungsbedingungen von Onlinediensten allzu oft eher Lippenbekenntnisse der Betreiber. In diesem Fall müssen zumindest alle Nutzer die neue Richtlinie in der App abnicken. Verweigern sie dies, wird der Account stillgelegt und kann weder für eigene Reisen, noch als Gastgeber genutzt werden. Zuvor waren bereits verschiedentlich Berichte darüber aufgetaucht, dass es speziell in den Vereinigten Staaten zu einer weit verbreiteten Diskriminierung von Farbigen und Afroamerikanern durch die Gastgeber gekommen war.

Eine Studie der Harvard University deutet auf ein tiefergehendes Problem des Dienstes hin. Die Studie, in deren Rahmen über 6.000 Airbnb-Angebote untersucht wurden, zeigten einerseits, dass ethnische Minderheiten signifikant häufiger negative Antworten auf ihre Bewerbungen erhalten. Umgekehrt nehmen farbige Gastgeber deutlich weniger mit ihren Angeboten ein. Über vergleichbare Effekte in Deutschland ist nichts bekannt, sie sind allerdings durchaus nicht unwahrscheinlich.

Airbnb stand zuletzt in verschiedenen Metropolregionen unter Druck, da viele Gastgeber dazu neigen ihre Gebote kommerziell zu betreiben. Städte wie New York wollen den Dienst daher teilweise gerichtlich verbieten. Sie erklären, die Nutzung von Diensten wie Airbnb in der vorliegenden Weise läuft den Versuchen der Städte zuwider bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Tatsächlich zeigen stichprobenartig durchgeführte Beobachtungen Übernachtungspreise, die vielerorts nicht weit von gängigen Hotelsätzen entfernt liegen.

Dies ist nicht nur in Großstädten, sondern auch beliebten Urlaubsgebieten wie etwa entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste zu beobachten.

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